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BYD unter Schock: Gewinn bricht um 55 Prozent ein – jetzt muss das Ausland den E-Auto-Riesen retten

BYD galt lange als nahezu unaufhaltsam. Doch jetzt zeigt sich: Auch Chinas größter E-Auto-Hersteller kann sich dem brutalen Preiskampf im Heimatmarkt nicht entziehen. Der Gewinn brach im ersten Quartal um mehr als die Hälfte ein. Nun soll das Auslandsgeschäft die Wende bringen.
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BYD meldet Zahlen
Quelle: - KI generiert mit DALL-E
BYD Co Ltd 11,80 € BYD Co Ltd Chart +4,54%
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Geely Automobile Ltd 2,4265 € Geely Automobile Ltd Chart +2,47%
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Tesla Inc 322,00 € Tesla Inc Chart +0,26%
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Der chinesische Elektroauto-Riese BYD hat einen herben Dämpfer erlitten. Im ersten Quartal brach der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 55,4 Prozent auf 4,1 Milliarden Yuan ein. Das entspricht rund 600 Millionen US-Dollar. Es ist der stärkste Quartalsrückgang seit 2020 und ein klares Warnsignal für Anleger, die BYD bislang vor allem als unangefochtenen Gewinner der globalen Elektromobilität gesehen haben.

Auch beim Umsatz zeigte sich die Schwäche deutlich. Die Erlöse sanken um 11,8 Prozent auf 150,2 Milliarden Yuan. Damit setzte sich die negative Umsatzentwicklung bereits das dritte Quartal in Folge fort. Der Gewinn je Aktie fiel laut Börsenmitteilung von 1,0391 Yuan im Vorjahreszeitraum auf 0,448 Yuan.

Der Grund für den Einbruch liegt vor allem im Heimatmarkt. In China trifft BYD auf einen immer härteren Wettbewerb, sinkende Nachfrage in wichtigen Einstiegsklassen und einen aggressiven Preiskampf. Besonders im Segment günstiger Fahrzeuge unter 150.000 Yuan, in dem BYD traditionell stark ist, machen Rivalen wie Geely und Leapmotor zunehmend Druck. Gleichzeitig wurden staatliche Inzahlungnahme-Prämien für günstigere Elektroautos und Plug-in-Hybride gekürzt.

Das belastet ausgerechnet den Markt, auf dem BYD seinen Aufstieg zum weltgrößten Elektroauto-Verkäufer aufgebaut hat. Die Gesamtabsätze des Konzerns gingen im März den siebten Monat in Folge zurück. Das ist besonders brisant, weil BYD zwar international weiter stark wächst, die Schwäche im Inland aber bislang nicht vollständig ausgleichen kann.

Macquarie-Analyst Eugene Hsiao bringt die Lage auf den Punkt: "BYD ist darauf angewiesen, dass die inländischen Absatzvolumina im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal zulegen und im dritten Quartal eine nachhaltigere Erholung zeigen. Zudem muss bei BYD eine Rückgewinnung von Marktanteilen einsetzen, damit sich die Gesamtgewinne verbessern." Entscheidend wird also, ob BYD im zweiten Quartal wieder mehr Fahrzeuge im Heimatmarkt verkaufen kann und ob daraus im dritten Quartal eine echte Erholung der Marktanteile wird.

Ausland soll die Rettung bringen

Während der chinesische Markt schwächelt, forciert BYD seine Expansion im Ausland. Das Unternehmen will 2026 mindestens 1,5 Millionen Fahrzeuge außerhalb Chinas verkaufen. Das wäre ein Plus von mehr als 40 Prozent gegenüber 2025. Ein Gesamtabsatzziel für den Konzern nannte BYD allerdings nicht.

Morningstar-Analyst Vincent Sun rechnet für dieses Jahr mit einem Exportwachstum von 25 bis 30 Prozent. Der Gesamtabsatz dürfte seiner Einschätzung nach um rund 12 Prozent steigen. Das zeigt: International bleibt BYD auf Wachstumskurs. Doch die entscheidende Frage lautet, ob das Auslandsgeschäft schnell genug skaliert, um die Margenschwäche und den Absatzdruck in China zu kompensieren.

BYD setzt dabei auf zwei Strategien: mehr Technologie und mehr lokale Produktion. Der Konzern will nicht nur Autos exportieren, sondern zunehmend vor Ort produzieren und vertreiben. Das soll Zölle, politische Risiken und logistische Kosten reduzieren. Besonders Europa, Südostasien und Lateinamerika gelten als wichtige Wachstumsmärkte.

Technologieoffensive gegen den Vertrauensverlust

Um den technologischen Vorsprung zurückzugewinnen, setzt BYD verstärkt auf ultraschnelle Ladetechnik. Neue Batterielösungen sollen Ladezeiten drastisch reduzieren und damit auch Fahrer klassischer Verbrenner überzeugen. Laut Berichten stellte BYD zuletzt Technologien vor, mit denen Elektroautos in wenigen Minuten erheblich nachgeladen werden können.

Gleichzeitig greift BYD das Premiumsegment an. Auf der Pekinger Automesse startete der Konzern den Vorverkauf für das elektrische Full-Size-SUV Datang. Damit folgt BYD einem klaren Trend chinesischer Autobauer: weg vom reinen Volumenmodell, hin zu höherpreisigen Fahrzeugen mit stärkerer Marge. Der Angriff richtet sich damit nicht nur gegen Tesla, sondern zunehmend auch gegen europäische Premiumhersteller.

Allerdings zeigt sich auch hier der Kostendruck. BYD kündigte an, den Aufpreis für sein lidar-basiertes Fahrerassistenzsystem God’s Eye B zum 1. Mai von 9.000 auf 12.000 Yuan zu erhöhen. Als Grund nannte das Unternehmen gestiegene weltweite Kosten für Speicherhardware. Für Anleger ist das ein doppeltes Signal: Einerseits kann BYD Preiserhöhungen durchsetzen, andererseits steigen auch die Kosten für technologische Differenzierung.

Tesla-Jäger unter Druck

BYD bleibt ein Schwergewicht der globalen Elektromobilität. Doch die jüngsten Zahlen zeigen, dass Größe allein nicht vor Margendruck schützt. Der chinesische Markt ist inzwischen so umkämpft, dass selbst Marktführer unter Druck geraten. Preissenkungen, Förderkürzungen und neue Wettbewerber treffen BYD dort, wo das Unternehmen bislang am stärksten war: bei günstigen, massentauglichen Elektroautos und Plug-in-Hybriden.

Aktie weiterhin kein Muss

Für die Aktie dürfte nun entscheidend sein, ob BYD im zweiten Quartal eine Stabilisierung der Inlandsverkäufe zeigen kann. Gelingt das nicht, droht die internationale Wachstumsgeschichte an Strahlkraft zu verlieren. Denn Exporte sind zwar wichtig, aber sie müssen nicht nur wachsen – sie müssen auch profitabel genug sein, um die Schwäche im Heimatmarkt auszugleichen.

BYD steht vor einem Wendepunkt. Der Konzern bleibt technologisch stark, international expansiv und im globalen E-Auto-Markt einer der wichtigsten Herausforderer von Tesla. Doch der massive Gewinneinbruch zeigt, wie brutal der Wettbewerb in China geworden ist. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob BYD nur eine vorübergehende Delle durchläuft – oder ob der E-Auto-Riese in eine neue Phase deutlich niedrigerer Margen eintritt.
Für Anleger ist die Botschaft klar: Die Wachstumsstory ist nicht vorbei. Aber sie ist riskanter geworden.

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Redaktion Ariva/MW


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