Johannesburger Aktienindex steigt über die Marke von 13 000 Punkten – Marktteilnehmer spekulieren auf Übernahmen
Vertrauen in südafrikanische Börse wächst
An der Johannesburger Börse (JSE) geht es nach zwei schwachen Monaten wieder spürbar bergauf: Nachdem die JSE noch Ende April auf ihren tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten gesunken war, verzeichnete der Aktienmarkt am Kap zu Wochenbeginn seinen größten Tageszuwachs seit August 2004.
KAPSTADT. Inspiriert von dem erfolgreichen Einstieg der britischen Bank Barclays bei der südafrikanischen Absa-Gruppe schnellte der JSE-Gesamtindex wieder auf über 13 000 Punkte. Die als Vertrauensbeweis für die südafrikanische Wirtschaft gefeierte Transaktion kam auch den Absa-Konkurrenten Standard und First Rand zugute, die nun ebenfalls als potenzielle Übernahmekandidaten gehandelt werden.
Als ein weiterer Pluspunkt erwies sich für die JSE der leichte Rückfall der Währung Rand nach Bekanntgabe der Transaktion. Für einen Dollar wurden zuletzt 6,17 Rand gezahlt, für einen Euro 7,95 Rand. Von einem schwächeren Rand profitieren die vielen Exporteure am Kap. Entsprechend stark stiegen am Montag auch die seit Monaten gebeutelten Aktien der Platin- und Goldproduzenten, die um mehr als drei beziehungsweise zwei Prozent zulegen konnten.
Gleichwohl bleibt die Stimmung im Goldsektor nach den extrem schwachen Quartalsergebnissen gedrückt. Während sich die beiden größten südafrikanischen Goldproduzenten, Gold Fields und Anglogold Ashanti, zuletzt vergleichsweise gut schlugen, wird die Lage bei Harmony und DRD Gold, der Nummer drei und vier am Markt, immer dramatischer.
Der Aktienkurs von Harmony fiel nach dem siebten Quartalsverlust in Serie sogar zeitweise auf den tiefsten Stand in den letzten vier Jahren. Ein weiterer Grund für den Einbruch der Aktie war der schwache Goldpreis, der zuletzt auf 425 Dollar pro Feinunze fiel.
Einen noch enttäuschenderen Ausblick als die Goldkonzerne lieferte die Zellstofffirma Sappi, der in Deutschland Hannover Papier gehört. Nachdem der weltweit größte Hochglanzpapierhersteller bei der Vorlage seiner jüngsten Quartalszahlen vor höheren Material- und Wartungskosten gewarnt und einen Gewinn unter dem Vorjahresniveau angekündigt hatte, fiel die Aktie zu Monatsbeginn um über sieben Prozent auf ihren tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren.
Überstrahlt wurde all dies jedoch von dem erfolgreichen Abschluss der Transaktion im Bankensektor. Nach mehr als achtmonatigen Verhandlungen wird Barclays nun doch für 2,9 Mrd. Pfund gut 60 Prozent der Absa Bank übernehmen. Für Südafrika hat der Einstieg der Briten auch politische Bewandtnis. Es ist die größte ausländische Investition seit dem Ende der Apartheid.
Südafrikas große Geschäftsbanken befinden sich seit längerem im Visier britischer Finanzhäuser. Mit Ausnahme der angeschlagenen Nedbank, die mehrheitlich von dem in London notierten Lebensversicherer Old Mutual kontrolliert wird, hatte bis zum nun erfolgten Einstieg der Briten bei Absa keine der drei anderen großen Banken einen Hauptaktionär. In letzter Zeit ist neben Barclays auch immer wieder der britische Konkurrent Standard Chartered als möglicher Bieter für eine südafrikanische Geschäftsbank ins Spiel gebracht worden. Dies dürfte vor allem im Bankensektor zumindest kurzfristig für weitere Kursphantasien sorgen.
Experten wie John Biccard von der Vermögensverwaltung bei Investec halten den Ausblick für den südafrikanischen Aktienmarkt vor allem nach der jüngsten Zinssenkung für günstig. Besonders profitieren würden davon Unternehmen, die direkt aus der starken Binnenwirtschaft Kapital schlagen. Ein Indiz dafür ist auch, dass sich die Supermarktketten Pick’n Pay und Shoprite zu Wochenbeginn neuen Allzeithochs näherten.
Die südafrikanische Notenbank hatte Mitte April für eine Überraschung gesorgt, als sie den Leitzins entgegen allen Vorhersagen um 50 Basispunkte auf sieben Prozent senkte. Zeitgleich reduzierten die südafrikanischen Geschäftsbanken den Zins für ihre besten Kunden (Prime Rates) von 11,0 auf 10,5 Prozent.
Nach Angaben der Vermögensberatung des Finanzdienstleisters Old Mutual sollten Anleger aber auch die südafrikanischen Minenwerte nicht abschreiben. Setzt sich die jüngste Abwertung des Rands zum Dollar fort, dürften die Bergbaukonzerne und andere Exporteure zu den größten Nutznießern dieser Entwicklung zählen.
