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Disney – Erwacht die Aktie aus dem Dornröschenschlaf?

Die Aktie von Disney tritt seit über zehn Jahren auf der Stelle. So zumindest der Eindruck angesichts der anhaltenden Seitwärtsperformance seit 2015. Allerdings glich der Ritt auf dem Aktienkurs zwischendurch einer Achterbahnfahrt im Disneyland. Der rasante Aufstieg des Streamingservices Disney+ beflügelte Investorenfantasien und trieb die Aktie mehrfach auf neue Hochs. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schließungen der Parks haben den Aktienkurs dann zwischenzeitlich um über 40 Prozent geschmälert. Danach sind Anleger wieder der Streaming-Euphorie verfallen und die Aktie hat sich mehr als verdoppelt.

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Märchenschloss im Disneyland.
Quelle: - unsplash.com:

Heute notiert Disney dennoch wieder knapp 50 Prozent unter dem Allzeithoch aus dem März 2021, obwohl die operative Erholung in vollem Gange ist. Und Langzeit-CEO Bob Iger hat die Führung erst kürzlich an den früheren Themenpark-Chef Josh D‘Amaro übergeben, während sich Disneys Kreuzfahrtschiffs-Flotte verdoppelt und ein neuer Themenpark in Abu Dhabi entstehen soll.

Disney Aktionäre haben eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Disney Aktionäre haben eine bewegte Vergangenheit hinter sich.

Im Aktienfinder Börsenbrief habe ich Disney für euch zum ersten Mal vor genau drei Jahren analysiert. Zwischendurch gab es kurze und knackige Updates in unserer Serie „Kaufenswerte Aktien“ im Juli 2024 und im Februar 2026. Seit all diesen Analysen war mit der Disney Aktie tatsächlich wieder ein wenig Geld zu verdienen, wenngleich der schwache US-Dollar in Euro gemessen selbst diese Kursgewinne wieder zunichtegemacht hat.

In dieser Analyse erfahrt ihr, wie ich heute zur Disney Aktie stehe und, ob ich investiert bleibe.

Die Disney Aktie in meinem Depot

In die Disney Aktie bin ich selbst seit Jahren mit einem einstelligen Prozentanteil meines Portfolios investiert. Käufe habe ich zu Covid-Zeiten 2020, während der Korrektur im Jahr 2022, und im US-Zoll-Crash 2025 getätigt. Die Kursperformance liegt wegen des schwachen US-Dollars somit bei Null, doch immerhin trudeln seit Ende 2023 wieder Dividenden ein. An anderer Stelle habe ich aber ein Vielfaches der erhaltenen Dividenden in Disney-Parks auf drei verschiedenen Kontinenten ausgegeben und verstehe das Geschäft somit aus Konsumentensicht sehr gut.

Eigene Reiseaufnahmen von links oben nach rechts unten: (1) Disneyland Paris (2) Magic Kingdom im Disney World Orlando, Florida mit Walt Disney Statue (3) Disneyland Tokyo (4) Disney Store am Times Square in New York City (5) Disney Wonder Kreuzfahrtschiff vor Anker in Sydney gesichtet (6) Disney Store in Shibuya, Tokyo. Eigene Reiseaufnahmen von links oben nach rechts unten: (1) Disneyland Paris (2) Magic Kingdom im Disney World Orlando, Florida mit Walt Disney Statue (3) Disneyland Tokyo (4) Disney Store am Times Square in New York City (5) Disney Wonder Kreuzfahrtschiff vor Anker in Sydney gesichtet (6) Disney Store in Shibuya, Tokyo.

Bevor wir in die Analyse einsteigen, rufen wir uns zunächst mein Fazit von vor drei Jahren in Erinnerung und prüfen anschließend Schritt für Schritt, wie das Geschäft von Disney heute dasteht:

Für sicherheitsbedürftige Investoren offenbart sich Disney aufgrund der Krisen der letzten Jahre und des kostspieligen Streaming-Bereichs aktuell nicht als Qualitätsaktie. (…) Im Falle des Erfolgs wird der Medienkonzern zur früheren operativen Ertragskraft zurückkehren und diversifizierter dastehen denn je! Einige Zeichen stehen auf Grün, aber der Erfolg ist keine ausgemachte Sache. (…) Wer mit dem Disney-Universum persönlich nicht viel anzufangen weiß, kann sich aber auch getrost fernhalten. (Fazit im Mai 2023)

Was gibt es Neues bei Disney?

