BYD-Aktie: Absatzzahlen überzeugen - ist das die Wende im Kurs?
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
In China schwächelt BYD, doch im Ausland explodieren die Verkäufe. Jetzt greift der Tesla-Rivale Europa frontal an und genau das könnte der Aktie neue Fantasie geben.
Für dich zusammengefasst:
BYD verkaufte im Juni weltweit 403.472 Fahrzeuge.
Die Auslandsverkäufe stiegen um 94,7 Prozent.
Europa wird für BYD ein strategischer Angriffspunkt.
BYD steht an einem Wendepunkt. Während der chinesische Heimatmarkt schwächelt, dreht der Elektroauto-Riese im Ausland plötzlich auf. Nach Berechnungen von Reuters stiegen die weltweiten Verkäufe im Juni um 5,5 Prozent auf 403.472 Fahrzeuge. Noch wichtiger: Die Auslandsverkäufe schossen um 94,7 Prozent auf 175.349 Fahrzeuge nach oben.
Genau hier liegt die neue Story für Anleger. Denn in China selbst läuft es weiterhin schlecht. Dort gingen die Verkäufe um 22 Prozent zurück. Der Preiskampf bleibt brutal, Subventionen laufen aus, hohe Lagerbestände belasten die Händler. Der chinesische Pkw-Verband erwartet für dieses Jahr inzwischen sogar einen Rückgang der Autoverkäufe um elf Prozent.
Doch BYD hat einen Ausweg: Europa und der Rest der Welt. Die Verkäufe in Europa stiegen im vergangenen Jahr um 270 Prozent auf fast 188.000 Fahrzeuge. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben sie sich bereits mehr als verdoppelt und liegen nun bei mehr als 100.000 Einheiten. Damit wird Europa für BYD nicht nur ein Absatzmarkt, sondern ein strategischer Angriffspunkt.
Besonders brisant: BYD steht offenbar kurz vor einer Entscheidung über ein zweites europäisches Werk. Nach dem Standort in Ungarn könnten Spanien oder Frankreich folgen. Dabei geht es nicht zwingend um einen Neubau, sondern um die Übernahme eines bestehenden Werks. Das würde BYD helfen, schneller lokal zu produzieren, Zölle zu umgehen und die geplanten "Made in Europe"-Regeln besser zu erfüllen.
Für Europas Autobauer ist das ein Alarmsignal. BYD kommt nicht als kleiner Herausforderer, sondern mit Größe, Technologie, aggressiven Preisen und wachsender Produktion. Der Sonderberater für Europa, Alfredo Altavilla, brachte es gegenüber Reuters drastisch auf den Punkt: Der Versuch, diese chinesische Offensive aufzuhalten, sei "völlig sinnlos".
An der Börse könnte genau daraus wieder Fantasie entstehen. BYD leidet zwar unter der Schwäche in China und dem harten Preiskampf. Aber das Exportwachstum zeigt: Die Wachstumsstory ist nicht vorbei, sie verlagert sich nur. Wenn Europa, Lateinamerika und weitere Auslandsmärkte den Rückgang in China auffangen, könnte die Aktie neu bewertet werden.
BYD bleibt riskant, aber die Story wird wieder spannender. Der chinesische Heimatmarkt ist ein Problem, doch das Ausland wird zum Rettungsanker. Wer auf eine globale Elektroauto-Offensive aus China setzt, kommt an BYD kaum vorbei. Die Aktie ist keine sichere Wette – aber nach dem Kursrückgang könnte die Auslandsdynamik genau der Funke sein, den Anleger gesucht haben.
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