Opa Berneckers Moderatte(neu weil alter Tr.zuvoll)


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cap blaubär:

Opa Berneckers Moderatte(neu weil alter Tr.zuvoll)

 
02.07.01 10:45
Hans Bernecker: Moderate Sommerrally
Mails/Nachrichten vom 02.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Chancen für eine moderate Sommerrally sind weiter gestiegen, obwohl New York etwas doppeldeutig geschlossen hat. Der Dow verlor 0,6 % und die zwei Nasdaq-Indizes schlossen mit +1,65 % bzw. +1,32 %. Der deutsche DAX müßte darauf freundlich starten. Man kann es auch so deuten, was ich tue: Der Dow ist wie ein Tanker. Er fährt nach Fahrplan, der sich an den Zinsen und den Konjunkturdaten orientiert. Der Nasdaq ist ein Schnellboot, das zickzack fährt, schnell, hektisch und von Zufällen begleitet. Das zeigen Ihnen auch die meisten Charts, die diesen Markt abdecken. Umstritten ist auch die amerikanische Zinssenkung mit nur 25 Basispunkten. Dazu ergänzend zur letzten AB, wo ich dies nicht ausführlich genug beantworten konnte:

Wenn die FED um nur noch 25 Basispunkte zurückgeht, so ist dies ein Signal dafür, daß sich die Konjunktur besser stabilisiert hat als vielfach erwartet wurde. Ich glaube zwar den aktuellen Zahlen noch nicht, weil mich lediglich die geglätteten Jahresraten interessieren. Ein Indiz ist es gleichwohl. Etwas anderes wäre es, wenn die FED deshalb vorsichtig agiert, weil sie Inflationspotentiale sieht. Dies ist zur Zeit nicht der Fall.

Es war in den letzten Wochen sehr schwierig für Sie, die Tiefstkurse einigermaßen auszuloten. Eine Reihe von Lesern beschwerte sich darüber, daß ich gewissermaßen jeden zweiten Tag eine Anpassung vornahm. Diese Flexibilität müssen Sie schon mitbringen, wenn Sie die Baisse ausloten wollen, die es in diesem Umfang, gemessen in Dollars, noch nie gegeben hat. Von Februar/März 2000 bis März dieses Jahres wurden an den amerikanischen Börsen rd. 3,5 Bill. $ "vernichtet", was zu einer entsprechend schwierigen Bodenbildung führt. Merken Sie sich diese Zahl bitte sehr genau, sie beträgt immerhin rd. 35 % des amerikanischen Bruttoinlandproduktes.

Wall Street konkret: Nach wie vor beste Markttechnik, sogar deutlich verbessert. A/D-Verhältnis am Freitag 1963:1117 am big board und 2320:1372 an der Nasdaq. Das Verhältnis new high/new low lag entsprechend bei 225:23 bzw. 166:50. Besser geht's nicht. Ergo:
Meine kurzfristige Einschätzung vom letzten Freitag klang vielleicht etwas sehr euphorisch, war aber richtig. Bitte denken Sie aber daran: Die hohe Volatilität bleibt vorerst bestehen. Jedem Kursgewinn folgt immer wieder eine Korrektur, so daß Sie an schwachen Tagen kaufen und keine Angst haben abzustürzen, weil die dargestellte Markttechnik das Ganze abstützt. In einem schwachen Markt wäre dies in der Regel weitaus gefährlicher. Wie sich die Potentiale rechnen, lesen Sie in der nächsten AB.

Frankfurt zeigt eine ganz ähnliche Markttechnik, nachdem im Nemax schon fast der Eindruck entstand: Der Letzte macht das Licht aus. Allerdings erscheint mir die völlig hilflose Reaktion der Börsenfunktionäre auf die Skandale und Skandälchen der Unternehmen nicht untypisch. Funktionäre sind keine Börsianer. Ich bleibe dennoch dabei, obwohl strafrechtliche Schritte in mindestens 35 - 40 Fällen dringend angesagt sind, aber nicht stattfinden, weil die Sachkenntnis der Beteiligten fehlt.

Am Neuen Markt ist es dennoch wert, auf die Perlen zu achten und sie herauszupicken. Das ist zwar auch etwas mühsam und noch schwieriger als an der Nasdaq, wird sich aber lohnen.

Zwei Aktien der Big-Boy-Klasse bestimmen m. E. in dieser Woche die Tendenz: Dt. Telekom und DaimlerChrysler. Winken Sie nicht müde ab. Ohne diese zwei als "Trendleader" gibt es keine Sommerrally. Ergänzend kommen dazu die zwei Chemietitel, die in den letzten Tagen völlig ungerechtfertigt abgebügelt wurden, aber relativ schnell einen Boden fanden. Konkret:

Nicht nur Dt. Telekom, sondern alle diese Titel in Europa werden jetzt ein Thema, nachdem zwei Dinge entscheidend sind: Die Entschuldung beginnt und die Umschuldung via Anleihen hat ebenfalls begonnen. Damit ist das permanente Downrating aller Titel zu 80 % erledigt. Die entsprechenden Verkäufe vieler Fonds sind ausgelaufen. Die Diskussion um die Jumbo-Anleihe von Dt. Telekom wird das ganze Thema in dieser Woche noch abrunden. Die Markttechnik zeigt Ihnen, wohin es geht. Bei der sehr hohen Gewichtung dieser Aktie im DAX ist damit auch ein Kursziel von 31/32 E. nicht unmöglich, sogar wahrscheinlich. Wie Sie das nutzen, lesen Sie am besten in der Terminbörse Daily, die ich Ihnen im letzten Ticker einmal kostenlos zur Probe angeboten habe. Zum Beispiel über Optionsscheine.

DaimlerChrysler hat den dritten Test oberhalb von 50 E. bestanden. Das Ganze sieht nun aus wie eine umgekehrte Kopf-Schulter-Formation. Jeder Fachmann weiß, was das heißt. Handicap dagegen:
Noch immer fallen die 200-Tagelinien für die wichtigsten großen Aktien, so daß der Spielraum vorerst relativ bescheiden bleibt. Hinzu kommt: In dieser Woche gibt es kaum bemerkenswerte Themen. Heute informiert Infineon in einer Telefonkonferenz über die Details der Kapitalerhöhung. VW wird Preiserhöhungen ankündigen und für einen Titel im Nemax, Höft & Wessel, wird es in der HV einige Details zur Restrukturierung geben. Diese Aktie steht in meiner Dispoliste für "NM".

Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenstart und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
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cap blaubär:

zarte Bohnenbildung

 
18.07.01 09:51
Hans Bernecker: Sanfte Bodenbildung bei den High-Techs
Mails/Nachrichten vom 18.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

das Risiko wird geringer, aber die Chancen steigen nur langsam. Dennoch bin ich höchst zufrieden, wie es läuft. Mit einem Satz: Der
durchaus sanften Konjunkturlandung entspricht die ebenso sanfte Bodenbildung bei den Qualitätsaktien der Technologie. Ich
überlege, ob ich Ihnen in den nächsten zwei Wochen die wichtigsten Charts auf der Seite 7 für die amerikanischen Titel darstelle. Sie
sagen mehr als viele Worte und viele Zahlen. Würden Sie jetzt das elektronische Kursblatt durchblättern, könnten Sie dies
nachvollziehen. Erneut ein Beweis, wie wichtig die Markttechnik ist, wenn es eine Menge Zahlensalat mit der Vorlage der
Halbjahreszahlen gibt. Ich wette, daß keine 3 % der Anleger wissen, wie diese Zahlen entstehen und wie sie zu werten sind. Zwei
Beispiele von gestern: General Motors meldet für das 2. Quartal einen um 74-%-(!)gesunkenen Gewinn. Eastman Kodak schaffte
immerhin minus 37 %. Dagegen glänzt Pfizer dank Viagra mit Superzahlen. Natürlich denken Sie daran, daß es sich um operative
Gewinne oder Verluste handelt. Wer das GAAP-Bilanzrecht nicht kennt, kommt damit einfach nicht klar. Einen anderen Stellenwert
hat die Aussage von Intel für die Gewinnentwicklung des laufenden Halbjahres. Mit einem Wort: Stabilisierung auf niedrigem Niveau.
Das ist ein Spiegelbild der oben beschriebenen Konjunkturlage. Hierfür wissen Sie: Vergessen Sie alle Zahlen bis September. Ab
Oktober werden sie aussagefähig. Interessant ist, was Bayer-Chef Schneider gestern in einem Interview (heute in der FAZ) gesagt

hat: Die Zeiten der Supergewinne in der Pharmazeutik sind vorbei. Ich hatte Sie frühzeitig vorgewarnt. Nach 25 - 28 %
Kursrückgang gebe ich noch keine Entwarnung, aber auch dies ist ein Beispiel für die sanfte Konjunkturlandung. Passen Sie jetzt vor
allem auf, wie sich Aventis verhält. Mit dem Verkauf der Agrochemie fällt die Entscheidung über Kasse machen oder nicht. Ich habe
darüber schon in der AB geschrieben. Indikativ ist auch, was IBM als Prognose gibt: Steigende Gewinne, wenn auch bescheiden. Es
geht also wild durcheinander, und ebenso wild habe ich es jetzt aneinander gefügt, um Ihnen die Gemengelage in den aktuellen
Informationen bildlich darzustellen.

