habe zu der derzeitigen Lage noch nen schönen, aber langen Artikel gefunden...
das alles stimmt schon nachdenklich...........................
Die rosa Brillen der Normalbürger
von Ronald Gehrt
Guten Morgen, verehrte Leserinnen und Leser!
Seit einigen Wochen laufe ich nun schon weitaus besorgter herum als sonst. Ich sitze sogar besorgter herum als sonst. Aber mich plagt nicht die problematische Lage an den Kreditmärkten, die Risiken einer Rezession und die anderen Elemente, die der Rallye der Sorglosen an den Aktienmärkten eiskalt und plötzlich ein Ende bereiten können. Diese Risiken sind ja mir nicht neu, ich rechne damit, dass, wie bislang immer auf dieser Welt, die Folgen nicht ausbleiben und ich bin mir sehr wohl bewusst, dass der Zeitpunkt, zu dem dann die Quittung serviert wird, im Voraus nicht absehbar ist. Das ist letztlich Börsenalltag. Damit muss man rechnen.
Es ist etwas ganz anderes, das diese Unruhe auslöst. Dass die Kredit- und Liquiditätsblasen existieren, dass wir sehen konnten was alleine passiert, wenn diese Blasen nur einen Riss bekommen, das sind Probleme, die über Jahre hinweg gewachsen sind. Kann das überraschen? Dass das Umfallen einer Karte in einem Kartenhaus bedeutet, dass automatisch andere Karten instabil werden und hinterher fallen können, weiß jeder, der sich mit dem Zusammenwirken einzelner wirtschaftlicher Elemente befasst hat.
Daher hören wir in den Börsensendern auch die irgendwie logisch wirkende Argumentation, dass die Börsen dies alles erkannt und in den Kursen verarbeitet haben. Und da es nun nicht mehr nach unten geht ... ist die Sache erledigt, weil voll verarbeitet und somit nun wieder der Weg nach oben frei. Man weiß Bescheid, man kennt die Risiken ... und greift beherzt zu. So ist das also.
Ist das so?
Je mehr ich über die Lage nachgrüble, desto klarer wird mir, dass hier gewaltig etwas faul ist. Wenn man nach einem solch starken ersten Halbjahr an den Aktienmärkten und nach einem solchen, letztlich bislang ja nur kleinen Beben an den Finanzmärkten nur ein paar popelige Prozentpunkte unter den Allzeithochs von Kaufgelegenheiten spricht, beschleicht mich das Gefühl, dass hier irgend etwas nicht stimmen kann. Einen Lösungsansatz dieses Phänomens hätte ich anzubieten:
Die zwei Gesichter der Wahrheit: 1. Die rosa Brillen der Normalbürger
Ich bin weder geborener Banker noch mit goldenen Löffeln großgezogen worden. Ich habe zwar ein Wirtschaftsstudium absolviert, aber habe nie im Bereich der unmittelbaren Finanzbranche, also Banken und Fonds, gedient, sondern immer nur im „freien“ Teil, in welcher man denken, sagen und schreiben darf, was man möchte. Meine Familie, meine Freunde und Bekannten fahren keine teuren Autos, gehen nicht in St. Moritz Skifahren und führen keine großen Unternehmen. Es sind alles „Durchschnittsbürger“, die mit der Börse nur am Rande zu tun haben. Dieser Rand bin vornehmlich ich.
Meine Freunde fragten mich kürzlich, nachdem ich nach wie vor an der Baisse-Seite festhielt: „Sag, meinst du denn wirklich, dass es noch mal runtergeht?“ Ich war einigermaßen von den Socken und fragte, wie sie darauf kämen. Und die Antworten waren bemerkenswert. Ich fragte bei mehreren Leuten nach und erhielt letztlich sinngemäß immer die gleiche Antwort:
‚In den Nachrichten hieß es doch, da sei im Endeffekt überhaupt nichts passiert. Es habe nur ein paar Probleme gegeben, die minimal sind und sich nicht wiederholen können. Außerdem hat die Notenbank doch die Zinsen gesenkt, damit nicht noch mal was passiert. Die haben gesagt, dass die Aktien jetzt wieder raufgehen würden.’
