Die Kritik richtet sich gegen Genehmigungen, die seit Dezember 2025 vergeben worden sind. Die Aufsichtsbehörde hat in diesem Zeitraum mindestens neun nationale Lizenzen für Krypto-Unternehmen bewilligt. Zu den begünstigten Konzernen gehören namhafte Branchengrößen wie Ripple, Circle, Paxos, Fidelity, BitGo und Coinbase.
Die Senatorin sieht in dem Vorgehen ein bewusstes Unterlaufen der Finanzmarktstabilität. Krypto-Unternehmen agieren nach Ansicht von Warren als Krypto-Banken, ohne die fundamentalen Verpflichtungen eines regulierten Instituts zu tragen. In ihrem Schreiben betont Warren: “Ihre Entscheidung, diese regulatorische Arbitrage zu erleichtern, steht nicht nur im Widerspruch zum Bundesrecht, sondern birgt auch ernsthafte Risiken für die Verbraucher, die Sicherheit und Solidität des Bankensystems sowie die Trennung von Banken und Handel.”
Die Geschäftspläne der Krypto-Unternehmen weisen laut Warren keine spezifischen treuhänderischen Aktivitäten auf. Solche Tätigkeiten müssten jedoch das primäre Geschäft einer nationalen Treuhandgesellschaft darstellen.
Der Widerstand gegen die Praxis der US-Bankenaufsicht kommt nicht nur aus der Politik. Der amerikanische Bankenverband American Bankers Association hat die Behörde bereits im Februar zu einem defensiveren Kurs aufgefordert. Die Vertretung der traditionellen Banken verweist auf ungelöste Risiken bei Insolvenzprotokollen sowie auf das Fehlen einer finalen Bundesaufsicht für den Krypto-Sektor. Als ranghöchstes Mitglied im zuständigen Ausschuss des US-Senats erhöht Warren den Druck auf die Aufsicht nun deutlich.
Rückenwind erhalten die Krypto-Unternehmen derweil aus dem Weißen Haus. US-Präsident Donald Trump hat die Federal Reserve per Dekret angewiesen, ihre Regeln für den Zugang von Fintech- und Krypto-Firmen zu den Zahlungssystemen der US-Notenbank zu überprüfen. Ziel sei es laut Executive Order, “übermäßig belastende” Vorschriften abzubauen und digitale Vermögenswerte stärker in das traditionelle Finanzsystem zu integrieren.
Im Fokus stehen dabei sogenannte “Master Accounts” der Federal Reserve. Diese würden es Unternehmen wie Ripple oder Coinbase ermöglichen, direkt auf die zentralen Zahlungsnetzwerke der USA zuzugreifen – ohne den Umweg über klassische Geschäftsbanken.
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