Mein Rat für Sie: Schauen Sie sich an, wie die Zahlen aussehen und wie die Märkte anschließend reagieren. Darin erkennen Sie die
künftige Einschätzung insgesamt und damit die Gesamttendenz. Ich sehe deshalb keinen ganz dringenden Handlungsbedarf.
Andererseits ist es sehr wichtig zu beachten: Ich erkläre dies an einem Beispiel, hier Motorola: Der Boden lag bei 11,50 $, als alle
Welt diesen Mischling für Handy- und Chipproduktion wie eine heiße Kartoffel fallen ließ. Inzwischen knapp 18 $ und damit gut 50
% im Plus. Mehrere Wochen hatten Sie Zeit, zwischen 11 und 13,50 $ die Stücke einzusammeln. Bei Compaq läuft es nicht anders:
Zwischen 13,30 $ und 15,30 $ wird gesammelt. Ab 16 $ beginnt der erste Break. Dann bedarf es nur einer geringfügig positiven
Einschätzung und das Papier springt auf 19/20 $ und sogar 24 $. Das wären erneut die ersten 50 % und mehr. Dieses Spiel könnte
ich jetzt beliebig fortsetzen. Zeigen Sie, was Sie können und wie Sie Bottom-fishing mit ruhiger Hand und relativen vielen Limits
erfolgreich praktizieren.

Wall Street konkreter: Die gestrigen Gewinne sind eine Art Qualitätstest für die Korrektur insgesamt gewesen. Damit ist ein
Durchkippen nach unten höchst unwahrscheinlich geworden. Diese Gefahr bestand in den vergangenen drei Börsentagen. Allein in
Intel wurden gestern für 6,7 Mrd $ Aktien gehandelt. Die ersten 10 im Nasdaq brachten es auf ein Dollarvolumen von über 62 Mrd.
Was sagt das? Bei anziehenden Kursen steigt das Volumen. Das gefällt mir. Achten Sie in den nächsten Tagen darauf. Dazu schauen
Sie zwei Charts an, die ich auf der Seite 1 der kommenden AB abbilde. Sie müssen den Atem anhalten, wenn Sie beide miteinander
vergleichen.

Deutschland marschiert wohin die Wall Street geht oder den Weg weist. Die Abhängigkeit wird immer größer anstatt kleiner und ich
teile keineswegs die Ansicht vieler Analysten, daß das Schwergewicht der Investments in Europa liegen sollte. Umgekehrt ist es
richtig. Das Verhältnis zwischen New York und Europa hinsichtlich der Potentiale z.B. in den Technikaktien liegt bei mind. 3:1, wenn
nicht 4:1. Auch deshalb: Die Relation der relevanten Titel liegt bei 6:1. Es gibt also wesentlich mehr Chancen am Big Board/Nasdaq
als im Vergleich in Frankfurt, Paris oder Zürich. Die anderen Euromärkte kann man ohnehin fast vergessen. Kein Markt bietet z.Zt.
mehr als 5 - 10 Topwerte, die sich als Kauf aufdrängen.

Ein Wort zum Neuen Markt aus aktuellem Anlaß: Gestern bot GE für Kretztechnik 17 E. Das sind 100 % über Tiefstkurs. Ein
Beispiel dafür, wie erstklassige Technik solcher Firmen nun auch von Konzernen eingeschätzt wird. Mindestens 20 solcher Titel gibt
es im "NM". Ich bin deshalb nicht mehr der Meinung, wahllos verkaufen zu müssen. Probleme habe ich lediglich mit der aktuellen
Markttechnik, aber nicht mit der Qualität solcher Technikwerte. Wer also in diesen Werten engagiert ist, bleibt es, auch wenn es
wenig erfreulich ist, die täglichen Rekordtiefs mitzuerleben. Beachten Sie dazu sowohl die letzte AB mit meiner Abstinenzerklärung für
Käufe und die nächste AB mit den deutlichen Abgrenzungen. Nicht untypisch allerdings: Ich führte gestern ein Telefongespräch mit
einem Vorstandsvorsitzenden eines immer noch hoch bewerteten Unternehmens im Nemax 50. Es ging um die Frage, wie die Börsenkapitalisierung für seine Firma aussehen könnte. Er beteuerte: "Aber wir machen doch einen Superjob", was ich bestätigte. So fragte ich ihn, wie er seinen Umsatz in Qualität und Ertrag
einschätzen würde. Darauf gab es keine Antwort, weil er sie nicht wußte. Er hatte auch noch nie darüber nachgedacht, wie er
gestand. Kann es sein, so fuhr ich fort, daß eine 10fache Umsatzbewertung tragbar ist, die ursprünglich auch mal bei 30 lag. "Na ja,
wenn Sie meinen", war die Antwort. Der Mann ist ein hochgradiger Techniker und macht zweifellos ein hervorragendes Produkt.
Aber über die Börsenbewertung seines Unternehmens wußte er nichts, obwohl er selbst mit knapp 10 % daran beteiligt ist. Es klaffen
also effektive Zahlen zum einen und Wunschvorstellungen zum anderen extrem auseinander, was von den vielfach begleitenden
Banken noch immer nicht korrigiert ist.

Meine Empfehlung: Halten Sie sich aus allen Medien- und Film-Titeln und sonstigen Dienstleistern fern. Die Nachhaltigkeit der
Erträge ist bei diesen Firmen einfach nicht darstellbar. Fragwürdig ist auch die Praxis der Bank Vontobel, Zürich, die gestern United
Internet nach 10 % Kursverlust flugs zum Kauf empfahl. Dazu muß man wissen: Vontobel war einer der Börsenbegleite dieses
merkwürdigen Konglomerates von Internet-Firmen, die nun schon über 95 % Kursverlust hinter sich haben.

Trotz allem wünsche ich Ihnen also einen erfreulichen, wenn auch keinen unbedingt hausseträchtigen Börsen-Mittwoch.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 



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cap blaubär:

Zahlenfluch

 
19.07.01 09:31
Hans Bernecker: Zahlenflut
Mails/Nachrichten vom 19.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
wenn die Gewinne um 94 % oder 74 % oder in ähnlichen Größenordnungen im 2. Quartal oder 1. Halbjahr abgestürzt sind, kann man natürlich schon das
Grausen bekommen. Das alles können Sie jeden Tag im Dutzend aus New York hören. Daß daraufhin auch unkontrollierte Reaktion zu erwarten sind, liegt
auf der Hand. Am Beispiel von AMD: Die Gewinnwarnungen kannten Sie, die voraussichtlichen Gewinne im kommenden Jahr werden etwa bei 1 $ je Aktie
liegen, was aber nur eine erste Schätzung ist. AMD hat 316 Mio ausstehende Aktien, und ich lese in der heutigen Statistik einen Umsatz von 155 Mio
Stück am gestrigen Tag. Wenn diese Zahl stimmen sollte, wechselte also rund die Hälfte des gesamten Aktienkapitals die Hände. Diese Zahl ist ohne
Gewähr, aber Sie können sie im Kursblatt überprüfen. Das zeigt Ihnen ferner, was im Moment im Markt läuft. Mithin:

Die überkapitalisierten Titel sind nach wie vor das akute Problem. Gestern war diesbezüglich Siebel Systems dran. Absturz um 20 %, was gleich mal rd. 4
Mrd $ ausmacht. Ich hatte in den letzten ABs schon darauf hingewiesen: Die Tiefstkurse vom März sind die Meßlatte. Unterbietet der eine oder andere
dieser Titel diesen Tiefstkurs, geht es um den sog. fairen Wert. Den hatte ich schon mehrfach beschrieben, z. B. für Cisco bei 10 - 12 $ oder für Dell
um 18/19 $ bzw. Oracle um 10 - 12 $, um nur einige zu nennen.