Nanu!? Auf Rückfrage erfuhr ich, dass solche Statements in den „normalen“ Sendern tagelang zu hören waren. Also die Sender, die eben nicht vornehmlich mit Wirtschaft zu tun haben und die von den Leuten gesehen werden, die eben auch nicht vornehmlich mit Wirtschaft zu tun haben. Sieh an.
Da ich von morgens bis abends für Sie auf der Suche nach Informationen bin, sehe ich CNBC, CNN, n-tv und Bloomberg. Plus die Nachrichtenticker im Internet. Mehr auf einmal passt in meinen Kopf nicht rein. Doch wer, liebe Leser, sieht sich als Fondssparer oder normaler Anleger dauern diese Sender an?
Risiken? Die normalen Sparer wissen von nichts
Mir wurde auf einmal klar, dass die Mehrheit der Leute hierzulande (und in den USA wohl ebenso) keine anderen Informationen über die Lage hat. Das sind keine Wirtschaftsleute und sie sehen keine Wirtschaftssender. Sie müssen ja eigentlich zwangsläufig glauben, was in den Nachrichten kommt. Und da hieß es: Alles im Griff. Alles ist gut. Die Börsen sind in tadelloser Verfassung.
Hoppla.
Da hatte ich vermutet, dass zahllose Anleger nun versuchen würden, ihre Aktien und Fondsanteile zu verkaufen ... mir war nicht klar, dass die Leute gar nicht wissen, dass es Grund zur Sorge gibt! Es hat ihnen keiner gesagt!
Die großen Adressen machen an den Börsen die Kurse. Aber das Geld dazu bekommen sie von der riesigen Schar von Sparern und Anlegern, in deren Namen sie das Geld anzulegen haben. Wenn der Strom des regelmäßig zufließenden Geldes nicht abreißt ist es nicht überraschend, dass in den letzten Tagen einfach wieder Geld in die Börsen fließen musste.
Sie als Leser eines Börsen-Newsletter wissen viel mehr. Aber Sie, ich und die Profis sind nicht die Basis des stetigen Storms von Erspartem in die Aktienmärkte. Das sind die unzähligen Fondssparer, die Börse nicht einmal als Hobby haben, sondern einfach nur einzahlen. Diese große Gruppe weiß also gar nicht, dass die Risiken gestiegen sind ... deutlich gestiegen sind.
Und die Profis? Dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Die rosa Brillen der Profis
von Ronald Gehrt
Die Profis kennen die konkreten wirtschaftlichen Zusammenhänge besser. Und sie kennen die Zahlen ... viele Zahlen. Nur – wissen und sehen sie damit alles?
Auch hier strömt ... wenngleich weniger und mit viel größerer Skepsis, wie die letzten mir zugegangenen Sentimentdaten ausweisen (in denen die privaten wieder sehr bullish sind, wen wundert es) wieder Geld in den Aktienmarkt.
Die professionellen Akteure kennen die tiefer gehenden Nachrichten und wissen um die Risiken einer auf Pump und billigem Geld aufgebauten, weltweit eng vernetzten Wirtschaft. Aber auch unter ihnen ist die Furcht gering, denn sie kennen ja die „Zahlen“:
Schwer nachvollziehbare nackte Zahlen und gehorsame Profis
Es wird allgemein erwartet, dass die US-Notenbank die Zinsen nun mehrfach senken wird. Und sie kann es ja. Denn die Inflation ist tadellos im Rahmen dessen, was man tolerieren kann – um die 2%. So sagte es zuletzt der von der US-Notenbank sehr beachtete PCE-Deflator aus.
Komisch, dass die Unterkomponenten der „bezahlten Preise“ bei den Einkaufsmanager-Indizes ebenso wie bei den Konjunkturklimaindizes von New York und Philadelphia seit vielen Monaten beharrlich etwas anderes aussagen.
Zugleich läuft die Wirtschaft absolut rund. 4% Wachstum im 2. Quartal in den USA – das ist doch was. Gut, da muss man nicht durch Zinssenkungen unterstützen, aber die Inflation ist nicht existent, also kann man ja mal mehrmals die Zinsen senken.
Natürlich nicht wegen der Kreditkrise, wo doch dort alles angeblich im Griff ist. Nein, einfach mal so halt. Haha. Also ich bleibe dabei: Die Konjunkturdaten dieses 2. Quartals, die ich eine nach der anderen hier vorgestellt hatte, ließen ein Wachstum um 4% wirklich nicht erwarten. Komisch eigentlich.
