Flatfee, es stimmt, wir hatten bisher nur einen 10 % Rücksetzer, wie er in jedem Bullenmarkt vorkommen kann, ohne den Haupttrend zu verletzen (z. B. im Frühjahr 2005). Insofern bliebe alles offen.
Ich sehe den 10 % Rückgang allerdings im Kontext der letzten 2 Jahre, und dies sowohl charttechnisch als auch fundamental. Nach der 70 % Rallye ab März wären sogar 20 % Korrektur möglich, ohne dass man von einem neuen Bärenmarkt sprechen müsste/könnte. Es lässt sich andererseits aber auch nicht leugnen, dass der Chartverlauf bislang mit dem ab 1929 vergleichbar ist. Der damalige Crash begann, wie der von Herbst 2008, mit einem 50 % Absturz. Demnach befinden wir uns zurzeit kurz nach dem Top in 1930. (von 1930 bis 1932 ging es in USA noch einmal drastisch nach unten.)
Wenn man längerfristig argumentiert, kommt man mit Charttechnik allerdings mMn nicht sehr weit. Sie ist hilfreich beim Zocken, aber je länger die betrachteten Zeiträume werden, desto "unschärfer" wird sie.
Meine bärische Ausrichtung basiert auf den fundamentalen Gründen, die ja im Bärenthread lang und breit behandelt werden. Im Wesentlichen geht es um viel zu hohe Schulden - bei Konsumenten ebenso wie bei Staaten. Die drohenden Staatspleiten in der EU zeigen, dass an meinen Befürchtungen etwas dran ist.
Eines meiner letzten Postings dort bringt die Lage in wenigen Sätzen auf den Punkt. Ich halte ein KGV von 17 bei einem Trendwachstum von nur 3 % über die nächsten Jahre für zu hoch:
http://www.ariva.de/...A_Baeren_Thread_t283343?page=2282#jumppos57059
Es geht letztlich um die Bewertung - die freilich auch in hohem Maße "Ermessens-Sache" ist. In der aktuellen Lage (Staatspleiten, Mickerwachstum usw.) scheint mir eine KGV von 12 angemessener als das jetztige von 17. Setzt man dies an, kommt man beim SPX auf einen "fairen Wert" von 900.
Ich halte es in jedem Fall für hilfreich, sich abseits des Daytradings Gedanken darüber zu machen, in welchem übergeordnetem Kontext man sich befindet. Den "Lärm" der Analysten und der Wirtschaftspresse, wie hätten einen "neuen Bullenmarkt", gilt es kritisch zu hinterfragen.
Melbacher: # 11261: So überverkauft, wie die Märkte Ende letzter Woche gemäß kurzfristiger Oszillatoren waren, hätte es - unter der Prämisse, dass wir immer noch in einem Bullenmarkt sind - einen sehr viel heftigeren Bounce nach oben geben müssen. Was wir statt dessen sahen, war ein mickriger Dead Cat Bounce. Es ist denkbar, dass die überverkaufte Lage nun in einer Seitwärtskonsolidierung (Dein Chart) "abgearbeitet" wird - gefolgt von einem weiteren Down-Leg. Das wäre dann bärischer, weil man nicht mehr von einem "kleinen Rücksetzer" wie im Juni/Juli 2009 sprechen könnte.
Ich glaube, dass wir Mitte Januar einen mittelfristigen "Change of character" in den Märkten gesehen haben. Zuvor war jeder Dip ein Kauf oder Nachkauf (bullentypisch). Jetzt ist jede Erholung eine Short-Chance bzw. eine Chance zum Ausdünnen von Longposis (bärentypisch). Man erkennt es auch an den Schlüssen auf Tagestief, die sich in letzter Zeit häuften.