Digitale Währungen entwickeln sich an der Schnittstelle von Technologie, Politik und Ökonomie. Jede dieser drei Dimensionen treibt die Entwicklung voran – doch erst ihr Zusammenspiel erzeugt das Gesamtbild, das über die Zukunft unseres Geldes entscheidet. Technologische Innovationen ermöglichen neue Formen des Bezahlens, politische Rahmenbedingungen bestimmen ihre Ausgestaltung, und ökonomische Realitäten sowie gesellschaftliche Präferenzen entscheiden über ihre Akzeptanz. Der folgende Beitrag betrachtet diese drei Ebenen bewusst gemeinsam und zeigt, wie sich aus ihrer Wechselwirkung ein neues monetäres Ökosystem formt, in dem digitale Zentralbankwährungen, Stablecoins und Kryptowährungen unterschiedliche, aber einander ergänzende Rollen einnehmen.
Digitale Zahlungen machen je nach Land bereits bis zu 90 Prozent aller Transaktionen aus. Doch bares Zentralbankgeld ist davon bisher ausgeschlossen. Denn bisher gibt es für Unternehmen und Menschen nur physisches Bargeld von der Zentralbank, jedoch kein digitales. Einzig Banken verfügen über digitales Zentralbankgeld in Form digital geführter Zentralbankkonten. Dies wird die kommenden Jahre anders – in Europa und weltweit. Laut der Ankündigung der Europäischen Zentralbank soll der digitale Euro als digitales Bargeld bereits 2029 in der Europäischen Union eingeführt werden. Dabei wird auf zwei Varianten gesetzt: Retail-CBDC, für Bürgerinnen und Bürger mit anonymer Bezahlmöglichkeit innerhalb der EU; zum Schutz vor Missbrauch jedoch auf kleinere Guthaben von einigen tausend Euro beschränkt, durchaus aber immer wieder neu aufladbar für neue Zahlungen. Und Wholesale-CBDC, für größere, nicht anonyme und auch internationale Zahlungen zwischen Unternehmen. In China hat man mit dem digitalen Yuan digitales Zentralbankgeld bereits im Pilot- und Testbetrieb eingeführt. Und auch fast alle anderen Zentralbanken weltweit arbeiten an solchen Lösungen. Eine gute Übersicht dazu bietet die Webseite cbdctracker.org.
Die USA planen derzeit keine digitale Zentralbankwährung mehr. Die Trump-Administration hat alle entsprechenden Projekte im vergangenen Jahr mit der Executive Order 14178 eingestellt. Sie setzen stattdessen auf staatlich regulierte Stablecoins, mit US-Dollar hinterlegte Krypto-Coins wie Thether oder USDC. Erst letztes Jahr wurde hierzu der sogenannte GENIUS Act zu deren umfassenden Regulierung eingeführt. Dies schafft Rechtssicherheit und macht die Stablecoins so für einen Massenmarkt tauglich. Stablecoins werden jedoch von privaten Anbietern herausgegeben und stellen eine reine Forderung auf US-Dollar dar, hinterlegt in Form etwa kurzfristig laufender US-Staatsanleihen. Sie sind kein von der Zentralbank selbst herausgegebenes digitales Bargeld. Damit sind sie weniger sicher und auch kein überall zu akzeptierendes gesetzliches Zahlungsmittel.

