Nach Anthropic jetzt ChatGPT: Angst vor KI erreicht die Versicherungsbranche

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Die Allianz-Arena in München hat ihren Namen durch ein Namenssponsoring der Allianz SE erhalten, einem der weltweit größten Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen.
©Wolfgang Manousek CC2
Die Allianz Aktie gehörte am Dienstag zu den schwächsten DAX-Werten. Neue KI-Anwendungen von ChatGPT schüren Sorgen vor wachsender Konkurrenz – ähnlich wie zuletzt bei Softwarekonzernen. Sind die Ängste bei der Allianz berechtigt?
Für dich zusammengefasst:
Hinweis

Europas Versicherer gerieten am Dienstag spürbar unter Druck. Auslöser waren wachsende Sorgen, dass Künstliche Intelligenz den Vertrieb von Policen grundlegend verändern – und Margen unter Druck setzen könnte. Der europäische Versicherungsindex verlor rund zwei Prozent und rutschte bis an seine 100-Tage-Durchschnittslinie ab.

Der Auslöser der Nervosität 

Auf dem KI-Chatbot ChatGPT ist es inzwischen möglich, Nutzern personalisierte Versicherungsangebote zu unterbreiten. Damit entwickelt sich die Plattform zunehmend zu einem direkten Vertriebskanal. Erste Anwendungen stammen unter anderem vom spanischen Digitalversicherer Tuio, der Hausratversicherungen anbietet, sowie von der US-Vergleichsplattform Insurify für Autoversicherungen.

Werte aus dem Artikel:
Allianz Aktie 401,00 € +0,25%
Aon Aktie 277,00 € 0,00%
Arthur J. Gallagher Aktie 185,90 € -0,56%
Brown & Brown Aktie 51,36 € -0,47%
Marsh & McLennan Aktie 140,85 € -0,63%

Für viele Investoren weckt das Erinnerungen an die jüngsten Kursverluste bei Softwareunternehmen ohne klare Alleinstellungsmerkmale. Die Sorge: Wenn KI den Zugang zu Kunden vereinfacht, könnten klassische Vertriebsmodelle an Bedeutung verlieren – und der Preisdruck steigen.

Der Blick auf die Branche zeigt jedoch ein differenzierteres Bild

Zwar dürfte die wachsende Preistransparenz den Wettbewerb verschärfen. Für große Versicherer wie die Allianz (Allianz Aktie) eröffnen KI-Modelle aber auch erhebliche Effizienzpotenziale. Digitale Beratung, automatisierte Angebotserstellung und schlankere Abschlussprozesse könnten die Vertriebskosten deutlich senken.

Noch größer ist das Sparpotenzial in Bereichen wie Schadenbearbeitung, Betrugserkennung und Anspruchsprüfung. Hier versprechen KI-Systeme schnellere Entscheidungen, geringere Fehlerquoten und massive Produktivitätsgewinne – ein struktureller Vorteil für kapitalstarke Konzerne.

Kurzum: Was auf den ersten Blick nach Bedrohung aussieht, könnte sich für Versicherer langfristig als Margentreiber erweisen.

Versicherungsmakler erwischte es schlimmer

Deutlich stärker unter Druck gerieten hingegen Versicherungsvermittler und Makler im US-Handel am Montag. Investoren fürchten, dass KI-basierte Vergleichs- und Abschlussplattformen klassische Zwischenhändler teilweise überflüssig machen könnten. Besonders betroffen waren: Marsh & McLennan Companies, Aon, Arthur J. Gallagher & Co, Willis Towers Watson und Brown & Brown. Sie gelten als zentrale Profiteure traditioneller Vertriebsstrukturen – genau dort setzt die KI-Disruption nun an.

Fazit:

Die kurzfristige Nervosität rund um Europas Versicherer erscheint überzogen. Zwar könnte  KI den Vertrieb grundlegend verändern, doch große Konzerne wie die Allianz könnten davon sogar profitieren – durch neue Kundenzugänge und massive Kosteneinsparungen.

Deutlich schwieriger dürfte die Lage hingegen für klassische Versicherungsmakler werden. Dort droht KI tatsächlich, Geschäftsmodelle nachhaltig unter Druck zu setzen.

Für Anleger gilt daher: Versicherer müssen nicht gefürchtet werden – Vermittler dagegen sollten vorerst mit Vorsicht betrachtet werden.

Redaktion Ariva/MW


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