DJ UPDATE: US-Wirtschaftswachstum zieht im 3. Quartal unerwartet an
15:40 31.10.07
(NEU: Kommentare von Bankvolkswirten, Details)
WASHINGTON (Dow Jones)--Die Wirtschaft der USA ist dritten Quartal unerwartet kräftig gewachsen, wofür vor allem ein starker privater Konsum und robuste Exporte gesorgt haben. Wie das US-Handelsministerium am Mittwoch mitteilte, erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Juli und September um annualisiert 3,9%. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten im Konsens mit einem Anstieg von lediglich 3,0% gerechnet. Im zweiten Quartal war das US-BIP um 3,8% gewachsen, nachdem im ersten Quartal ein Anstieg um 0,6% verzeichnet worden war.
Bankvolkswirte zeigten sich zwar positiv überrascht, zugleich äußerten sie sich jedoch skeptisch hinsichtlich der weiteren Konjunkturentwicklung in den USA. Die Frage nach der Notwendigkeit weiterer Zinssenkungen durch die US-Notenbank stelle sich nicht, hieß es mit Blick auf latente Rezessionsgefahren. An den Finanzmärkten fielen die Reaktionen auf die starken BIP-Daten verhältnismäßig moderat aus.
Die stärksten Wachstumsimpulse kamen nach Angaben des Handelsministeriums vom privaten Verbrauch. Dieser legte im dritten Quartal um annualisiert 3,0% zu, nachdem er im zweiten Jahresviertel lediglich um 1,4% gestiegen war. Während die Unternehmensinvestitionen (Ausrüstungen und gewerbliche Bauten) um 7,9% (11,0%) zulegten, verzeichneten die Wohnbauinvestitionen ein annualisiertes Minus von 20,1%. Bereits in den Vorquartalen hatten der Wohnbau stets zweistellige prozentuale Rückgänge registriert. Insgesamt legten die Investitionen um 0,8% (zweites Quartal: plus 4,6%) zu.
Weitere Wachstumsimpulse kamen von den Staatsausgaben, die um 3,7% (plus 4,1%) stiegen. Vor dem Hintergrund der seit längerem währenden Dollar-Schwäche stiegen zudem die Exporte von Gütern und Dienstleistungen um annualisiert 16,2% (plus 7,5%), während die Importe nur um 5,2% (minus 2,7%) kletterten.
Damit lieferte der private Verbrauch damit einen Beitrag von 2,11 Prozentpunkten zur Gesamtwachstumsrate von 3,9% (zweites Quartal: 1,0 Prozentpunkt). Der Wachstumsbeitrag der Investitionen belief sich auf 0,13 (0,71) Prozentpunkte und jener der Staatsausgaben auf 0,73 (0,79). Der Außenbeitrag (Exporte minus Importe) lieferte 0,93 (0,38) Prozentpunkte zum Wachstum. Die Daten der ersten BIP-Veröffentlichung unterliegen allerdings in der Regel noch größeren Revisionen. Eine erste Revision der Daten ist für den 29. November vorgesehen.
Matthias Huth von der Landesbank Baden-Württemberg ließ sich von den neuen BIP-Daten in Bezug auf die weitere Wachstumsentwicklung nicht blenden: "Die vorauslaufenden Indikatoren deuten mehrheitlich darauf hin, dass das Schlussquartal 2007 deutlich schwächer ausfallen wird als das dritte Quartal". Entsprechend hält er an der Einschätzung fest, "dass die US-Notenbank heute Abend die Leitzinsen senkt und damit in den kommenden Quartalen auch sukzessive weiter fortfahren wird". Weithin wird am Markt davon ausgegangen, dass die Fed das Zinsniveau am Abend um weitere 25 Basispunkte auf dann 4,50% verringert, nachdem bereits im September eine Lockerung um 50 Basispunkte beschlossen worden war.
-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69/297 25-313,
peter.trautmann@dowjones.com
DJG/ptt/apo
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