Analysten waren für Mai von einem weiteren, wenn auch leichten Produktionsrückgang ausgegangen. Sie hatten im Schnitt ein Minus von 0,2 Prozent erwartet. Im Jahresvergleich meldete das Statistikamt ebenfalls unerwartet einen Anstieg, und zwar um 1,0 Prozent.
Zur positiven Entwicklung im Monatsvergleich trugen insbesondere der Energiesektor mit einem Plus von 10,8 Prozent und die Pharmaindustrie mit plus 10 Prozent sowie die Automobilindustrie mit plus 4,9 Prozent bei. Die Bauproduktion hingegen sank.
"Die Industrieproduktion scheint ihre seit Jahresbeginn zu beobachtende Aufwärtsbewegung fortzusetzen, nachdem sie infolge der US-Zollankündigungen im April einen vorübergehenden Dämpfer erlitten hatte", hieß es in der Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums. Unmittelbar vor Ablauf der Frist der durch die US-Administration verhängten Zölle sei die weitere Entwicklung jedoch von hoher Unsicherheit geprägt. Inwiefern die Produktion im Produzierenden Gewerbe im Sommerhalbjahr weiterhin Tritt fassen könne, werde wesentlich von der Entwicklung der handels- und geopolitischen Rahmenbedingungen abhängen.
Das Fazit von Experten zu den Daten fiel durchwachsen aus. Analyst Ralph Solveen von der Commerzbank (Commerzbank Aktie) hob hervor, dass die Produktion im April und Mai leicht über dem Durchschnitt des ersten Quartals gelegen habe. Das nähre die Hoffnung, dass die Industrie die Wende geschafft hat. Für das zweite Quartal ist laut Solveen zwar kaum mit einem nennenswerten Plus beim Bruttoinlandsprodukt zu rechnen. Aber in den folgenden Quartalen dürfte es weiter steigen, auch weil spätestens im kommenden Jahr deutliche Impulse von der Finanzpolitik kommen würden.
Alles in allem hätten die Daten die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die deutsche Industrie mehr als nur einen Aufschwung durch Vorzieheffekte im Zusammenhang mit angekündigten US-Zöllen erlebe, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING und fuhr fort: "Für eine Entwarnung ist es noch zu früh, aber die Anzeichen für eine zumindest konjunkturelle Erholung, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus, mehren sich."
Skeptischer äußerte sich Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank: "Auch wenn die Industrieproduktion im zweiten Quartal per Saldo auf Erholungskurs bleibt, ist dennoch von keinem starken Wachstum auszugehen." Hierfür seien die Einzelhandelsumsätze zu schwach gewesen. Dies lässt dem Fachmann zufolge auf eine schleppende Entwicklung des privaten Konsums im zweiten Quartal schließen./la/jsl/stk
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