Nun werfen wir einen Blick auf die neuesten Entwicklungen der letzten Monate. Beginnen wir mit dem Wechsel an der Konzernspitze, der eine neue Ära einleitet.

Die neue Experience-Ära beginnt

Vor gut einem Monat hat die rund zwei Jahrzehnte lange „Bob Iger-Ära“ bei Disney ein Ende genommen. Iger, unten rechts im Bild, war mit einer knapp dreijährigen Unterbrechung seit 2005 CEO des Konzerns. Unter ihm hat sich Disney um Pixar, Marvel, Lucasfilm und 20th Century Fox vergrößert und Disney+ wurde gelauncht. Trotz des schwachen letzten Jahrzehnts hat die Disney Aktie während seiner Amtszeit immerhin einen Total Return von acht Prozent pro Jahr abgeworfen.

Iger tritt nun früher als geplant zurück. Berichten zufolge wolle er endlich seine Hobbys genießen, während ihm politische Querelen wie jene rund um Late-Night-Show-Host Jimmy Kimmel im vergangenen Jahr einiges an Nerven gekostet haben sollen. Dieser war nach politischem Druck aus der Trump-Regierung abgesetzt worden. Es folgte eine Disney+ Kündigungswelle, woraufhin Kimmel wenig später wieder ins Programm genommen wurde.

Der neue CEO Josh D’Amaro, unten im Bild zweiter von links, war zuvor Themenpark-Chef von Disney. Das ist einerseits die Cash-Cow schlechthin im Konzern. Andererseits sind seine Persona und sein Segment politisch weniger vorbelastet, anders als etwa das politisch teils umstrittene Mediensegment. Er scheint daher eine geeignete Besetzung an der Spitze zu sein. Dana Walden, zweite von rechts, ist jetzt der kreative Kopf der Entertainment-Sparte.

Von links nach rechts: James P. Gorman, Josh D'Amaro, Dana Walden, Robert A. Iger Von links nach rechts: James P. Gorman, Josh D'Amaro, Dana Walden, Robert A. Iger

Mit Josh D’Amaro vollzieht sich bei Disney ein Generationenwechsel. Während Iger mit den genannten Übernahmen als Stratege galt, scheint D’Amaro mit seinem Themenpark-Hintergrund optimal für den Ausbau des Experiences Segments geeignet zu sein. Immerhin stehen hohe Investitionen in Parks und Kreuzfahrtschiffe derzeit im Zentrum bei Disney, worauf wir gleich noch zu sprechen kommen.

Neuer Disney-Park in Abu Dhabi

Mit Abu Dhabi hat Disney derzeit schon beinahe buchstäblich ein heißes Eisen im Feuer. Erst vor einem Jahr hat der Konzern seinen siebenten Themenpark ausgerechnet in der Golfregion angekündigt, die seit diesem Jahr vom Iran-Krieg destabilisiert wird. Zwar sind die Vereinigten Arabischen Emirate nicht direkt in den Konflikt involviert, doch iranische Raketen haben auch die Hauptstadt Abu Dhabi getroffen.

Und genau dort soll auf Yas Island in den frühen 2030er Jahren ein neuer Disneypark öffnen. Wirtschaftlich macht der Plan Sinn. 120 Millionen Touristen nutzen jährlich Abu Dhabi und das nahegelegene Dubai als Umsteige-Hubs oder besuchen die Region. Der Standort liegt eingebettet zwischen Asien mit Indiens 1,4 Milliarden Einwohnern, Europa, Afrika und dem mittleren Osten selbst. Ein Drittel der Weltbevölkerung kann Abu Dhabi in nur vier Stunden Flugzeit erreichen. Außerdem dürfte Disney kaum finanzielle Risiken tragen. Denn der Park wird nicht von Disney selbst, sondern von dem staatlichen Unternehmen Miral finanziert, gebaut und betrieben. Das Unternehmen ist auch für Themenparks wie Ferrari World oder Warner Bros. World bekannt. Disney wird das Vorhaben kreativ und beratend begleiten und anschließend Lizenzgebühren einnehmen.

