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Buch über Russlandpolitik: Alle roten Linien überfahren

BERLIN (dpa-AFX) - Mehrere Bundesregierungen haben frühe Warnungen vor dem aggressiven Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin vernachlässigt und weiter Hoffnung in eine Zusammenarbeit gesetzt. Dabei wurden auch Hinweise deutscher Geheimdienste außer Acht gelassen, die schon nach der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 zu einer entschlosseneren Reaktion wie einer Schließung russischer Generalkonsulate rieten, zeigen die Autoren Georg Mascolo und Katja Gloger in ihrem Buch "Das Versagen".

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Eine Frau beim Lesen eines Buches (Symbolbild).
Quelle: - pixabay.com:

"Man hätte sehr viel früher scharf reagieren müssen. Es blieb immer ohne echte Konsequenzen. Ich habe nie verstanden, dass man den Russen so viel durchgehen lässt. Alle roten Linien wurden überfahren", zitieren die Autoren den früheren deutschen Verfassungsschutzpräsidenten Thomas Haldenwang.

"Was lässt sich ein deutscher Staat noch alles gefallen"

Er rechnet auch mit der Reaktion auf konkrete Drohungen gegen den Kremlkritiker Alexej Nawalny während dessen Aufenthaltes in Deutschland nach der Nowitschok-Vergiftung ab: "Es gab keine abstrakte, sondern eine ganz konkrete Gefährdung für ihn, die uns sehr beschäftigt hat. Ich habe mich gefragt, was lässt sich ein deutscher Staat noch alles gefallen."

Das in der beginnenden Woche erscheinende Buch analysiert die Russlandpolitik Deutschlands in den vergangenen Jahrzehnten. Wolfgang Ischinger, Vorsitzender des Stiftungsrates der Münchner Sicherheitskonferenz, erklärte dazu: "Eine umfassende kritische Aufarbeitung der deutschen Russlandpolitik der letzten Jahrzehnte war überfällig." Das Buch sei "absolute Muss-Lektüre für jeden, der sich für die hoffnungsvollen Zielsetzungen, Illusionen und idealistischen Irrwege unserer Außenpolitik interessiert."

Diplomatin: Putin hat Deutschland "sehr früh getäuscht"

Die Autoren betrachten die Hintergründe der umjubelten Rede Putins im Deutschen Bundestag 2001 über seinen schon Besorgnis auslösenden Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz sechs Jahre später bis in die Zeit nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Noch nach der Münchner Rede im Jahr 2007 sei in Szenarien der deutschen Regierung davon ausgegangen worden, dass ein sogenanntes imperial-autoritäres Russland "wenig wahrscheinlich" sei, so die Autoren. Die deutsche Spitzendiplomatin Emily Haber wird in dem Buch so zitiert: "Alle Indizien sprechen dafür, dass uns Putin sehr früh getäuscht hat. Und sich viele von ihm täuschen ließen."/cn/DP/zb

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