Wie entstehen diese riesigen Verluste? Ich werte die Zahlen im Moment aus und werde in der nächsten oder übernächsten Woche in der AB darüber

berichten. Vorab schon jetzt: Ein großes Problem stellen die Abschreibungen des Goodwill dar. Diese Goodwill-Abschreibungen beruhen darauf, daß Firmen
zu Preisen gekauft worden sind, die wesentlich überteuert waren. Bezahlt wurde bekanntlich nicht in bar, sondern mit eigenen Aktien. Der Anteil des
Goodwills an solchen Einkäufen lag teilweise bei 90 %, im Einzelfall sogar bei 97 %. Das ist eigentlich nicht faßbar und für deutsche Verhältnisse auch
schwer nachvollziehbar. Muß nun eine solche Beteiligung abgeschrieben werden, schlägt das voll auf die Ertragsrechnung durch. Doch dies ist kein
Verlust im Sinne von betrieblichen Verlusten, sondern ein Aufwand und keine Ausgabe. Die Qualität solcher Verlustmeldungen, wie oben zitiert, ist also
sorgfältig zu überprüfen. Ich werde Ihnen dies ebenfalls in den nächsten Briefen näher erläutern. Konsequenz für Sie:

Schauen Sie sich das ganze Spektakel an, aber Handlungsbedarf besteht noch nicht. Greenspan bestätigte gestern zudem, was ich schon avisiert hatte:
Eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte ist drin und dem wird auch die EZB folgen.

In Europa ist heute SAP- und Nokia-Tag. Ich bin gespannt. Immerhin kam heute morgen schon über die Nachrichten die Schätzung für SAP: +20 % im Umsatz und
+78 % im Gewinn. Das wäre in der Tat enorm, sehr positiv, ändert aber nichts an der Frage, ob der Börsenwert zu hoch ist. Also das gleiche Thema wie bei
anderen: Auch hervorragende Zahlen führen nicht daran vorbei zu prüfen, ob eine Kursübertreibung noch immer vorliegt. Heute nachmittag um 17.00 Uhr
äußert sich übrigens SAP-Chef Plattner in Bloomberg. Für Nokia geht es um die Frage, ob mein Kursziel von 15/16 E. noch erreicht wird oder nicht.
Differenz bis dahin rd. 4 E. Dann allerdings gilt: Nokia wäre gelandet. Auf dieser Basis ist Nokia also ebenso ein Kauf wie es bei 63 E. ein Verkauf
war.

Größtes Unbehagen habe ich weiterhin in Sachen "Banken". Die eklatante Marktschwäche läßt sich nicht nur mit der Frage der strategischen
Ausrichtungen erklären. Ein Markt, der in dieser Weise "erodiert", hat eine andere Schwachstelle, worauf ich schon sehr diskret hingewiesen habe. Nicht
Argentinien und die Türkei sind wichtig, sondern ich schaue mit größtem Mißtrauen auf die Finanzmärkte in Osteuropa, speziell Polen. Hinter den
Bewegungen des Zloty zum einen und der Zinstaktik der dortigen Notenbank zum anderen stecken mehr, als in den Medien berichtet wird. Ich habe den
Eindruck, daß alle Beteiligten schlicht die Augen zumachen. Das Ganze erinnert fatal an Südostasien 1997. Bitte erinnern Sie sich daran. Kommt es
zu irgendwelchen Problemen, dann blitzartig, wie aus heiterem Himmel und dann stehen die deutschen Banken mitten im Regen. Solche Krisen lassen sich
aus Umständen heraus vermuten, aber sie lassen sich natürlich nicht definitiv beschreiben. Ich empfehle Ihnen dennoch, darauf einen besonderen
Blick zu werfen.

Von den Informationen her gesehen erwarte ich heute keine größere Überraschungen. Die zwei Genannten sind allerdings Eckwerte. Darüber morgen
mehr. Sofort handeln müssen Sie ohnehin nicht.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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cap blaubär:

hinteruns???(nun inner richtigen Rubrik)

 
20.07.01 10:35
Hans Bernecker: Die schwierigste Woche liegt nun hinter uns
Mails/Nachrichten vom 20.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen meine Damen und Herren,
"Europa inspiriert Wall Street", ist eine der Überschriften in der heutigen Presse (Süddeutsche Zeitung). Das zeigt Ihnen, wie verwirrt die Gemüter nach den letzten Kursrückgängen geworden sind. Immerhin ist aber die wohl schwierigste Woche der letzten Zeit heute beendet. Die wichtigsten Firmendaten sind bekannt. Noch ein paar Nachzügler gibt es, aber sie werden das Bild nicht wesentlich ändern. Denn, wie ich Ihnen schon schrieb:

Nehmen Sie die Gewinneinbrüche fast aller Firmen, insbesondere der amerikanischen, als eine reale Begleiterscheinung nicht nur der Konjunktur, sondern der Folge der Überbewertungen. Das Ganze ist ein Bilanzproblem und für viele nicht nachvollziehbar, hat aber zur Folge, daß nach meiner Schätzung damit 80 % aller Ertragsrisiken eliminiert sind. Erstaunt bin ich, daß sich mit diesem Thema bisher keine deutsche Zeitung beschäftigt hat, um dies zu erklären. Grundlinie für Sie: Schauen Sie nicht auf die Gewinnzahlen, sondern auf das tatsächliche operative Geschäft.

Glanzpunkte, wie sie SAP setzt, sind noch eine Ausnahme. Ich bin beeindruckt, was SAP geleistet hat. Stets war ich auch der Ansicht, daß die Walldorfer einen Super-Job machen. Schaut man die Zahlen genauer an, wird alles etwas bescheidener, dennoch sehr gut. Die Börse hat dies gestern mit rd. 9 % Kurssprung belohnt. Einige Analysten werden ihre Prognosen wieder anheben, wie immer. Ob daraus eine wirkliche Rally in SAP entsteht, versehe ich mit Fragezeichen. Die Gründe sind bekannt. An dieser Stelle besteht die Brücke zu den Amerikanern. Wichtig wird nun die operative Ertragslage für solche Titel wie Oracle, Microsoft, Siebel und auch Sun Microsystems. Hier ist ebenfalls die beschriebene Bereinigung der Ergebnisse zu beachten.

In den nächsten 2 Briefen inkl. dem heutigen zeige ich Ihnen bewußt die Markttechnik der meisten Hochtechnologie-Titel, die einen ganz ungewöhnlichen Verlauf zeigen, weil sie alle identisch sind und alle das Softlanding der amerikanischen Konjunktur beschreiben oder begleiten und dabei eine riesige Talsohle bilden. Ich kann mich nicht erinnern, daß eine derartige Parallelität aller relevanten Aktien in dieser Form bestanden hat. Es ist unschwer daraus zu entnehmen, was auf Sicht von 2 - 3 Jahren in
diesen Aktien steckt. Das wird eine höchst interessante Entwicklung und ich schreibe Ihnen dies auf dem Tiefstpunkt der Psychologie, wie Sie in vielen Berichten zum Ausdruck kommt.

