ROUNDUP: Postbank braucht nach roten Zahlen frisches Kapital - Keine Dividende
12:23 27.10.08
BONN (dpa-AFX) - Die Zuspitzung der weltweiten Finanzkrise hat die Postbank (Profil) voll erwischt und im dritten Quartal in die roten Zahlen gedrückt. Nun braucht Deutschlands größte Filialbank - die bislang vergleichsweise glimpflich durch die Turbulenzen gekommen war - rund eine Milliarde Euro frisches Kapital. Dabei will sie zunächst ohne staatliche Hilfe auskommen. "Die Postbank wurde im dritten Quartal von der Finanzkrise hart getroffen", sagte Vorstandschef Wolfgang Klein am Montag in Bonn. Insgesamt musste das Institut von Juli bis September Belastungen von rund einer Milliarde Euro verkraften. Ihre Ziele für das laufende Jahr gibt die Postbank auf und streicht zudem die Dividende. Den für Anfang kommenden Jahres geplanten Einstieg der Deutschen Bank sieht Klein aber nicht gefährdet.
Die Aktie der Postbank brachen nach den überraschenden Nachrichten ein. Zuletzt lag das Papier in einem sehr schwachen Markt mit minus 21,38 Prozent auf 14,75 Euro klar am DAX-Ende. Während ein Händler sagte, dass die roten Zahlen und die Kapitalerhöhung "wie ein Schock" gekommen seien, äußerten sich Analysten weniger überrascht. "Das wird nicht die letzte Kapitalerhöhung der Postbank sein, die wir gesehen haben", vermutet Analyst Dirk Becker von der Landsbanki Kepler. "Die haben noch eine Menge an strukturierten Kreditprodukten im Portfolio."
ABSTURZ IN DIE VERLUSTZONE
Im dritten Quartal verbuchte die Postbank vor Steuern einen Verlust von 449 Millionen Euro nach einem Gewinn von 350 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Für das Minus seien im Wesentlichen Belastungen im Handels- und Finanzanlageergebnis sowie in der Risikovorsorge verantwortlich. Die Abschreibungen im Zusammenhang mit dem Engagement bei der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers beliefen sich auf 364 Millionen Euro. Die Kernkapitalquote der Postbank sackte bis Ende September um 0,8 Prozentpunkte auf nur noch 5,5 Prozent. Um die dünne Kapitaldecke zu stärken will die Postbank noch im vierten Quartal ihr Kapital um bis zu eine Milliarde Euro erhöhen.
Insgesamt sollen dafür bis zu 54,8 Millionen neue Aktien ausgegeben werden - der bisherige und künftige Mehrheitseigentümer Post (Profil) hat sich verpflichtet, alle angebotenen Aktien zu 18,25 Euro zu zeichnen. Die Kernkapitalquote soll nach der Kapitalerhöhung wieder bei mindestens 6,9 Prozent liegen. Die Postbank sehe sich damit "ausreichend kapitalisiert". Das in nur wenigen Wochen geschnürte europaweite Rettungspaket bezeichnete Klein zwar als "europäische Großtat". Er werde es aber auch in Zukunft so halten, dass er bei einer aufkommenden Fragestellung zunächst zusammen mit den Investoren nach einer Lösung suche.
EINSTIEG DER DEUTSCHEN BANK NICHT GEFÄHRDET - KEINE ZIELE FÜR 2008
Die Vereinbarung mit der Deutschen Bank über einen Einstieg bleibe trotz der Finanzkrise und der angekündigten Kapitalerhöhung unverändert bestehen, hieß es. Der deutsche Branchenprimus will der Post Anfang 2009 knapp 30 Prozent der Postbank-Aktien abkaufen und hat sich die Option auf deren restliche Post-Anteile gesichert. Klein betonte, der Einstieg sei seiner Ansicht nach nicht gefährdet. "Die Dinge laufen trotz der Finanzkrise planmäßig." Derzeit würden operative Bereiche abgestimmt. Auch die Deutsche Bank betonte, dass der Einstieg nach Plan verlaufe.
Klein betonte, rein operativ laufe das Geschäft bei der Postbank "planmäßig bis überplanmäßig". Zins- und Provisionsüberschuss sowie der Verwaltungsaufwand hätten sich im dritten Quartal positiv entwickelt. Das bisher für das operative Geschäft ausgegebene Gewinnziel für das laufende Jahr wollte der Postbank-Chef dennoch nicht wiederholen. Im aktuellen Umfeld halte er es nicht für angebracht, ein konkretes Ziel für 2008 auszugeben, sagte er. Bislang hatte die Postbank für dieses Jahr einen operativen Vorsteuergewinn von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
KEINE ENTSPANNUNG
Für das kommende Jahr sieht Klein keine bedeutende Entspannung für die Branche. "Ich glaube, dass wir uns bis 2009 auf anspruchsvolle Zeiten in einem rezessiven Umfeld einstellen müssen", sagte er. Bis zum Zusammenbruch von Lehman Brothers habe er damit gerechnet, dass sich die Situation auf die Finanzmärkte beschränkt. "Nun ist offensichtlich auch die Realwirtschaft betroffen, wir sehen rezessive Tendenzen." Trotz dieser Aussichten bekräftigte Klein das Mittelfristziel einer nachhaltigen Eigenkapitalrendite nach Steuern von 13 bis 15 Prozent./sb/zb/tw
Quelle: dpa-AFX
12:23 27.10.08
BONN (dpa-AFX) - Die Zuspitzung der weltweiten Finanzkrise hat die Postbank (Profil) voll erwischt und im dritten Quartal in die roten Zahlen gedrückt. Nun braucht Deutschlands größte Filialbank - die bislang vergleichsweise glimpflich durch die Turbulenzen gekommen war - rund eine Milliarde Euro frisches Kapital. Dabei will sie zunächst ohne staatliche Hilfe auskommen. "Die Postbank wurde im dritten Quartal von der Finanzkrise hart getroffen", sagte Vorstandschef Wolfgang Klein am Montag in Bonn. Insgesamt musste das Institut von Juli bis September Belastungen von rund einer Milliarde Euro verkraften. Ihre Ziele für das laufende Jahr gibt die Postbank auf und streicht zudem die Dividende. Den für Anfang kommenden Jahres geplanten Einstieg der Deutschen Bank sieht Klein aber nicht gefährdet.
