Der Übernahmepoker zwischen der Commerzbank und dem italienischen Rivalen Unicredit erreicht eine neue Eskalationsstufe. Am Freitag präsentierte Frankfurts zweitgrößte Privatbank nicht nur besser als erwartete Quartalszahlen für Q1 2026, sondern auch eine überarbeitete Mittelfriststrategie bis 2030 – beides mit dem unverkennbaren Ziel, die eigene Eigenständigkeit zu untermauern und das Unicredit-Übernahmeangebot als unzureichend darzustellen.
Commerzbank Quartalszahlen Q1 2026: Gewinn steigt auf 913 Millionen Euro
Der Nettogewinn der Commerzbank legte im ersten Quartal 2026 um neun Prozent auf 913 Millionen Euro zu, nach 834 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Konsens lediglich 868 Millionen Euro erwartet. Damit übertraf die Bank die Schätzungen spürbar. Auch operativ lieferte das Institut: Das operative Ergebnis kletterte von 1,227 Milliarden Euro auf 1,358 Milliarden Euro, gegenüber einer Konsensprognose von 1,319 Milliarden Euro.
Die Commerzbank (Commerzbank Aktie) Eigenkapitalrendite (RoTE) – die zentrale Profitabilitätskennzahl im Bankensektor – stieg auf 12,7 Prozent, nach 11,1 Prozent im Vorjahresquartal. Erwartet worden waren lediglich 11,3 Prozent. Die Kosten-Ertrags-Quote verbesserte sich auf 53,4 Prozent, von 56,1 Prozent ein Jahr zuvor. Analysten hatten mit 54,0 Prozent gerechnet.
Für das Gesamtjahr 2026 hob die Commerzbank ihre Gewinnprognose 2026 von mehr als 3,2 Milliarden Euro auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Beim Zinsüberschuss erwartet das Management nun rund 8,6 Milliarden Euro, nach bisher avisierten 8,5 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge soll bei rund 850 Millionen Euro liegen.

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Vorstandschefin Bettina Orlopp, die im Oktober 2024 die Führung der Commerzbank übernommen hatte, kommentierte: „Das beweist: Unsere Strategie funktioniert und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant."

Commerzbank Strategie 2030: Eigenkapitalrendite soll auf 21 Prozent steigen
Mit den aktualisierten Commerzbank-Mittelfristzielen verschärft das Institut den strategischen Wettbewerb mit Unicredit erheblich. Für 2028 peilt die Commerzbank eine RoTE von rund 17 Prozent an – bisheriges Ziel waren 15 Prozent. Bis 2030 soll die Commerzbank Eigenkapitalrendite auf 21 Prozent steigen, von zuletzt 8,7 Prozent im Gesamtjahr 2025.
Die Kosten-Ertrags-Quote soll von aktuell 53 Prozent schrittweise auf 48 Prozent im Jahr 2028 und 43 Prozent bis 2030 sinken. Beim Nettogewinn stellt die Bank für 2028 einen Wert von 4,6 Milliarden Euro in Aussicht, bis 2030 sollen es 5,9 Milliarden Euro sein. Die Erträge sollen von erwarteten 13,2 Milliarden Euro im laufenden Jahr auf 15,0 Milliarden Euro 2028 und 16,8 Milliarden Euro 2030 wachsen.
Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hat für 2028 lediglich eine Eigenkapitalrendite von mehr als 13 Prozent in Aussicht gestellt. Die Commerzbank positioniert sich damit deutlich ambitionierter als der größte heimische Wettbewerber.
Der Preis für diese Ambitionen ist ein weiterer Stellenabbau. In den Jahren 2029 und 2030 sollen brutto rund 3.000 Vollzeitstellen wegfallen, unter anderem durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Commerzbank Stellenabbau-Planung sieht Restrukturierungskosten von 450 Millionen Euro vor. Dieser Abbau fällt deutlich moderater aus als das, was Unicredit im Übernahmefall plant: Der italienische Konzern hat allein für Deutschland den Abbau von 7.000 Vollzeitstellen angekündigt.
Betriebsratschef Sascha Uebel signalisierte trotz grundsätzlicher Kritik am Stellenabbau Kooperationsbereitschaft. Durch einen Rahmensozialplan seien betriebsbedingte Kündigungen faktisch bis Ende 2030 ausgeschlossen. Gleichzeitig stellte er klar: „Mit Kontrollübernahme durch die Unicredit stellen wir jegliche konstruktive Zusammenarbeit ein."
Unicredit Übernahme Commerzbank: Frankfurt weist Angebot zurück
Die Commerzbank befindet sich seit September 2024 im Übernahmekampf mit Unicredit. Der mailändische Konzern war 2024 zunächst mit neun Prozent eingestiegen und hält inzwischen knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile. Das Unicredit Übernahmeangebot sieht 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier vor. Bei den aktuellen Bewertungen liegt diese Offerte unter dem Commerzbank-Börsenkurs – für die Aktionäre des Frankfurter Instituts damit rechnerisch unattraktiv.
Unicredit-Chef Andrea Orcel rechnet nach eigener Einschätzung nicht damit, mit diesem Angebot die Kontrolle über die Commerzbank zu erlangen. Ziel ist vielmehr, die Beteiligung über die 30-Prozent-Schwelle zu heben, ab der sonst ein Pflichtangebot fällig würde, um sich für eine spätere Aufstockung mehr Flexibilität zu verschaffen.
Commerzbank-Chefin Orlopp wies Orcels Restrukturierungsplan scharf zurück. Er sei „vage und birgt erhebliche Umsetzungsrisiken". Die zugrunde gelegten Annahmen zu Kostensenkungen, Umsatzeffekten und Investitionserfordernissen seien „hinsichtlich des Umfangs und der zeitlichen Umsetzung nicht plausibel". Darüber hinaus wirft die Commerzbank Unicredit „irreführende Darstellungen" vor, die das Institut diskreditierten, darunter die Behauptung einer „unterdurchschnittlichen operativen Leistung" sowie unzureichender Technologieinvestitionen.
Unicredit vs. Commerzbank: Strategieziele im direkten Vergleich
Orcels Plan sieht vor, die Kosten-Ertrags-Quote der Commerzbank bis 2028 auf 40 Prozent und bis 2030 auf 37 Prozent zu senken. Die Unicredit Ziele für die Commerzbank Eigenkapitalrendite liegen bei 19 Prozent für 2028 und rund 23 Prozent für 2030 – Werte, die über den eigenständigen Commerzbank-Zielen liegen.
Die Commerzbank entgegnet, sie bleibe gesprächsbereit, „sofern Unicredit bereit ist, eine attraktive Prämie zu bieten und über einen Plan zu sprechen, der wesentliche Säulen des Geschäftsmodells und der Strategie der Commerzbank berücksichtigt". Nach zwei Spitzengesprächen Ende März und Anfang April wirft Orcel dem Commerzbank-Management vor, sich tiefergehenden Verhandlungen zu verweigern was Frankfurt zurückweist.
Entscheidend wird nun die Haltung der Commerzbank Aktionäre. Das aktuelle Unicredit-Angebot liegt unter dem Börsenkurs. Ohne substanzielle Prämienerhöhung dürfte es schwer fallen, ausreichend Commerzbank-Aktionäre zu überzeugen. Die Bundesregierung als zweitgrößter Aktionär mit 13 Prozent lehnt einen Verkauf ab. Die starken Quartalszahlen und die verschärften Mittelfristziele stärken die Verhandlungsposition Orlopps. Nun liegt der nächste Zug bei Orcel.