Der Datenschutz kann etwa durch geplante anonyme Offline-Zahlverfahren gewährleistet werden, direkt von Smartphone zu Smartphone über NFC oder RFID (Near Field Communication, Radio Frequency Identification) erfolgen. Dabei gibt es keine gemeinsame Buchführung wie in einer Blockchain oder einem Bankensystem. Die Information darüber, wer wie viel Geld gerade hat, wäre allein lokal auf den Endgeräten der Nutzer gespeichert. Die Sicherheit dessen gegen missbräuchliche Manipulation kann über allein durch die Zentralbank herausgegebene Chips sichergestellt werden, die in Smartphones direkt verbaut oder als SIM-Karte eingelegt sind – sozusagen ein gekapseltes, hardwaretechnisch in sich geschlossenes System.
Um hier trotz der Anonymität vor Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu schützen, gäbe es allerdings Zahlungs- und Guthabenlimits. Ähnlich funktionierte das bereits bei den Geldkarten, die auf gewöhnliche EC-Karten ausgestanzt wurden, aufgeladen werden und direkt zur Zahlung eingesetzt werden konnten. Technisch war das bereits ausgereift, hatte sich allerdings wegen mangelnder Usability nie durchgesetzt, was jedoch mit heutigen Smartphones anders wäre. Die Tatsache, dass man mit dem digitalen Euro wirklich anonym und offline bezahlen könnte, wäre eine echte Innovation, die weder Kryptowährungen noch Stablecoins oder Tokenized Deposits bieten können.
Digitale Zentralbankwährungen werden als eine Art digitales Alltagsgeld für Bürgerinnen und Bürger im Alltag innerhalb von Währungsräumen verwendet werden; ergänzt um eine Wholesale-Variante für größere Zahlungen zwischen Unternehmen. Ein wesentliches Argument für den digitalen Euro ist auch, ein alternatives Payment-Format zu amerikanischen Zahlverfahren per Kreditkarte und PayPal zwischen Retail-Bereich (Kunden) und Wholesale-Bereich (Händlern) zu schaffen und so mehr europäische Unabhängigkeit zu wahren.
Parallel dazu werden Kryptowährungen wie Bitcoin eher eine Art digitales Gold zur Wertaufbewahrung und für größere internationale Vermögensverschiebungen bleiben, in der Hand von Zentralbanken und anderen professionellen Nutzern.
Für Kryptowährungen hat sich ihr Schicksal als digitales Gold längst erfüllt. Digitale Zentralbankwährungen werden erst kommen und man muss die Entwicklung erst abwarten. Aber es ist abzusehen und auch durch unsere Umfragen bestätigt, dass im Alltag digitale Zentralbankwährungen zur Zahlung gut angenommen werden und schnell einen Massenmarkt erschließen könnten; anders als Kryptowährungen, die sich in diesem Bereich nie wirklich durchgesetzt haben.
Letztendlich wäre das nichts anderes als eine Verlagerung von dem, was bisher für die physische Ebene galt, auf die digitale Ebene und damit im Grundprinzip nichts Neues. So wie Gold als physische Reserve und physisches Bargeld in Form von Scheinen und Münzen für Alltagszahlungen benutzt wird, so könnten in Zukunft Kryptowährungen als bare digitale Reserve und digitale Zentralbankwährungen für digitale bare Alltagszahlungen genutzt werden.
Am Ende zeigt sich, dass die Zukunft des Geldes weder allein technologisch noch rein politisch oder ausschließlich ökonomisch verstanden werden kann. Erst im Zusammenspiel dieser drei Ebenen entsteht das Gesamtbild eines monetären Systems, das sich grundlegend wandelt. Digitale Zentralbankwährungen, Stablecoins und Kryptowährungen entwickeln sich nicht isoliert, sondern beeinflussen sich gegenseitig über Regulierung, technologische Innovationspfade und gesellschaftliche Nutzungsmuster. Wer diese Entwicklungen verstehen will, muss sie daher gemeinsam betrachten – als miteinander organisch verwachsene Elemente eines neuen digitalen Währungsökosystems, das sich in Echtzeit formt. Gerade dieser Dreiklang aus Technik, Politik und Ökonomie macht sichtbar, wohin die Reise geht: hin zu einer Geldordnung, die gleichzeitig stabil, innovativ, global anschlussfähig und pragmatisch ist – mit CBDC als Alltagszahlgeld, Stablecoins als privatem Innovationsvehikel und Kryptowährungen als digitalem Wertanker.“
Dr. Robert Bosch ist Leiter des Bereichs Financial Services bei BearingPoint. Sein Anliegen bei BearingPoint als Management- und Technologie-Beratung ist es, Finanzinstitute dabei zu unterstützen, ihre Geschäftsmodelle durch Innovation zu verbessern.

Ralph Bärligea ist Co-Autor des Beitrags. Er ist als Business Advisor bei BearingPoint im Bereich Zahlungsverkehr tätig. Seine Schwerpunkte sind neben Blockchain-Technologie und digitalem Geld auch Datenschutz und Informationssicherheit sowie die Einhaltung der Regulatorik im Finanzwesen, etwa bei der Geldwäscheprävention.

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