Wall Street konkret: Viel tat sich gestern nicht. Die Plusbewegungen überwiegen, aber sie überzeugen mich noch nicht. Die bekannten technischen Relationen bestätigen es. Das Ganze ist eher wie ein kleiner Teil der Stabilisierung des Gesamtmarktes zu sehen. Nokia ist dafür so eine Art generelles Beispiel, weil New York gestern ebenfalls auf Nokia schaute. Was ist darüber schon alles geschrieben worden. Die vorgelegten Zahlen signalisieren, was logisch ist: In einem Markt, der einer langsamen Sättigung entgegengeht, erodiert die Marge. Tut sie dies, sind Überbewertungen nicht möglich. Auch 40 % Marktanteil, wie gestern geäußert, bringen nicht mehr. An meiner Einschätzung ändert sich deshalb nichts, obwohl ich auch hierfür betone: Nokia ist ein Super-Unternehmen, hat aber genau die Schwachstelle, die ich bereits früh genannt hatte: Nokia muß die Marktposition im neuen Geschäftsfeld Ausrüstung mit enormen Konditionen gegenüber den Kunden erkaufen. Das wird teuer. Die Alternativen liegen hier in Ericsson und Alcatel und sogar Nortel auf aktuellem Niveau. Daran halte ich unvermindert fest.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Antworten
cap blaubär:

das Wort zu Montag

 
23.07.01 09:45
Hans Bernecker: Woche der Wahrheit, 2. Teil
Mails/Nachrichten vom 23.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Woche der Wahrheit geht in die zweite Runde. Nach der Vorlage etwa 30 % aller amerikanischen Unternehmenszahlen in der letzten Woche gibt es in den nächsten Tagen noch einige wichtige Meldungen, die Akzente setzen werden. Bis diese alle vorliegen, werden die Märkte keine nachhaltige Tendenz beginnen. Nichtsdestotrotz werden wir nach dieser Woche wesentlich klarer sehen können. Am wichtigsten:

Heute abend kommen die Zahlen von Amazon.com. Für das II. Quartal rechnet man mit einem Verlust von 0,22 Cents je Aktie bei einem Umsatz von knapp 680 Mio $. Entscheidend ist, ob der Ausblick dahin geht, daß der Internet-Händler weiterhin dabei bleibt, daß in diesem Jahr operativ eine schwarze Null erwirtschaftet wird. Ein falsches Wort heute abend nach Vorlage der Zahlen und der Markt kriegt sofort seinen ersten Schlag. Sachlich ist Amazon für die Börsentendenz in den USA nebensächlich, aber psychologisch nun mal von großer Bedeutung.

Gespannt bin ich auf die Zahlen meiner beiden "Sorgenkinder" Lucent Technology und Xerox, die am Dienstag bzw. Mittwoch ihre Zahlen vorlegen. Lucent rechnet mit einem Verlust von 21 Cents je Aktie bei einem Umsatz von knapp 6,2 Mrd $. Über's Wochenende kristallisierte sich heraus, daß der Telekommunikationskozern für 2,75 Mrd $ sein Glasfasergeschäft an den japanischen Furukawa Electric Konzern verkaufen wird. Damit steht die mittelfristige Finanzierung des Turn arounds auf soliden Beinen. Der Kurs sprang bereits bis auf knapp 9 E. an, der Turn around läuft.

Xerox rechnet mit einem Verlust von 10 Cents je Aktie gegenüber einem Gewinn von 27 Cents im letzten Jahr, bleibt aber ebenfalls dabei, spätestens im IV. Quartal wieder mit Gewinn zu arbeiten. Der Kurs notiert zwischen 9 und 9,50 E. und liegt damit zwar gut 100 % über dem Tief vom Januar, aber noch deutlich unter dem Zwischenhoch bei 12,90 E. Beide Titel werden wichtige Indikatoren in dieser Woche für die Fähigkeit großer Adressen, ihren Turn around zu schaffen. Ansonsten gibt es noch Zahlen von Mc Donald's, Compaq und Worldcom, die unter anderem für Schlagzeilen sorgen werden.

Zurück nach Deutschland: Die Korrektur beim Halbjahresergebnis von SAP ist für mich indikativ. Zunächst einmal verwundert es, warum sie keine 2 Tage nach Vorlage der Quartalszahlen nachgereicht wird. Das Problem liegt in den Abschreibungen auf Beteiligungen, in diesem Falle Commerce One. 90 Mio E. müssen im Halbjahr abgeschrieben werden, wodurch der Nettogewinn von 323 Mio E. auf 233 Mio E. schrumpft. Die Bewertung des Gewinns spitzt sich damit noch weiter zu. Näheres dazu im Brief dieser Woche.

Auf die Zahlen von Siemens darf man gespannt sein. Sie werden übermorgen vorgelegt und dürften die Tendenz im DAX deutlich bestimmen. Der Kurs sieht nach wie vor sehr anfällig aus. Hier sind jederzeit 49 - 50 E. gegenüber derzeit 60 E. drin. Keine Katastrophe, aber für das Gesamtmarktbild natürlich nicht toll. Mit den Zahlen von DaimlerChrysler bin ich zufrieden, denn sie bestätigen meine Einschätzung seit Anfang des Jahres. Näheres dazu ebenfalls im Brief dieser Woche. Nur so viel vorab: Kommt der Kurs über die 58 E. hinaus, wird es eine Flut von Käufen geben, die den Kurs dann bis knapp 61/62 E. treiben.

MLP beginnt seine Karriere im DAX mit einem KGV von 109 für 2001 und 83 für 2002. Da kann ich nur sagen: Viel Spaß. Die nächste Achillesferse für den Index ist damit installiert. Kommt es hier zu einer Bewertungsanpassung, die es letztendlich auch geben wird, ist dies für die positive Tendenz des Index natürlich nicht förderlich. Ich bin mal gespannt, wie Banken es gegenüber ihren Kunden rechtfertigen, nach der Baisse der letzten 1 1/2 Jahre nun einen DAX-Titel mit einer derartigen Bewertung zu empfehlen.

Insgesamt: Ich bleibe bei meiner Linie und halte mich mit großen neuen Käufen zunächst zurück. Am Freitag kommen auch noch die Zahlen der amerikanischen Konjunktur für das I. Halbjahr. Ich rechne hier mit einer Überraschung insofern, daß sie wahrscheinlich wesentlich besser aussehen werden, als die allgemeine Stimmung und Kommentierung in der Presse derzeit vermuten läßt.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Bernecker

Antworten
cap blaubär:

Freitagsnachbrenner(unschön)

 
23.07.01 09:47
Ergänzend zum heutigen Ticker, Stand 10.30 Uhr. Unabhängig von den neueren Zahlen von Nortel oder Ericsson, aber auch Elektrolux: Die Gesamtverfassung der Märkte, also insbesondere am Euro-Kapitalmarkt für Bonds, die dahinterstehenden Transaktionen in den Währungen Osteuropas, insbesondere Zloty, und der Nachrichtenstand von heute morgen aus Warschau erinnern sehr an die Situation in Südostasien vor 4 Jahren. Ich machte kürzlich, wenn auch vorsichtig, in der AB darauf aufmerksam. Das Ganze mißfällt mir sehr. Hauptgrund: Polen hat ein Leistungsbilanzdefizit von annähernd 9 % des BIP, welches zu 80 % kurzfristig finanziert ist, wobei die deutschen Geldgeber absolut dominieren. Ich möchte nicht orakeln, aber: Wenn in dieser Situation kurzfristiges Geld zurückgezogen wird, ist der Crash da. Die Labilität der deutschen Bank-Aktien, die sich fundamental in dieser Weise nicht mehr erklären, sehe ich in diesem Zusammenhang. Ich hatte auch heute in der AB dies ebenfalls schon angedeutet. Ich möchte kein Öl ins Feuer gießen, aber erwähnt muß es sein.
Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 
Antworten
cap blaubär:

Papa am urlauben???

