FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Internetdienstleister United Internet hat auf seiner
Hauptversammlung am Dienstag in Frankfurt den Ausblick für das Geschäftsjahr
2008 bestätigt und dabei Raum für eine Erhöhung der eigenen Schätzungen
gelassen. Zudem bekräftigte die Unternehmensführung ihr Interesse an weiteren
Zukäufen. Die United-Internet-Aktie gewann am Nachmittag in einem etwas
schwächeren Gesamtmarkt 4,02 Prozent auf 13,97 Euro.
Vorstandschef Ralph Dommermuth und Finanzvorstand Norbert Lang versicherten,
dass United Internet in diesem Jahr Umsatz, operativen Gewinn (EBITDA) und
Gewinn je Aktie um jeweils 20 Prozent steigern werde. Diese Prognose gelte auch
nach der jüngsten Gewinn- und Umsatzwarnung der Online-Vermarktungstochter
AdLINK, betonte Lang und versicherte, das Unternehmen verdiene in jeder der drei
Produktlinien, im In- und Ausland.
ZIELERHÖHUNG NACH HALBJAHRESZAHLEN?
United Internet sei im bisherigen Verlauf des Jahres 2008 'sehr gut unterwegs'
und werde seinen Erfolgskurs fortsetzen, sagte Dommermuth. Für eine Erhöhung der
Prognosen sei es aber noch zu früh, bemerkte Dommermuth, der auch Großaktionär
des Unternehmens ist. Branchenkenner erwarten eine Anhebung der Ziele nach
Bekanntgabe der Halbjahreszahlen.
Wie lange das derzeitige Wachstum von rund 20 Prozent pro Jahr anhalte, sei
unklar, sagte Dommermuth. Die derzeitigen Wachstumstreiber DSL und Akquisitionen
dürften irgendwann wegfallen, wenn der DSL-Markt gesättigt sei und sich die
Branche konsolidiert habe. Dann werde sich United Internet noch stärker darauf
konzentrieren, der Konkurrenz Kunden abzujagen. Bereits heute kämen rund 50
Prozent der Neukunden vom Wettbewerb.
FREENET: VERSATEL UND ALICE IM VISIER
Der Unternehmenslenker erneuerte sein Interesse, die Konsolidierung der Branche
aktiv voranzubringen. Das DSL-Geschäft von Freenet und Versatel seien nach wie
vor interessant. Auch der DSL-Anbieter Alice wäre 'irgendwann mal' ein
interessanter Übernahmekandidat. United Internet werde sich die zum Verkauf
stehenden Aktivitäten anschauen und akquirieren, wenn der Preis stimme. Die
Gesellschaft hält bereits gut 25 Prozent an Versatel und ist gemeinsam mit
Drillisch zu 26,33 Prozent an Freenet beteiligt.
Zu dem gerichtlich abgelehnten Versuch der Montabaurer, die Debitel-Übernahme
durch Freenet zu verhindern, sagte Lang, sobald eine schriftliche Begründung
vorliege, werde United Internet gemeinsam mit Drillisch das weitere Vorgehen
prüfen. Die nächste Stufe wäre dann das Berufungsverfahren, fügte er hinzu.
KRITIK AN VORRATSBESCHLUSS ZU DERIVATEN
Die wenige Kritik der Aktionäre richtete sich vor allem auf einen
Ergänzungsantrag zum geplanten Rückkauf eigener Aktien. Demnach will sich der
Vorstand das Recht einräumen, eigene Papiere unter anderem auch über den Einsatz
von Eigenkapitalderivaten zu erwerben.
Dies sei gefährlich und er halte es vor dem Hintergrund eines möglichen
Insiderhandelsverdachts sogar fast für rechtswidrig, sagte Lars Labryga von der
Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Der Vertreter der Deutschen
Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sieht das Risiko hoher Verluste durch die
Hebelwirkung dieser Instrumente. Gingen solche Geschäfte drei Mal gut, könnte
das Unternehmen immer risikoreicher agieren und dann mal schnell Millionen
verlieren, sagte er. Beide Aktionäre kündigten ihren Widerstand gegen den Antrag
an, der letztlich mit Zustimmungsquote von 99,5 Prozent durchging./edh/tw