sehr lesens/nachdenkenswertem Beitrag
www.aktienbase.de/board65-aktienmärkte/...on-mutual/#post25714
äh, ...nee aus dem A-Base Forum:
Zitat:
Heute, 22:29
Courting Failure ...und ein bischen bobfan
Das Buch, von dem ich Euch berichtete, kam am Wochenende. Ich habe einige Kapitel nun genauer gelesen, einige überflogen. Ich möchte ein wenig daraus referieren (nicht zu ausführlich, keine Panik!), weil es den Blick auf die aktuellen Ereignisse schärt, wie keine Bobfan, die doch eher im Nebel stochert...
Deleware ist besonders. Es hat eigene Gesetze, ähnlich Liechtenstein, Luxemburg, Caymans... Es gilt als »haven«, als Hafen für Kapitalgesellschaften und große Companies. Etliche haben dort ein Büro und ihre Postanschrift, weil die Gesetze Delewares so konzernfreundlich sind, wie nirgendwo anders in den USA. Damit verdient der Bundesstaat über Steuern und andere Einnahmen sehr viel Geld. Das Privileg auf diese eigene Gesetzgebung ist schon über hundert Jahre alt. Dieser spezielle Charakter Delewares ist seit den 80er Jahren des 20ten Jhdts. auch in Bezug auf das Bancruptcy-Court entwickelt worden. Delewares Rechtsprechung zeichnet sich daurch aus, an der untersten Kante des rechtlich Zulässigen eine möglichst Debtor-freundliche Rechtsprechung zu praktizieren, um möglichst lukrative Großkunden zu bekommen.
Ein paar Zitate hierzu:
»Intense examination of a few of the failed cases revealed that the Deleware court had adopted a laissez-faire approach to the confirmation of plans.If the major parties to the case - typically the debtor and a committee purporting to represent creditors - were in agreement, the court would confirm the plan without serious examination or analysis.« (S. 103)
»...the parties seemed to be thinking, to reach an agreement that papered over ... the problems - a deal that ended the bancruptcy quickliy, let the deal makers keep their jobs, promised creditors full or substantial repayment, and allowed all the professionals to claim victory.« (S. 104)
Dazu gibt es noch weitaus mehr schöne Passagen, aber das würde den Rahmen sprengen.
Der Zusammenhang der beiden Zitate ist die unglaubliche Rate von erneuten Insolvenzen der in Deleware reoganisierten Firmen. Während der Landesschnitt bei etwa 5% rangiert, sind es in Deleware je nach Betrachtung 35% oder sogar 54%. Der Autor stellt den Zusammenhang her, in wessen Interesse in Deleware »Recht« gesprchen wird... Siehe zweites Zitat.
Vor diesem Hintergrund erscheint Rosens Verhalten nicht etwa unglaublich oder dreist. Nein, er tut nur das, was hunderte von bancruptcy-lawyers in Deleware tagtäglich tun. Sie halten Mindeststandards ein und winken das Ding durch. Es gibt gute Honorare, die Auftraggeber (NICHT die Shareholder...) machen ihre Schnitte und die nichtrepresäntierten Gläubiger sowie die Aktionäre zahlen die Zeche. Somit läßt sich auch die Art, wie WMI sich mit FDIC und JPM einigt, als vollkommen systemimmanent betrachten. Hierzu ein weiteres Zitat von Harvey Miller, Weil and Gotshal-Anwalt:
»You cannot expect a judge to become a prosecutor. People come in arm-in-arm singing "We shall overcome"«
Was wir also erleben und uns unglaublich vorkommt, ist am bancrupty-court von Deleware buisness as usual.
Krass, oder? US-amerikanisches Recht einhalten? Aktionärsrechte gar? Sicherlich nicht an diesem Gericht. Hier wird gedealt, am Rande der Legalität betrogen und auf Kosten anderer massiv Kohle gemacht. Vielleicht sollte Bobfan sich mal mit der Untersuchung des Autors vertraut machen, dann würde sie einige Positionen überdenken. Für mich ist ihre Empörung über die Rechtsbeugung nach dem bisher gelesenen ein Beleg dafür, daß sie in diesem Fall offenbar nicht sehr kompetent ist. Sie kennt sich gut aus im Recht, aber nicht in Deleware... so sorry.
Vor diesem Hintergrund bin ich mir auch SICHER, daß zumindest JPM und WMI (Stichwort: Bonderman) im Vorfeld klare Absprachen getroffen haben, wo sie das Kind hinschaukeln wollen. Im Moment der Bankrottanmeldung in Deleware war Equity tot. Mausetot. Zumindest as usual.
Aber nun kommen unsere WMI-Besonderheiten und Mary Walrath:
Ein Bancruptcy-Richter aus Pittsburgh wird folgendermaßen zitiert:
»... Some of [these plans] are as big as the Ney York Telephonebook. How is a Judge ... ever going to read the plan and find anything wrong with it? ... you wind up talking to yourself, challanging your own assumptions and driving yourself crazy. The judge isn´t going to be allowed to call in and examine a bunch of expert witnesses. That is not a typical judges role..«
Und was sehen wir? Unsere Richterin scheint genau dies getan zu haben und immer noch zu tun: Im Dezember hat SIE Mc Mahon gebeten, unverzüglich zu intervenieren, wenn ich das richtig erinnere. Das war der Beginn eines offenbar hochgradig untypischen Prozeßverlaufs in Deleware. Vor diesem Hintergrund bekommt es für mich ein ganz anderes Gewicht, daß Rosen Mary Walraths Vorgesetzten, Judge Sleet, angerufen hat, um eine von WMI nicht gewollte Entscheidung zu verhindern. Wir können darüber spekulieren, wie nah sie möglicherweise schon an ihrer Abberufung stand.