 
24.07.01 09:46
Hans Bernecker: Deutschland ohne eigene Tendenz
Mails/Nachrichten vom 24.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen meine Damen und Herren,

die Impulse kommen vom Ausland und der deutsche Markt hechelt nur hinterher. Bisweilen ist keine eigene Tendenz am deutschen Markt erkennbar. Die Schwäche an der Wall Street von gestern abend hänge ich nicht so hoch. Die 2000er Marke im Nasdaq ist bestenfalls eine psychologische Größe, liefert aber inhaltlich keine neuen Erkenntnisse. Sowohl an der Nasdaq als auch am Dow wird die Nervosität für den Rest der Woche mit Sicherheit anhalten. Vor den Zahlen zum Verlauf der amerikanischen Konjunktur im I. Halbjahr am Freitag wird sich keiner groß aus dem Fenster hängen. Insgesamt wartet man ab, was man auch am geringen Handelsvolumen am New York Stock Exchange gestern erkennen konnte. In der Bandbreite zwischen 10 300 und 11 000 Punkten liegt der Dow Jones in ziemlich neutralem Terrain. Das gleiche gilt für den Nasdaq in der Bandbreite 1900 - 2200 Punkte. Ein großes technisches Signal gibt es erst, wenn die Bandbreiten nach oben oder nach unten verlassen werden. So weit ist es noch nicht. Parallel dazu:

Der Nikkei testet wirklich die Nerven aller Marktteilnehmer. Mit knapp 11 600 liegt er nicht nur auf dem Niveau vom April, sondern auch auf einem 16 Jahres-Tief. Heute morgen war die Tendenz etwas fester, aber es ist noch zu früh für eine Entwarnung. Gleichwohl entpuppen sich die 11 600 als doppelter Boden. Gibt es anschließend eine kräftige Erholung, die über 14500 laufen kann. Diese schließe ich für das laufende Quartal nicht aus. Nach wie vor dominiert aber die Technik, während die politischen und ökonomischen Gegebenheiten des Landes schwer einschätzbar bleiben. Wie bewegt sich in dem Umfeld der deutsche Markt?

Rechnen Sie im Verlauf der Woche mit keinen tollen Erkenntnissen. Achten Sie vielmehr auf die Einzeltitel, als auf den Index insgesamt. Meine Skepsis zu den Banken wird zwischenzeitlich von einigen amerikanischen Studien bestätigt. Sie rechnen mit einer deutlichen Erhöhung der Rückstellung für faule Kredite, die das Ergebnis für das Gesamtjahr noch belasten werden. Das ist ein weiterer Ansatz für die markante Schwäche der Banken, wie kommentiert.

Die Gerüchte um die Spekulation von Hedge Fonds gegen den DAX-Neuling MLP wundern mich nicht. Bei der Bewertung liegen Leerverkäufe gegen die Aktie schon auf der Hand. Der Vorstand sieht dies noch gelassen, und verweist auf seine 30 %ige Wachstumsrate als Begründung und Rechtfertigung für den hohen Kurs bzw. die hohe Bewertung. Dasselbe hat Kamps vor einem Jahr auch noch gesagt. Was daraus wurde, konnten Sie vergangene Woche sehen. Rutscht der Kurs von MLP unter die 96 E., wird es kritisch. Dann liegt die nächste Zielgröße für die Techniker bei knapp 50 E., dem Kurs vom Oktober 1999. Dies entspräche immer noch einer Bewertung in der Größenordnung von 45 - 50fachem Gewinn, also mit Sicherheit nicht billig. Man darf gespannt sein.

Mit Henkel werde ich mich diese Woche neu beschäftigen. Die Diskussion um den Verkauf der Chemiesparte Cognis konkretisieren sich weiter. Daß statt eines Chemie-Konzerns als Käufer eine Finanz-Gruppe in Frage kommt, macht Sinn. Ein Kaufpreis in der Größenordnung von 3 - 3,5 Mrd E. wäre ein hervorragendes Geschäft für Henkel, deren Börsenwert derzeit bei knapp 10,5 Mrd E. liegt. Erstaunlich ist der Kursverlauf der Henkel-Vorzüge. Er zeichnet sich durch absolute Stabilität in einem sehr schwachen Marktumfeld aus. Welche Perspektiven sich ergeben, wenn Cognis verkauft wird, werde ich in den nächsten Ausgaben beschreiben. Nur auf der jetzigen Basis sind Zukäufe auf jeden Fall sinnvoll.

Lassen Sie sich von der Volatilität in den Indizes nicht zu stark beirren. Die Aussagekraft der Indizes ist durch die abwartende Haltung vieler Marktteilnehmer deutlich reduziert. Hängen Sie das Ganze also nicht zu hoch und ziehen Sie nicht die falschen Schlüsse.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel A. Bernecker
 
Antworten
cap blaubär:

Überraschung!!!!!(Opa wann kommste wieder????)

 
30.07.01 09:42
Hans Bernecker: Stabile Kurse trotz Hiobsbotschaften
Mails/Nachrichten vom 30.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

brauchbare Zahlen zum Start der Börsenwoche: Die Konjunkturzahlen aus den USA sehe ich positiver als derzeit von der Presse kommentiert. Ich werte sie wie folgt: 0,7 % Wachstum im abgelaufenen Quartal bedeuten 1 % Wachstum für das Halbjahr. Prognostiziert für das Gesamtjahr werden 1,5 %, was eine Beschleunigung um durchschnittlich 2 % unterstellt. Damit wäre das Softlanding der US-Konjunktur vollzogen. Aus der Berichterstattung der Presse entnehmen Sie dies nicht, wohl aber aus den Charts der sogenannten "Krisenunternehmen" aus der High-Tech-Branche. Im Grundsatz gilt dort, stabile Kurse trotz Hiobsbotschaften. Das zeigt, wieviel im Kurs enthalten ist. Ich werde eine ganze Reihe solcher Titel in dieser Woche vorstellen. Darin liegen die Chancen per 2002.

Nachdem 400 der S&P 500-Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt haben, sieht die Bilanz wie folgt aus: Der durchschnittliche Gewinnrückgang liegt derzeit bei 17 %. Bei den Technologie-Unternehmen für sich brachen die Gewinne durchschnittlich um 60 % ein. Darin enthalten die massiven Abschreibungen, wie letzte Woche bei JDS Uniphase in Höhe von über 50 Mrd Dollar Verlust zu sehen. Dieser Negativrekord wird nicht lange halten, weitere werden folgen. Sie sind ein Teil der notwendigen Marktbereinigung.

Zur japanischen Wahl läßt sich wenig sagen. Dem Markt brachte es offensichtlich wenig Erkenntnis, sonst wäre der Nikkei nicht nochmal eingebrochen. Erstaunlich ist aber die Reaktion des Yen. In den letzten 2 Stunden fiel er von 108 Yen je Euro auf 109 Yen. Das hört sich wenig dramatisch an, sind aber Welten. Damit liegt die nächste Zielgröße nun bei 113 Yen je Euro. Dies ist um so verblüffender als sich der Yen gegenüber dem Dollar um die 124,70 Yen stabil hält. Wer einen Yen-Kredit hat, kann sich nun freuen.

Die Futures heute für die US-Märkte sind eher schwach. Ich rechne damit, daß sie im Laufe des Tages ins Positive drehen. Entsprechend wird auch der Tagesverlauf im DAX ausfallen. Schwacher Start mit anschließender Erholung bis zur Öffnung in New York. Das Muster in bekannt. Problematisch bleibt nach wie vor das geringe Volumen im Handel. Es erschwert die Aussagekraft des Marktes insgesamt, aber:

Morgen gibt es die Zahlen von der Deutschen Telekom. Ich rechne mit einer Überraschung und schaue gespannt auf den Kurs. Dieser Titel hat Signalwirkung. Springt er an, sind schnell 28 bis 30 Euro erreicht. Das zieht dann den Gesamtmarkt mit. Übrigens nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Märkten, wo die internationalen Telekomtitel alle einen ähnlichen Kursverlauf aufweisen, wie Deutsche Telekom in Frankfurt.