Auch bei uns hier gibt es keine Inflation. Deswegen muss die EZB die Zinsen diese Woche nicht erhöhen. Auch klar.
Sagen Sie: Kann mir dann mal jemand erklären, warum unsere EZB überhaupt die Zinsen in den vergangenen Monaten mehrfach erhöht hat? Und warum sie an einem rigiden Kurs festhält? Glaubt denn irgend jemand, dass Jean-Claude Trichet und seine Zentralbanker das nur tun, weil ihnen sonst langweilig wäre?
Dennoch jonglieren die Analysten mit Zahlen und kommen zu dem Schluss, alles sei tadellos in Butter und das Umfeld für steigende Gewinne und somit steigende Aktienkurse hervorragend.
Ich finde es beeindruckend, dass in den USA zwei Steuermänner großer Fonds erklärten: Wer nicht erkennt, dass die USA geradewegs in eine Rezession steuern, muss ein Idiot sein.
Das ist sehr garstig. Und es stimmt nicht. Man muss dazu nicht unbedingt ein Idiot sein. Es reicht, wenn man ein rückgratloser Opportunist ist, der einfach nur den Vorteil seiner Herren und Meister verteidigt. Denn diesen beiden Fondsmanagern gehörten bankenunabhängige Fonds. Von den Analysten der Banken hierzulande und in den USA hören sie genau das Gegenteil. Vom US-Finanzminister ebenso.
Würden diese Leute nicht das Wohl ihrer Geldgeber über das Wohl derer stellen, die ihnen vertrauen, würden sie eventuell eines feststellen:
Analysten ohne Bodenhaftung?
Der Konsum ist gerade in den USA das Rückgrat der kompletten Wirtschaft. Bei uns ist das, wenn auch nicht so extrem, ähnlich.
Der Konsum lebt nicht von dem kleinen Prozentsatz an Reichen mit fünf- oder zehntausend Euro netto im Monat. Er lebt von den 90% normal oder wenig verdienenden Bürgern.
Die Nahrungsmittelpreise sind in den USA und hierzulande markant angestiegen. Wenn ein Fondsmanager mit 10.000 im Monat wüsste, was der Preisanstieg in Gemüse, Milchprodukten und nun auch bei Brot für Normalverdiener bedeutet, würde er sich fragen:
Warum redet keiner von Inflationsgefahr? Und warum glauben alle daran, dass der Konsum weiter zulegt?
Aber er tut es offenbar nicht.
Mit Lohnerhöhungen wurde bei den meisten Bürgern in den vergangenen fünf Jahren bestenfalls die offizielle Inflation ausgeglichen. Die faktische nicht. Ich kenne in meinem Umfeld dermaßen viele Familien, die dann nicht einfach mal ein wenig weniger auf die hohe Kante legen, sondern so richtig schlucken müssen, dass ich mich frage, ob ich der einzige bin, der das merkt? Und ich wohne schließlich nicht in einem Armenviertel sondern einer Gegend, die zu den wohlhabendsten im Land gehört. Im Schnitt natürlich.
Es ist durchaus zu vermuten, dass diese höheren Preise in den USA und hier dazu führen, dass der Konsum in anderen Bereichen zurückgeht. Und selbst wenn es nicht geschähe: Solange nur die Umsätze steigen, weil für die Hersteller die Kosten gestiegen sind, wächst doch damit die Wirtschaft nicht! Wo wäre denn dann der geschaffene „Mehrwert“?
Wieviel Wachstum war bis jetzt auf Pump?
Und noch was: Machen sich solche Hurra-es-geht-nach-oben-Analysten eigentlich Gedanken, wie brutal vielen Familien in den „zivilisierten“ Ländern ihre Kredite im Nacken sitzen? Ist denen nicht klar, was wir „Normalos“ wissen ... nämlich dass, wenn es eng wird, jeder irgendwie versucht, seinen Lebensstil zu verteidigen?
Und dass immens viele Angst haben, in den Augen der anderen „abzugleiten“ und so versuchen, mit Krediten den Urlaub, das neue Auto, den Flachbildfernseher trotzdem zu bekommen? Das geht schon seit Jahren so. Aber irgendwann ist eben Schluss mit Lebensstil auf Kredit. Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt nicht, sie explodiert.
