
High Noon auch für die Verteidigungsbranche
Die US-Quartalssaison läuft auf Hochtouren, das gilt längst auch für Unternehmen aus dem Rüstungs- und Verteidigungsbereich. Nach den Zahlen von RTX, Lockheed Martin und Northrop Grumman in der vergangenen Woche hat sich am Mittwoch General Dynamics mit seinem Geschäftsbericht zu Wort gemeldet.
Der Konzern ist aufgrund seiner breiten Diversifizierung gut mit Rheinmetall vergleichbar, dass sich ebenfalls stark darum bemüht, sein Produkt- und Dienstleistungsportfolio zu vergrößern. Damit stellt General Dynamics eine wichtige Benchmark dar, an der sich die Düsseldorfer, deren Aktie in diesem Jahr mit einem Minus über 12 Prozent noch keine Akzente setzen konnte, messen lassen müssen.
Zum starken Abschneiden trug vor allem das Marinegeschäft mit einem Umsatzplus von 21,0 Prozent auf 4,34 Milliarden US-Dollar bei. Bei landgestützten Systemen konnte ein Plus von 4,9 Prozent verzeichnet werden, das mit in etwa gleichauf mit dem Segment Technologies (+4,2 Prozent) lag, die damit die Underperformer bildeten.
Besser wiederum lief es im Luft- und Raumfahrtgeschäft mit einer Leistungssteigerung von 8,4 Prozent auf 3,28 Milliarden US-Dollar. Das warf dank einer operativen Marge von 15,0 Prozent gleichzeitig auch die höchsten Erträge ab (493 Millionen US-Dollar). Insgesamt erzielte General Dynamics einen operativen Ertrag von 1,42 Milliarden US-Dollar, was gegenüber dem Vorjahresquartal einem Anstieg von 12,0 Prozent entspricht.
Starke Auftragseingänge, volles Orderbuch
Der Gewinn pro Aktie nach standardisierter Rechnungslegung GAAP landete mit 4,10 US-Dollar um 41 Cent über den Erwartungen. Insgesamt konnte ein auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallender Nettogewinn von 1,125 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet werden. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahreswert von 994 Millionen US-Dollar ein Wachstum von 13,2 Prozent. Der Cashflow aus operativer Tätigkeit lag bei 2,2 Milliarden US-Dollar.
Neben Margenverbesserungen hat auch ein starker Auftragseingang zum guten Abschneiden beigetragen. Insgesamt gingen Orders über 26,56 Milliarden US-Dollar ein, was einer Book-to-Bill-Rate von 2 zu 1 entspricht. Insgesamt liegt der Backlog jetzt bei 188,4 Milliarden US-Dollar. Das garantiert zukünftiges Wachstum.
Aktie zündet den Turbo, könnte Abwärtstrend hinter sich lassen
Anlegerinnen und Anleger zeigten sich über die überraschend klar geschlagenen Erwartungen erfreut. Schon in der US-Vorbörse ging es für die Aktie fast 7 Prozent nach oben. Damit gelang gegenüber dem Jahreswechsel der Vorzeichenwechsel – auch die Aktie von General Dynamics war in den vergangenen Wochen von Verlusten betroffen.
Kann sie die zum Handelsauftakt gewährten Gewinne verteidigen und geringfügig ausbauen, würde sie mit einem Anstieg über die zuletzt aufgegebene 200-Tage-Linie ein Kaufsignal liefern. Technisch war General Dynamics zwar zuletzt sehr schwach, doch gerade das bietet jetzt mit Blick auf den überkauften RSI eine Rebound-Chance. Als abgehakt dürfte der Abwärtstrend jedoch erst oberhalb der 50-Tage-Linie gelten.
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Fazit: Dank moderater Bewertung dürfte die Aktie weiter steigen
General Dynamics hat mit einem sehr starken Quartalsergebnis die Erwartungen des Marktes weit übertroffen. Der hohe Auftragseingang sowie der turmhohe Backlog verbürgen sich für fortgesetztes Wachstum auch in Zukunft – das erinnert an Rheinmetall.
Gleichzeitig herrschen große Bewertungsunterschiede. General Dynamics ist für 2026 mit einem KGVe von 19,2 bewertet. Das ist nicht nur gegenüber dem Branchendurchschnitt von 20,3, sondern auch mit Blick auf Rheinmetall (37,2) ein sehr moderater Wert. Auch bei vielen weiteren Kennzahlen, darunter dem EV/EBTIDA-Verhältnis sowie der Cashflow-Rendite, haben die US-Amerikaner die Nase vorn – das gilt übrigens auch für die eingangs erwähnten, anderen Mitbewerber.
Wer weiter auf Rheinmetall setzt muss sich daher die Frage stellen, was das Unternehmen so viel wertvoller als die nicht minder wachstumsstarken Konkurrenten machen soll.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
