Der DAX hat sich nach dem schwachen Wochenstart wieder gefangen. Die Anleger blenden die angespannte Lage im Persischen Golf aus. Die Ölpreise bleiben auf einem hohen Niveau.
Für Unsicherheit sorgen neue Spannungen rund um den Iran. Das US-amerikanische Militär begleitet nach eigenen Angaben Handelsschiffe durch die Straße von Hormus. Dort soll es zuletzt zu gegenseitigen Angriffen gekommen sein. Damit bleibt die wichtige Meerenge ein Risiko für Ölmarkt und Weltwirtschaft.
Serge Nussbaumer, Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix, mahnt zur Differenzierung. Ein hohes Indexniveau sage wenig darüber aus, wie breit die Bewegung getragen werde. Entscheidend sei nicht nur, ob ein Markt steige, sondern auch, welche Unternehmen ihn trügen.
In Deutschland sieht Nussbaumer die Stärke vor allem bei Industrie, Versicherern, Energietechnik, Software und Verteidigung. Anleger seien selektiv. Kapital fließe bevorzugt in Unternehmen mit hoher Ertragskraft, starken Bilanzen, strukturellem Wachstum und Preissetzungsmacht. Die Hausse sei deshalb nicht schwach, aber anspruchsvoll.
Der DAX profitiert aus Sicht von Maverix von mehreren strukturellen Stützen. SAP bleibt der wichtigste deutsche Technologiewert. Siemens und Siemens Energy stehen für Elektrifizierung, Automatisierung und Netzinfrastruktur. Allianz (Allianz Aktie) und Munich Re (Munich Re Aktie) liefern Stabilität durch Kapitalerträge, Preissetzungsmacht und robuste Ausschüttungen. Rheinmetall und Airbus profitieren vom Anstieg der europäischen Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben.
Gleichzeitig dürfe der DAX nicht mit dem gesamten deutschen Aktienmarkt verwechselt werden. Große internationale Konzerne laufen deutlich besser als viele binnenwirtschaftlich geprägte Unternehmen. Deshalb bleiben MDAX und SDAX wichtig, um die echte Marktbreite zu beurteilen.
Dort ist das Bild weiter gemischt. Höhere Finanzierungskosten, eine schwache Binnenkonjunktur, Probleme am Immobilienmarkt und Druck auf klassische Industrien bremsen viele Werte. Der deutsche Markt bleibt damit positiv, aber selektiv.
Lage bei Autowerten schwieriger
Die Branche leidet unter China, Margenrisiken, Elektromobilität, hohen Investitionen und stärkerem Wettbewerb. Auch Chemiewerte bleiben durch Energiepreise, schwache Nachfrage und Preisdruck belastet. Immobilienwerte könnten zwar von fallenden Zinsen profitieren, bleiben aber wegen Refinanzierungskosten und Bewertungsfragen anfällig.
Für Anleger bietet Deutschland Chancen. Der Markt ist laut Nussbaumer nicht einheitlich teuer. Er enthalte "strukturelle Gewinner, zyklische Nachzügler und mögliche Erholungskandidaten".
Genau diese Differenzierung macht den deutschen Aktienmarkt derzeit interessant.
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