Gegen den etatistischen Kurs der Obama-Administration regt sich verstärkt Widerstand aus der FED und anderen staatlichen Organisationen wie der Börsenaufsicht SEC und des Einlagensicherungs-Fonds FDIC. Die FTD berichtete heute in ihrer Online-Ausgabe: " "Es reicht" --- Geithner beschimpft Fed und SEC. Die US-Regierung will die Finanzaufsicht reformieren. Doch aus allen Behörden hagelt es Kritik. Finanzminister Geithner rief die Chefs der Notenbank, Börsenaufsicht und Einlagensicherung zur Ordnung auf - in einer heftigen Schimpftirade. "
Und weiter heisst es in dem FTD-Bericht: " Bei einem Treffen mit dem Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, der Chefin der Börsenaufsicht SEC, Mary Schapiro, und der Vorsitzenden des Einlagensicherungsfonds FDIC, Sheila Bair, verbat sich Geithner destruktive Kritik am Obama-Plan. Er forderte sie auf, Ärger über ihren möglichen Machtverlust nicht mehr öffentlich zu äußern, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Montag. Er habe den Aufsehern gesagt, dass "es reicht", berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen. "
Das hat dem bereits sehr schwachen Dollar zwar nicht weiter geschadet. Aber die 10-jährigen Treasuries gaben heute weiter nach. Der USDX steht bei 77,7 und die Renditen der Treasuries stiegen auf 3,7 Prozent. Der von mir ermittelte Quotient aus dem USDX und den Renditen ist heute auf 21,0 gefallen (Montag: 21,5). Das ist der tiefste Stand seit Anfang Juni 2009, wo dieser Wert bei 20,1 lag. Gold konnte den Angriff am Vormittag parieren und der wichtige Londoner P.M. Fix konnte die psychologisch wichtige Marke von $960 mit $960,50 (EUR 666,23) leicht nach oben durchbrechen. Das ist auf 24-Stundenbasis zwar nur ein Anstieg um $1. Aber die Vormittags-Drückung konnte mehr als wettgemacht werden.
Der A.M. Fix kam mit $953,50 (EUR 662,94) um $1 niedriger als noch zum gestrigen A.M. Fix zustande.
Insgesamt ist die heute Entwicklung des Gold-Preises eine Überraschung, nachdem gestern das Kartell kurz vor Schluss des Handels an der COMEX den Preis noch unter die Marke von $960 drücken konnte. Im Access Markt setzte sich dieser Druck fort und so ging Gold mit $956,50 aus dem gestrigen New Yorker Handel. Mit dem kurzzeitigen Überschreiten der Marke von $960 wurden wohl eine Reihe von "Buy Stop" Aufträgen ausgelöst, die Spekulanten in den Gold-Markt getrieben haben. Die Taktik des Kartells ist klar: Nachdem diese Gruppe nun "long" ist, kann man den Gold-Preis wieder unter $960 drücken und die Händler fangen an zu zittern. Dann fehlt nur noch eine der üblichen Attacken auf den Gold-Preis und schon verlassen diese Händler den Markt wieder mit fliehenden Fahnen.
Diese Strategie des Gold-Kartells ist heute gründlich schief gegangen. Waren es die Streitigkeiten mit Geithner, die die Kartell-Banken dazu ausgenutzt haben, ihre Macht gegen eine stärkere Regulierung der Obama-Administration zu zeigen ? Wenn ja, dann müssen Geithner und Summers jetzt wohl zittern: Gold ist ihre Archilles-Ferse. Allerdings würde es dann auch den Wall Street Banken an den Kragen gehen. Ein Schuss vor den Bug - aber kein richtiges Gefecht. Zu eng ist man miteinander im Dollar und in den Staatsanleihen verbunden. Nachdem die Marke von $965 durchbrochen wurde, trauten sich nun auch die anderen Händler wieder in den Markt. Gold konnte in der Folge schnell bis auf $970 ansteigen.
Das ist ein gefährliches Spiel, das Geithner & Co mit den Mächtigen der Wall Street spielt. Sicherlich ist nach den Rekord-Gewinnen und Rekord-Boni der Wall-Street Schwergewichte Goldman Sachs und JP Morgan in Stimmung in Land schlecht, so dass die Obama-Administration diese dazu nützen könnte, die Macht der Banken zu beschneiden. FED, SEC und FDIC sind ja auch mit zumindestens Wall Street affinen Personen besetzt.
