Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Der SpaceX-IPO kommt: Rekordwertung, versteckte Einstiegswege und die Risiken, die kaum jemand nennt

SpaceX strebt den größten Börsengang der Geschichte an – mit einer angestrebten Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar. Für deutsche Privatanleger gibt es bereits jetzt Wege, sich indirekt zu beteiligen – doch jeder davon birgt spezifische Risiken.
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Hinweis
Ein SpaceX Crew Dragon Raumschiff nähert sich der Internationalen Raumstation zur Andockung.
Quelle: - ©NASA Kennedy <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" rel="nofollow" target="_blank">CC2</a>
Alphabet Inc A 335,15 € Alphabet Inc A Chart +0,48%
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SpaceX vor dem Rekord-IPO: Was Anleger wissen müssen

Der SpaceX-Börsengang 2026 nimmt konkrete Formen an. Elon Musks Raumfahrt- und Technologiekonzern plant seine Notierung an der Nasdaq – möglicherweise bereits am 12. Juni 2026. Die angestrebte SpaceX-Bewertung liegt zwischen 1,75 und zwei Billionen Dollar; eingesammelt werden sollen bis zu 80 Milliarden Dollar (Dollarkurs) frisches Kapital. Damit würde SpaceX den bisherigen IPO-Rekord des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 klar übertreffen und sich unter den wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt einreihen.

Für deutsche Privatanleger sind SpaceX-Aktien vor dem Börsengang auf sogenannten Secondary-Plattformen nur mit sehr hohen Mindestanlagesummen zugänglich. Drei Alternativen ermöglichen eine indirekte SpaceX-Beteiligung bereits heute – mit deutlich niedrigerem Kapitaleinsatz, aber jeweils eigenen Tücken.

Option 1: Börsengehandelte Investmentgesellschaften

Der an der Londoner Börse notierte Scottish Mortgage Investment Trust (ISIN: GB00BLDYK618) des Fondsmanagers Baillie Gifford ist das bekannteste Vehikel für eine indirekte SpaceX-Investition. SpaceX macht knapp 18 Prozent des Portfolios aus – bewertet zuletzt auf Basis einer Unternehmensbewertung von 1,25 Billionen Dollar. Der Trust investiert insgesamt rund 40 Prozent seines Portfolios in nicht-börsennotierte Unternehmen und erhebt eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,31 Prozent. In Deutschland darf er an professionelle Anleger vertrieben werden und gilt rechtlich als alternativer Investmentfonds.

Ein strukturelles Merkmal dieser Anlageform ist entscheidend: Der Börsenkurs eines Investmenttrusts entspricht nicht zwingend dem Nettoinventarwert (NAV) des Portfolios. Zuletzt wurde der Scottish Mortgage Investment Trust laut Morningstar mit einem Aufschlag von 3,5 Prozent auf den NAV gehandelt. Christian Leuchtweis, Experte für alternative Anlagen beim Analysehaus Scope, betont: „Der Abschlag, zu dem Anleger einsteigen, kann einen erheblichen Einfluss auf die Rendite haben." Im Klartext: Wer einen hohen Aufschlag zahlt, profitiert selbst bei steigendem Portfoliowert möglicherweise unterdurchschnittlich.

Nach dem SpaceX-IPO greift zudem eine sogenannte Lock-up-Periode, innerhalb derer Anteilseigner ihre SpaceX-Anteile nicht veräußern können. Wie lange diese Frist für den Scottish Mortgage Trust dauert, ist bislang nicht kommuniziert worden.

Deutlich spekulativer positioniert ist die an der New Yorker Börse notierte Investmentgesellschaft Destiny Tech100 (ISIN: US25063F1075), die ebenfalls einen wesentlichen Portfolioanteil in SpaceX hält. Der Aufschlag zum NAV liegt laut Morningstar bei rund 92 Prozent – ein Niveau, das das Rückschlagrisiko erheblich vergrößert.

Option 2: Eltifs – strukturierte Zugangswege mit Einschränkungen

Der Ark Private Innovation Eltif (ISIN: IE0007OY3DL2) des US-Anbieters Ark Invest unter Leitung von Tech-Investorin Cathie Wood bietet Privatanlegern einen weiteren Zugang zu nicht-börsennotierten Wachstumsunternehmen. Rund 15 Prozent des noch jungen Fonds-Portfolios sind aktuell in SpaceX investiert. Da der Fonds bislang nur sieben Unternehmen hält, ist das Konzentrationsrisiko hoch.

In Deutschland ist der Fonds über die Plattform Nao erhältlich. Der nächste Einstiegszeitpunkt liegt laut Plattformangaben Mitte Juni – womit dieser Weg bereits unattraktiv werden könnte, falls SpaceX an die Nasdaq tatsächlich am 12. Juni geht und dann direkt handelbar wird.

European Long-Term Investment Funds (Eltifs) sind von Natur aus illiquide: Der Ark-Fonds kann frühestens Anfang 2027, dann quartalsweise, zurückgegeben werden. Der Anbieter kann Rücknahmen zudem einschränken. Die laufenden Kosten sind mit einer Jahresgebühr von 2,7 Prozent, einer Einstiegsgebühr von bis zu fünf Prozent und einer möglichen Erfolgsgebühr erheblich. Mark Branson, Präsident der deutschen Finanzaufsicht BaFin, hat Eltifs zuletzt wegen verdeckter Risiken und Gebührenstrukturen kritisiert. Gegenüber Investmenttrusts haben Eltifs jedoch einen Vorteil: Es gibt keine Diskrepanz zwischen Anteilspreis und NAV.

