Wie stark die Art der Darstellung einer Nachricht in der Öffentlichkeit doch einen falschen Eindruck vermitteln kann. Das Bundeswirtschafts-Ministerium verlautbarte, dass die Auftragseingänge der deutschen Industrie auf Monats-Basis um 4,5 Prozent gestiegen seien.
Stutzig wird man, wenn man den zweiten Teil des Kommentars von Roland Döhrn, Konjunkturchef des RWI (Rheinisch-Westfälisches Instituts für Wirtschaftsforschung) liesst: " Wir liegen voll im Plan einer allmählichen Erholung der deutschen Wirtschaft. Das ändert nichts an dem erwarteten Rückgang der Wirtschaftsleistung von mehr als sechs Prozent in diesem Jahr. "
Gerade in der Investitions-Güterindustrie besteht ein zum Teil erheblicher Zeitversatz zwischen Auftragseingang (also Eingang der Bestellung) und dem Umsatz (also der Komplettierung des Projektes oder des Produktes). Bei Gross-Vorhaben wie den Kraftwerksbau kann dieser Zeitversatz mehrere Jahre betragen. Als Ende letzten Jahres die Auftragseingänge stark eingebrochen sind, hat das auf die reale Produktion noch nicht einen so grossen Einfluss gehabt. Man hat eben noch das bestehende Auftrags-Polster abbauen können.
Was allerdings in der Nachricht verschwiegen wird ist, dass auf Jahresbasis der Auftragseingang um 25,4 Prozent eingebrochen ist. Hier kann man weder von einer Stabilisierung und schon gar nicht von einem Ende der Rezession sprechen. Vielmehr bestätigt sich der sehr schwache Auftragseingang der vergangenen 9 Monate. Wenn wir dann im Herbst auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres angekommen sind, werden die Zahlen auf Jahresbasis natürlich wieder besser werden. Hier wird uns dann wohl die nächste grosse Heilsbotschaft mit jährlichen Zuwachszahlen von 10 Prozent aufgetischt werden.
Dass die Rezession lange noch nicht überwunden ist, kann man an der heutigen Entscheidung der Bank of England (BoE) erkennen: Die BoE war ein Vorreiter beim Ankauf von Staatsanleihen, auch Quantitative Easing (QE) genannt. Beim QE kauft die Notenbank Staatsanleihen an den Bond-Märkten auf, um deren Kurs zu stützen. Bzw da sich Kurs und Real-Zinsen invers zueinander verhalten, die Real-Zinsen zu drücken. Die Regierung braucht frisches Geld, um mit ihrer keynesianistischen Politik mit Hilfe hoher Staatsausgaben die Wirtschaft am Leben zu erhalten. Die Ausgaben werden auf Pump, d.h. durch Verkauf von neuen Staatsanleihen "finanziert". Die Staatsanleihen finden schon längst keine Investoren mehr an den Märkten (Anmerkung: Alle Pressmeldungen, die dies trotzdem implizieren, sind reine "Wunschvorstellungen", da es diese Masse freier Investoren-Gelder gar nicht gibt) - d.h. sie müssen über die BoE indirekt monetorisiert werden. Das geschieht unter Ausweitung der Bilanz der BoE. Die BoE schafft frisches Geld (durch die Notenpresse) und gibt den Verkäufern dieses frische Geld im Austausch für die Staatsanleihen. Die BoE bucht die Staatsanleihen auf der Aktiva-Seite ("assets") ein, während das frisch gedruckte Geld auf der Passiva-Seite ("liabilities") gebucht wird. So einfach ist es, neues Geld zu "erzeugen".
Bisher hat die BoE ein (selbstdefiniertes) Budget von GBP 125 Mrd für diese Initiative gehabt. Aber das reicht trotz anderer Erwartung vieler "Experten" nicht aus. So wurde das Programm um weitere GBP 50 Mrd aufgestockt. Im Vergleich zu den U.S.A. ist die U.K. ein Winzling, aber sie leistet sich ein QE-Programm in der gleichen monetären Höhe wie die FED ($300 Mrd).
In Wirklichkeit werden mit dieser Initiative die Staatsausgaben über die Notenpresse finanziert. Erwartungsgemäss hat dies dem Kurs des englischen Pfunds nicht gut getan - aber die Notenbanken sprechen sich untereinander ab, so dass der Schaden begrenzt werden kann. Wenn das Pfund schwach wird, dann kaufen die anderen Notenbanken eben Pfund gegen ihrer eigene Währung auf. Damit machen sie zwar ihre eigene Währung auch schwach, aber das würde höchstens beim Gold-Kurs auffallen. Deshalb wird bei solchen Aktionen Gold immer im Vorfeld kräftig gedrückt, damit der Investor denkt, dass alles OK sei.
Im Prinzip kann sich über diese Methode jeder Staat im beliebigen Umfang mit Hilfe der Notenpresse seiner Zentralbank in der eigenen Währung finanzieren. Das sehen wir ja auch zur Zeit in den U.S.A., wo nur noch jeder zweite Dollar aus Steuereinnahmen stammt. Die Staatsanleihen sind in einem solchen Papier-Währungssystem immer die Anlage-Komponente mit Null Risiko. Man beobachtet, dass man sich von einer falsch an der Schule gelernten Vorstellung endgültig verabschieden muss: Dass die Notenbanken die Hüterinnen der Währung sprich Geldwertstabilität sind. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Notenbanken sind die Komplizen der Regierungen bei der hemmungslosen Ausgaben-Politik auf Pump. Und findet sich kein Dummer mehr, der die Papiere dem Staat abkauft, dann monetarisiert sie die Notenbank selbst. Allerdings eine Gefahr besteht: Der Abverkauf der Währung - entweder gegen reale Werte wie Aktien, Rohstoffe, Immobilien, Lebensmittel usw. Oder der Abverkauf gegen andere Währungen inklusiv Gold.
