ARIVA.DE Redaktion  | 
aufrufe Aufrufe: 1139

Rheinmetall-Aktie: Das reicht einfach nicht!

Der deutsche Rüstungsprimus Rheinmetall hat einen wenig beeindruckenden Quartalsbericht vorgelegt. Die Zweifel an der hohen Unternehmensbewertung wachsen.
play Anhören
share Teilen
feedback Feedback
copy Kopieren
newsletter
font_big Schrift vergrößern
Für dich zusammengefasst:
Hinweis
Ein für die ungarische Armee von Rheinmetall entwickelte Kampfpanzer der nächsten Generation.
Quelle: - ©Rheinmetall AG
General Dynamics Corp 347,44 $ General Dynamics Corp Chart -0,47%
Zugehörige Wertpapiere:
Lockheed Martin Corp 509,31 $ Lockheed Martin Corp Chart -1,71%
Zugehörige Wertpapiere:
Northrop Grumman Corp 555,57 $ Northrop Grumman Corp Chart -2,02%
Zugehörige Wertpapiere:
OshKosh Corp 155,09 $ OshKosh Corp Chart +3,48%
Zugehörige Wertpapiere:
Rheinmetall AG 1.427,4 € Rheinmetall AG Chart +4,17%
Zugehörige Wertpapiere:
RTX Corp 172,20 $ RTX Corp Chart -0,40%
Zugehörige Wertpapiere:

Rheinmetall: Anleger drücken beide Augen zu

In den zurückliegenden Wochen und Monaten gab es für die Anlegerinnen und Anleger von Rheinmetall nicht viel zu holen. Die Aktie ist nach einer längeren Seitwärtsphase im vergangenen Jahr in einen Abwärtstrend übergegangen. Auch von geopolitischen Ereignissen wie dem Beginn des Iran-Krieges konnten die Anteile der Düsseldorfer nicht profitieren, obwohl das Unternehmen mit Skyranger über ein für die Drohnenabwehr relevantes, kosteneffizientes Produkt in seinem Portfolio verfügt.

Jetzt hat sich Rheinmetall mit seinen Zahlen zum abgelaufenen Quartal zu Wort gemeldet. Die fielen mit Blick auf die noch immer weit überdurchschnittliche Unternehmensbewertung enttäuschend aus. Die Erlöse kletterten gegenüber dem Vorjahresquartal um 7,7 Prozent, blieben mit 1,94 Milliarden US-Dollar aber deutlich hinter den Erwartungen von 2,3 Milliarden Euro zurück. Bei der Marge konnte man die Analystenziele gerade so treffen.

Enttäuschender Jahresauftakt, Wachstum unter den Erwartungen

Nichtsdestotrotz führte die Aktie den deutschen Leitindex DAX mit Kursgewinnen von über 4 Prozent an. Nach einem bislang enttäuschenden Jahresverlauf mit zweistelligen Verlusten sahen einige Anlegerinnen und Anleger vor allem in der Wachstumsprognose einen Grund, ihr Engagement zu verstärken.

Für das zuletzt unter den Erwartungen liegende Wachstum machte das Management um CEO Armin Papperger vor allem Timing-Effekte verantwortlich – das Vergleichsquartal vor einem Jahr sei von großen Vorzieheffekten geprägt gewesen. Zugleich stellte Rheinmetall für die zweite Jahreshälfte eine Wachstumsbeschleunigung in Aussicht und verwies hierfür auf neue Produktionskapazitäten am Standort Murica in Spanien sowie die Übergabe vorproduzierter Fahrzeuge.

Aktie mit Erholung, aber noch keine Trendwende

Aus charttechnischer Perspektive ist der Aktie zwar noch kein Befreiungsschlag, aber eine spürbare Entlastung gelungen. Die Anteile konnten sich von ihren jüngsten Tiefs absetzen, wodurch die Wahrscheinlichkeit neuer 52-Wochen-Tiefs, welche ein Verkaufssignal bedeutet hätten, deutlich zurückgegangen ist. Auch die Marke von 1.400 Euro konnte als psychologischer Anker überwunden und zurückerobert werden.

Noch ist der Abwärtstrend aber unverändert intakt. Der Trendstärkeindikator MACD kletterte zwar über seine Signallinie, zeigt damit aber weiterhin einen Abwärtstrend der Aktie an, wenngleich dieser an Dynamik verliert. Dem Relative-Stärke-Index RSI ist unterdessen die Rückkehr in den neutralen Bereich gelungen. Das liefert jedoch keine neuen Impulse.

Die Konkurrenz hat finanziell mehr zu bieten

Bleibt der Blick auf die Unternehmensbewertung. Beim erwarteten Gewinn stehen 2026 und 2027 Vielfache von 38,5 und 26 zu Buche, das Verhältnis aus Unternehmenswert und operativem Ertrag (EV/EBITDA) wird von Analystinnen und Analysten auf 19,3 und 13,5 geschätzt. Damit ist Rheinmetall ausgesprochen teuer bewertet.

Internationale Konkurrenten sind für 2026 durchschnittlich mit einem KGVe 2026 von 20,2 bewertet. Besonders günstig notieren aktuell beispielsweise Lockheed Martin (17,4) und Northrop Grumman (20,3). Im Bereich Fahrzeugherstellung gibt es Einzelwerte wie Oshkosh (13,4) sogar noch günstiger, während im Bereich Marine, wo Rheinmetall ebenfalls einen Fuß in der Tür hat, Huntington Ingalls mit einem KGVe 2026 von 20,9 notiert. Dieser Vergleich lässt sich über nahezu alle Bewertungskennzahlen fortsetzen.

Selbst das Orderbuch von 73 Milliarden Euro ist nicht außergewöhnlich – RTX bringt es auf 271 Milliarden US-Dollar. General Dynamics, wo ein gut vergleichbares Geschäft mit landgestützten Systemen besteht, kommt auf Aufträge im Wert von 131 Milliarden US-Dollar. Auch hier ist zukünftiges Wachstum also garantiert.

Fazit: Rheinmetall ist nichts Besonderes und sollte auch nicht so bewertet sein

Rheinmetall hat mit seinen Zahlen zum abgelaufenen Quartal enttäuscht, Anlegerinnen und Anleger aber mit der Aussicht auf eine Wachstumsbeschleunigung in der zweiten Jahreshälfte vertröstet. Das genügte für eine kräftige Erholung der Anteile, die sich vorerst fortsetzen könnte.

Aus einer fundamentalen Perspektive sollten Investoren höhere Kurse zum Ausstieg und dem Wechsel in andere Positionen nutzen. Rheinmetall bietet auf dem gegenwärtigen Bewertungsniveau deutlich weniger als seine Konkurrenten, ohne aber gleichzeitig über klare Alleinstellungsmerkmale zu verfügen.

Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross


Für dich aus unserer Redaktion zusammengestellt

Dein Kommentar zum Artikel im Forum

Jetzt anmelden und diskutieren Registrieren Login

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.


Weitere Artikel des Autors

Themen im Trend