Concept Art des neuen Disney Parks in Abu Dhabi Concept Art des neuen Disney Parks in Abu Dhabi

Wegen der langen Umsetzungsdauer bis zur Parkinbetriebnahme hat der heutige Konflikt hoffentlich nur wenig Einfluss auf das Projekt. Bis zur Eröffnung kann sich die geopolitische Lage noch zigfach wandeln – zum Positiven und zum Negativen. Zusätzliche Profite aus dem Park sind daher wohl ohnehin noch kaum eingepreist. Außerdem trägt Disney, wie bereits erwähnt, kaum finanzielle Risiken an dem Vorhaben. Bislang deutet auch alles darauf hin, dass das Projekt planmäßig fortgeführt wird. Das hat CEO Josh D’Amaro erst kürzlich signalisiert. Auch Miral CEO Mohamed Abdalla Al Zaabi beglückwünscht Disneys neuen Themenparkchef Thomas Mazloum auf LinkedIn und bestätigt nochmals die Zusammenarbeit am Park in Abu Dhabi.

Die Zuversicht über Disney in Abu Dhabi ist auf Miral CEO’s LinkedIn schwer zu übersehen Die Zuversicht über Disney in Abu Dhabi ist auf Miral CEO’s LinkedIn schwer zu übersehen

Hohe, aber leistbare Investitionen

Den Löwenanteil seiner Wachstums- und Investitionsbestrebungen steckt Disney derzeit in den Ausbau seines Experiences Segments. Vor allem die Flotte an Kreuzfahrtschiffen wird seit einiger Zeit deutlich vergrößert. Derzeit betreibt Disney acht Schiffe, wovon die beiden jüngsten, die Disney Destiny und die Disney Adventure, erst seit November und März in See stechen. In den kommenden Jahren sollen fünf weitere hinzukommen. Damit wird Disney seine Flotte im laufenden Jahrzehnt mehr als verdoppelt haben.

Hinzu kommen zahlreiche Parkerweiterungen. Hier bei uns in Europa hat erst vor einem Monat das Adventure World neben dem Hauptpark Disneyland Paris eröffnet. Damit profitiert der bisherige Nebenpark, der zuvor „Disney Studios“ geheißen hat, von einer deutlichen Aufwertung, inklusive einer eigenen „Frozen“-Welt zu Ehren des gleichnamigen Kino-Kassenschlagers.

Adventure World in Paris öffnete im März seine Pforten Adventure World in Paris öffnete im März seine Pforten

Die Summe beider Balken unterhalb zeigt Disneys Rekordstand beim operativen Cashflow um 18 Milliarden USD. Allerdings investiert Disney auch Rekordsummen vor allem in den Ausbau seines Experiences-Segments (der orangenfarbene Teil der Balken). Vor Disney+ und Covid hat das Unternehmen rund ein Drittel seines operativen Cashflows reinvestiert, die aktuellen Committments liegen dagegen bei über 40 Prozent. Immerhin entwickelt sich trotz allem auch der nach Investitionen verbleibende freie Cashflow (in grün) auf lange Sicht weiterhin robust.

Disney kann sich wieder hohe Wachstumsinvestitionen leisten

So läuft das operative Geschäft

Fundamental macht Disney nach den Krisenjahren wieder eine bessere Figur. Gewinne und Cashflows haben sich wieder deutlich erholt. Auf Pro-Aktie-Basis liegen sie aufgrund hoher Aktionärsverwässerungen im Zuge der 20th Century Fox-Übernahme noch etwas unter den Vor-Krisenniveaus, sollen aber laut Prognosen schon in ein bis zwei Jahren neue Rekorde erklimmen. Die erwähnten hohen Investitionen im Experiences Segment bremsen den freien Cashflow etwas aus. Zudem ist Disney wieder ein Dividendenzahler und kann sich diese auch locker aus eigener Kraft leisten. Die Nettomargen haben ebenfalls zurück in den zweistelligen Prozentbereich gefunden.

Disneys Comeback im Aktienfinder Qualitätscheck Disneys Comeback im Aktienfinder Qualitätscheck

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