Mit freundlichen Grüßen

D. Bernecker
 
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cap blaubär:

Saftlandung(jippi Opa ist zurück ausn Urlaub)

 
31.07.01 10:32
Hans Bernecker: Perfektes Soft-Landing der US-Konjunktur
Mails/Nachrichten vom 31.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

offensichtlich schlägt sich die Sommerhitze auch auf die Gemüter der Börsen nieder. Vor den heute anstehenden Telekom- und Metro-Zahlen und der von vielen Marktteilnehmern als unklar definierten Wirtschaftslage der USA konnten die Kurse gestern in Frankfurt lediglich aufgrund des im Sommer typisch niedrigen Handelsvolumens zulegen. Dennoch:

Ich hatte schon vor einigen Wochen darauf hingewiesen, daß eine konjunkturelle Erholung in den USA erst im 4. Quartal „sichtbar“ wird, also die Zahlen diese bestätigen. Dies bedeutet aber auch, daß der Aufschwung schon im 3. Quartal auf Touren kommt, auch wenn dies noch nicht zu spüren ist. Die sanfte Landung der amerikanischen Konjunktur läuft also m. E. perfekt. Die Wachstumsrate wurde von 4,5 % auf 1,5 % zurückgeführt, jeweils als Jahresrate berechnet. Der Stabilisierungsboden ist damit erreicht. Was Sie jetzt an der Wall Street sehen und hören, sind die letzten Meldungen des Abschwungs. Die Ausgangslage:

Über drei Viertel der US-Unternehmen haben bis Ende letzter Woche ihre Ergebnisse des zweiten Quartals vorgestellt. Damit ist weitgehend die Luft aus den Börsen-Überraschungen raus. Im Durchschnitt stürzten die Gewinne im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent ab. Interessant ist die Erkenntnis, daß die Kurse teilweise nicht so stark eingebrochen sind wie die Gewinne: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im S&P500 liegt jetzt bei 29,9, während es in der ersten Jahreshälfte noch bei durchschnittlich 24,8 Prozent lag. Dies verunsichert auch die Analystengilde in den USA. Was sie nicht sehen: Die Börse interpretiert den Rückgang der Gewinne nicht als andauernde Schwäche, sondern als notwendige einmalige Korrektur wie beispielsweise auf die hohen Lagerbestände. Ich hatte dies in der Actien Börse mehrfach kommentiert. Es besteht mithin also kein Grund für die Angst, daß die Tiefstkurse vom März nochmals getestet werden.

Charttechnisch zu beachten: Der S&P 500 kämpft mit dem Ausbruch aus dem Abwärtstrend. Er sieht also noch besser aus als der eher neutrale Dow Jones oder der NASDAQ. Dies bestätigt meine obige Aussage, daß im breiteren Markt bereits wieder mehr gekauft als verkauft wird.

In Frankfurt werden zumindest Zeichen gesetzt: MLP verliert weiter an Wert, nachdem nun die Überwertung in Frage gestellt wird. Schön, daß dies immer nach einer Aufnahme in den DAX passiert und nicht vorher! Kein Engagement.

Termine heute: Wie schon erwähnt, gilt Ihre Aufmerksamkeit heute der Telekom und der Metro. Nach Börsenschluß gab die Telekom gestern noch bekannt, daß der Börsengang der T-Mobile bis auf weiteres verschoben wird. Kein Zeugnis für ein selbstbewußtes Auftreten im Markt, aber beispielhaft für die große Angst und Zurückhaltung, die derzeit in Frankfurt zu spüren ist. Selbst positive Zahlen wie gestern von VW oder MAN fanden in den Kursen keine Resonanz. Ich rechne dennoch mit einer technischen Reaktion seitens der Telekom, da dieser Wert Signalwirkung hat.

Und zu Japan: Der Nikkei spielt Yo-yo und interpretiert die Unsicherheit zum Wahlausgang einerseits, der Rezessionsgefahr andererseits. Ich ziehe dann Konsequenzen, wenn die technische Lage sich deutlich verschlechtert, der Boden um 11.600 also nicht hält. Plus 281 Punkte heute morgen sprechen eher für eine Bodenbildung. Abwarten und Nerven zeigen.

Fazit: Wenn die Stimmung auf dem Tiefstpunkt angelangt ist, ist der turn-around nicht fern. Dies ist kein Thema von Tagen, sondern eher Wochen oder Monaten. In der Zwischenzeit gilt es, schon jetzt einzelne Titel zu überprüfen und zu überlegen, wo Käufe Sinn machen. Dies erfordert Zeit, Geduld und eine kritische Betrachtung der Situation. Wer sich nun also die Zeit nimmt, in der Sonne zu liegen und darüber nachzudenken, was in den letzten 24 Monaten alles passiert ist und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, wird sich im Winter über das Ergebnis freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans A. Bernecker  
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kalle4712:

Danke Bärchen ...

 
31.07.01 10:36
... für Deine regelmäßig guten Beiträge.

Markt- und Trendeinschätzungen sind genau das, wonach ich suche.
Antworten
cap blaubär:

nachobentoben(wiedern Vertreter vom Opa)

 
01.08.01 10:16
Hans Bernecker: Markt will nach oben
Mails/Nachrichten vom 01.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten morgen, meine Damen und Herren,
die Urlaubssaison geht auch an unserem Haus nicht spurlos vorüber. Sie merken es an den (leider wechselnden) Redakteuren dieses Tagesberichtes. Dennoch der Blick auf die Märkte:

Die gestrige Tagestendenz in den USA ist sprichwörtlich für die kurzfristige Tendenz. Gestern wurde eine ganze Reihe von wichtigen Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Der Markt pickte sich die Guten heraus und machte daraus ein Plus von 1,16 % im Dow Jones, 0,56 % im S&P500 und 0,46 % an der Nasdaq. Daran ist deutlich abzulesen, daß der Markt die Erholung will. Dies ist zunächst nur eine Zwischenerholung, anschließend muß weiter disponiert werden. Zumindest aber stimmt die Richtung, was die positive Meinung unseres Hauses untermauert und stützt. Bitte beachten Sie das Ausmaß der jeweiligen Gewinne in den US-Indizes: Die Zeiten, wo High Tech immer die Pole Position belegte, sind vorerst vorbei. Achten Sie darauf, daß auch Ihr Depot die entsprechende Gewichtung hat. High Tech darf nicht fehlen, sollte aber kein Übergewicht darstellen und auf keinen Fall das ganze Depot ausmachen. Die Fakten:

Die Stimmung in der US-Industrie und auch bei den Konsumenten hat sich im Juli verschlechtert. Der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago fiel im Juli auf 38,0 von vorher 44,4 Punkte. Erwartet waren 43,8 Punkte. Sie wissen: Werte unter 50 deuten auf eine rückläufige Wirtschaftstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe hin. Der Index für den Auftragseingang fiel ebenfalls stark zurück von 45,6 auf nunmehr 38,0 Punkte, der Beschäftigungsindex von 35,6 auf 32,3 Punkte. Das Verbrauchervertrauen (vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelt) fiel von 118,9 auf 116,6 Punkte. Hier hatte die Erwartung bei 117,5 gelegen. Nach diesen Daten alleine, hätte der Tag gestern auch rabenschwarz ausfallen können, deuten sie doch nicht im Geringsten eine Stabilisierung der amerikanischen Konjunktur an! Es ist also kaum verwunderlich, daß sich zumindest am Devisenmarkt eine negative Reaktion für den Dollar ergab. Der rettende Strohhalm waren die Konsumentenausgaben, die im Juni um 0,4 % zulegten, was über der Erwartung von 0,3 % lag. Hieran ist deutlich abzulesen, wer den Ton in der US-Wirtschaft angibt – die Verbraucher. Dies ist nachvollziehbar, stehen sie doch für etwa zwei Drittel der Wirtschaftsleistung und stellen in der gegenwärtigen Ergebnisschwäche der Unternehmen den einzigen Stützungsfaktor dar.

Zu den Aktien: Positive Meldungen werden auch bei Unternehmen begierig vom Markt aufgenommen, so geschehen bei Dupont, die die Kaufabsicht für ein Vertriebsnetzwerk in Puerto Rico bekanntgaben. Als Grund für den 2,9 %-igen Anstieg ist diese Meldung völlig untauglich und steht vielmehr für ein generelles Kaufinteresse des Marktes. Auch Branchenkollegen zeigten sich fest. Ich würde dennoch tendenziell nicht kaufen und halte dies mehr für ein Tagesereignis als für einen neuen Trend. Von den positiven Daten zu den Verbraucherausgaben profitierten Einzelhandelsaktien. Einige Aktien profitierten von positiven Analystenkommentaren, so Cisco Systems (gestern der „Most Active“ an der Nasdaq) und Philip Morris.

