Sorgen über die Zeit danach


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Nassie:

Sorgen über die Zeit danach

 
12.03.03 22:34
Der offensichtlich bevorstehende Irak-Krieg ist ohne Zweifel eine Belastung, vor allem für die Vereinigten Staaten. Für Politik und Wirtschaft des Landes gibt es aber ein noch gravierenderes Problem zu bewältigen, lautet die Kernaussage einer Analyse der renommierten Anderson School. Der Ökonom Ed Learner sagt darin, dass die ausufernde Verschuldung des Landes und seiner einzelnen Bundesstaaten das Land in eine neue Rezession führen könnte. Allein Kalifornien wird in 2003 wahrscheinlich 35 Milliarden Dollar Defizit anhäufen.

Hohe Staatsausgaben für den Irak-Krieg und sinkende Steuereinnahmen reißen in rasender Geschwindigkeit Löcher in den Haushalt. Zusammen mit dem Außenhandelsdefizit ergibt sich heuer voraussichtlich ein Fehlbetrag von 600 Milliarden Dollar, das ist absoluter Rekordstand in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Volkswirte haben errechnet, dass das addierte Defizit in Haushalt und Außenhandel damit über 8 Prozent des Brutto-Inland-Produktes beträgt.

Geht die Entwicklung so weiter - und es ist noch nichts Gegenteiliges zu erwarten - wird aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein durch Schulden gefesseltes Land, mit schlimmen Folgen für die Wirtschaftsentwicklung.

Belebung abgewürgt

"Die Gesundung der Wirtschaft hängt davon ab, wie mit der Budget-Krise umgegangen wird", schreibt Learner. Sollten die hochverschuldeten Bundesstaaten ihre Ausgaben drastisch kappen (viele andere Möglichkeiten stehen nicht zur Wahl), könnte die Konjunkturbelebung abgewürgt werden.

Schon jetzt geht Learner nur von einem Wachstum beim Brutto-Inlandsprodukt in Höhe von 2,3 Prozent in 2003 aus. "Wenn Sie auf eine kräftige Erholung warten, vergessen Sie es besser" lautet die wenig ermutigende Prognose des Wirtschaftswissenschaftlers. Für die Schaffung neuer Arbeitsplätze seien 2,3 Prozent Wachstum zu wenig und somit drohe neben den staatlichen Investitionen auch noch der private Konsum zurückzugehen.

Ed Learner rät dazu, die Steuern anzuheben. Die negativen Auswirkungen auf den Konsum wären seiner Meinung nach begrenzt, dafür hätten Land und Bundesstaaten wieder ausreichend Handlungsspielraum. Steuererhöhungen sind in den USA jedoch noch viel unpopulärer als in Europa und der Vorschlag klingt utopisch.

Andere Volkswirte äußern sich etwas zuversichtlicher und glauben, die Probleme könnten sich mehr oder weniger in Wohlgefallen auflösen. Sollte die Irak-Krise schnell zu Ende gehen, der Ölpreis fallen und die Wachstumsrate anziehen, würde sich das Defizit wieder auf halbwegs erträglichem Niveau einpendeln. Es bliebe nur ein schwacher Dollar.

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