03.03.2002
Börsianer atmeten vergangene Woche auf, als die Wirtschaft klare Anzeichen für eine Wachstumserholung signalisierte. Die zweite Hochrechnung für das Bruttoinlandsprodukt vom vierten Quartal ergab einen weitaus stärkeren Wachstumsanstieg als noch vor einem Monat angenommen wurde. War bereits die geringfügige Verbesserung von 0,2 Prozent vor wenigen Wochen eine Überraschung, so hatte kaum ein Experte mit einer weitaus größeren Beschleunigung von 1,4 Prozent gerechnet. Der amerikanische Verbraucher, der durch sein Ausgabeverhalten zwei Drittel der Wirtschaft beeinflußt, hatte sich durch die Terrorakte vom 11. September offensichtlich nicht nachhaltig einschüchtern lassen. Die Nachfrage im Automobilsektor und bei langlebigen Haushaltsgütern war besonders robust. Günstige Teilzahlungsofferten bis hin zu Nullzinsen für ein Jahr taten ein Übriges, um das Kaufinteresse zu wecken. Höhere Verteidigungsausgaben aufgrund des Krieges in Afghanistan und der Kampf gegen den Terrorismus im eigenen Lande heizten ebenfalls den öffentlichen Sektor an. Geringere Importe rundeten das Wachstumsbild dabei noch ab, während Investitionen im Telekommunikationsbereich unverändert schwach blieben. Gleichzeitig wies die Inflationsrate – gemessen am Deflator – mit einem Minus von 0,3 Prozent den größten Rückgang in 50 Jahren auf. Nicht Inflation sondern Deflation könnte daher ein Problem für die amerikanische Industrie werden. Mit Preissteigerungen sind offensichtlich keine höheren Gewinnmargen zu erzielen. Der Verbraucher verhält sich äußerst kostenbewußt.
Eine Rezession im klassischen Sinne hat es somit im vergangenen Jahr nicht gegeben, da lediglich das dritte Quartal einen Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt aufwies. Normalerweise spricht man von einer Rezession bei zwei aufeinanderfolgenden schrumpfenden Quartalsergebnissen. Insgesamt kam es im Jahresverlauf sogar zu einem durchschnittlichen Anstieg von 1,2 Prozent. Selbst wenn man diese Wachstumsabschwächung dennoch als rezessive Phase bezeichnen würde, da die Expansion um die Jahrtausendwende von gut acht Prozent innerhalb von sieben Quartalen auf ein Minus von einem Prozent abfiel, handelt es sich hier um die mit Abstand mildeste unter den zehn Rezessionen seit dem Zweiten Weltkrieg. Keine der vorangegangenen Kontraktionen wies im Durchschnitt ein leichtes Plus auf. Damit ist der vor elf Jahren begonnene Wirtschaftsaufschwung immer noch intakt. Am Freitag bestätigte der Index der Einkäuferorganisation, der einen Einblick in die Auftragslage der Industrie vermittelt, mit seinem ersten Anstieg über die auf Expansion deutende 50-Prozent-Marke innerhalb von 18 Monaten, daß der Wirtschaftsaufschwung auch auf dem Fabrikgelände bereits zu verspüren ist. Wall Street feierte dieses Signal am Freitag mit einer waren Kursexplosion. Es kam zum besten Tagesanstieg in diesem Jahr. Gleichzeitig konnte der Dow Jones-Index im Wochenverlauf sein bisheriges Jahresminus in ein Plus von rund 3,5 Prozent umwandeln. Der Freiverkehrsmarkt liegt trotz eines Wochenplus von 4,5 Prozent jedoch immer noch fast acht Prozent unter dem Niveau vom Jahresbeginn. Insgesamt war dies mit einem Minus von über zehn Prozent der zweitschlechteste Februar in der 31jährigen Geschichte dieses Indexes. Dagegen war das Monatsminus von 2,5 Prozent im Standard & Poor’s 500-Index leicht zu verkraften, während es beim Dow Jones-Index zu einem Anstieg von fast zwei Prozent kam. Der erfolgreiche Märzauftakt kann als Beginn einer Frühlingsrallye betrachtet werden, da die nächsten beiden Monate zu den besseren im Jahresverlauf zählen.
Notenbankchef Alan Greenspan hat die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen sicherlich entscheidend mitbeeinflußt, indem er die Leitzinsen im vergangenen Jahr elfmal senkte, um damit einen Wirtschafteinbruch zu vermeiden. Seit über 15 Jahren leitet er die Geschicke der Notenbank. Damit ist er zweitlängste Chef dieser Institution, die seit 1913 besteht. Keiner seiner Vorgänger hat so extreme Börsenausschläge und eine so lange Wirtschaftserholung erlebt wie diese. Am Mittwoch feiert Greenspan seinen 76. Geburtstag, bereits einen Tag später nimmt er vor dem Senatsausschuß wieder Stellung über die aktuelle Wirtschaftslage. Wall Street hat allen Grund, ihm weiterhin gute Gesundheit und Entschlossenheit zu wünschen.
