United Internet vorsichtiger
Die Beteiligung an Freenet kam United Internet im zweiten Quartal teuer zu stehen. Dennoch schaffte der Internetdienstleister zweistellige Zuwächse. Für das Gesamtjahr schraubte das Unternehmen aber die Umsatzprognose zurück.
Aufgrund negativer Währungseffekte sowie eines schwächeren Online-Werbegeschäfts werde für 2008 nun mit einem Umsatzplus von 16 Prozent gerechnet, sagte Finanzvorstand Norbert Lang am Mittwochvormittag. Zuvor hatte United Internet ein Wachstum von 20 Prozent erwartet. Die Prognose für operatives Ergebnis und Gewinn beließ das TecDax-Unternehmen unverändert. Diese sollen um ein Fünftel zulegen.
Der TecDax-Titel drehte nach der Prognosekorrektur ins Minus und brach um bis zu 13,5 Prozent ein. Die Quartalszahlen waren zuvor noch gnädig aufgenommen worden.
Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um 14,2 Prozent auf 412,4 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) legte um 12,6 Prozent auf 88,6 Millionen Euro zu. Unter dem Strich blieben 45,2 Millionen Euro in der Kasse, ein Plus von 14 Prozent, teilte United Internet am Dienstagabend mit. Von dpa-AFX befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 416,4 Millionen Euro und einem Überschuss von 50 Millionen Euro gerechnet.
Freenet-Beteiligung belastet
United Internet will die Konsolidierung der Telefonbranche forcieren und hat sich dazu neben Freenet bei Versatel und Drillisch eingekauft. Die Beteiligungen schmälerten indes das Quartalsergebnis um 20,2 Millionen Euro, was unter anderem mit höheren Zinszahlungen für Kredite zusammenhängt. Inzwischen sei Freenet aber keine strategische Beteiligung mehr, erklärte Dommermuth in Frankfurt.
Zuletzt war der Konflikt zwischen den Unternehmen eskaliert. Auf der Hauptversammlung von Freenet am vergangenen Freitag waren United Internet und der Mobilfunkprovider Drillisch mit ihrem Versuch gescheitert, das Management auszuwechseln. "Die Abstimmungsniederlage hatten wir nach Gesprächen im Vorfeld so erwartet", erklärte UI-Chef Ralph Dommermuth gegenüber boerse.ARD.de. Zwar will er von einem Machtkampf mit Freenet-Chef Eckhard Spoerr nichts wissen, schiebt ihm aber die Schuld für die emotionale Inszenierung der HV zu. "Spoerr hat nur Schlagworte wie Gut und Böse verwendet und von der Gefahr einer Zerschlagung durch Unted Internet geredet. Das ist Quatsch!"
"Bleibt Spoerr, steigen wir aus" Dommermuth geht dennoch davon aus, dass Freenet-Chef Eckhard Spoerr sein Amt bis zum Jahresende aufgeben wird. "Wenn er dauerhaft bleiben würde, dann würden wir aussteigen", sagte Dommermuth am Mittwoch. Spoerr sei der falsche Mann und habe nicht das Vertrauen des Kapitalmarkts und der Mitarbeiter. Dommermuth glaubt nicht, dass er den Aktienkurs wieder nach oben bringt.
Finanzvorstand Norbert Lang sieht nun die Großaktionäre von Freenet, Hermes und Permira, in der Verantwortung. Sie müssten nun auf einen baldigen Verkauf der DSL-Sparte bis zum Jahresende drängen. Wie viel UI bereit wäre, für das DSL-Geschäft zu zahlen, ließ Dommermuth offen.
Interesse an Hansenet Selbst wenn United Internet nicht zum Zuge kommen sollte, sieht Dommermuth weitere Möglichkeiten, an der Konsolidierung der Telekom-Branche teilzuhaben. So zeigte der Internet-Vorzeigeunternehmer Interesse an der Telecom-Italia-Tochter Hansenet. Laut Presse steht Hansenet angeblich vor dem Verkauf. Hansenet sei wegen der größeren Kundenbasis interessanter als das DSL-Geschäft von Freenet, erklärte Dommermuth. Insgesamt ist Dommermuth nicht bange. Da es derzeit weniger Käufer als Verkäufer gebe, werde es bei der Konsolidierung künftig eher günstig als teuer.
DSL-Markt kühlt ab United Internet, das die Angebote 1&1 GMX und Web.de betreibt, ist zwar der nach der Telekom zweitgrößte DSL-Anbieter, besitzt aber kein eigenes Netz. Der harte Preiskampf auf dem DSL-Markt droht auch das Geschäft von United Internet zu bremsen. Das Unternehmen aus Montabaur gewann im zweiten Quartal 60.000 neue DSL-Kunden und blieb damit hinter den Erwartungen und deutlich hinter dem Zuwachs im ersten Quartal zurück. "Im zweiten Quartal haben sich die Leute mehr Gedanken über die Kosten der Tankfüllung als über einen neuen DSL-Vertrag gemacht", sagte Dommermuth dazu gegenüber boerse.ARD.de. Auch für das zweite Halbjahr sieht der UI-Chef keine Wende zum Besseren. Er rechnet mit 120.000 DSL-Neukunden - 50.000 weniger als im ersten Halbjahr.
Online-Werbegeschäft schwächelt Auch im Online-Werbegeschäft sind die goldenen Zeiten vorerst vorbei. Die Konjunkturabkühlung in Großbritannien, Frankreich und Spanien bremste das Wachstum der Online-Marketing-Tochter Adlink. Die Online-Werbebudgets seien auf das Niveau von Anfang der 90er Jahre zurückgegangen, erklärte Dommermuth vor der Presse in Frankfurt.
Im Portalgeschäft konnte United Internet dagegen die Werbeerlöse deutlich steigern. Das Wachstum lag bei rund 30 Prozent.
Webhosting bleibt wichtige Stütze Profitiert hat die Gesellschaft im abgelaufenen Quartal auch vom Webhosting-Geschäft, der Betreuung von Internetseiten. United Internet gehört in diesem Bereich zu den weltweit führenden Anbietern und baut seine Position weiter aus.
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