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 12. Mai 2005, 13:44 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Vertrauen in südafrikanische Börse wächst
An der Johannesburger Börse (JSE) geht es nach zwei schwachen Monaten wieder spürbar bergauf: Nachdem die JSE noch Ende April auf ihren tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten gesunken war, verzeichnete der Aktienmarkt am Kap zu Wochenbeginn seinen größten Tageszuwachs seit August 2004.
KAPSTADT. Inspiriert von dem erfolgreichen Einstieg der britischen Bank Barclays bei der südafrikanischen Absa-Gruppe schnellte der JSE-Gesamtindex wieder auf über 13 000 Punkte. Die als Vertrauensbeweis für die südafrikanische Wirtschaft gefeierte Transaktion kam auch den Absa-Konkurrenten Standard und First Rand zugute, die nun ebenfalls als potenzielle Übernahmekandidaten gehandelt werden.
Als ein weiterer Pluspunkt erwies sich für die JSE der leichte Rückfall der Währung Rand nach Bekanntgabe der Transaktion. Für einen Dollar wurden zuletzt 6,17 Rand gezahlt, für einen Euro 7,95 Rand. Von einem schwächeren Rand profitieren die vielen Exporteure am Kap. Entsprechend stark stiegen am Montag auch die seit Monaten gebeutelten Aktien der Platin- und Goldproduzenten, die um mehr als drei beziehungsweise zwei Prozent zulegen konnten.
Gleichwohl bleibt die Stimmung im Goldsektor nach den extrem schwachen Quartalsergebnissen gedrückt. Während sich die beiden größten südafrikanischen Goldproduzenten, Gold Fields und Anglogold Ashanti, zuletzt vergleichsweise gut schlugen, wird die Lage bei Harmony und DRD Gold, der Nummer drei und vier am Markt, immer dramatischer.
Der Aktienkurs von Harmony fiel nach dem siebten Quartalsverlust in Serie sogar zeitweise auf den tiefsten Stand in den letzten vier Jahren. Ein weiterer Grund für den Einbruch der Aktie war der schwache Goldpreis, der zuletzt auf 425 Dollar pro Feinunze fiel.
Einen noch enttäuschenderen Ausblick als die Goldkonzerne lieferte die Zellstofffirma Sappi, der in Deutschland Hannover Papier gehört. Nachdem der weltweit größte Hochglanzpapierhersteller bei der Vorlage seiner jüngsten Quartalszahlen vor höheren Material- und Wartungskosten gewarnt und einen Gewinn unter dem Vorjahresniveau angekündigt hatte, fiel die Aktie zu Monatsbeginn um über sieben Prozent auf ihren tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren.
Überstrahlt wurde all dies jedoch von dem erfolgreichen Abschluss der Transaktion im Bankensektor. Nach mehr als achtmonatigen Verhandlungen wird Barclays nun doch für 2,9 Mrd. Pfund gut 60 Prozent der Absa Bank übernehmen. Für Südafrika hat der Einstieg der Briten auch politische Bewandtnis. Es ist die größte ausländische Investition seit dem Ende der Apartheid.
Südafrikas große Geschäftsbanken befinden sich seit längerem im Visier britischer Finanzhäuser. Mit Ausnahme der angeschlagenen Nedbank, die mehrheitlich von dem in London notierten Lebensversicherer Old Mutual kontrolliert wird, hatte bis zum nun erfolgten Einstieg der Briten bei Absa keine der drei anderen großen Banken einen Hauptaktionär. In letzter Zeit ist neben Barclays auch immer wieder der britische Konkurrent Standard Chartered als möglicher Bieter für eine südafrikanische Geschäftsbank ins Spiel gebracht worden. Dies dürfte vor allem im Bankensektor zumindest kurzfristig für weitere Kursphantasien sorgen.
Experten wie John Biccard von der Vermögensverwaltung bei Investec halten den Ausblick für den südafrikanischen Aktienmarkt vor allem nach der jüngsten Zinssenkung für günstig. Besonders profitieren würden davon Unternehmen, die direkt aus der starken Binnenwirtschaft Kapital schlagen. Ein Indiz dafür ist auch, dass sich die Supermarktketten Pick’n Pay und Shoprite zu Wochenbeginn neuen Allzeithochs näherten.
Die südafrikanische Notenbank hatte Mitte April für eine Überraschung gesorgt, als sie den Leitzins entgegen allen Vorhersagen um 50 Basispunkte auf sieben Prozent senkte. Zeitgleich reduzierten die südafrikanischen Geschäftsbanken den Zins für ihre besten Kunden (Prime Rates) von 11,0 auf 10,5 Prozent.
Nach Angaben der Vermögensberatung des Finanzdienstleisters Old Mutual sollten Anleger aber auch die südafrikanischen Minenwerte nicht abschreiben. Setzt sich die jüngste Abwertung des Rands zum Dollar fort, dürften die Bergbaukonzerne und andere Exporteure zu den größten Nutznießern dieser Entwicklung zählen.
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 12. Mai 2005, 13:44 Uhr
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Der Einsame Samariter