- TKMS hat IPO erfolgreich mit 66,20 Euro gestartet.
- TK Elevator und KNDS planen Börsengänge 2026.
- Raisin und Celonis zählen zu den Start-ups mit IPO-Potenzial.
- KI-Boom schwächelt - 5 defensive Top-Picks für 2026! (hier klicken)
Nicolas Fuchs
Nicolas Fuchs
2025 war erneut ein Jahr der Zurückhaltung an den Kapitalmärkten. Vor allem im Segment der Neuemissionen. Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, hohen Finanzierungskosten und selektivem Anlegerinteresse ließ viele Börsenpläne auf Eis legen. Doch für 2026 zeichnet sich ein Stimmungsumschwung ab: Laut Investmentbanken und Finanzberatern könnten mehrere milliardenschwere Börsengänge das Vertrauen in den Primärmarkt sowohl im Bereich etablierter Industriekonzerne als auch bei technologiegetriebenen Start-ups wiederherstellen.
Ein möglicher Wendepunkt war die erfolgreiche Platzierung von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) Ende 2025. Mit einem Kurs über dem Ausgabepreis und der raschen Aufnahme in den MDax setzt das Unternehmen neue Maßstäbe für IPOs im sicherheitsrelevanten Industriesektor. Die Erfolge von TKMS nähren die Hoffnung auf weitere Großplatzierungen, darunter Schwergewichte wie TK Elevator, KNDS oder wachstumsstarke Tech-Firmen wie Celonis und Helsing.
Die ehemalige Aufzugsparte von Thyssenkrupp (ThyssenKrupp Aktie), TK Elevator, steht bei den IPO-Ambitionen für 2026 weit oben auf der Liste. Die Eigentümer, die Finanzinvestoren Advent und Cinven, führen bereits Gespräche mit Banken über die Platzierung. Das Unternehmen könnte laut Finanzkreisen mit bis zu 20 Milliarden Euro bewertet werden – ein Volumen, das zu den größten Börsengängen in Europa seit Jahren zählen würde. Die Finanzberatung liegt bei den Boutique-Banken Rothschild und Lilja.
TK Elevator gilt als gut positioniert: Mit einem weltweit diversifizierten Geschäftsmodell, solider EBITDA-Marge und der fortschreitenden Urbanisierung als langfristigem Wachstumstreiber, sehen Marktbeobachter Potenzial für eine erfolgreiche Emission.
Auch im Verteidigungssektor steht ein großer Börsengang an: Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS, bekannt für die Produktion des Kampfpanzers Leopard 2, will 2026 ebenfalls an die Börse mit einem Doppellisting in Frankfurt und Paris. Ziel ist eine Bewertung von rund 20 Milliarden Euro. Mit den Erlösen sollen Fertigungskapazitäten ausgebaut und die europäische Verteidigungsfähigkeit gestärkt werden.
Der Börsengang kommt zu einer Zeit, in der Verteidigungswerte bei institutionellen Anlegern insbesondere angesichts des NATO-Aufrüstungsziels von 2 % des BIP und wachsender globaler Unsicherheiten wieder stark nachgefragt sind.
Ein weiterer Kandidat ist die Autoanzeigenplattform Mobile.de. Das Portal, das zu den größten Marktplätzen für Gebrauchtwagen in Deutschland zählt, wird derzeit mit rund 10 Milliarden Euro bewertet. Die Private-Equity-Eigentümer Blackstone und Permira bevorzugen laut Brancheninsidern einen Börsengang, obwohl auch Prosus Interesse an einer Übernahme signalisiert hat.
Das Berliner Fintech Raisin hat sich mit seiner Plattform für Tages- und Festgeldprodukte im europäischen Sparermarkt etabliert. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen ein EBITDA von 34 Millionen Euro, was einem Wachstum von 69 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Raisin wird von Investoren wie Goldman Sachs unterstützt. Ein Börsengang in Frankfurt gilt als wahrscheinlich.
GetYourGuide, die Reiseerlebnisplattform aus Berlin, hat im Oktober 2025 bekannt gegeben, profitabel auf EBITDA-Basis zu wirtschaften. Der Umsatz soll 2026 die Marke von einer Milliarde Euro überschreiten. Ein Börsengang wird eher in New York erwartet, was dem internationalen Wachstumsfokus des Unternehmens entspricht.
