- Schaeffler plant den Abbau von 3.460 Stellen in Europa.
- Vier Standorte in Deutschland sollen geschlossen werden.
- 50 Prozent der Stellen betreffen die Produktion.
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HERZOGENAURACH (dpa-AFX) - Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler
Das jährliche Ergebnis solle sich durch die Maßnahmen ab 2030 um 300 Millionen Euro verbessern. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld veranschlagt für das Sparprogramm Einmalkosten von rund 480 Millionen Euro.
Die Schaeffler-Aktie verlor am Dienstag in einem schwachen Gesamtmarkt gut zwei Prozent auf 5,84 Euro. Damit beläuft sich das Minus seit dem Jahreswechsel auf fast 30 Prozent. Zum Ende des vergangenen Jahres hatte die Aktie eine Kursrally hingelegt, weil sich die Anleger viel vom Zukunftsgeschäft rund um humanoide Roboter versprochen hatten.
Vier Standorte in Deutschland sollen geschlossen werden
Fünf Standorte, davon vier in Deutschland, sollen perspektivisch geschlossen werden. Dazu gehören laut Schaeffler das Werk in Dortmund mit aktuell 430 Beschäftigten sowie der Standort Morbach mit 160 Mitarbeitenden.
Zudem ist laut Schaeffler geplant, die Aktivitäten am Standort Berlin mit aktuell etwa 270 Beschäftigten einzustellen und den Standort Schwalbach aufzugeben. Ein Großteil der rund 385 Beschäftigten solle an den Schaeffler-Standort in Frankfurt wechseln. Insgesamt seien rund 190 Stellen vom Abbau betroffen.
Weiterhin sei vorgesehen, die Aktivitäten im Werkzeugbau am Standort Höchstadt einzustellen und im Sondermaschinenbau an den Standorten Erlangen und Schweinfurt Anpassungen vorzunehmen. Ferner seien Kapazitäts- und Strukturanpassungen an weiteren Standorten in Deutschland - darunter Herzogenaurach, Bühl, Höchstadt, Nürnberg und Regensburg - geplant.
Scharfe Kritik von IG Metall
Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat kritisierten das neuerliche Sparprogramm scharf. "Bei Schaeffler folgt inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind", sagte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler. "Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland."
50 Prozent des Stellenabbaus betreffen die Produktion
Nach Abschluss der im November 2024 bekannt gegebenen Strukturmaßnahmen sowie von 1.800 Altersteilzeitverträgen Anfang Oktober habe der Vorstand beschlossen, ein weiteres Ergebnisverbesserungsprogramm zu starten, hieß es weiter. Ziel sei es, Überkapazitäten abzubauen, Entwicklungskapazitäten anzupassen, Personalkosten zu senken und die Komplexität der Organisation zu reduzieren.
Vor zwei Jahren hatte der Konzern nach der Übernahme des Antriebsspezialisten Vitesco die bis dato letzte Sparrunde eingeläutet, mit der konzernweit rund 4.700 Stellen bis 2029 wegfallen sollten. Damit kamen die Mittelfranken schneller voran als gedacht und vereinbarten letztlich die Aufhebung von gut 4.800 Arbeitsverträgen.
Lange war der Zulieferer stark auf den Verbrennerbereich ausgerichtet und baut sich schrittweise um. In Deutschland hatte Schaeffler Ende 2024 noch 35.051 Beschäftigte. Mit dem neuen Abbau soll die Zahl bis 2028 auf rund 26.320 sinken. Ende September gehörten 31.957 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Stammbelegschaft in Deutschland.
Zum Stellenabbau hieß es, rund 50 Prozent beträfen die Produktion, 30 Prozent den Bereich Forschung und Entwicklung und 20 Prozent weitere Funktionsbereiche. Vom Abbau seien 16 Standorte in der Region Europa betroffen.
"Mit dem heute bekanntgegebenen Ergebnisverbesserungsprogramm wollen wir zeigen, dass es trotz der schwierigen Rahmenbedingungen möglich und sinnvoll ist, in Deutschland und Europa langfristig wettbewerbsfähig und kosteneffizient zu entwickeln und zu produzieren", sagte Unternehmenschef Rosenfeld laut Mitteilung. "Das setzt voraus, dass wir Standorte konsolidieren, Technologiekompetenzen in ausgewählten regionalen Clustern bündeln und die Personalkosten pro Kopf optimieren."
Über alle Hierarchieebenen hinweg, beginnend beim Vorstand, soll ein sogenannter Solidaritätsbeitrag unter anderem mit einem zeitlich begrenzten Gehaltsverzicht ebenfalls zu Einsparungen beitragen. "Als Familienunternehmen ist es uns besonders wichtig, dass wir die notwendigen Maßnahmen im engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen sozialverträglich umsetzen", sagte Personalchefin Astrid Fontaine laut Mitteilung.
Daneben bestätigte Schaeffler die bereits bekannten Eckdaten aus dem dritten Quartal. Der Umsatz lag mit 5,81 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau. Vor Sondereffekten sowie vor Zinsen und Steuern verdiente der Konzern 245 Millionen Euro und damit 7,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Unter dem Strich fiel wegen bereits bekannter Rückstellungen für das schwache Elektroauto-Zuliefergeschäft in China ein Verlust von 83 Millionen Euro an. Ein Jahr zuvor waren es noch 287 Millionen Euro Verlust gewesen, damals vorwiegend wegen einer Wertminderung infolge einer Softwareumstellung. Die Jahresprognose bestätigte das Management./men/sl/mis/stk
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