Die Entwicklungen an den internationalen Silbermärkten gewinnen an Brisanz. Neue Daten von der CME COMEX in New York zeigen, dass Marktteilnehmer vermehrt auf physische Auslieferung drängen. Beobachter sehen darin mehr als eine technische Marktbewegung. Vielmehr könnte sich hier ein grundlegendes Misstrauen gegenüber dem etablierten, stark papierbasierten Silberhandel entladen, mit potenziell weitreichenden Folgen für Preise und Verfügbarkeit.
Aus Sicht des US-Analysten David Jensen ist der Auslöser in London zu suchen. Der London Silver Market, weltweit zentral für Preisbildung und Abwicklung, habe 2025 wiederholt Liefer- und Abwicklungsprobleme gezeigt. Diese hätten offengelegt, dass den enormen Volumina an sofort fälligen Lieferansprüchen kaum physisches Metall gegenüberstehe. Laut Jensen halte London „nahezu kein Silber“ im Verhältnis zu den verkauften Ansprüchen. Diese Erkenntnis könnte Investoren alarmieren und dazu bewegen, Papierforderungen aufzulösen und reales Metall andernorts zu sichern.
Am 7. Januar 2026 erreichte diese Entwicklung offenbar New York. An der COMEX wurden 1.624 Silberkontrakte zur Lieferung angemeldet, was rund 8,1 Millionen Unzen entspricht. Nach Angaben von Jensen stammten 99 Prozent der Auslieferungen von JP Morgan. Für einen traditionell ruhigen Liefermonat wie Januar gilt dieses Volumen als außergewöhnlich. Es wirke, als wollten Käufer nicht länger warten oder rollen, sondern „das Metall und zwar jetzt“.
Zusätzliche Spannung erzeugt die Tatsache, dass trotz dieser massiven Auslieferung das offene Interesse weiter anstieg. Der Januar-Kontrakt legte um 1.431 Kontrakte zu, der Februar sogar um 1.564. Für Jensen deutet dies darauf hin, dass neue Marktteilnehmer gezielt in den Terminmarkt gehen, um physische Lieferung zu erzwingen. Die COMEX werde damit faktisch als Beschaffungsmarkt genutzt, nicht mehr primär als Absicherungsinstrument.
Besonders kritisch erscheint die Lage vor dem Hintergrund der verfügbaren Lagerbestände. In der für Lieferungen relevanten „Registered“-Kategorie der COMEX liegen derzeit rund 127 Millionen Unzen. Angesichts der milliardenschweren Papieransprüche im globalen Silberhandel wirkt diese Menge überschaubar. Parallel berichten Marktbeobachter von steigenden Lieferprämien in mehreren Regionen außerhalb Londons, ein klassisches Anzeichen für physische Knappheit.
Ob sich daraus ein offener Run auf Silber entwickelt, bleibt offen. Jensen warnt jedoch, dass sich der Druck schnell aufbauen könne. Die aktuellen Bewegungen legten nahe, dass der Markt beginnt, die Grenze zwischen Papier und physischem Metall neu zu bewerten. Für einen Rohstoff, der in Industrie und Energiewende unverzichtbar ist, könnte diese veränderung erhebliche wirtschaftliche Bedeutung haben.
Für die Silberminenbranche könnten sich solche Knappheitssignale trotz eines angespannten wirtschaftlichen Umfelds als günstige Konstellation erweisen. In der Rohstoffökonomie gelten physische Engpässe traditionell als Faktor, der Produzenten strukturell in die Hände spielen könnte. Steigende Aufmerksamkeit für reale Verfügbarkeit lenke den Blick verstärkt auf Projekte mit klar definierten Ressourcen, niedrigen Kosten und realistischer Produktionsperspektive.
Davon könnten auch Unternehmen wie Silver Mines Limited (SVL) profitieren. Deren Bowdens-Projekt in Australien zählt nach Angaben des Unternehmens zu den größten unentwickelten Silberprojekten weltweit. Das Management beziffert die Reserven auf rund 72 Millionen Unzen sowie die reinen Silberressourcen auf etwa 180 Millionen Unzen. Die geplante Minenlaufzeit liege bei bis zu 17 Jahren, bei einer angestrebten Jahresproduktion von rund vier Millionen Unzen. Für die ersten zehn Betriebsjahre rechnet SVL laut eigenen Angaben mit Förderkosten von unter 15 US-Dollar je Unze (AISC). Nach dem Lizenzentzug infolge eines Formfehlers arbeite das Management nach eigenen Aussagen mit politischer Rückendeckung an der Wiedererteilung. Der jüngste Kapitalzufluss sowie das Engagement institutioneller Investoren werden vom Unternehmen selbst als Vertrauensbeweis für die weitere Entwicklung gewertet.
Auch Defiance Silver sieht sich nach Aussagen des Managements in einer strategisch günstigen Ausgangslage. Das Unternehmen ist im mexikanischen Zacatecas-Distrikt tätig, einer Region, in der historisch mehr als eine Milliarde Unzen Silber gefördert wurden. Defiance betreibt dort mehrere Projekte in direkter Nachbarschaft zur weltweit größten primären Silbermine. Für das Projekt San Acacio verweist das Unternehmen auf eine historische Ressource von rund 18 Millionen Unzen Silber, die durch neue Bohrprogramme aktualisiert werden soll. Auf weiteren Liegenschaften hätten erste Proben laut Management hochgradiges Potenzial bestätigt.
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