Der Prozessmining-Spezialist Celonis war lange das wertvollste Start-up Deutschlands mit einer Bewertung von bis zu 13 Milliarden Dollar. Zwar wurde der für 2024 angedachte Börsengang verschoben, doch 2026 könnte die Wall Street nun das Ziel werden. Die Konkurrenz durch neue Tech-Player wie Helsing und Trade Republic zeigt allerdings, wie dynamisch das Bewertungsumfeld ist.
Die Rüstungs-Start-ups Helsing (KI-Systeme) und Quantum Systems (Drohnenlösungen) gehören zu den sogenannten „Neo-Primes“. Diese challengen traditionelle Großkonzerne wie Rheinmetall (Rheinmetall Aktie) bei Großaufträgen. Mit 12 Mrd. (Helsing) bzw. 3 Mrd. Euro (Quantum Systems) bewertet, befinden sich beide in der Pre-IPO-Phase. Eine Kapitalerhöhung 2026 könnte den Weg für ein IPO 2027 ebnen.
Zusätzlich werden folgende Firmen regelmäßig als IPO-Kandidaten genannt:
Deepl (KI-Übersetzungssoftware, Köln)
Flix Mobility (Fernbus- und Bahnanbieter)
Neura Robotics (Robotikplattform, AI-gestützt)
Bitpanda (Handelsplattform für digitale Assets, Wien)
Sumup (Fintech, mit Sitz in London – möglicherweise Börsengang in Europa statt USA)
Der U-Boot- und Fregattenhersteller Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) notiert zum Jahresbeginn 2026 bei 66,20 Euro – rund 10 % über dem Ausgabepreis von 60 Euro. Besonders positiv wirkte sich der schnelle MDax-Aufstieg am 22. Dezember 2025 aus, der zu ETF-basierten Kapitalzuflüssen führte.
Ein weiterer Kurstreiber war der Abschluss eines Rahmenvertrags für Schwergewichtstorpedos, der die Marktstellung im konventionellen U-Bootbau festigt. Mit einer EBIT-Marge von 6 % übertrifft TKMS deutlich das Konzernergebnis der Muttergesellschaft Thyssenkrupp AG.
Für 2026 rückt das sogenannte „Canadian Patrol Submarine Project“ in den Fokus. TKMS konkurriert um einen Großauftrag über den Bau von bis zu 12 U-Booten der 3.000-Tonnen-Klasse, Gesamtvolumen: bis zu 40 Milliarden Euro. Die kanadische Regierung fordert allerdings wirtschaftliche Kompensationen – insbesondere in Form von Industrieansiedlungen.
Dabei könnte Volkswagen eine Schlüsselrolle spielen: Die Bundesregierung verhandelt mit Ottawa über mögliche VW-Investitionen in Kanada, um die Chancen für den Zuschlag an TKMS zu erhöhen. Eine politische Unterstützung aus Berlin scheint wahrscheinlich.
Obwohl die Aktie aktuell bei 67,80 Euro notiert (Stand: 2. Januar 2026) und rund 25 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 91,10 Euro liegt, zeigt der Relative-Stärke-Index (RSI) mit 32,4 eine überverkaufte Situation an. Die hohe Volatilität (ca. 46 %) spiegelt die Unsicherheit vor dem Kanada-Beschluss wider.
Ein entscheidender Termin ist der 8. Januar 2026, an dem weitere Unternehmensmeldungen zur Projektlage erwartet werden. Sollte der Zuschlag für das Kanada-Geschäft im Schulterschluss mit VW erteilt werden, könnte dies einen neuen Impuls für die Aktie liefern.
Nach einer langen Phase der Zurückhaltung mehren sich die Zeichen für eine Renaissance des IPO-Markts in Deutschland. Sowohl im klassischen Industriesektor als auch im wachstumsstarken Technologiebereich stehen vielversprechende Kandidaten bereit. Der erfolgreiche Start von TKMS hat bewiesen, dass unter den richtigen Rahmenbedingungen Neuemissionen wieder attraktiv sein können.
Entscheidend bleibt das makroökonomische Umfeld und ob geopolitische Schocks ausbleiben. Gelingt dies, könnte 2026 als Jahr der Rückkehr großer Börsengänge in die Finanzmarktgeschichte eingehen.
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