Wo, liebe Analysten, soll bei den steigenden Lebenshaltungskosten und den hoch verschuldeten Familien noch mehr Geld herkommen, um den Konsum so weit zu steigern, wie ihr vorhersagt (indem ihr einfach das bisherige Wachstum in die Zukunft übertragt)?
Ich persönlich habe den Eindruck, dass man an solche rosigen Prognosen einer gesunden Wirtschaft und fortgesetzten Wachstums nur glauben kann, wenn man sklavisch seine schönen Prognosen streichelt und keine Ahnung hat, wie es draußen, in Otto Normalverbrauchers Wohnzimmer, zugeht.
Und nun (endlich, nicht wahr?) zum abschließenden Punkt: Die Jobs.
Hauptsache Jobs
Wenn irgendeiner von den Rattenfängern mit den schönen Kurszielen mal in den VWL-Vorlesungen aufgewacht ist, müsste er doch wissen, dass der Arbeitsmarkt ein „lagging-indicator“ ist, d.h. er reagiert erst am Schluss eines Prozesses.
Und trotzdem faseln die strahlenden Super-Bullen davon, dass nichts passieren wird, solange der Arbeitsmarkt so gut läuft. Alles voran die US-Politiker. Schau an.
Die faktische Reihenfolge lautet: Schulden zu hoch – Konsum geht zurück – Umsatz und Gewinn der Unternehmen sinkt - Entlassungen. Folge: die Spirale setzt sich fort. Mehr Arbeitslose – Konsum geht weiter zurück – Umsatz und Gewinn der Unternehmen geht weiter zurück – noch mehr Entlassungen.
Den Anfang können, wie hier, einfach nicht mehr zu stemmende Schulden machen, entstanden durch die Flut billigen Geldes, das die US-Notenbank unter Greenspan unter das Volk warf, um die Rezession 2000/2001 loszuwerden ... nur, um das Problem zu vertagen - auf heute. Damals haben die Leute dann begonnen die Kredite aufzunehmen (um so brav die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen bzw. ihren Lebensstil aufrecht zu erhalten), die sie heute immer noch abstottern müssen.
Wie immer ist diesmal alles ganz anders
Damals hatte man diesen oben genannten Kreislauf der Dinge vehement negiert. Diesmal sei alles anders, hieß es. Wir lebten schließlich angeblich in einer neuen Zeit.
Es hatte sich erwiesen, dass das der Wirtschaftskreislauf offenbar nicht gewusst hat. Die Rezession kam trotzdem. Die Aktienkurse fielen trotzdem.
Aber diesmal, so die Galionsfiguren der Beschwichtiger wie z.B. Finanzminister Paulson, sei es wirklich ganz anders. Und wieder glaubt man ihm. Die kleinen Anleger, weil sie es nicht besser wissen können. Und die Analysten, weil es ihnen in den Kram passt.
Ich wage daher schüchtern einzuwenden:
Haben Sie je erlebt, dass eine Rezession droht und irgend ein Verantwortlicher sagt: ‚Hu, ja, das kann schon sein. Aber wir können da jetzt wenig machen. Die Zinsen sind halt schon recht niedrig und wenn wir weiter runtergehen geht die Inflation aus dem Ruder. Kinder, schaut halt selber wie ihr klarkommt’?
Haben Sie je etwas anderes gehört als Dementis, wilde Entschlossenheit im Falle des Falles etc?
Noch nie wurden faktische Probleme durch Gerede gelöst. Noch nie sind Aktien gestiegen, wenn die Rahmenbedingungen negativ waren. Aber dennoch wollen schon wieder alle gerne glauben, dass diesmal alles ganz anders ist.
Wenn man den Geschichtsschreibern glauben darf, dachten das die Einwohner von Pompeji auch.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt
The Daily Observer
TCM-Hauptthread
http://www.ariva.de/Thompson_Creek_Metals_Blue_Pearl_Mng_t280382
TCM-Fakten-Thread (Bitte Nur zum Lesen!)
http://www.ariva.de/board/281353
TCM-Charts
http://www.ariva.de/Thompson_Creek_Metals_Charts_t291779
Range Resources-Thread
http://www.ariva.de/Range_Resources_Ltd_t297413
Petrel Resources-Thread
http://www.ariva.de/Petrel_Resources_t298743
U.S.Geothermal Inc.
http://www.ariva.de/U_S_Geothermal_Inc_t301783
das alles stimmt schon nachdenklich...........................
