News - 18.03.08 09:36
Bear-Stears-Krise trifft deutsche Privatanleger
Alle von der Bank begebenen Zertifikate sind seit Freitagnachmittag vom Handel ausgesetzt. Vergangene Woche stürzten zahlreiche Zertifikate des Emittenten regelrecht ab, selbst wenn sich die Basiswerte der Papiere zum Vorteil der Anleger entwickelt hatten.
So verloren Garantiezertifikate auf den Goldpreis trotz steigender Notierungen des Edelmetalls massiv an Wert. Bei Zertifikaten bildet sich der Preis nicht aus Angebot und Nachfrage. Vielmehr stellen die Emittenten regelmäßig Kurse, zu denen sie die Papiere an- und verkaufen. "In Produkten des Emittenten Bear Stearns ist bis auf Weiteres der Handel nicht oder nur eingeschränkt möglich", war am Montag auf den Internetseiten der Stuttgarter und Frankfurter Zertifikatebörse zu lesen.
Zwar hatten auch andere Emittenten wegen der Marktturbulenzen Probleme und mussten Handelsbeschränkungen melden. Bei Bear Stearns lag der Ausfall aber nicht am hohen Umsatz und an den starken Bewegungen der Basiswerte, sondern an den massiv verschlechterten Refinanzierungsbedingungen. Diese fließen bei Zertifikaten mit Zinskomponente in die Kursberechnung ein. "Wir können zurzeit keine Preise für die Zertifikate stellen", sagte Dirk Winkler, Managing Director im Frankfurter Büro von Bear Stearns. So sei es aufgrund der Unsicherheit mit Blick auf die Bonität von Bear Stearns zum Beispiel nicht möglich, einen Kurs für die Nullkuponanleihen zu berechnen, die den Garantiezertifikaten zugrunde liegen. "Wir warten auf ein Signal von JP Morgan und den Kollegen aus London, wann wir wieder loslegen können."
Geld der Anleger gefährdet
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon kündigte am Montag an, alle Wertpapiere von Bear Stearns garantieren zu wollen. Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, bei Insolvenz des Emittenten ist das Geld der Anleger daher gefährdet. Solange die Übernahme allerdings noch nicht besiegelt ist, kann Bear Stearns zur Berechnung der Zertifikatepreise noch nicht auf die sehr gute Bonität von JP Morgan zurückgreifen.
Ein Garantiezertifikat auf Gold zeigt, wie die Liquiditätsprobleme bei Bear Stearns den Kurs drückten: War das im November begebene Papier Ende Januar noch mehr als 110 Euro wert, bekamen Anleger vergangene Woche zeitweise weniger als 96 Euro - obwohl der Goldpreis in dieser Zeit deutlich gestiegen war. Der Verlust liegt am sinkenden Wert der Nullkuponanleihe, in der der größte Teil der Anlegergelder liegt. Mit dem Rest wurden Optionen erworben, mit denen auf einen steigenden Goldpreis spekuliert wird. Die Gewinne der Optionen reichten aber nicht, um die Verluste der Anleihen auszugleichen.
Bear Stearns ist erst im vergangenen Jahr in den deutschen Zertifikatemarkt eingetreten. Trotz eines hohen Werbeaufwands hält sich der Erfolg in Grenzen: Gemessen am Börsenumsatz der Zertifikate liegt Bear Stearns' Marktanteil unter 0,1 Prozent.
Von Bernd Mikosch (Frankfurt)
Quelle: Financial Times Deutschland
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Bear-Stears-Krise trifft deutsche Privatanleger
Alle von der Bank begebenen Zertifikate sind seit Freitagnachmittag vom Handel ausgesetzt. Vergangene Woche stürzten zahlreiche Zertifikate des Emittenten regelrecht ab, selbst wenn sich die Basiswerte der Papiere zum Vorteil der Anleger entwickelt hatten.
So verloren Garantiezertifikate auf den Goldpreis trotz steigender Notierungen des Edelmetalls massiv an Wert. Bei Zertifikaten bildet sich der Preis nicht aus Angebot und Nachfrage. Vielmehr stellen die Emittenten regelmäßig Kurse, zu denen sie die Papiere an- und verkaufen. "In Produkten des Emittenten Bear Stearns ist bis auf Weiteres der Handel nicht oder nur eingeschränkt möglich", war am Montag auf den Internetseiten der Stuttgarter und Frankfurter Zertifikatebörse zu lesen.
Zwar hatten auch andere Emittenten wegen der Marktturbulenzen Probleme und mussten Handelsbeschränkungen melden. Bei Bear Stearns lag der Ausfall aber nicht am hohen Umsatz und an den starken Bewegungen der Basiswerte, sondern an den massiv verschlechterten Refinanzierungsbedingungen. Diese fließen bei Zertifikaten mit Zinskomponente in die Kursberechnung ein. "Wir können zurzeit keine Preise für die Zertifikate stellen", sagte Dirk Winkler, Managing Director im Frankfurter Büro von Bear Stearns. So sei es aufgrund der Unsicherheit mit Blick auf die Bonität von Bear Stearns zum Beispiel nicht möglich, einen Kurs für die Nullkuponanleihen zu berechnen, die den Garantiezertifikaten zugrunde liegen. "Wir warten auf ein Signal von JP Morgan und den Kollegen aus London, wann wir wieder loslegen können."
Geld der Anleger gefährdet
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon kündigte am Montag an, alle Wertpapiere von Bear Stearns garantieren zu wollen. Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, bei Insolvenz des Emittenten ist das Geld der Anleger daher gefährdet. Solange die Übernahme allerdings noch nicht besiegelt ist, kann Bear Stearns zur Berechnung der Zertifikatepreise noch nicht auf die sehr gute Bonität von JP Morgan zurückgreifen.
Ein Garantiezertifikat auf Gold zeigt, wie die Liquiditätsprobleme bei Bear Stearns den Kurs drückten: War das im November begebene Papier Ende Januar noch mehr als 110 Euro wert, bekamen Anleger vergangene Woche zeitweise weniger als 96 Euro - obwohl der Goldpreis in dieser Zeit deutlich gestiegen war. Der Verlust liegt am sinkenden Wert der Nullkuponanleihe, in der der größte Teil der Anlegergelder liegt. Mit dem Rest wurden Optionen erworben, mit denen auf einen steigenden Goldpreis spekuliert wird. Die Gewinne der Optionen reichten aber nicht, um die Verluste der Anleihen auszugleichen.
Bear Stearns ist erst im vergangenen Jahr in den deutschen Zertifikatemarkt eingetreten. Trotz eines hohen Werbeaufwands hält sich der Erfolg in Grenzen: Gemessen am Börsenumsatz der Zertifikate liegt Bear Stearns' Marktanteil unter 0,1 Prozent.
Von Bernd Mikosch (Frankfurt)
Quelle: Financial Times Deutschland
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