Um 13:00 Uhr MEZ kam die Nachricht der BoE und der Pfund-Kurs sank gegenüber dem Euro innerhalb von wenigen Minuten von 0,846 EUR/GBP auf 0,853 EUR/GBP ab. Der Gold-Kurs zündete mit einen halben Stunde Verzögerung von $962 auf $970. Innerhalb dieser 30 Minuten sind die anderen Notenbanken wohl der BoE zur Hilfe gekommen. Wenn die U.K. ihre Währung verwässert ist das primär für den Dollar gegen Gold neutral. Wenn aber nun zur Stützung des Pfundes auch der Dollar verwässert wird, dann steigt Gold an. Es ist wirklich erstaunlich, wie einfach bestimmte Kursverläufe nachzuvollziehen sind.
Und eine weitere Beobachtung konnte man heute machen: Immer wenn die Währung eines Staates in Bedrängnis kommt, dann wird Druck auf den Gold-Preis an den beiden Londoner Marken des physischen Handels ausgeübt. Die Notenbanken öffnen ihre Gold-Lager und verkaufen auf verstecktem Wege Gold in den Londoner Markt. Die nun frühzeitig beobachteten Nachfrager aus Indien freuen sich.
Der gestrige und sich heute Vormittag fortsetzende Druck auf den Gold-Preis diente also einzig und allein zur Absicherung der erweiterten QE-Initiative der BoE. Schön zu beobachten ist heute, dass die jeweiligen Tiefpunkte im Marktgeschehen um die beiden Londoner Fixe (A.M. Fix um 11:30 Uhr MEZ und P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ) lagen. Zum A.M. Fix war fast die schon als sicher geglaubte Marke von $960 in Gefahr: $960,75 (EUR 667,23) und damit $4 weniger als gestern lautete der A.M. Fix. Und auch der P.M. Fix kam, als Gold schon um die Marke von $970 tendierte, relativ schwach mit $964,00 (EUR 671,54) zustande. Das sind zwar $3 mehr als gestern zur gleichen Zeit. Aber dort wurde noch versucht, die Marke von $960 nach unten zu durchbrechen.
Viele Leser werden sich fragen, wie Zentralbankgold verkauft werden kann, obwohl sich die Gold-Bestände der grossen Notenbanken (U.S.A. über 8.000 Tonnen, Deutschland ca 3.500 Tonnen) quasi nicht verändern. Ein Veröffentlichung der realen Verkäufe würde sofort die mit hunderten von Milliarden Dollar ausgestattete Hedge-Fonds veranlassen, gegen die Notenbanken Gold zu kaufen. Würden die Vorräte erschöpft sein, dann müsste der Gold-Preis förmlich explodieren und die Hedge-Fonds könnten riessengrosse Gewinne einfahren. Weisen die Notenbanken jedoch grosse und unveränderte Gold-Bestände aus, dann wissen die Hedge-Fonds nicht mehr, wie stark ihr Gegner in Wirklichkeit noch ist. Alle westlichen Zentralbanken verleihen deshalb ihr Gold über die Kartell-Banken, weisen aber ihre Bestände als Gold (d.h. real existierende Barren) und Goldforderungen (d.h. verliehenes und real nicht mehr existentes Gold) in einer Summe aus. Ausnahme: Die Schweizer Nationalbank (SNB). Mit diesen Gold-Leihe Operationen wurden bereits viele tausende von Tonnen Zentralbank-Gold "unsichtbar" in den Londoner Markt gekippt. Das Risiko eines steigenden Gold-Preises haben de facto die Kartell-Banken, aber die Leih-Operationen werden kontinuierbar verlängert. Erst wenn das System endgültig kippt, werden diese Aktionen der Öffentlichkeit bekannt werden. Dann ist aber alles "Volksgold" bereits in Besitz der "starken Hände".
Morgen um 14:30 Uhr MEZ werden die Arbeitslosen-Zahlen durch das "Wahrheitsministerium" BLS für den Juli 2009 verkündet. Hier gilt: Je schlechter die Zahlen, desto agressiver wird die Goldpreis-Drückung ausfallen.
Der US-Dollar wird bereits im Vorgriff der morgigen Nachrichten gehoben - USDX: 78,10. Auch Gold wurde zum Schluss des Handels an der COMEX auf bis zu $960 zurückgestutzt. Die Schock-Nachricht der BoE, die Gold auf über $970 hat klettern lassen, wurde wieder von dem Gold-Kartell pariert. Die Renditen der 10-jährigen Treasuries verharrten bei 3,8 Prozent. Der Quotient aus dem USDX und den Renditen stieg heute wieder leicht auf 20,6 (Mittwoch: 20,4) an. Sehen wir morgen eine Zahl von über 10 % (U-3) bei der offiziell gemeldeten Arbeitslosen-Zahlen ?
Wahrscheinlich: Im späten Access Handel wurde Gold weiter gedrückt - $956.
www.hartgeld.com/Ziemanns-gold-news.htm

"Die Börse reagiert nur zu 10% auf Fakten, der Rest ist Psychologie!" (Kostolany)
"Selten war mehr als ein Zehntel der Bevölkerung an dem beteiligt, was man Geschichte zu nennen pflegt!" (Samhaber)