Zum deutschen Markt: Der deutsche Markt wirkt verunsichert und hat wie gewohnt keine wirkliche Eigentendenz. Immerhin reichte es gestern noch für ein Plus und damit Befestigung über die Marke von 5.800 Punkten. Ein wirklich neuer Impuls liegt hierin nicht, da der Abwärtstrend erst bei etwa 6.050 Punkten gebrochen würde. Die kurzfristige Stochastik befindet sich bereits in überkauftem Terrain, so daß man gestiegenen Kursen m. E. nicht hinterherlaufen sollte. Um es ganz klar zu sagen: Heute würde ich nicht kaufen.

Der wichtigste Eckpunkt des gestrigen Tages waren die Zahlen der Dt. Telekom. Es ist schon bemerkenswert, welche Verrenkungen Unternehmen im gegenwärtigen Umfeld machen, um die Zahlen möglichst positiv erscheinen zu lassen. Lesen Sie allein diesen Satz aus der Ad-hoc-Mitteilung: „Im ersten Halbjahr 2001 stieg das Konzernergebnis vor Goodwill-Abschreibungen und UMTS-Kosten (unter Berücksichtigung des Steuereffekts), bereinigt um den positiven Effekt aus dem Verkauf der Sprint-Fon-Anteile und ohne den Ergebniseffekt aus der Neukonsolidierung von Voicestream/Powertel um rund 20 % auf rund 0,6 Mrd. Euro gegenüber 0,5 Mrd. Euro in der Vergleichsperiode.“ Immerhin: Das Ergebnis des zweiten Quartals war ausgeglichen, da der Halbjahresverlust mit 400 Mio Euro angegeben wurde, was bereits nach dem ersten Quartal galt. T-Mobile kommt in diesem Jahr nicht an die Börse, was keinen überrascht haben dürfte und strategisch nachvollziehbar ist. Negativ ist der hohe Schuldenstand der Dt. Telekom, der sich derzeit auf 68,8 Mrd. Euro beläuft. Unterstellt man nur mal einen Zins von 5,5 %, so bedeutet dies eine Zinsbelastung von über 10 Mio. Euro jeden Tag oder etwa 3,8 Mrd. Euro im Jahr! Die Zahlen sind also durchwachsen, verändern aber unsere Einschätzung letztlich nicht. Auch wenn das Engagement Zeit benötigt, ist dies durch das hohe langfristige Potential gerechtfertigt. Als kurzfristiger Motor für den DAX fällt der Wert allerdings aus.

FMC hält das ehrgeizige Wachstumsziel aufrecht, was weitere Engagements rechtfertigt. Vergessen Sie dabei nicht die Mutter Fresenius. Celanese bleibt sich treu und liefert schon wieder negative Nachrichten. Sie vergessen aber bitte nicht: Der Wert ist eindeutig zu günstig, selbst wenn die Controlling-Fähigkeiten offenbar sehr zu wünschen übrig lassen. Langfristige Investoren bleiben dabei. Für Charttechniker negativ ist das kurzfristige Double Top, was kurzfristig einen Rückgang auf 21 Euro wahrscheinlich macht. Die (Ziel-)Zahlen von Metro erscheinen im Branchenvergleich durchaus bemerkenswert. Allerdings erscheint die Charttechnik nicht überzeugend, so daß sich Engagements nicht aufdrängen.

Ganz aktuell: Bayer scheint sich mit Aventis über den Kauf von Crop Science einig geworden zu sein. Als Kaufpreis werden 7,25 Mrd. Euro herumgereicht. Der Preis erscheint mir etwas hoch, wovon zunächst vor allem Aventis selbst als auch Schering profitieren. Bei Bayer rechne ich kurzfristig eher mit Abschlägen, was die längerfristige Perspektive aber nicht tangiert. Die Skepsis über die Banken-Gewinne war berechtigt: Der Branchenprimus Deutsche Bank erzielte im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von 3,086 Mrd. Euro nach vorher 4,885 Mrd. Euro. Die Eigenkapitalrendite fiel von 36,4 % im Vorjahr auf 21 %. Dazu muß man nicht viel sagen. Hände weg. Hervorragende Zahlen kommen von Schwarz Pharma, was die Charttechnik bereits andeutete: Im ersten Halbjahr wurde der Umsatz um 4,5 % auf 382,1 Mio Euro gesteigert, der Nettogewinn explodierte aber um 81,9 %. Die Aktie bleibt ein (wenn auch spekulativer) Kauf.

Zu den heutigen Terminen: Heiß her gehen dürfte es auf den Hauptversammlungen von EM.TV und Intershop.

Damit wünsche ich Ihnen einen schönen und erfolgreichen Tag.

Herzlichst
Ihr Walter Tissen
 




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cap blaubär:

Paprikachips zum Bier??(wieder ohne Opa B)

 
02.08.01 10:28
Hans Bernecker: Chipwerte als Vorindikation?
Mails/Nachrichten vom 02.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
schon wieder negative Konjunktur-Daten und schon wieder festere Kurse, was in diesem Fall aber vor allem für die Hochtechnologie galt. Beim Dow Jones reichte es nicht ganz für ein „schwarzes“ Tagesergebnis. Insgesamt bestätigt sich jedoch meine gestrige Aussage: Der Markt will nach oben. Angesichts der sehr hohen Liquidität, auf die wir ausdrücklich hingewiesen haben, ist dies nachvollziehbar. Ob es nachhaltig ist, kann derzeit aber noch nicht abschließend beurteilt werden. Immerhin:

Die Stimmungskanone war Merrill Lynch, die ein positives Statement zur Halbleiterbranche abgaben und damit den Philadelphia Semiconductor-Index auf Höhenflug schickten. Im Branchenindex reichte es immerhin für ein Plus von mehr als 5 %. Dies ist beachtlich: Dieser Index ist damit gegenüber dem Tiefstand aus dem Monat Juli um mehr als 22 % im Plus. Behalten Sie diesen Teilindex bitte im Auge, denn er hat durchaus Indikatorfunktion. Ziehen die Chipwerte nachhaltig an, so wäre dies ein positives Frühsignal für den gesamten Technologie-Sektor. Insgesamt kann man auf längere Sicht bereits Chipwerte aufgreifen, allerdings bitte vorsichtig und nur an schwachen Tagen!

Ansonsten bestätigte der Nationale Einkaufsmanager-Index die am Vortag gemeldeten negativen Daten, wenn auch in etwas abgeschwächtem Maße. Der NAPM-Index fiel von 44,7 Punkten im Juni auf 43,6 Punkte, was unter den Erwartungen, aber deutlich besser als in der Region Chicago lag, für den dieser Index bereits am Vortag veröffentlicht wurde. Die Bauausgaben fielen um 0,7 %, während Bankvolkswirte mit einem Anstieg gerechnet hatten. Sehr positiv ist, daß die Lagerbestände sich deutlich reduziert haben. Lediglich 9 % der Unternehmen berichteten von zu hohen Vorräten. Der Index der Lagerbestände befindet sich auf dem Tief der letzten 19 Jahre. Das ist gigantisch. Bitte widmen Sie auch diesem Teilindex eine hohe Aufmerksamkeit. Er fungiert als wichtiger zukunftsgerichteter Indikator. Müssen die Läger bei anziehender Nachfrage nämlich wieder gefüllt werden, so würde dies einen signifikanten Schub auch für die Produktion bedeuten.

Eine interessante, aber nicht sehr aussagekräftige Zahl lieferte das Wall Street Journal über die Gewinnsituation der Unternehmen: Die 1.138 erfaßten Gesellschaften verzeichneten im zweiten Quartal in der Summe einen Gewinneinbruch um 67 % von 98,6 auf 32,4 Mrd. Dollar. Darin enthalten sind aber sicherlich erhebliche Sonderfaktoren und Einmaleffekte, so daß die echte Gewinnsituation damit nicht ganz zutreffend wiedergegeben wird. Mein Eindruck ist, daß die Ergebnisse für das Quartal bisher häufig leicht über den (allerdings reduzierten) Erwartungen lagen. Dies unterstützt meine kurzfristig eher positive Meinung. Wenn das Schlechte verdaut ist, können die Kurse auch wieder steigen.