Option 3: Aktien mit indirekter SpaceX-Beteiligung

Der direkteste und unkomplizierteste Weg für Anleger, die in SpaceX investieren wollen, führt über die Aktie von Alphabet (ISIN: US02079K3059). Die Google-Mutter beteiligte sich bereits 2015 gemeinsam mit der Fondsgesellschaft Fidelity mit einer Milliarde Dollar an SpaceX. Ende 2024 hielt Googles Muttergesellschaft noch einen Anteil von 6,11 Prozent, wie aus im April 2025 veröffentlichten Unternehmensdaten des US-Bundesstaats Alaska hervorgeht. Nach der Fusion von SpaceX mit dem KI-Unternehmen xAI im Februar 2026 schätzt Bloomberg diesen Anteil auf rund fünf Prozent.

Sollte SpaceX mit zwei Billionen Dollar bewertet werden, entspräche die Alphabet-Beteiligung einem Wert von rund 100 Milliarden Dollar. Allerdings wird der Alphabet-Kurs von einer Vielzahl weiterer Faktoren bestimmt – von Werbeeinnahmen über Regulierungsrisiken bis hin zur eigenen KI-Strategie. SpaceX bleibt damit lediglich ein Bestandteil der Alphabet-Investitionsthese.

Der Starship-Test: Technisches Signal mit IPO-Relevanz

Zeitgleich mit den SpaceX-IPO-Vorbereitungen rückte das Unternehmen technisch in den Fokus: Am 21. Mai 2026 scheiterte der geplante Testflug der zwölften Starship-Rakete (Version 3) von der Startanlage in Texas kurz vor dem Zündzeitpunkt. Ursache waren Anomalien bei Treibstofftemperatur und -druck sowie ein hydraulischer Defekt an einem der mechanischen Arme des Startturms. Elon Musk kommentierte auf X, ein defekter Hydraulik-Pin habe sich nicht wie vorgesehen zurückgezogen. Ein Wiederholungsversuch war für den 22. Mai 2026 geplant.

Starship V3 ist die bislang weitreichendste Überarbeitung des Raumfahrzeugs nach einer Serie von Fehlschlägen im vergangenen Jahr. Die neue Version ist auf den schnellen Einsatz von Starlink-Satelliten und NASA-Mondmissionen ausgelegt. SpaceX hat nach eigenen Angaben mehr als 15 Milliarden Dollar in die Entwicklung des vollständig wiederverwendbaren Systems investiert.

Für den bevorstehenden Nasdaq-Börsengang von SpaceX ist Starship zentral: Das Raumfahrzeug ist das technologische Fundament für SpaceX' Expansionsstrategie – von der Senkung der Startkosten über die Erweiterung des Starlink-Netzes bis hin zu orbitalen Rechenzentren. Musk dämpfte die Erwartungen vor dem Fehlversuch bewusst: „Eine große Pipeline an V3-Schiffen und Boostern befindet sich bereits in der Fabrik." Ein einzelnes Scheitern verzögere den Testrhythmus höchstens um einen Monat.

Bewertung und Risikoprofil des IPO

Eine SpaceX-Bewertung von zwei Billionen Dollar würde das Unternehmen in eine Liga mit Apple, Microsoft und Nvidia (Nvidia Aktie) katapultieren. Zum Vergleich: Boeing, der weltgrößte Luft- und Raumfahrtkonzern nach Umsatz, wird aktuell mit rund 100 Milliarden Dollar bewertet. SpaceX erzielte 2024 nach Unternehmensangaben einen Umsatz von etwa acht Milliarden Dollar – vorwiegend aus dem Starlink-Satellitennetz und kommerziellen Raketenstarts.

Aus dieser Relation ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 250, sofern die Zielmarke von zwei Billionen Dollar erreicht wird. Zum Vergleich: Selbst hochbewertete Wachstumsunternehmen wie Nvidia oder Tesla kommen auf deutlich niedrigere Multiples. Die IPO-Bewertung spiegelt damit weniger den aktuellen Geschäftswert als die Markterwartung künftiger Wachstumspfade wider – von der Starlink-Expansion über Mondmissionen bis hin zur Mars-Kolonisierung.

Für Anleger ergeben sich daraus mehrere Risikodimensionen: erstens das Technologierisiko, das der Starship-Fehlversuch exemplarisch illustriert; zweitens das regulatorische Risiko bei staatlichen Aufträgen und Frequenzlizenzen; drittens das Bewertungsrisiko bei einem extremen Einstiegsmultiple; und viertens das Klumpenrisiko bei indirekten Vehikeln wie dem Scottish Mortgage Investment Trust oder der Destiny Tech100 mit hoher SpaceX-Konzentration.

Fazit

Der SpaceX-Börsengang 2026 ist ein Ereignis historischer Dimension – sowohl in absoluten Zahlen als auch in seiner symbolischen Bedeutung für die kommerzielle Raumfahrt. Die indirekten Einstiegsmöglichkeiten über den Scottish Mortgage Investment Trust, den Ark Private Innovation Eltif oder die Alphabet-Aktie bieten deutschen Privatanlegern reale Zugangswege. Jeder dieser Wege bringt jedoch strukturelle Eigenheiten mit, die Anleger kennen und abwägen müssen: Bewertungsabschläge und Aufschläge zum NAV, Illiquidität, hohe Kostenbelastungen oder eine breite Verwässerung durch andere Geschäftsfelder. Der Termin selbst dürfte Bewegung bringen – in Märkten, in Bewertungen und in den Portfolios all jener, die frühzeitig positioniert sind.


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