Der für gestern erwartete Angriff auf den Gold-Preis kam heute mit eintägiger Verspätung.
Die Pawlowschen Reflexe setzen auch nicht wie erwartet ein, wie nachfolgender Goldpreis-Kommentar von heute Vormittag uns weiss machen will: "Die Goldminenaktien steigen weltweit kräftig an und deuten jetzt noch stärker eine positive Entwicklung des Gesamtmarktes an. Ein neuer Versuch den Goldpreises, die 1.000 $/oz-Marke zu überschreiten, könnte demnach bevorstehen".
Und manche Markt-Teilnehmer sehen (zum wiederholten Male) zum G20-Gipfel das Ende der Krise: "Our bet is that the global economy is poised for significant improvement".
Um 8:15 Uhr MEZ leitete das Gold-Kartell bei $927, auf dem Schluss-Stand des gestrigen New Yorker Access Handels (23:15 Uhr MEZ) seine heutige Drückungs-Aktion ein. Gold verfiel schnell auf $921. Im Vormittags-Handel in London setzte sich diese Entwicklung verstärkt fort. Zum A.M. Fix hatte Gold dann weitere $6 verloren. Mit $914,75 (EUR 687,99) hat Gold gegenüber dem gestrigen A.M. Fix $5 verloren.
Auf diesem Niveau verharrte dann der Gold-Preis, bis 30 Minuten vor dem Londoner P.M. Fix eine weitere Drückung um $10 einsetzte. Gold stand zu diesem Zeitpunkt nun bei $902, also knapp überhalb der $900er-Marke. Um 16:00 Uhr MEZ, pünktlich zum Londoner P.M. Fix wurde die Marke von $900 nach unten durchbrochen. Der P.M. Fix kam mit $897,75 (EUR 668,07) trotz des stark gegenüber dem Euro verfallenden US-Dollar (1,5 %) um $27 niedriger als noch vor 24 Stunde zustande. In Euro gerechnet hat Gold damit fast EUR 30 verloren.
Den Handel an der COMEX beendete Gold bei $907. Eine Reihe von Marktteilnehmern hat bei diesen Discount-Preisen wohl zugegriffen.
Hier muss wohl wieder einmal eine grosse zweistellige Tonnen-Menge physischen Golds auf den Londoner Markt geworfen worden sein. Ich berichtete gestern, dass die Deutsche Bank an der COMEX eine zweistellige Tonnen-Menge Gold für den April 2009 Kontrakt ausliefern musste. Gleichzeitig veröffentliche die EZB in einer Mitteilung, dass der Verkauf von 35,5 Tonnen Gold zum 31.3.2009 abgeschlossen wurde. Eine zweistellige Tonnen-Menge Gold für die heutige Drückung, eine zweistellige Tonnen-Menge, die die Deutsche Bank liefern musste und eine zweistellige Tonnen-Menge, die die EZB bis 31.3.2009 verkauft hat: Das zu viele Ereignisse mit der gleichen Tonnen-Menge auf einmal. Schauen wir uns dazu einmal die Nachrichten-Lage an:
1. Die EZB veröffentlicht in ihren wöchentlichen Ausweisen unter
http://www.ecb.int/press/pr/wfs/2009/html/index.en.html die Bilanz der EZB-Zentralbanken. Dort werden auch Goldverkäufe der Mitgliedsbanken des EZB-Systems veröffentlicht.
2. Aber die EZB veröffentlicht dort NICHT ihre eigenen Verkäufe, wie ich beispielsweise für den Monat Mai 2007 nachweisen kann:
>> 25. Mai: EUR 191 M aus Gold-Verkäufen von 3 Zentralbanken
>> 18. Mai: EUR 280 M aus Gold-Verkäufen von 3 Zentralbanken
>> 11. Mai: EUR 22 M aus Gold-Verkäufen von 1 Zentralbank
>> 04. Mai: EUR 186 M aus Goldverkäufen von 2 Zentralbanken
3. Wer die verkaufenden Zentralbanken im Mai 2007 sind, kann man beim World Gold Council unter
http://www.gold.org/assets/file/value/stats/...xls/Changes_latest.xls nachlesen, nämlich:
>> EZB mit 37 Tonnen
>> Frankreich mit 5,5 Tonnen
>> Deutschland mit 1,9 Tonnen
>> Spanien mit 30,6 Tonnen
Diese Zahlen sind also mit den von der EZB gemeldeten 3 Zentralbanken konsistent.
4. Wenn man den durchschnittlichen Goldpreis im Mai 2007 mit $670 bei einem Euro-Kurs von $1,28 ansetzt, dann beträgt der Gold-Preis in Euro 523,50 pro Unze. Das sind EUR 16,829 M pro Tonne Gold. Addiere ich nun die Verkäufe von Frankreich, Deutschland und Spanien, dann wurden 38 Tonnen Gold im Mai 2007 verkauft, also Gold für EUR 639 M. Wenn ich die Werte der EZB-Wochenausweise für den Mai 2007 gegenüberstelle --- hier gibt es durch die wöchentliche Abgrenzung natürlicherweise geringe Differenzen --- dann kommen EUR 679 M in Summe zustande. Also wird in den wöchentlichen Berichten der EZB das von der EZB selbst verkaufte Gold nicht ausgewiesen. q.e.d. (was zu beweisen war)
5. Ausserdem hat die EZB in der Vergangenheit laut Statistik des World Gold Councils in den Jahren 2006 und 2007 immer ihr Gold "in einem Schub" in den Monaten Mai und Dezember verkauft. Im Jahr 2008 erfolgten keine Verkäufe durch die EZB. Wir können deshalb annehmen, dass die 35,5 Tonnen laut Presse-Veröffentlichung der EZB wirklich im März 2009 verkauft worden sind.
6. An der COMEX wurden nach dem Delivery-Report für den April 2009 Kontrakt bislang 10.514 Kontrakte (32,7 Tonnen) Gold am 2. April zur Lieferung gestellt. Am 31. März (der erste Delivery Day für den April 2009 Kontrakt) wurden bereits 8.867 Kontrakte zur Lieferung gestellt. Davon musste die Deutsche Bank 8.500 Kontrakte (26,4 Tonnen) Gold liefern, da sie entsprechende SHORT-Kontrakte eingegangen war, die nun zur Lieferung anstanden. Die grössten Käufer waren J.P: Morgan mit 3.512 Kontrakten (10,9 Tonnen) und Bank of Nova Scotia mit 2.841 Kontrakten (8,8 Tonnen) Gold. JPM gilt ja als die Leit-Ratte des Gold-Kartells und die Bank of Nova Scotia gerät immer wieder in Verdacht, an der Silber-Preismanipulation einen grossen Anteil zu haben. D.h. den Kartell-Banken sind an einem Tag 19,7 Tonnen Gold zugeflossen.
Was wird nun wahrscheinlich passiert sein: Die Deutsche Bank hat sich an der COMEX verspekuliert und musste durch Sonder-Goldverkäufe der EZB gerettet werden. Ein Teil des EZB-Goldes ist wohl heute direkt am Londoner Markt verkauft worden (ca. 9 Tonnen). Das Gold-Kartell, mit fast 20 Tonnen Gold zusätzlich bestückt, hat dann diese Menge zusätzlich auf den Londoner Markt geworfen.
(Erlaubnis zur Veröffentlichung liegt vor!)
http://www.hartgeld.com/Ziemanns-gold-news.htm "An der Börse sind 2 + 2 nicht 4, sondern 5 - 1 !"
"An der Börse kann man tausende % Gewinn erzielen, aber nur 100% Verlust!"