Die Aktie der Postbank brachen nach den überraschenden Nachrichten ein. Zuletzt lag das Papier in einem sehr schwachen Markt mit minus 21,38 Prozent auf 14,75 Euro klar am DAX-Ende. Während ein Händler sagte, dass die roten Zahlen und die Kapitalerhöhung "wie ein Schock" gekommen seien, äußerten sich Analysten weniger überrascht. "Das wird nicht die letzte Kapitalerhöhung der Postbank sein, die wir gesehen haben", vermutet Analyst Dirk Becker von der Landsbanki Kepler. "Die haben noch eine Menge an strukturierten Kreditprodukten im Portfolio."
ABSTURZ IN DIE VERLUSTZONE
Im dritten Quartal verbuchte die Postbank vor Steuern einen Verlust von 449 Millionen Euro nach einem Gewinn von 350 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Für das Minus seien im Wesentlichen Belastungen im Handels- und Finanzanlageergebnis sowie in der Risikovorsorge verantwortlich. Die Abschreibungen im Zusammenhang mit dem Engagement bei der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers beliefen sich auf 364 Millionen Euro. Die Kernkapitalquote der Postbank sackte bis Ende September um 0,8 Prozentpunkte auf nur noch 5,5 Prozent. Um die dünne Kapitaldecke zu stärken will die Postbank noch im vierten Quartal ihr Kapital um bis zu eine Milliarde Euro erhöhen.
Insgesamt sollen dafür bis zu 54,8 Millionen neue Aktien ausgegeben werden - der bisherige und künftige Mehrheitseigentümer Post (Profil) hat sich verpflichtet, alle angebotenen Aktien zu 18,25 Euro zu zeichnen. Die Kernkapitalquote soll nach der Kapitalerhöhung wieder bei mindestens 6,9 Prozent liegen. Die Postbank sehe sich damit "ausreichend kapitalisiert". Das in nur wenigen Wochen geschnürte europaweite Rettungspaket bezeichnete Klein zwar als "europäische Großtat". Er werde es aber auch in Zukunft so halten, dass er bei einer aufkommenden Fragestellung zunächst zusammen mit den Investoren nach einer Lösung suche.
EINSTIEG DER DEUTSCHEN BANK NICHT GEFÄHRDET - KEINE ZIELE FÜR 2008
Die Vereinbarung mit der Deutschen Bank über einen Einstieg bleibe trotz der Finanzkrise und der angekündigten Kapitalerhöhung unverändert bestehen, hieß es. Der deutsche Branchenprimus will der Post Anfang 2009 knapp 30 Prozent der Postbank-Aktien abkaufen und hat sich die Option auf deren restliche Post-Anteile gesichert. Klein betonte, der Einstieg sei seiner Ansicht nach nicht gefährdet. "Die Dinge laufen trotz der Finanzkrise planmäßig." Derzeit würden operative Bereiche abgestimmt. Auch die Deutsche Bank betonte, dass der Einstieg nach Plan verlaufe.
Klein betonte, rein operativ laufe das Geschäft bei der Postbank "planmäßig bis überplanmäßig". Zins- und Provisionsüberschuss sowie der Verwaltungsaufwand hätten sich im dritten Quartal positiv entwickelt. Das bisher für das operative Geschäft ausgegebene Gewinnziel für das laufende Jahr wollte der Postbank-Chef dennoch nicht wiederholen. Im aktuellen Umfeld halte er es nicht für angebracht, ein konkretes Ziel für 2008 auszugeben, sagte er. Bislang hatte die Postbank für dieses Jahr einen operativen Vorsteuergewinn von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
KEINE ENTSPANNUNG
Für das kommende Jahr sieht Klein keine bedeutende Entspannung für die Branche. "Ich glaube, dass wir uns bis 2009 auf anspruchsvolle Zeiten in einem rezessiven Umfeld einstellen müssen", sagte er. Bis zum Zusammenbruch von Lehman Brothers habe er damit gerechnet, dass sich die Situation auf die Finanzmärkte beschränkt. "Nun ist offensichtlich auch die Realwirtschaft betroffen, wir sehen rezessive Tendenzen." Trotz dieser Aussichten bekräftigte Klein das Mittelfristziel einer nachhaltigen Eigenkapitalrendite nach Steuern von 13 bis 15 Prozent./sb/zb/tw
Quelle: dpa-AFX