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Teil 12 - Strategien mit Optionsscheinen
Kombinationen aus Calls und Puts (häufig auch mit dem englischen Ausdruck "Combinations" bezeichnet) wurden weitgehend aus dem klassischen Optionsgeschäft übernommen. Sie funktionieren jedoch bei Optionsscheinen genauso, wenn auch die Möglichkeiten bei Optionsscheinen begrenzt sind, da der Privatanleger auf dem Optionsscheinmarkt nicht "short gehen" (Leerverkauf) kann wie bei Optionen an den Terminbörsen. Bei Combinations werden Optionen unterschiedlichen Typs, die sich auf den gleichen Basiswert beziehen, gleichzeitig ge- und/oder verkauft.
Der Long-Straddle
Eine der einfachsten Kombinationen ist der Long-Straddle. Dieser Straddle besteht aus dem gleichzeitigen Kauf einer gleichen Anzahl von Calls und Puts mit gleichem Basiswert, gleicher Restlaufzeit und gleichem Ausübungspreis. Der Long-Straddle wird üblicherweise mit At-the-money-Optionen (...) durchgeführt. Dazu ein vereinfachtes Beispiel:
Eine Aktie notiert bei EUR 300. Man kauft eine Anzahl Call-Optionsscheine und dieselbe Anzahl Puts auf die Aktie, beide mit einem Basispreis von EUR 300. Wir nehmen der Einfachheit halber an, dass Call und Put jeweils EUR 15 kosten. Nun ergeben sich zwei Gewinnschwellen: steigt der Aktienkurs bis zum Ende der Laufzeit auf EUR 330, so ist der Put wertlos. Der Kurs des Call steigt jedoch (aufgrund des inneren Wertes) auf EUR 30. Damit hat man die Ausgaben für Call und Put (EUR 15 + EUR 15 = EUR 30) wieder hereingeholt. Bei jedem höheren Aktienkurs stellt sich ein Gewinn ein, da der Call ja weiter steigt. Die zweite Gewinnschwelle liegt bei EUR 270: hier gleicht der Put die Verluste des Call aus. Bei jedem niedrigeren Aktienkurs macht der Anleger einen Gewinn, da der Wert des Put dann den Verlust beim Call überkompensiert.
Verharrt der Aktienkurs jedoch zwischen diesen beiden Schwellen, so entstehen Verluste. Es ist dies somit eine Strategie, die sich nur anbietet, wenn man sehr starke Kursausschläge erwartet, gleichzeitig aber nicht weiß, in welche Richtung der Kursausschlag erfolgt. Zugute kommt einem bei einem Long-Straddle eine steigende Volatilität, da diese beide Scheine, Call wie Put, verteuert. Zu beachten ist jedoch, dass sowohl bei Kauf als auch bei Verkauf doppelte Transaktionskosten anfallen. Zudem erleidet man den Zeitwertverlust bei zwei Scheinen und nicht nur bei einem. Der erwartete Kursausschlag muss also in aller Regel schon sehr stark und innerhalb kurzer Zeit erfolgen, um die Strategie rentabel zu machen.