Die rosa Brillen der Normalbürger
von Ronald Gehrt
Guten Morgen, verehrte Leserinnen und Leser!
Seit einigen Wochen laufe ich nun schon weitaus besorgter herum als sonst. Ich sitze sogar besorgter herum als sonst. Aber mich plagt nicht die problematische Lage an den Kreditmärkten, die Risiken einer Rezession und die anderen Elemente, die der Rallye der Sorglosen an den Aktienmärkten eiskalt und plötzlich ein Ende bereiten können. Diese Risiken sind ja mir nicht neu, ich rechne damit, dass, wie bislang immer auf dieser Welt, die Folgen nicht ausbleiben und ich bin mir sehr wohl bewusst, dass der Zeitpunkt, zu dem dann die Quittung serviert wird, im Voraus nicht absehbar ist. Das ist letztlich Börsenalltag. Damit muss man rechnen.
Es ist etwas ganz anderes, das diese Unruhe auslöst. Dass die Kredit- und Liquiditätsblasen existieren, dass wir sehen konnten was alleine passiert, wenn diese Blasen nur einen Riss bekommen, das sind Probleme, die über Jahre hinweg gewachsen sind. Kann das überraschen? Dass das Umfallen einer Karte in einem Kartenhaus bedeutet, dass automatisch andere Karten instabil werden und hinterher fallen können, weiß jeder, der sich mit dem Zusammenwirken einzelner wirtschaftlicher Elemente befasst hat.
Daher hören wir in den Börsensendern auch die irgendwie logisch wirkende Argumentation, dass die Börsen dies alles erkannt und in den Kursen verarbeitet haben. Und da es nun nicht mehr nach unten geht ... ist die Sache erledigt, weil voll verarbeitet und somit nun wieder der Weg nach oben frei. Man weiß Bescheid, man kennt die Risiken ... und greift beherzt zu. So ist das also.
Ist das so?
Je mehr ich über die Lage nachgrüble, desto klarer wird mir, dass hier gewaltig etwas faul ist. Wenn man nach einem solch starken ersten Halbjahr an den Aktienmärkten und nach einem solchen, letztlich bislang ja nur kleinen Beben an den Finanzmärkten nur ein paar popelige Prozentpunkte unter den Allzeithochs von Kaufgelegenheiten spricht, beschleicht mich das Gefühl, dass hier irgend etwas nicht stimmen kann. Einen Lösungsansatz dieses Phänomens hätte ich anzubieten:
Die zwei Gesichter der Wahrheit: 1. Die rosa Brillen der Normalbürger
Ich bin weder geborener Banker noch mit goldenen Löffeln großgezogen worden. Ich habe zwar ein Wirtschaftsstudium absolviert, aber habe nie im Bereich der unmittelbaren Finanzbranche, also Banken und Fonds, gedient, sondern immer nur im „freien“ Teil, in welcher man denken, sagen und schreiben darf, was man möchte. Meine Familie, meine Freunde und Bekannten fahren keine teuren Autos, gehen nicht in St. Moritz Skifahren und führen keine großen Unternehmen. Es sind alles „Durchschnittsbürger“, die mit der Börse nur am Rande zu tun haben. Dieser Rand bin vornehmlich ich.
Meine Freunde fragten mich kürzlich, nachdem ich nach wie vor an der Baisse-Seite festhielt: „Sag, meinst du denn wirklich, dass es noch mal runtergeht?“ Ich war einigermaßen von den Socken und fragte, wie sie darauf kämen. Und die Antworten waren bemerkenswert. Ich fragte bei mehreren Leuten nach und erhielt letztlich sinngemäß immer die gleiche Antwort:
‚In den Nachrichten hieß es doch, da sei im Endeffekt überhaupt nichts passiert. Es habe nur ein paar Probleme gegeben, die minimal sind und sich nicht wiederholen können. Außerdem hat die Notenbank doch die Zinsen gesenkt, damit nicht noch mal was passiert. Die haben gesagt, dass die Aktien jetzt wieder raufgehen würden.’
Nanu!? Auf Rückfrage erfuhr ich, dass solche Statements in den „normalen“ Sendern tagelang zu hören waren. Also die Sender, die eben nicht vornehmlich mit Wirtschaft zu tun haben und die von den Leuten gesehen werden, die eben auch nicht vornehmlich mit Wirtschaft zu tun haben. Sieh an.
