”BeweiseVielen Dank CharlotteTheo für deine Antwort.
Der Wirecard-Strafprozess ist so komplex und soll aufarbeiten, was in all den Wirecard-Jahren so passiert ist und wie wir inzwischen wissen, war es allerhand. Es gab sauberes und viel schmutziges Geschäft, es wurden illegale Geschäfte abgewickelt, Geld wurde gewaschen und so nebenbei betätigte sich ein Vorstandsmitglied auch noch als Agent. Das alles aufzuarbeiten ist in der Tat nicht einfach. Und wenn das Gericht dazu nun schon drei Jahre benötigt und die Zielgerade ist immer noch nicht erreicht (oder jetzt doch?), wie soll dann der betrogene Kleinanleger hier noch einen Überblick haben? Der ist mit der Materie doch total überfordert. Aber Gott sei dank gibt es ja noch ein paar Wenige wie dich, CharlotteTheo, die mit enormen Zeiteinsatz versuchen, Licht in diese Dunkelheit zu bringen. Dafür sei dir gedankt. Du übernimmst hier eine Aufgabe, die eigentlich kritische Fachjournalisten zu übernehmen haben. Es handelt sich hier um den größten Wirtschaftsskandal der Nachkriegsgeschichte, einige sagen auch, es ist auch der größte Justizskandal, und mir fehlt einfach das kritische Hinterfragen der Presse. Nur das 1:1 wiedergeben, was vor Gericht verhandelt wurde, ist mir zu wenig.
Der Kleinanleger ist hier m.E. total überfordert, hier noch den Überblick zu behalten. Deshalb gibt es u.a. auch hier im Forum nur Diskussionsbeiträge von ein paar ganz wenigen, obwohl es doch 10.000e geschädigte Kleinanleger gibt. Es ist nicht so, daß diese Kleinanleger nicht interessiert sind, nein, sie sind wegen der Komplexität dieses Falles einfach überfordert.
Für den Kleinanleger ist dann auch der Strafprozess nicht das, was für ihn im Vordergrund steht. Es ist für ihn die Frage, wie sieht es für mich im Schadensersatzprozess (Zivilprozess) aus und habe ich noch eine Chance, innerhalb angemessener Zeit etwas von meinem verlorenen Geld zurück zu erhalten. Und da muss der geschundene Kleinanleger leider feststellen: Das Vorgehen der Klägeranwälte gegen die BaFin: Abgeschmettert durch das BGH. Das Vorgehen im Insolvenzverfahren (Gleichstellung der Aktionäre mit den Gläubigern): Abgeschmettert durch das BGH. Das Vorgehen gegen EY im KapMuG-Verfahren: Vorerst abgeschmettert durch das Bayerische Oberste Landesgericht, die der Meinung sind, daß gegen EY nicht im KapMuG-Verfahren vorgegangen werden kann. Diese Entscheidung ist im Februar 2025 gefallen. Dagegen konnte Rechtsbeschwerde eingelegt werden, wovon einige Anwälte auch Gebrauch gemacht haben. Ihre Rechtsbeschwerdebegründungen haben sie allerdings bis heute (!!!!!) nicht vollständig abgegeben. Und solange diese nicht vorliegen, kann auch der BGH gar nicht entscheiden. Es ist zu lesen, daß bis zu einer BGH-Entscheidung dann weitere ein bis eineinhalb Jahre vergehen können. Dann zählen wir Mitte 2027. Das heißt: Wir sind auch 7 Jahre nach dem Wirecard-Zusammenbruch erst ganz am Anfang der juristischen Aufarbeitung im Zivilprozess.
Mir ist schon klar, daß auch die Aufarbeitung des Wirecard-Skandals im Zivilprozess komplex ist. Ich frage mich allerdings, wie lange soll denn die Aufarbeitung dauern, wenn wir nach 7 Jahren immer noch am Anfang stehen? Die Aufarbeitung des Telekom-Skandals hat ca. 20 Jahre gedauert mit einem für die Anleger höchst erfreulichen Ergebnis (100 % Entschädigung zuzüglich Zinsen). Wenn es im Wirecard-Skandal allerdings in dieser Geschwindigkeit weitergeht, dann befürchte ich, daß 20 Jahre nicht reichen werden.
Ich kann alle Anleger verstehen, die einfach nur noch frustriert sind und sich inzwischen nicht nur einmal betrogen fühlen.
