% hoch
Eine jüngste Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young zeigt, dass die Übernahme-Aktivität im Rohstoffsektor deutlich angezogen ist.
§
Insgesamt stieg das Übernahme-Volumen in den ersten neun Monaten 2011 um 67% auf 132 Mrd. Dollar.
In den kommenden Monaten wird weiterhin mit hoher Aktivität gerechnet. Die Schuldenkrise in Europa hat zwar insgesamt den Übernahme-Appetit gesenkt – in der Rohstoffbranche hingegen dreht sich das Karussell immer schneller.
Hoher Abschlag macht Lust auf Übernahmen
Bei einer Befragung gaben 39% der Rohstoff-Unternehmen an, dass sie in den kommenden 12 Monaten zukaufen wollen. Ein erstaunliches Ergebnis, da wachsende Unsicherheit über den Zustand der Weltwirtschaft und fallende Rohstoff-Preise eher auf einen Rückgang der Aktivität hingedeutet haben.
Eine Reihe von Faktoren ist jedoch dafür verantwortlich, dass der Übernahme-Hunger in der Branche anhält. Für Anleger besonders interessant ist dabei natürlich die günstige Bewertung vieler Rohstoff-Unternehmen.
So signalisiert der Bloomberg World Mining Index beispielsweise, dass die Unternehmen weit von ihrer 5-Jahres-Durchschnittsbewertung entfernt sind. Durchschnittlich werden die Rohstoffunternehmen mit einem Gewinn-Multiplikator von 9,35 bewertet, was einem Abschlag von rund 50% gegenüber dem 5–Jahresschnitt ist.
Kleinere Unternehmen brauchen das Geld der Großen
Die günstige Bewertung trifft auf hohe Cashbestände bei den großen Spielern in der Branche. Rio Tinto, BHP Billiton und Co. sind die Unternehmen, die locker weitere Milliarden-Übernahmen stemmen können. Der Cashbestand der sechs größten Rohstoffkonzerne wird bis Ende 2013 (trotz der jüngsten Deals) immer noch auf über 140 Mrd. Dollar geschätzt.
Dieses Geld brauchen die Übernahme-Kandidaten, denn sie kommen aufgrund der Schuldenkrise nicht mehr so leicht an Investitionsgelder oder Bankkredite wie noch vor einem Jahr. Die Minen-Projekte verschlingen gerade im Anfangsstadium Millionenbeträge (Infrastruktur zum Transport der Rohstoffe).
Mit dem Einstieg eines Rohstoff-Riesen können direkt alle Finanzierungsprobleme gelöst werden. Zusätzlich kann der Bieter dem Übernahme-Kandidaten mit seiner langjährigen Erfahrung weiterhelfen.
Rohstoff-Konzerne haben mit Billig-Offerten keine Chance
Wenn kaufwillige Bieter und ein verkaufswilliges Management kleinerer Rohstoff-Unternehmen aufeinandertreffen, muss nur noch der Preis ausgehandelt werden. Auch hier sind aufgrund der günstigen Bewertungen Einigungen gut möglich.
Besonders günstig bewertet sind die nämlich die Unternehmen, die noch Geld zur Finanzierung der Projekte brauchen. Das gibt den Rohstoff-Riesen eine gewisse Macht, am Übernahme-Preis zu drehen, ermöglicht ihm jedoch nicht, dass er den Übernahme-Kandidaten „erpressen“ kann.
Denn wird zu wenig geboten, kann ein Konkurrent der Übernahme schnell mit einem höheren Gegenangebot in die Quere kommen. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass daher weiterhin faire Preise und satte Übernahme-Prämien auf den Aktienkurs bezahlt wurden.
Übernahme-Tempo wird hoch bleiben
Es ist davon auszugehen, dass die Übernahme-Welle im Rohstoff-Sektor mit hohem Tempo weiterrollen wird.
Innerhalb der verschiedenen Rohstoffklassen wird der Übernahme-Hunger jedoch unterschiedlich stark ausfallen. Der Übernahme-Sensor rechnet damit, dass zu den aktivsten Bereichen Kohle, Stahl/Eisenerz und Kupfer gehören werden.
Die Entwicklung der Finanzstabilität in der Euro-Zone wird den Rohstoff-Jägern den Appetit nicht verderben.
Herzlichst, Ihr
Jens Gravenkötter
BOC - Mein MULTIBAGGER Favorit