FRANKFURT (dpa-AFX) - Angesichts spürbar erholter US-Börsen hat sich der deutsche Aktienmarkt am Montag nach anfänglich größeren Verlusten etwas stabilisiert. Die weiterhin angespannte Lage im Nahen Osten und die wieder größer werdenden Zinsängste drückten aber auf die Stimmung der Anleger. Der Dax büßte letztlich 0,58 Prozent auf 24.616,22 Punkte ein, zuvor sackte er um bis zu 1,3 Prozent ab. Damit rutschte er unter die 21-Tage-Linie, die als Indikator für den kurzfristigen Trend gilt. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen ging 1,05 Prozent tiefer mit 32.125,47 Zählern aus dem Handel.
Für dich zusammengefasst:
Dax fiel um 0,58 Prozent auf 24.616,22 Punkte.
MDax ging mit 32.125,47 Zählern 1,05 Prozent tiefer aus.
In New York stieg der Dow Jones um etwa 0,3 Prozent.
Am vergangenen Freitag sorgte ein unerwartet robuster US-Arbeitsmarktbericht für einen massiven Abverkauf vor allem bei den Technologiewerten, die nun zu Wochenbeginn aber wieder spürbar zulegten. "Eine viel zu heiße Beschäftigung in den USA schürt panische Angst vor einer hartnäckigen Inflation und zerstört jegliche Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der Fed völlig", kommentierte Marktexperte Tim Ritschar vom Broker ActivTrades. Stattdessen spekulieren die Anleger über einer Zinserhöhung der US-Notenbank, auch die Europäische Zentralbank könnte bereits am Donnerstag den Leitzins anheben.
Außerdem belastete eine erneute Eskalation im Nahost-Krieg. Der Iran und Israel überzogen sich erstmals seit Inkrafttreten einer Waffenruhe im April wieder gegenseitig mit Angriffen. "Die Börsen gehen aktuell davon aus, dass diese neue Eskalation nur kurzfristig sein wird", stellte Marktanalyst Thomas Altmann von QC Partners fest. Zur moderaten Reaktion der Anleger habe auch beigetragen, dass US-Präsident Donald Trump versuche, deeskalierend einzuwirken. Trump versicherte, dass weiter an einer baldigen Lösung des Konflikts gearbeitet werde. Sowohl der Iran als auch Israel wollen ihre Angriffe wieder einstellen.
Auf europäischer Ebene stagnierte der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schlussendlich bei rund 6.062 Punkten. Auch der Londoner FTSE 100 bewegte sich kaum, der Züricher SMI verlor ein halbes Prozent. In New York stieg der Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss um rund 0,3 Prozent. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 erholte sich sogar um mehr als zwei Prozent.
Bei den Unternehmen wurden die zinssensiblen Immobilienwerte aufgrund der zunehmenden Zinsangst gemieden. So verbuchten die Aktien von Vonovia (Vonovia Aktie) , TAG , Aroundtown und LEG Kursabschläge zwischen 2,4 und 6,8 Prozent.
Wegen der angespannten Lage in Nahost waren auch die Aktien aus dem Luftfahrt- und Reisesektor nicht gefragt. Die Papiere von Airbus , Tui und Lufthansa verzeichneten Kursverluste zwischen 1,2 und 1,9 Prozent.
Nach dem jüngsten Ausverkauf unternahmen die Aktien aus dem Halbleitersektor dagegen einen Stabilisierungsversuch. Infineon (Infineon Aktie) stiegen als Teil der Spitzengruppe im Dax um 1,2 Prozent, nachdem sie zuletzt unter Gewinnmitnahmen gelitten hatten und um bis zu 16 Prozent von ihrem jüngst erreichten Hoch seit dem Jahr 2000 abgesackt waren. Die Titel der Chipindustrie-Ausrüster Aixtron , Siltronic (Siltronic Aktie) und PVA Tepla gewannen zwischen 3,3 und 5 Prozent.
Die Chemiewerte litten derweil unter einer Analystenstudie. BASF (BASF Aktie) , Symrise , Evonik und Lanxess (Lanxess Aktie) gaben zwischen 0,8 und 6,3 Prozent nach. Analystin Georgina Fraser von der US-Investmentbank Goldman Sachs hatte einige Branchenaktien abgestuft, da sie einen neuerlichen Abschwung für Europas Chemiebranche befürchtet.
Die Aktien von CTS Eventim büßten 5,3 Prozent ein. Die Investmentbank Exane BNP hatte die Titel des Ticketvermarkters und Veranstalters auf "Underperform" abgestuft. Analyst Christoph Blieffert erwartet ein sich änderndes Geschäftsumfeld am deutschen Ticketing-Markt.
Die Titel der Porsche AG reagierten mit einem Kursplus von 2,3 Prozent auf eine Kaufempfehlung der Schweizer Großbank UBS. Der Turnaround des Sportwagenbauers zu alter Stärke dürfte zwar noch Jahre dauern, jetzt sei allerdings der richtige Zeitpunkt zum Einstieg gekommen, schrieb Analyst Patrick Hummel.
Für die Aktien von Friedrich Vorwerk ging es im Kleinwerte-Index SDax nach ihrem vorigen Kursrutsch um 3,4 Prozent nach oben. Analyst Leon Mühlenbruch von MWB Research gab seine Verkaufsempfehlung für den Pipeline- und Anlagenbauer auf. Die überzogenen Erwartungen seien auf ein realistischeres Niveau korrigiert worden./niw/jha/
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