Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Exxon und Chevron Q1 2026: Kriegsbedingte Sondereffekte trüben Quartalszahlen – Kerngeschäft zeigt Stärke

Exxon Mobil und Chevron übertreffen im ersten Quartal 2026 die bereinigten Gewinnerwartungen der Analysten – doch Derivate-Verluste und kriegsbedingte Lieferausfälle drücken die ausgewiesenen Nettogewinne beider US-Ölkonzerne auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren.
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Eine Exxon-Tankstelle bei Nacht.
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Chevron Corp 193,64 $ Chevron Corp Chart +0,17%
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Der Iran-Krieg hat die globalen Energiemärkte seit Ende Februar 2026 in einen Ausnahmezustand versetzt. Die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz kam zeitweise nahezu zum Erliegen, die Ölpreise legten in der Spitze rund 57 Prozent zu und dennoch verbuchen die beiden größten US-Ölkonzerne, Exxon Mobil und Chevron, ihre schwächsten Quartalsergebnisse seit Jahren. Der Grund liegt nicht im operativen Versagen, sondern in der Mechanik von Finanzderivaten, die in einem derart abrupten Preisschock zu massiven buchhalterischen Verzerrungen führen.

Exxon Mobil erzielte im ersten Quartal 2026 einen bereinigten Gewinn je Aktie von 1,16 Dollar (Dollarkurs) und übertraf damit den LSEG-Analystenkonsens von 1,00 Dollar. Chevron meldete bereinigte 1,41 Dollar je Aktie gegenüber einer Konsenserwartung von 0,95 Cent – der stärkste Schlag über die Analystenschätzungen seit Oktober 2020. Beide Aktien reagierten im vorbörslichen Handel positiv: Exxon legte mehr als ein Prozent zu, Chevron rund zwei Prozent.

Exxon und Chevron: Nettogewinne auf Mehrjahrestief

Das Bild hinter den bereinigten Quartalszahlen ist deutlich trüber. Exxons Nettogewinn Q1 2026 fiel im Jahresvergleich um 45 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar, nach 7,7 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum und dem niedrigsten Wert seit dem ersten Quartal 2021. Chevrons Nettoergebnis sank um 36 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar, verglichen mit 3,5 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.

Die Ursache ist in beiden Fällen identisch: sogenannte Timing-Effekte aus der Absicherung von Rohstoffpreisen über Finanzderivate. Exxon beziffert den Gesamteffekt auf knapp vier Milliarden Dollar. Davon entfallen 700 Millionen Dollar auf Ladungen, die kriegsbedingt nicht ausgeliefert werden konnten und deren physische Gegenbuchung damit ausbleibt. Chevron verbuchte einen derivatebedingten Sonderposten von 2,9 Milliarden Dollar, der das Downstream-Segment von einem Vorjahresgewinn von 325 Millionen Dollar in einen Verlust von 817 Millionen Dollar riss.

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Timing-Effekte und Derivate: Mechanik hinter den Milliardenverlusten

Beide Ölkonzerne nutzen Finanzderivate standardmäßig, um Preisrisiken während der Transportzeit ihrer Ladungen abzusichern. Das Prinzip: Der Wert der physischen Lieferung wird erst gebucht, wenn die Transaktion abgeschlossen ist. Der Derivatekontrakt hingegen wird laufend zum Marktwert bewertet. Steigen die Ölpreise wie im ersten Quartal 2026 abrupt und massiv, entsteht eine temporäre Lücke zwischen dem Bewertungsgewinn der physischen Ware und dem Bewertungsverlust des Absicherungsgeschäfts.

„Im Allgemeinen dauert es einige Monate, bis sich dies ausgleicht", erklärte Exxon-Finanzvorstand Neil Hansen. Die künftige Entwicklung der Timing-Effekte sei jedoch von der weiteren Rohstoffpreisentwicklung abhängig und damit schwer vorherzusagen. Chevron-Finanzchefin Eimear Bonner ergänzte, dass Papierpositionen im Wert von rund einer Milliarde Dollar im zweiten Quartal schließen und in Gewinne umschlagen dürften.

Exxon hatte bereits Anfang April in einer Mitteilung an die US-Aufsichtsbehörden auf die zu erwartenden Belastungen hingewiesen. Ohne sämtliche Timing-Effekte und die nicht gelieferten Ladungen hätte der Konzern einen Gewinn von 2,09 Dollar je Aktie ausgewiesen – annähernd doppelt so viel wie der bereinigte Wert.

