"Sehe ich völlig anders. Die Positionen der LV haben ja absolut nichts mit dem Verfalltag am Hut. Da verfällt oder ändert sich genau NULL durch den Verfallstag morgen für die LV. Die LV haben keine Aktienoptionen (die morgen verfallen), sondern sich Aktien selber geliehen mit längerer Leihfrist, die weit über den den morgigen Tag geht. Die haben am Montag weiter die gleiche Größe an Position und warten ab bis mal der Boden erkennbar wird."
Sorry, aber natürlich ist der Termin-Markt eine sehr sehr wichtige Komponente für die Leerverkäufer und diese sind dort natürlich auch extrem unterwegs.
Die Vorgehensweise ist i.d.R. (natürlich nicht bei allen identisch) wie folgt:
1) Ein Hedgefonds hat ein Objekt für einen Leerverkauf identifizert und leiht sich dann zunächst die Aktien für einen bestimmten Zeitraum (mindestens 90 Tage, eher 180 Tage oder länger) ... dafür muss er Leihe-Kosten direkt aufbringen und zudem Sicherheiten in Form von Liquidität hinterlegen (Margin)
2) Jetzt schreibt der Leerverkäufer i.d.R. zunächst Calls an der Eurex im Geld bzw. tief im Geld (Position des Stillhalters) und dafür bekommt er direkt die Prämie gutgeschrieben ... dieses macht er, da er ja demnächst die geliehenen Aktien am Markt verkauft und dadurch einen "deutlichen" Kursrückgang erwartet bzw. diesen selber bewirkt ... cash-Zufluss durch die Prämie
3) Jetzt fängt der Leerverkäufer an, die geliehenen Aktien am Markt zu verkaufen und dadurch fängt i.d.R. der Kurs an "deutlich" zu bröckeln ... cash-Zufluss durch den erzielten Verkaufserlös
4) Teilweise gehen Leerverkäufer während des Verkaufsprozesses (wenn z.B. 40% bis 60% der geliehenen Aktien bereits am Markt verkauft wurden) und nach dem ersten Abrutsch des Aktienkurses um mindestens 10% oder mehr dann auch noch hin und schreiben Puts auf die Aktien an der Eurex aus dem Geld (Position des Stillhalters eines Puts) und hierfür kassieren sie ebenfalls direkt die Prämie ... durch den Kursrückgang im ersten Abrutsch und die höhere Vola sind die Prämien für die Puts natürlich gestiegen .... die Leerverkäufer haben als Stillhalter der Puts keinerlei Risiko und schlimmstenfalls geht der Aktienkurs weiter runter und dann werden die Calls wertlos und aus den Puts werden ihnen die Aktien dann angedient und diese sind sie ja über die Leihe short ... aus dem Verkauf der Puts cash-Zufluss
Ohne die Wertpapierleihe wäre das Ganze so nicht möglich und die Hedgefonds könnten ja auch einfach selber nur Puts an der Eurex kaufen oder Calls an der Eurex verkaufen, dadurch würde sich aber der Kurs nicht bewegen ... die Wertpapierleihe mit anschließendem Verkauf der geliehenen Aktien im Markt bewirkt ja erst den Kursrutsch und die Eurex wird dann für den "großen" Reibach bzw. für die Generierung von Zusatzeinnahmen benutzt.
Kritisch wird es erst, wenn die Leerverkäufer auch Calls in größerem Umfang geschrieben haben (Punkt 2) und der Kurs dann entgegen ihrer Meinung / Position zum Verfalltag hin deutlich steigt und dann vergrößert sich quasi ihre Shortposition, da sie die geliehenen Aktien irgendwann zurückgeben müssen und zudem als Stillhalter der calls die Aktien bei Fälligkeit der Eurex-Kontrakte on Top noch liefern müssen ... dann kommt es zu massiven Kurssprüngen und dann laufen die shorties den Kursen hinterher (wie bei VW damals oder bei Gamestop etc. ... je größer die short-Position, je größer das Risiko bei einer positiven Unternehmens-News für einen deutlichen Kurssprung).