United Internet wehrt sich
„Freenet-Chef hat uns hinters Licht geführt“
Von Jens Koenen
Der Internet-Anbieter United Internet (UI) will die Übernahme des Mobilfunkers Debitel durch den Konkurrenten Freenet blockieren. "Wir haben einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt, die die Ausgabe neuer Aktien zur Finanzierung des Debitel-Kaufs unterbinden soll", sagte Ralph Dommermuth, der Vorstandsvorsitzende von United Internet, dem Handelsblatt. Der Unternehmer äußerte sich erstmals öffentlich zu seiner gescheiterten Übernahme von Freenet.
Freenet. übernimmt von Permira den Wettbewerber Debitel und hat Ihren Plan einer Übernahme zerstört. Haben Sie Freenet-Chef Eckhardt Spoerr unterschätzt?
Unterschätzt ist das falsche Wort. Ich habe ihn falsch eingeschätzt. Nach meinem Gespräch mit Herrn Spoerr hat mich unser Partner Drillisch gefragt, ob er es denn ernst meine. Ich antwortete: Woran soll ich das erkennen? Er hatte wenigstens mal keine lange Nase.
Wie weit waren Sie denn in Ihren Gesprächen mit Freenet-Chef Spoerr?
Es gab beiderseitige Ad-hoc-Mitteilungen über die Wiederaufnahme der Gespräche, der Freenet-Finanzvorstand hatte schriftlich zugesagt, innerhalb von drei Wochen Details zum DSL-Geschäft zu schicken, und Herr Spoerr hatte mit mir mögliche Abfindungsregelungen für den Fall seines Ausscheidens diskutiert.
Was hat Herr Spoerr Ihrer Meinung nach mit der ganzen Aktion bezweckt?
Dazu müssen Sie ihn selber fragen.
Vielleicht hat er ja ihre Offerte genutzt, um bei Debitel bessere Konditionen herauszuschlagen?
Das weiß ich nicht. Wenn es so war, dann hoffe ich, dass er seine durch unser Auftreten gestärkte Verhandlungsposition fürs Unternehmen genutzt hat und nicht für sein persönliches Package.
War denn nicht irgendwann absehbar, dass das Freenet-Management eine andere Lösung will?
Am 7. April hatte ich ein angenehmes Telefonat mit Herrn Spoerr. Er erklärte, dass er unser Konzept zu den 14 Euro je Aktie benötige, die ich unter gewissen Bedingungen in Aussicht gestellt hatte. Er habe Druck aus dem Aufsichtsrat, den Debitel-Deal abzuschließen. Das war für mich durchaus nachvollziehbar, eines der Mitglieder ist als Berater für Permira tätig. Kurz darauf gab es einen Medienbericht, in dem eine Sprecherin von Freenet dahingehend zitiert wurde, dass ein potenzielles Übernahmeangebot für 12,80 Euro, das so wörtlich an "ungewöhnliche Bedingungen" geknüpft sei, keine ernsthafte Handlungsoption für Freenet darstelle.
Was geschah dann?
Wir haben die 14 Euro je Aktie klargestellt und Freenet aufgefordert, uns zu bestätigen, dass es sich bei den Äußerungen der Sprecherin um ein Missverständnis handelte und die Verhandlungen fortgesetzt würden. Als Antwort kam, es läge kein verbindliches Angebot vor, deshalb hätte man keine Handlungsalternativen. Da haben wir gemerkt: Hier wird nicht ehrlich gespielt.
So etwas ist doch heutzutage Teil eines normalen Verhandlungspokers. Warum haben Sie nicht einfach ein ordentliches Angebot gemacht?
Dazu waren wir bereit, Basis sollte die vereinbarte Überlassung wesentlicher Kennzahlen sein. Diese wurden mehrfach in Aussicht gestellt, aber nicht geliefert.
Warum haben Sie es nicht mit einer feindlichen Offerte am Management vorbei versucht?
Das passt nicht zu unserer Kultur. Hätte Herr Spoerr mich nicht am Vortag unseres Treffens aktiv angerufen oder hätte er von Anfang gesagt, dass er keine Übernahme will, dann hätten wir uns die ganze Mühe gespart.
Ist die Übernahme des Mobilfunkers Debitel aus der Sicht eines Freenet-Aktionärs wirklich so schlimm?
Man muss zwei Themen trennen. Einerseits ist unser Übernahmeversuch gescheitert. Herr Spoerr hat uns hinters Licht geführt. Damit ist das Thema für mich durch. Andererseits hat United Internet wie andere Freenet-Aktionäre ein Interesse daran, dass sich die Aktie positiv entwickelt, nicht weiter an Wert verliert.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: "Permira lädt eine ,lahme Ente' ab"
Droht denn so etwas?
Das Mobilfunkgeschäft bei Freenet ist rückläufig, im letzten Jahr fiel der Umsatz um elf Prozent. Bei Debitel sieht es ähnlich aus, ohne Zukäufe wären die Umsätze gesunken. Wo liegt denn da die Phantasie? Der Kapitalmarkt hat sehr negativ reagiert.
Für wen ist die Transaktion dann überhaupt sinnvoll?
Für Permira. Sie laden ihre "lahme Ente" bei den Freenet-Aktionären ab. Permira hat Erfahrungen in der Zusammenführung von Mobilfunkfirmen, im letzten Jahr wurden Talkline und Dug erworben. Wenn es mit Freenet eine große gemeinsame Zukunft gäbe, dann hätte Permira nicht Debitel verkauft, um sich anschließend mit knapp 25 Prozent der Freenet-Aktien zu begnügen. Stattdessen hätten sie 2007 den Mobilfunkbereich von Freenet erworben und zu 100 Prozent vom kombinierten Geschäft profitiert. Dramatisch ist, dass Freenet unter diesen negativen Vorzeichen 1,2 Milliarden Euro Schulden übernimmt und mit seinem Geschäft für die Debitel-Verbindlichkeiten haftet.
Was werden Sie nun als Freenet-Aktionär tun?
Wir haben einen Einstweilige Verfügung beantragt, die die Ausgabe neuer Aktien zur Finanzierung des Debitel-Kaufs unterbinden soll. Wir wollen im Interesse aller Freenet-Aktionäre den Debitel-Deal verhindern.
Werden Sie bei der Hauptversammlung von Freenet versuchen, eine Neubesetzung des Aufsichtsrates durchzusetzen?
Die Hauptversammlung ist überfällig. Sie sollte ursprünglich am 15. Mai stattfinden, wurde aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Wir werden darauf drängen, dass jetzt endlich zur ordentlichen Hauptversammlung eingeladen wird. Sobald der Termin absehbar ist, werden wir uns konkrete Gedanken machen. Auf alle Fälle sollte dort über die ausgefallene Dividende für 2007 gesprochen werden. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Freenet verzögert die Hauptversammlung bis die neuen Aktien für Permira geschaffen wurden, damit ein neuer Großaktionär, der für 2007 nicht dividendenberechtigt ist, über den Ausfall der Dividende mitentscheiden kann. Die Freenet Aktionäre sind unglücklich und das wird sich bei der kommenden Hauptversammlung artikulieren.
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