Da ich von morgens bis abends für Sie auf der Suche nach Informationen bin, sehe ich CNBC, CNN, n-tv und Bloomberg. Plus die Nachrichtenticker im Internet. Mehr auf einmal passt in meinen Kopf nicht rein. Doch wer, liebe Leser, sieht sich als Fondssparer oder normaler Anleger dauern diese Sender an?
Risiken? Die normalen Sparer wissen von nichts
Mir wurde auf einmal klar, dass die Mehrheit der Leute hierzulande (und in den USA wohl ebenso) keine anderen Informationen über die Lage hat. Das sind keine Wirtschaftsleute und sie sehen keine Wirtschaftssender. Sie müssen ja eigentlich zwangsläufig glauben, was in den Nachrichten kommt. Und da hieß es: Alles im Griff. Alles ist gut. Die Börsen sind in tadelloser Verfassung.
Hoppla.
Da hatte ich vermutet, dass zahllose Anleger nun versuchen würden, ihre Aktien und Fondsanteile zu verkaufen ... mir war nicht klar, dass die Leute gar nicht wissen, dass es Grund zur Sorge gibt! Es hat ihnen keiner gesagt!
Die großen Adressen machen an den Börsen die Kurse. Aber das Geld dazu bekommen sie von der riesigen Schar von Sparern und Anlegern, in deren Namen sie das Geld anzulegen haben. Wenn der Strom des regelmäßig zufließenden Geldes nicht abreißt ist es nicht überraschend, dass in den letzten Tagen einfach wieder Geld in die Börsen fließen musste.
Sie als Leser eines Börsen-Newsletter wissen viel mehr. Aber Sie, ich und die Profis sind nicht die Basis des stetigen Storms von Erspartem in die Aktienmärkte. Das sind die unzähligen Fondssparer, die Börse nicht einmal als Hobby haben, sondern einfach nur einzahlen. Diese große Gruppe weiß also gar nicht, dass die Risiken gestiegen sind ... deutlich gestiegen sind.
Und die Profis? Dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Die rosa Brillen der Profis
von Ronald Gehrt
Die Profis kennen die konkreten wirtschaftlichen Zusammenhänge besser. Und sie kennen die Zahlen ... viele Zahlen. Nur – wissen und sehen sie damit alles?
Auch hier strömt ... wenngleich weniger und mit viel größerer Skepsis, wie die letzten mir zugegangenen Sentimentdaten ausweisen (in denen die privaten wieder sehr bullish sind, wen wundert es) wieder Geld in den Aktienmarkt.
Die professionellen Akteure kennen die tiefer gehenden Nachrichten und wissen um die Risiken einer auf Pump und billigem Geld aufgebauten, weltweit eng vernetzten Wirtschaft. Aber auch unter ihnen ist die Furcht gering, denn sie kennen ja die „Zahlen“:
Schwer nachvollziehbare nackte Zahlen und gehorsame Profis
Es wird allgemein erwartet, dass die US-Notenbank die Zinsen nun mehrfach senken wird. Und sie kann es ja. Denn die Inflation ist tadellos im Rahmen dessen, was man tolerieren kann – um die 2%. So sagte es zuletzt der von der US-Notenbank sehr beachtete PCE-Deflator aus.
Komisch, dass die Unterkomponenten der „bezahlten Preise“ bei den Einkaufsmanager-Indizes ebenso wie bei den Konjunkturklimaindizes von New York und Philadelphia seit vielen Monaten beharrlich etwas anderes aussagen.
Zugleich läuft die Wirtschaft absolut rund. 4% Wachstum im 2. Quartal in den USA – das ist doch was. Gut, da muss man nicht durch Zinssenkungen unterstützen, aber die Inflation ist nicht existent, also kann man ja mal mehrmals die Zinsen senken.
Natürlich nicht wegen der Kreditkrise, wo doch dort alles angeblich im Griff ist. Nein, einfach mal so halt. Haha. Also ich bleibe dabei: Die Konjunkturdaten dieses 2. Quartals, die ich eine nach der anderen hier vorgestellt hatte, ließen ein Wachstum um 4% wirklich nicht erwarten. Komisch eigentlich.