Fakt ist, sie hat das ruling über die 4Mrd. nie stattfinden lassen. Sie hat genau zwei Entscheidungen getroffen, auf Druck von außen hin: Das EC und den Examiner. Beides auf Druck des US-Justizministeriums. Innerhalb von Deleware wäre das nicht durchsetzbar gewesen und scheint ein unglaublicher Vorgang für die ein ganz anderes Klima gewöhnten Anwälte der WMI.
Aus diesem Grund habe ich erwartet, daß sie das disclosure statement weiter auf den Weg schicken wird. Sie wollte sich nicht angreifbar machen. Wenn bobfan enttäuscht ist von diesem Verhalten, verkennt sie die Realitäten.
Ich habe es letzte Woche bereits geschrieben. Sie muß eine Situation herstellen, in der die Dinge sich so weiterentwickeln, daß sie gar keine andere Wahl hat, als die Entscheidungen zu treffen, die sie dann trifft.
Aber warum tut sie (sich und Rosen) das an?
Keine Ahnung. Wir wissen, es ist ihr letzter Fall. Es ist ihr egal, daß sie wahrscheinlich danach für Deleware verbrannt ist, sie will nicht neu berufen werden. Riskiert sie dies, einen vorsichtig gesagt Abschied mit gemischten Gefühlen, statt in Harmonie mit ihrem Arbeitgeber, zu provozieren? Wozu? Wer weiß, vielleicht ist sie es sich selbst schuldig, als Richterin der Gerechtigkeit am Ende ihrer Karriere genüge zu tun? Vielleicht ist das unser großes Glück.
Was bedeuten diese Überlegungen für das weitere Verfahren? Ich denke, sie wird versuchen, die Einsetzung eines Case-Trustee zu vermeiden. Dies würde zwar der Gerechtigkeit dienen, der sie sich wunderbarerweise im Umfeld Deleware verpflichtet zu sehen scheint. Es käme aber einem Bruch mit ihrem Arbeitgeber gleich, würde die Traditionen Delewares in gewisser Weise verraten, den Ruf bei der angesprochenen Zielgruppe der Großkunden schwer schädigen und somit wahrscheinlich sehr nachhaltig negativ wirken hinsichtlich der Prozesse, die das Gericht an Land ziehen könnte. Sie wird daher, so denke ich, wohl eher weiterhin auf eine Einigung der Parteien hinarbeiten - das wäre Deleware-gemäß. Kein böses Blut hinterlassen. Es sei denn, sie würde massiv dazu gezwungen - von Seiten des Justizministeriums durch allzu ignorantes Verhalten Rosens. Aber dafür halte ich ihn für zu schlau.
Daß Hochberg und Solomon die Schlüssel für eine gütliche Einigung sind, ist hinlänglich bekannt. Das ist DAS, was sie für uns tun konnte. In Konfrontation mit Rosen zu gehen, würde uns ggf. mehr schaden, als nutzen. Deshalb wird sie auch den weiteren Prozeß im Sinne des dual track gestalten bis hin zur Beratung des POR.
Eine kleine Schlußüberlegung dazu (Thema Hinterzimmer):
Es ist und muß, auch in unserem Interesse, so sein, daß gegenwärtig A kleiner L ist! Sonst würden, wenn ich es richtig verstanden habe, sofort die noch nicht per Gerichtsbeschluß verworfenen Claims zum Tragen kommen. In diesem Punkt sitzen wir mit den Bondholdern in einem Boot. Wenn also im Zuge des Confirmation-Prozesses bezogen auf das DS von Rosen die letzten Claims, vor allem der Martha-Claim, entsorgt würden, wäre der Weg frei für »ooops, was hat denn der Herr Hochberg da gefunden...?« Vielleicht ist hier die Begründung für das entspannte Verhalten von Nelson und auch den anderen Anwälten zu finden... Vielleicht sollte bobfan das ebenfalls mal von dieser Seite betrachten.
Fazit: Ich glaube weiterhin an das Wunder von Deleware - dem Ort, wo ein Shareholder eigentlich schleunigst schmeißen sollte, solange er für seine Shares noch was bekommt. Angesichts der für Deleware höchst ungewöhnlichen Entwicklung unseres Verfahrens glaube ich sogar angesichts meiner düsteren Lektüre ein kleines Stück mehr daran...
Stay strong etc... -:)
Gruß
Thomas
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Zitatende
ich hoffe er (Thomas) hat nichts gegen ein einstellen des Postes hier im "Hausfrauenthread"...
(sehr guter Beitrag ...meiner Meinung nach ;)!)
MfG.L:)
"Ein jeder gibt den Wert sich selbst"
"Der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne".(Parasit)
Und es herrscht der Erde Gott, das Geld.(An die Freude)