Während die Wall Street Banken wieder grosse Gewinne einfahren, brechen im Hinterland der U.S.A. immer mehr regionale Banken zusammen. Im Gegensatz zu GS und JPM können diese Institute nicht durch Insider-Trades riessige Spekulations-Gewinne einfahren. Vielmehr werden sie durch das laxe Kredit-Geschäft der vergangenen Jahre in den Ruin getrieben. Da JPM, BoA, Citi und Wells Fargo dann mit Hilfe der FDIC die Assets dieser Banken zu Schnäppchen-Preisen übernehmen können, bildet sich ein Oligopol weniger Wall Street Banken. Da fehlt dann nur noch eine faktische Verstaatlichung durch die U.S.-Regierung mit Hilfe der Gleichschaltung der verschiedenen Aufsichts-Organisationen, und schon ist das Finanz- und Bankensystem voll unter staatlicher Kontrolle - "Etatismus" nennt man so eine Wirtschafts-Politik, bei der es nach aussen noch einen freien Wettbewerb gibt, aber in Wirklichkeit der Staat die komplette Kontrolle innehat. Wir kennen dieses Modell aus stark staatsgelenkten Wirtschaftssystemen wie in Frankreich.
Die Marke von $970 konnte sich nicht bis zum Ende des Handels an der COMEX halten. Der Handel schloss mit $967,20.
Und noch eine Nachricht passt in diesen Kontext. Wieder in der heutigen FTD: " Trotz sinkender Einkommen --- Amerikaner leben weiter auf Pump: Die US-Wirtschaft lahmt, die Gehälter schrumpfen so stark wie seit Jahren nicht mehr. Dennoch geben die US-Bürger unbeirrt Geld aus. Im Juni lagen die Konsumausgaben sogar über denen des Vormonats. "
Gestern wollte uns die FTD noch weissmachen, dass die Bürger jetzt soviel sparen würden. Und dass die Ersparnisse i.H.v. mehreren hundert Milliarden Dollar in die Finanzierung des Staatsdefizits gesteckt würden. Heute geben die Bürger noch mehr Geld aus als in der Vergangenheit (wo die Spar-Quote negativ war). Trotz Rekord-Arbeitslosigkeit und Rückgang der Arbeits-Einkommen durch Teil-Beschäftigung. Und dann sollen sie sich auch noch höher verschulden, obwohl das Haus als ihre Haupt-Sicherheit bereits "below the water" ist. Das Problem ist, dass die Banken nur an solvente Firmen- und Privat-Kunden Kredite vergeben können. Und der U.S.-Bürger ist sicherlich alles andere als "solvent" in dieser Phase.
Das sind jetzt keine Falsch-Meldungen der FTD, sondern verschiedene Wahrheits-Ministerien liefern uns Zahlen, die in sich widersprüchlich sind. Der Bürger, der seine Arbeit verliert und dessen Haus-Hypothek höher als der Verkaufs-Wert des Hauses ist, kann weder sparen (und damit Staats-Anleihen kaufen) noch weiter aufschulden (und damit den Konsum befeuern). Dumm, dass die Wahrheitsministerien keine "sanity checks" ihrer verschiedenen Zahlen und deren Interpretationen vorgenommen haben. Noch dümmer, dass die FTD diese Zusammenhänge nicht selbst kritisch unter die Lupe nimmt. Aber für die Trading-Computer scheinen diese Nachrichten immer noch geeignet zu sein. Und der Computer "denkt" nur das, was man in ihn herein-programmiert hat. Leider scheinen sich die Menschen eher den Computer anzunähern als umgekehrt: Der Tod des investigativen Journalismus.
Bei soviel Lug und Trug muss man inzwischen vermuten, dass alle Zahlen mehr oder minder gefälscht sind. Das ist keine Paranoia, sondern nur das Ergebnis der beispielslosen Fälschung von allen wesentlichen wirtschaftlichen Indikatoren in den U.S.A. Ich frage mich, wann die Parteitage mit Verabschiedung eines 5-Jahresplans wieder kommen werden, wo sich die staatlichen Funktionäre gegenseitig zu ihren Leistungen gratulieren. In Wirklichkeit bricht die Real-Wirtschaft in sich zusammen.
Gold bleibt weiterhin das beste Investment für Alle, die sich nicht wie ein Trading-Computer an der Nase herumführen lassen wollen.
www.hartgeld.com/Ziemanns-gold-news.htm

"Die Börse reagiert nur zu 10% auf Fakten, der Rest ist Psychologie!" (Kostolany)
"Selten war mehr als ein Zehntel der Bevölkerung an dem beteiligt, was man Geschichte zu nennen pflegt!" (Samhaber)