Auch bei uns hier gibt es keine Inflation. Deswegen muss die EZB die Zinsen diese Woche nicht erhöhen. Auch klar.
Sagen Sie: Kann mir dann mal jemand erklären, warum unsere EZB überhaupt die Zinsen in den vergangenen Monaten mehrfach erhöht hat? Und warum sie an einem rigiden Kurs festhält? Glaubt denn irgend jemand, dass Jean-Claude Trichet und seine Zentralbanker das nur tun, weil ihnen sonst langweilig wäre?
Dennoch jonglieren die Analysten mit Zahlen und kommen zu dem Schluss, alles sei tadellos in Butter und das Umfeld für steigende Gewinne und somit steigende Aktienkurse hervorragend.
Ich finde es beeindruckend, dass in den USA zwei Steuermänner großer Fonds erklärten: Wer nicht erkennt, dass die USA geradewegs in eine Rezession steuern, muss ein Idiot sein.
Das ist sehr garstig. Und es stimmt nicht. Man muss dazu nicht unbedingt ein Idiot sein. Es reicht, wenn man ein rückgratloser Opportunist ist, der einfach nur den Vorteil seiner Herren und Meister verteidigt. Denn diesen beiden Fondsmanagern gehörten bankenunabhängige Fonds. Von den Analysten der Banken hierzulande und in den USA hören sie genau das Gegenteil. Vom US-Finanzminister ebenso.
Würden diese Leute nicht das Wohl ihrer Geldgeber über das Wohl derer stellen, die ihnen vertrauen, würden sie eventuell eines feststellen:
Analysten ohne Bodenhaftung?
Der Konsum ist gerade in den USA das Rückgrat der kompletten Wirtschaft. Bei uns ist das, wenn auch nicht so extrem, ähnlich.
Der Konsum lebt nicht von dem kleinen Prozentsatz an Reichen mit fünf- oder zehntausend Euro netto im Monat. Er lebt von den 90% normal oder wenig verdienenden Bürgern.
Die Nahrungsmittelpreise sind in den USA und hierzulande markant angestiegen. Wenn ein Fondsmanager mit 10.000 im Monat wüsste, was der Preisanstieg in Gemüse, Milchprodukten und nun auch bei Brot für Normalverdiener bedeutet, würde er sich fragen:
Warum redet keiner von Inflationsgefahr? Und warum glauben alle daran, dass der Konsum weiter zulegt?
Aber er tut es offenbar nicht.
Mit Lohnerhöhungen wurde bei den meisten Bürgern in den vergangenen fünf Jahren bestenfalls die offizielle Inflation ausgeglichen. Die faktische nicht. Ich kenne in meinem Umfeld dermaßen viele Familien, die dann nicht einfach mal ein wenig weniger auf die hohe Kante legen, sondern so richtig schlucken müssen, dass ich mich frage, ob ich der einzige bin, der das merkt? Und ich wohne schließlich nicht in einem Armenviertel sondern einer Gegend, die zu den wohlhabendsten im Land gehört. Im Schnitt natürlich.
Es ist durchaus zu vermuten, dass diese höheren Preise in den USA und hier dazu führen, dass der Konsum in anderen Bereichen zurückgeht. Und selbst wenn es nicht geschähe: Solange nur die Umsätze steigen, weil für die Hersteller die Kosten gestiegen sind, wächst doch damit die Wirtschaft nicht! Wo wäre denn dann der geschaffene „Mehrwert“?
Wieviel Wachstum war bis jetzt auf Pump?
Und noch was: Machen sich solche Hurra-es-geht-nach-oben-Analysten eigentlich Gedanken, wie brutal vielen Familien in den „zivilisierten“ Ländern ihre Kredite im Nacken sitzen? Ist denen nicht klar, was wir „Normalos“ wissen ... nämlich dass, wenn es eng wird, jeder irgendwie versucht, seinen Lebensstil zu verteidigen?
Und dass immens viele Angst haben, in den Augen der anderen „abzugleiten“ und so versuchen, mit Krediten den Urlaub, das neue Auto, den Flachbildfernseher trotzdem zu bekommen? Das geht schon seit Jahren so. Aber irgendwann ist eben Schluss mit Lebensstil auf Kredit. Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt nicht, sie explodiert.
