Ich habe jetzt auch nochmal die Antwort von Halbgott "halbgottt : „Faktisch belegt“ heißt nicht" hochgeladen.
Das Ergebnis folgt gleich. Mein Gedanke: Was passiert wenn ein Forum zukünftig KI eingebaut hat und Aussagen gleich prüft? Und was wenn jemand "Schreibe für Börsenforum einen positiven Beitrag zu Aktie ABC mit ...."?
Gruselig
Begründung abgeschlossen in 1 Schritt
Diese Nachricht ist defensiv, rhetorisch scharf und teilweise ausweichend. Inhaltlich enthält sie ein paar valide Punkte, aber sie verschiebt die Diskussion stark weg von der eigentlichen Frage: Wie belastbar ist die Investmentthese?
Kerneinschätzung
Der Autor reagiert auf Kritik an seiner These mit drei Linien:
„Ich habe nie Kausalität behauptet.“
Das ist formal richtig, wenn er wirklich nur gesagt hat: Kurs stieg während Insti-Käufen. Aber sein ursprünglicher Text legt trotzdem nahe, dass er die Käufe als wichtigen Treiber der Kursbewegung sieht. Sonst wäre der Vergleich mit früheren Kursverdopplungen/-verdreifachungen kaum relevant. In seinem Beitrag hieß es ja, dass der Kurs sich bei Käufen von 0,70 Mio. bzw. 2,5 Mio. Aktien stark bewegen konnte und dass heute erneut Käufe relevant sein könnten. [14 Gründe...nanzen.net]
„Meine These ist harmlos: nur +10 % möglich.“
Das ist ein rhetorisch guter Move: Er reduziert die Aussage auf eine sehr moderate Prognose. Ein +10 %-Szenario bei einem Nebenwert wirkt tatsächlich nicht extrem. Aber die vorherige Argumentation arbeitete mit sehr starken historischen Beispielen wie Verdopplung/Verdreifachung und Short-Eindeckungen. Dadurch entsteht ein bullischer Unterton, der stärker ist als „nur harmlose +10 %“. [14 Gründe...nanzen.net]
„Die Relativierung ist manisch/wahnwitzig.“
Das ist der schwächste Teil. Wer eine These relativiert, handelt nicht automatisch „manisch“. Gerade bei Börsenthesen ist Relativierung normal und wichtig. Der Begriff wirkt hier eher wie ein Gegenangriff auf Kritiker.
Was an der Nachricht nachvollziehbar ist
Er hat recht mit dem Punkt:
Plausibel heißt nicht beweisbar.
Eine These kann sinnvoll sein, ohne dass sie mathematisch oder kausal eindeutig bewiesen ist. Auch die Idee, dass institutionelle Käufe bei einer kleinen Aktie kursrelevant sein können, ist grundsätzlich plausibel. In der vorherigen Diskussion wurde ja auch festgehalten, dass das bei der BVB-Aktie aufgrund Marktkapitalisierung und begrenzter Liquidität möglich ist. [14 Gründe...nanzen.net]
Auch sein Hinweis auf weiter kaufende institutionelle Anleger ist grundsätzlich ein relevanter Datenpunkt. Wenn sich institutionelle Bestände erhöhen, kann das ein positives Signal sein — allerdings nur im Kontext: Wie groß sind die Käufe relativ zum Freefloat? Gibt es gleichzeitig Verkäufer? Wie entwickelt sich der fundamentale Ausblick?
Was problematisch ist
1. Er verteidigt sich gegen einen Vorwurf, der so nicht der Kern war
Die Kritik „faktisch belegt heißt nicht kausal belegt“ bedeutet nicht: „Du hast ausdrücklich Kausalität behauptet.“
Sie bedeutet: Aus der zeitlichen Nähe von Käufen und Kursanstieg folgt nicht automatisch, dass die Käufe der Hauptgrund waren.
Seine Antwort wirkt deshalb etwas ausweichend:
„Ich habe nirgends behauptet, dass es kausal belegt wäre.“
Das stimmt möglicherweise, löst aber das Problem nicht. Denn die Argumentation nutzt die historische Kursreaktion trotzdem als Stütze für eine heutige Erwartung.
2. Er stellt die eigene These kleiner dar, als sie wirkt
Wenn jemand schreibt:
früher 0,70 Mio. Aktien --> Kursverdopplung,
2,5 Mio. Aktien --> Kursverdreifachung,
heute könnten 3,8 Mio. Aktien Kaufnachfrage entstehen,
dann erzeugt das mehr Erwartung als nur:
„Vielleicht +10 %.“
Auch wenn er am Ende sagt, es gehe nicht um Verdopplung oder Verdreifachung, aktiviert die Argumentation genau diese Vergleiche.
3. „Manisch“ ist hier eher polemisch
Der Satz:
„Es hat was regelrecht wahnwitzig manisches, irgendwelche harmlosen Thesen hier noch und nöcher zu relativieren“
ist kein starkes Sachargument.
Es ist eher eine emotionale Abwertung der Gegenseite.
Sachlich wäre besser:
„Ich sehe die Kritik, aber meine These ist bewusst moderat: Ich behaupte keine Kausalität, sondern nur, dass anhaltende Nachfrage bei geringer Liquidität kursstützend wirken kann.“
Das wäre wesentlich überzeugender.
Kurzfazit
Die Nachricht ist nicht unsinnig, aber sie ist stark defensiv und rhetorisch aufgeladen.
Der Autor hat recht, dass seine +10 %-These nicht extrem ist. Aber er ignoriert, dass seine Argumentation durch die historischen Verdopplungs-/Verdreifachungsbeispiele deutlich bullischer wirkt. Die Kritik an fehlender Kausalität bleibt daher berechtigt.
Meine Einschätzung:
Die Antwort versucht, eine spekulative bullische These als fast völlig harmlose Beobachtung darzustellen. Das gelingt nur teilweise. Sachlich bleibt die These plausibel, aber nicht belastbar bewiesen. Die Verwendung von „manisch“ gegenüber Kritikern wirkt überzogen.