FRANKFURT (Dow Jones)--Die Angst vor steigenden Zinsen wird die Flucht aus riskanten Währungen weiter verstärken. Auch ehemalige Anlagewährungen wie der Euro werden für US-Amerikaner unattraktiver.
Die Folge ist ein weiterer Rückgang im Euro und ein Sturz in den Währungen der Schwellenländer.
Der Euro ist am Freitagvormittag zum ersten Mal seit acht Wochen weit unter die Marke von 1,34 USD gerutscht. Lediglich am 1. Juni hatte die Gemeinschaftswährung bei 1,3398 USD einmal kurz unter diese Marke geschaut. Das Tagestief des Euro von 1,3320 USD ist zugleich der niedrigste Stand seit dem 3. April.
Es ist vor allem die Aussicht auf steigende US-Zinsen, welche Marktakteure die Risiken ihrer Investments neu justieren lässt. Am Donnerstag erlebte der US Treasury Bond einen wahren Ausverkauf. Die Rendite auf die zehnjährige T-Note sprang regelrecht von 4,98% auf in der Spitze 5,17%. Von einem "explosionsartigen Anstieg" war im Handel die Rede.
Büßen mussten dies vor allem die Währungen der asiatischen Wachstumsländer - in deren Staatsanleihen, den "High-Yield-Bonds", sind Anleger rekordverdächtig "long" investiert. Die Sorge um steigende Zinsen ließ Investoren diese Engaments zurückfahren. Die Gewinner der vergangenen Monate, die indische Rupie und der philippinische Peso beispielsweise, brachen ein. Auch der chinesische Yuan kam unter Druck. Er verbuchte den größten Verlust zum Dollar seit mehreren Monaten. Die Kursgewinne des Greenback gegen die High-Yield-Währungen stützten diesen auch leicht gegen Euro und Yen.
"Der Ausverkauf der US-Staatsanleihen beruht aber nicht auf einer grundsätzlichen Neubewertung der Geldpolitik der US-Notenbank", merkt Greg Anderson von ABN Amro an. Auch Konjunkturdaten oder poilitische Entwicklungen seien nicht als Auslöser der Flucht aus US-Treasurys auszumachen. Die Nervosität dürfte den Märkten jedoch erhalten bleiben und der Dollar tendenziell profitieren. In den großen Devisenpaaren Euro/Dollar, Dollar/Yen und Euro/Yen halten sich die Bewegungen noch immer in Grenzen. Die Volatilitäten bewegen sich weiter auf niedrigen Niveaus.
Dabei muss es aber nicht bleiben. "Der Greenback ist zwar noch nicht zum Publikumsliebling avanciert, man spricht aber wieder vermehrt und respektvoll vom 'sicheren Hafen'", kommentieren die Sentiment-Analysten von Cognitrend im Auftrag der Deutschen Bank. Auch Mario Mattera vom Bankhaus Metzler sieht den Dollar zumindest für einige Zeit als Gewinner der neuen Riskoaversion. Investoren dürften in den Carry-Währungen weitere Profite mitnehmen. Hierzu zählten auch der australische Dollar und der neuseeländische "Kiwi". Die "Ankerwährung" und damit der Profiteur gegen diese Währungen sei - wie auch bei den Devisen der Emerging Markets - der Dollar.
Hinzu komme, dass angesichts stärker steigender Zinsen Anlagen in Aktien an Attraktivität im Vergleich zu Zinsprodukten verlieren, erläutert Mattera. Dieser Effekt werde noch dadaurch verstärkt, dass bei steigenden Zinsen Übernahmen und Fusionen von Unternehmen unattraktiver werden. Diese seien in den vergangenen Monaten aber einer der wichtigsten Kurstreiber für Aktien gewesen. Die zunehmende Risikoscheu manifestiere sich auch am Kreditmarkt, so Mattera. Der iTraxx Crossover Index sei in wenigen Tagen von 190 auf 217 Basispunkte gesprungen. Der Index misst die Bonität so genannter Junk-Bonds, also Unternehmensanleihen mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit. Will man sich also gegen Verluste absichern, muss man höhere Prämien zahlen.
Steht der Dollar also vor einer Renaissance? Cognitrend ist skeptisch und vermutet hinter den jüngsten Abgaben des Euro zum Dollar kurzfristig agierende Anleger, die Long-Positionen auflösten. "Deshalb gewichten wir die jüngsten Verluste nicht übermäßig und bevorzugen nach wie vor eine neutrale Haltung", heißt es. Bei Kursen zwischen 1,3370 und 1,3320 USD dürften wieder Schnäppchenjäger den Euro kaufen. Aktuell stabilisiert sich der Euro etwa in der Mitte dieser Spanne. Sollte der Euro auf diesem Niveau schließen, hätte er den seit November 2005 gültigen Aufwärtstrend nach unten verlassen.
-Von Benjamin Krieger, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 219,
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