Ihr Heiko Thieme
Börsianer atmeten vergangene Woche auf, als die Wirtschaft klare Anzeichen für eine Wachstumserholung signalisierte. Die zweite Hochrechnung für das Bruttoinlandsprodukt vom vierten Quartal ergab einen weitaus stärkeren Wachstumsanstieg als noch vor einem Monat angenommen wurde. War bereits die geringfügige Verbesserung von 0,2 Prozent vor wenigen Wochen eine Überraschung, so hatte kaum ein Experte mit einer weitaus größeren Beschleunigung von 1,4 Prozent gerechnet. Der amerikanische Verbraucher, der durch sein Ausgabeverhalten zwei Drittel der Wirtschaft beeinflußt, hatte sich durch die Terrorakte vom 11. September offensichtlich nicht nachhaltig einschüchtern lassen. Die Nachfrage im Automobilsektor und bei langlebigen Haushaltsgütern war besonders robust. Günstige Teilzahlungsofferten bis hin zu Nullzinsen für ein Jahr taten ein Übriges, um das Kaufinteresse zu wecken. Höhere Verteidigungsausgaben aufgrund des Krieges in Afghanistan und der Kampf gegen den Terrorismus im eigenen Lande heizten ebenfalls den öffentlichen Sektor an. Geringere Importe rundeten das Wachstumsbild dabei noch ab, während Investitionen im Telekommunikationsbereich unverändert schwach blieben. Gleichzeitig wies die Inflationsrate – gemessen am Deflator – mit einem Minus von 0,3 Prozent den größten Rückgang in 50 Jahren auf. Nicht Inflation sondern Deflation könnte daher ein Problem für die amerikanische Industrie werden. Mit Preissteigerungen sind offensichtlich keine höheren Gewinnmargen zu erzielen. Der Verbraucher verhält sich äußerst kostenbewußt.
Eine Rezession im klassischen Sinne hat es somit im vergangenen Jahr nicht gegeben, da lediglich das dritte Quartal einen Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt aufwies. Normalerweise spricht man von einer Rezession bei zwei aufeinanderfolgenden schrumpfenden Quartalsergebnissen. Insgesamt kam es im Jahresverlauf sogar zu einem durchschnittlichen Anstieg von 1,2 Prozent. Selbst wenn man diese Wachstumsabschwächung dennoch als rezessive Phase bezeichnen würde, da die Expansion um die Jahrtausendwende von gut acht Prozent innerhalb von sieben Quartalen auf ein Minus von einem Prozent abfiel, handelt es sich hier um die mit Abstand mildeste unter den zehn Rezessionen seit dem Zweiten Weltkrieg. Keine der vorangegangenen Kontraktionen wies im Durchschnitt ein leichtes Plus auf. Damit ist der vor elf Jahren begonnene Wirtschaftsaufschwung immer noch intakt. Am Freitag bestätigte der Index der Einkäuferorganisation, der einen Einblick in die Auftragslage der Industrie vermittelt, mit seinem ersten Anstieg über die auf Expansion deutende 50-Prozent-Marke innerhalb von 18 Monaten, daß der Wirtschaftsaufschwung auch auf dem Fabrikgelände bereits zu verspüren ist. Wall Street feierte dieses Signal am Freitag mit einer waren Kursexplosion. Es kam zum besten Tagesanstieg in diesem Jahr. Gleichzeitig konnte der Dow Jones-Index im Wochenverlauf sein bisheriges Jahresminus in ein Plus von rund 3,5 Prozent umwandeln. Der Freiverkehrsmarkt liegt trotz eines Wochenplus von 4,5 Prozent jedoch immer noch fast acht Prozent unter dem Niveau vom Jahresbeginn. Insgesamt war dies mit einem Minus von über zehn Prozent der zweitschlechteste Februar in der 31jährigen Geschichte dieses Indexes. Dagegen war das Monatsminus von 2,5 Prozent im Standard & Poor’s 500-Index leicht zu verkraften, während es beim Dow Jones-Index zu einem Anstieg von fast zwei Prozent kam. Der erfolgreiche Märzauftakt kann als Beginn einer Frühlingsrallye betrachtet werden, da die nächsten beiden Monate zu den besseren im Jahresverlauf zählen.
Notenbankchef Alan Greenspan hat die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen sicherlich entscheidend mitbeeinflußt, indem er die Leitzinsen im vergangenen Jahr elfmal senkte, um damit einen Wirtschafteinbruch zu vermeiden. Seit über 15 Jahren leitet er die Geschicke der Notenbank. Damit ist er zweitlängste Chef dieser Institution, die seit 1913 besteht. Keiner seiner Vorgänger hat so extreme Börsenausschläge und eine so lange Wirtschaftserholung erlebt wie diese. Am Mittwoch feiert Greenspan seinen 76. Geburtstag, bereits einen Tag später nimmt er vor dem Senatsausschuß wieder Stellung über die aktuelle Wirtschaftslage. Wall Street hat allen Grund, ihm weiterhin gute Gesundheit und Entschlossenheit zu wünschen.
Ihr Heiko Thieme