Wo, liebe Analysten, soll bei den steigenden Lebenshaltungskosten und den hoch verschuldeten Familien noch mehr Geld herkommen, um den Konsum so weit zu steigern, wie ihr vorhersagt (indem ihr einfach das bisherige Wachstum in die Zukunft übertragt)?
Ich persönlich habe den Eindruck, dass man an solche rosigen Prognosen einer gesunden Wirtschaft und fortgesetzten Wachstums nur glauben kann, wenn man sklavisch seine schönen Prognosen streichelt und keine Ahnung hat, wie es draußen, in Otto Normalverbrauchers Wohnzimmer, zugeht.
Und nun (endlich, nicht wahr?) zum abschließenden Punkt: Die Jobs.
Hauptsache Jobs
Wenn irgendeiner von den Rattenfängern mit den schönen Kurszielen mal in den VWL-Vorlesungen aufgewacht ist, müsste er doch wissen, dass der Arbeitsmarkt ein „lagging-indicator“ ist, d.h. er reagiert erst am Schluss eines Prozesses.
Und trotzdem faseln die strahlenden Super-Bullen davon, dass nichts passieren wird, solange der Arbeitsmarkt so gut läuft. Alles voran die US-Politiker. Schau an.
Die faktische Reihenfolge lautet: Schulden zu hoch – Konsum geht zurück – Umsatz und Gewinn der Unternehmen sinkt - Entlassungen. Folge: die Spirale setzt sich fort. Mehr Arbeitslose – Konsum geht weiter zurück – Umsatz und Gewinn der Unternehmen geht weiter zurück – noch mehr Entlassungen.
Den Anfang können, wie hier, einfach nicht mehr zu stemmende Schulden machen, entstanden durch die Flut billigen Geldes, das die US-Notenbank unter Greenspan unter das Volk warf, um die Rezession 2000/2001 loszuwerden ... nur, um das Problem zu vertagen - auf heute. Damals haben die Leute dann begonnen die Kredite aufzunehmen (um so brav die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen bzw. ihren Lebensstil aufrecht zu erhalten), die sie heute immer noch abstottern müssen.
Wie immer ist diesmal alles ganz anders
Damals hatte man diesen oben genannten Kreislauf der Dinge vehement negiert. Diesmal sei alles anders, hieß es. Wir lebten schließlich angeblich in einer neuen Zeit.
Es hatte sich erwiesen, dass das der Wirtschaftskreislauf offenbar nicht gewusst hat. Die Rezession kam trotzdem. Die Aktienkurse fielen trotzdem.
Aber diesmal, so die Galionsfiguren der Beschwichtiger wie z.B. Finanzminister Paulson, sei es wirklich ganz anders. Und wieder glaubt man ihm. Die kleinen Anleger, weil sie es nicht besser wissen können. Und die Analysten, weil es ihnen in den Kram passt.
Ich wage daher schüchtern einzuwenden:
Haben Sie je erlebt, dass eine Rezession droht und irgend ein Verantwortlicher sagt: ‚Hu, ja, das kann schon sein. Aber wir können da jetzt wenig machen. Die Zinsen sind halt schon recht niedrig und wenn wir weiter runtergehen geht die Inflation aus dem Ruder. Kinder, schaut halt selber wie ihr klarkommt’?
Haben Sie je etwas anderes gehört als Dementis, wilde Entschlossenheit im Falle des Falles etc?
Noch nie wurden faktische Probleme durch Gerede gelöst. Noch nie sind Aktien gestiegen, wenn die Rahmenbedingungen negativ waren. Aber dennoch wollen schon wieder alle gerne glauben, dass diesmal alles ganz anders ist.
Wenn man den Geschichtsschreibern glauben darf, dachten das die Einwohner von Pompeji auch.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt
The Daily Observer
TCM-Hauptthread
http://www.ariva.de/Thompson_Creek_Metals_Blue_Pearl_Mng_t280382
TCM-Fakten-Thread (Bitte Nur zum Lesen!)
http://www.ariva.de/board/281353
TCM-Charts
http://www.ariva.de/Thompson_Creek_Metals_Charts_t291779
Range Resources-Thread
http://www.ariva.de/Range_Resources_Ltd_t297413
Petrel Resources-Thread
http://www.ariva.de/Petrel_Resources_t298743
U.S.Geothermal Inc.
http://www.ariva.de/U_S_Geothermal_Inc_t301783