ROUNDUP 2: Credit Suisse sorgt mit deutlichem Gewinnplus für Erleichterung
11:15 23.07.09
(Neu: Aktienmarkt-Reaktion, weitere Details)
ZÜRICH (dpa-AFX) - Die Schweizer Großbank Credit Suisse (Profil) hat mit einem Gewinnplus nach enttäuschenden Zahlen der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley wieder für Erleichterung in der Bankenbranche gesorgt. Die Schweizer profitierten im zweiten Quartal trotz eines geringeren Risikos von einem starken Investmentbanking. Wegen der Schwäche der Konkurrenz konnte die Bank ihren Marktanteil in dem Segment ausbauen. Der Überschuss sei trotz Sonderbelastungen in Milliardenhöhe um 29 Prozent auf 1,57 Milliarden Franken (1,03 Mrd Euro) geklettert, teilte die Bank am Donnerstag in Zürich. Aktien europäischer Banken legten am Donnerstag in der ersten Handelsstunde größtenteils zu, nachdem sie noch am Mittwoch wegen des Milliardenverlusts von Morgan Stanley (Profil) unter Druck geraten waren.
Credit-Suisse-Chef Brady W. Dougan rechnet weiter mit einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld. "Es ist weiterhin mit wechselhaften Bedingungen für unser Geschäft zu rechnen", sagte er. "Sollten sich die Marktbedingungen aber weiter verbessern, rechnen wir mit einer positiven Entwicklung in allen Geschäftsbereichen. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass die Credit Suisse in der Lage ist, auch dann erfolgreich zu arbeiten, wenn das Marktumfeld wieder schwieriger wird." Die Credit Suisse kam bisher deutlich besser durch die Finanzkrise als viele Konkurrenten. In der Schweiz hatte vor allem die UBS (Profil) zu kämpfen.
GEWINNEXPLOSION IM INVESTMENTBANKING
Im zweiten Quartal belasteten Abschreibungen auf Wertpapiere das Ergebnis der Credit Suisse mit 1,1 Milliarden Franken vor Steuern. Dazu kamen noch 500 Millionen Franken aus einem Vergleich mit Huntsman in einem Streit über eine zugesagte Finanzierung zur Übernahme des US-Chemiekonzerns. Ohne Sondereffekte lag der Überschuss bei 2,5 Milliarden Franken. Gemessen daran habe die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital bei 27,4 Prozent gelegen. Den Löwenanteil zum Gewinnplus steuerte das Investmentbanking bei. Die Credit Suisse beteuert, dabei die Risiken zurückgefahren zu haben. Die Erträge seien im zweiten Quartal um elf Prozent auf 8,6 Milliarden Franken geklettert.
Die Credit-Suisse-Aktie stieg am Vormittag um 4,78 Prozent auf 51,30 Franken und näherte sich damit wieder ihrem am Dienstag erreichten Jahreshoch von 51,70 Franken. Seit ihrem Tief im März legte das Papier knapp 130 Prozent zu. Auch andere Bank-Titel profitierten von den überzeugenden Zahlen der Schweizer Bank. Der europaweite Branchenindex stieg um rund ein Prozent. Der Kurs der Deutschen-Bank-Aktie (Profil) legte um 0,6 Prozent auf 49,20 Euro. Die größte deutsche Bank, deren Geschäftsmodell gut mit demjenigen der Credit Suisse vergleichbar ist, legt am kommenden Dienstag (28. Juli) ihre Zahlen vor.
DEUTSCHE BANK ERHÖHT KURSZIEL FÜR CS-AKTIE
Analysten sprachen in ihren ersten Kommentaren von einem guten Ergebnis der Credit Suisse. Besonders erfreulich seien das Ergebnis im Investment Banking und im Private Banking sowie die schwarzen Zahlen im Bereich Asset Management, hieß es beispielsweise in einer Studie der Bank Wegelin. Die Deutsche Bank hob in einer ersten Reaktion die Einstufung von "Hold" auf "Buy" und erhöhte das Kursziel von 55,00 auf 70,00 Franken. Das Investment Banking habe stark abgeschnitten und auch die Entwicklung im Privatkundengeschäft sei "exzellent", schrieb Deutsche-Bank-Analyst Matt Spick. Ein Fragezeichen setzen die Marktteilnehmer aber hinter die Nachhaltigkeit der Ergebnisse im Investmentbanking./zb/she
---- Von Bernd Zeberl, dpa-AFX ---