Jaja... ich weiß, schon wieder DAS Thema! Aber immer wieder interessant!
gesehen bei: www.zeit.de/online/2008/19/...debitel-united-internet?from=rss
Freenet im Überlebenskampf
Von Thomas Hammer | © ZEIT online 30.4.2008 - 11:38 Uhr
Der Mobilfunkdienstleister Freenet hat den Konkurrenten Debitel übernommen, um sich selbst zu retten. Nun sitzt Freenet auf einem Schuldenberg - keine gute Basis für ein florierendes Geschäft, findet der Querdax
Wer kennt es nicht, das Märchen vom Hasen und vom Igel: Der Hase rennt und rennt – aber immer, wenn er das Ziel erreicht, ist der Igel schon da. Ähnlich geht es derzeit auch beim Internet- und Mobilfunkanbieter Freenet zu. In einem hochriskanten Deal hat das Unternehmen den Konkurrenten Debitel geschluckt. Freenet-Chef Ekkehard Spoerr verheißt, durch die Übernahme werde der mit rund 19 Millionen Kunden drittgrößte Mobilfunkanbieter Deutschlands entstehen.
In Wirklichkeit geht es für Freenet darum, als unabhängige Firma zu überleben. Der Kauf des fast doppelt so großen Wettbewerbers Debitel ist ein verzweifelter Schachzug, um die drohende Zerschlagung des eigenen Unternehmens zu verhindern. Denn Freenet ist selbst ein Übernahmekandidat: Der Internetkonzern United Internet hatte sich mit dem Mobilfunkanbieter Drillisch verbündet, um Freenet zu kaufen. Anschließend sollte das DSL-Geschäft an United Internet und die Mobilfunksparte an Drillisch gehen. Nur für Freenet-Chef Spoerr wäre in diesem Planspiel kein Posten vakant gewesen.
Vordergründig ist Spoerr nun der Gewinner. Er hat nicht nur das Kommando über Freenet zurückerobert, sondern kann noch dazu hochfliegende Zukunftspläne verkünden. Scheinbarer Verlierer ist United Internet, dessen Chef Ralph Dommermuth sich nun möglicherweise mit Verlust von seiner zusammen mit Drillisch gehaltenen Freenet-Beteiligung trennen muss.
Doch bei näherer Betrachtung sieht die Lage anders aus. Ob Spoerr seinen Job durch die Übernahme von Debitel seinen Job langfristig retten kann, ist zweifelhaft. Denn ein großer Teil des Kaufpreises für Debitel, immerhin 1,6 Milliarden Euro, soll durch Schulden finanziert werden – angesichts des Freenet-Vorsteuergewinns von 164 Millionen Euro im Jahr 2007 ist das nicht unbedingt eine solide Finanzierung.
Besonders bitter für die Aktionäre ist, dass Freenet in der Konsequenz schon mal die Dividende ausfallen lassen will. Der Finanzinvestor Permira, der Spoerr derzeit noch unter die Arme greift, will denn auch so schnell wie möglich aussteigen. Dann jedoch könnte das hochverschuldete Unternehmen schnell zum Spielball der Aktienzocker werden.
Dommermuth seinerseits hat zwar für den Moment den Zukauf eines attraktiven DSL-Kundenstamms verpasst. Positiv zu bewerten ist jedoch, dass für ihn die ökonomische Vernunft offenbar wichtiger ist als Wachstum um jeden Preis. Die Geduld beim Warten auf gute Gelegenheiten hat er übrigens schon in früheren Geschäften unter Beweis gestellt. Seine Aktionäre sind Miteigentümer eines profitablen und solide finanzierten Unternehmens.
Wer als Aktienanleger vor der Frage steht, ob Freenet oder United Internet die bessere Wahl ist, sollte sich nicht von kurzfristigen Erfolgen im Hahnenkampf der Firmenbosse blenden lassen. Entscheidend für den Erfolg ist die langfristige Unternehmensstrategie, und die sieht für Freenet eher düster aus. Das Unternehmen besitzt kein eigenes Netz und wird gedrückt von hohen Schulden. Es leidet unter dem Preiskampf im Mobilfunkmarkt und der immer schärferen Konkurrenz durch Internet- und Supermarktdiscounter. All dies spricht nicht für die Aktie.
United Internet kann hingegen nun in aller Ruhe abwarten, wie es mit dem Konkurrenten weitergeht – und sich möglicherweise am Ende als der wahre Gewinner erweisen. Je mehr die Schulden drücken, umso höher wird der Druck auf Freenet, seine DSL-Sparte zu verkaufen. Dann aber werden die Verkäufer nicht mehr den Preis diktieren können. Eines nicht allzu fernen Tages könnte sich United Internet die DSL-Kunden von Freenet zum Ausverkaufspreis sichern.
Gruss vom TecNicker, der sich auch eine andere Aktionärsstruktur wünscht
stay looong (weil zu später Absprung)