Hagüwa, 11.01.26 10:45
jetzt habe ich einen langen Beitrag geschrieben und ihn zu früh abgeschickt, er ist jetzt verschluckt worden...
ich fasse noch einmal zusammen:
im Juni 2020 ist wirecard kollabiert, es gab ein nie da gewesenes Interesse an diesem Fall.
bereits im Juli 2020 ist die staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit gegangen und hat eine Erklärung des Falles präsentiert inklusive eines hinweises an mögliche Zeugen.
wir wissen heute definitiv: diese Stellungnahme der staatsanwaltschaft erfolgte nicht auf der Basis von Ermittlungen, das ist eine gesicherte Tatsache und ergibt sich direkt aus der anlageschrift selbst und aus den Aussagen des staatsanwalts vor mehreren Wochen. damit ist es offiziell Teil des Verfahrens, davor war es ja nur der Vorwurf der Verteidigung.
die staatsanwaltschaft München wurde politisch von Anfang an unter Druck gesetzt, ein Verfahren zu führen mit dem Ergebnis einer hohen Bestrafung von Markus braun. das wurde mir aus vertraulichen Kreisen mehrfach bestätigt und die staatsanwaltschaft hat sich auch genau dieser Anweisung entsprechend verhalten. das ist eine nicht zulässige Vermischung der gewalten in einem rechtsstaat.
man kann es womöglich nicht beweisen, aber es ergibt sich aus allen weiteren ohnehin und der Beweis ist dann gar nicht mehr nötig.
tatsache ist: bereits 2021 wurde eine Anklage erwartet - aber sie kam nicht.
stattdessen gab es öffentliche Diskussionen darüber, wie der Prozess geführt werden müsse - unter anderem anlässlich der Premiere des Filmes " milliardenlüge" in München, ungefähr im Juni 2021.
ich saß damals auf dem Podium zusammen mit Melanie bergermann. ob Fabio de Masi mit auf dem Podium war oder im Publikum, daran kann ich mich nicht mehr genau erinnern.
jedenfalls wurde über den Prozess gesprochen: eine Verkürzung des Falles auf die Zeit nach 2015 sei bedauerlich, aber aus Gründen der prozessökonomie notwendig.
es war also lange vor der Anklage schon klar: hier wird nicht wirecard. verhandelt, hier wird ein Teil der Geschichte verhandelt...
im Herbst 2021 ging dann die Verteidigung an die Öffentlichkeit und es passierte etwas, was es in Deutschland in dieser Form noch nie gegeben hat: Olaf storbeck von der financial times delegitimierte öffentlich Kollegen, die diese Kritik aufgegriffen haben.
mehrere Journalisten und auch Politiker sprangen ihm zur Seite.
Jens zimmermann, der Obmann der SPD im untersuchungsausschuss, schrieb öffentlich, es sei unfassbar, dass seriöse Medien so etwas bringen (damit meinte er ein recherchekollektiv aus NDR, WDR und SZ unter anderem mit Georg Mascolo)
in diesen Wochen habe ich einen neuen Job angetreten und ich habe die Diskussion nicht mitbekommen.
im März 2023 in stadelheim wurde ich plötzlich zunehmend irritiert über das Verfahren...
das passierte nicht über Nacht, es war ein monatelanger Prozess.
ein angesehener Professor für rechtswesen hat damals zu mir gesagt " so etwas habe ich in 40 Jahren Praxis in diesem Land noch nie erlebt" und ich habe mir gedacht " du spinnst doch"
er hat mir dann eine Mitschrift des vortrags vom Herbst 2021 geschickt und damit bin ich nach Polen gefahren...
und? der Mann hat recht!
der Prozess in stadelheim hat mit großer Verzögerung begonnen und am Anfang hat die staatsanwaltschaft als Begründung angegeben, die Ermittlungen seien zu komplex gewesen.
dafür habe man jetzt nur das zur Anklage gebracht, was ausermittelt sei.
diese Aussage ist nachweislich falsch.
im Gegenteil: mittlerweile wurden zwei Drittel der Anklage einfach gestrichen...
die Öffentlichkeit weiß überhaupt nicht, was in stadelheim eigentlich passiert und sie weiß auch nicht, was dort überhaupt verhandelt wird.
die Medien schweigen.
ich bin mir heute sicher,:
eine rechtsstaatliche Verurteilung von von Erffa (der ja oft vergessen wird) und Markus braun auf der Grundlage der existierenden Anklage ist schlicht undenkbar.
no way.
wir erleben womöglich einen justizskandal live und wissen nichts davon...
fontaane.wordpress.com/2026/01/05/...rte-verfahren-interview/