Nahost-Exposition: Exxon deutlich stärker betroffen als Chevron

Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden US-Ölkonzernen liegt in ihrer geografischen Risikostruktur. Rund 20 Prozent der Öl- und Gasförderung von Exxon entfallen auf den Nahen Osten – eine deutlich höhere Abhängigkeit als bei Chevron, wo der Anteil unter fünf Prozent liegt. Kriegsbedingte Unterbrechungen reduzierten Exxons Produktion im ersten Quartal um sechs Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Exxon hält zudem Beteiligungen an zwei Flüssigerdgas-Anlagen in Katar, die Ziel iranischer Angriffe wurden. Die Frage nach Zeitplänen für die Instandsetzung beschädigter LNG-Anlagen dürfte deshalb im Mittelpunkt der Analystenkonferenz stehen, denn die Region macht einen erheblichen Teil des LNG-Portfolios des Konzerns aus.

Chevron hingegen meldete zum dritten Mal in Folge eine Förderleistung in den USA von über zwei Millionen Barrel pro Tag. Die Gesamtproduktion fiel im ersten Quartal leicht auf 3,86 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag, bedingt durch einen Brand am Tengis-Feld in Kasachstan.

Upstream stark, Downstream schwach: Unterschiedliche Segmentbeiträge

Beim Chevron Quartalsergebnis Q1 2026 zeigt sich ein klares Bild: Das Upstream-Segment lieferte mit 3,9 Milliarden Dollar Ergebnis einen Anstieg von vier Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, gestützt durch höhere Rohölpreise. Der Iran-Krieg traf Chevron vor allem im Downstream-Bereich, wo Derivate-Verluste das Ergebnis ins Minus zogen.

Bei Exxon kompensierten die Kernfördergebiete im Permian Basin und in Guyana einen Teil der Nahost-Ausfälle. Finanzvorstand Hansen bestätigte, dass die Exxon-Produktion in Guyana im ersten Quartal einen neuen Rekordwert erreicht hat, während die Expansion im Permian Basin planmäßig voranschreitet. CEO Darren Woods formulierte es so: „Das Unternehmen ist heute stärker als noch vor einigen Jahren. Die Ereignisse im Nahen Osten haben diese Stärke auf die Probe gestellt."

Freier Cashflow und Kapitalrückflüsse unter Druck

Der freie Cashflow beider Konzerne litt spürbar. Exxon erwirtschaftete im ersten Quartal 2,7 Milliarden Dollar – nach 8,8 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Chevron verzeichnete sogar einen negativen freien Cashflow von 1,5 Milliarden Dollar, bedingt durch den gesunkenen operativen Cashflow infolge der Nahost-Disruption.

Ungeachtet dessen setzte Exxon seine Kapitalrückflüsse fort: 4,3 Milliarden Dollar flossen als Dividende, weitere 4,9 Milliarden Dollar in Aktienrückkäufe. Die Investitionsausgaben (Capex) beliefen sich auf 6,2 Milliarden Dollar und lagen im Rahmen der Jahresprognose.

Chevron zahlte 3,5 Milliarden Dollar Dividende und kaufte Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Dollar zurück. Finanzchefin Bonner bekräftigte das Jahresziel für Rückkäufe zwischen zehn und zwanzig Milliarden Dollar sowie das Ziel, den bereinigten freien Cashflow bis 2030 jährlich um mindestens zehn Prozent zu steigern.

Ölpreise Iran-Krieg: Hormuz als globaler Energieengpass

Chevron-CEO Mike Wirth brachte die geopolitische Lage auf den Punkt: „Das globale Energiesystem steht unter extremem Druck." Der Iran-Krieg hat den größten Öllieferausfall in der Geschichte ausgelöst. Solange die Straße von Hormuz nicht wieder uneingeschränkt passierbar ist, dürften die Rohölpreise auf erhöhtem Niveau mit weiterhin unvorhersehbaren Auswirkungen auf die Quartalszahlen beider Energiekonzerne verharren. 

Für Anleger mit Positionen in Energieaktien bleibt die Kernbotschaft: Das operative Geschäft von Exxon Mobil und Chevron ist intakt und liefert bereinigt um temporäre Buchhaltungseffekte solide Ergebnisse. Die ausgewiesenen Nettogewinne spiegeln derzeit primär die Mechanik der Derivateabsicherung wider, nicht die operative Realität. Die Timing-Effekte dürften sich in den Folgequartalen sukzessive auflösen. 


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