Lucent erzielte durch die Plazierung von Wandelvorzugsaktien einen Erlös von 1,75 Mrd. Dollar. Auch wenn der Kurs sich gestern schwach zeigte, so verbessert sich doch damit sukzessiv die Überlebensfähigkeit des angeschlagenen Telekom-Ausrüsters.

Aus dem europäischen Ausland kamen heute u. a. die Zahlen von Aventis. Im zweiten Quartal lag der Umsatz im Kerngeschäft um 8,1 % über dem Vergleichszeitraum, das Nettoergebnis stieg von 298 auf 391 Mio Euro. Jahresziele sind ein Umsatzwachstum von 13 % und von 35 % im Ergebnis je Aktie. Die Daten sind damit insgesamt ordentlich, reichen aber nicht aus als Impuls, um die Aktie aus der immerhin stabilen Seitwärtsrange zu bringen. Der Verkauf von Crop Science wurde leider noch nicht konkretisiert, die Verhandlungen schreiten aber offenbar voran.

Am Deutschen Markt ist Gähnen angesagt. Bezogen auf die gestrige Stärke der Nasdaq war die Eröffnung enttäuschend aber immerhin noch positiv. Auf Erholungspfad bleibt kurzfristig die Siemens-Familie, die vorher entsprechend verprügelt wurde. Solche technischen Erholungen sind normal und können zumindest im ersten Anflug nicht als neuer Trend identifiziert werden. Viel wichtiger ist eine solide Bodenbildung, die derzeit bei den Werten aber noch zu unklar ist.

Heute tagt die EZB. Obwohl diese durchaus Spielraum für eine Zinssenkung hätte, ist ein solcher Schritt kurzfristig kaum zu erwarten. Wirklich relevante Termine stehen ansonsten heute nicht an. Nehmen sie sich ruhig einmal einen Tag Urlaub von der Börse.

Herzlichst
Ihr Walter Tissen

Antworten
cap blaubär:

Märkte werden Fetter(immernoch kein Opa)

 
03.08.01 10:31
Hans Bernecker: Der innere Trend des US-Marktes dreht
Mails/Nachrichten vom 03.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

die Märkte gehen in wesentlich stabilerer Verfassung aus der Woche heraus. Die Volumina nehmen zu (insbesondere in New York), und die Bewertungen werden aussagekräftiger. Während Deutschland gestern nochmal abkippte, sind die Vorgaben aus New York vielversprechend. Mit etwas über 10.600 Punkten liegt der Dow auf seinem Niveau von vor 3 Wochen. Wird dieser Widerstand überboten, liegt das nächste Ziel bei knapp 11.000, die in den nächsten 14 Tagen möglich sind. Das Volumen der NYSE ist mit 1,2 Mrd gehandelten Aktien wieder über dem Durchschnitt und zum ersten Mal übertreffen die Gewinner (Advances) am Markt die Verlierer (Declines). Dasselbe spiegelt sich auch im Verhältnis von New Highs zu New Lows, das gestern bei 132 zu 28 lag. Damit dreht der innere Trend des amerikanischen Marktes. Zwei Werte sind dabei von besonderer Bedeutung, weil sie auch als Seismograph für die Stimmung des Marktes gesehen werden können.

Lucent Technology ist einer der Symbole des Einbruches der ehemaligen High-Flyer bei den Technologiewerten. Ich hatte den Titel bereits mehrfach empfohlen. Gestern sprang der Kurs leicht auf 6,29 Dollar an, nachdem der Konzern eine Wandelanleihe in Höhe von 1,89 Mrd Dollar plazieren konnte. Ein wichtiges Indiz dafür, daß der Markt trotz Junk-Bondrating nun wieder bereit ist, solche Papiere aufzunehmen. Bis vor kurzem waren sämtliche Anleihen mit niedriger Bonität so gut wie ausgeschlossen, was die Refinanzierung der Konzerne erheblich erschwerte. Also auch auf diesem Niveau Entspannung. Gleichzeitig gingen gestern über 93,7 Mio Lucent-Aktien um. Das ist eine gigantische Zahl, mit der Lucent das höchste Volumen aller Aktien gestern erreichte. Gleichzeitig:

Intel sprang ebenfalls um 1,15 auf 31,90 Dollar an. Hintergrund war die verbesserte Aussicht für die Halbleiterindustrie. Der Chart von Intel sieht übrigens traumhaft aus, auch wenn der Börsenwert mit etwas über 200 Mrd Dollar natürlich nicht niedrig ist. Auch hier dasselbe Bild wie bei Lucent Tech. Mit fast 61 Mio gehandelten Aktien war Intel die umsatzstärkste Aktie an der Nasdaq gestern abend. Auf Platz 2 lag Cisco mit 51,8 Mio Aktien. Man sieht also, daß der Markt bereit ist, mit hoher Liquidität sofort einzuschreiten, wenn es den leisesten Ansatz dafür gibt. Darüber hinaus:

Die Zahlen für das zweite Quartal in den USA liefern beeindruckende Erkenntnisse. Inklusive sämtlicher Abschreibungen fielen die Gewinne der amerikanischen Unternehmen um 67 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist der stärkste Verfall seit 10 Jahren. Rechnet man die Abschreibungen heraus, fielen die Gewinne um 17 %, was wiederum den stärksten Verfall seit 1991 ausmacht.Die Kapazitätsauslastung im Bereich des Technologiesektors liegt inzwischen bei nur noch 67,5 %. Vor einem Jahr lag man noch bei 90 %. Das ist der stärkste Rückgang seit 1982, dem Geburtsjahr des Superbörsenbooms in den USA. Zur Orientierung: Eine "gesunde" Kapazitätsauslastung liegt zwischen 83 und 85 %. Kurzum: Die Vollbremsung der US-Konjunktur hat schon fast Formel 1-Charakter. Das sehe ich gelassen, denn eine anschließende Beschleunigung zu prognostizieren, ist nicht schwer. Warum?

Anders als bei den Europäern und insbesondere bei den Japanern unterliegt der amerikanischen Konjunkturschwäche kein strukturelles Problem. Dieser massive Einbruch der konjunkturellen Entwicklung geht zum größten Teil auf die extrem schnelle Anpassung der Unternehmen auf die Marktverfassung zurück. Allein im Telekom-Technologiesektor wurden fast 350.000 Leute freigesetzt. Das wäre in Deutschland oder Japan undenkbar. Die Lagerbestände werden mit einer nie dagewesenen Vehemenz abgeschrieben und die Investitiontätigkeit fast auf Null gesenkt. Sehen Sie dazu den Chart auf der Seite 1 der Actien-Börse diese Woche. Die Amerikaner bestimmen also das Tempo selbst und verfallen nicht wie die Europäer und Japaner in Passivität in der Hoffnung, daß sich alles von selber regeln wird. Darin liegt der grundsätzliche Unterschied.

Das sind die Voraussetzungen für eine schnelle Erholung der Konjunktur und mithin auch eine Erholung an den Börsen. Je schneller eine Bereinigung läuft, um so schneller können sich Unternehmensgewinne verbessern. Dazu braucht es übrigens keine Zinssenkungen seitens der FED mehr. Vielleicht handelt sie im August noch, aber entscheidend ist es für mich nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Bernecker.
 



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Antworten
cap blaubär:

nix zu machen+(DKW 20%blöder als vorher)

 
06.08.01 09:56
Hans Bernecker: Kein Handlungsbedarf.
Mails/Nachrichten vom 06.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Sommer bleibt trocken. Die Flut der Informationen ist umfangreich, aber wenig aussagefähig. Es lohnt deshalb auch nicht, die neuen Wachstumsdaten besonders ernst zu nehmen. Dies gilt beiderseits des Atlantiks. Ob in Deutschland das Wachstum bei 1,5 % oder 1,7 % liegt oder wie Berlin offiziell noch immer glaubt bei 2 %, ist ebenso bedeutungslos wie die Frage, wo die amerikanischen Zahlen liegen werden. Das Muster des zyklischen Konjunkturverlaufes habe ich Ihnen schon mehrfach beschrieben. Es ist in jedem Lehrbuch der Volkswirtschaft nachzulesen. In Kurzform: Die amerikanische Wirtschaft kann erst ab dem 4. Quartal deutlicher zulegen und
die europäische, also auch deutsche, ab dem 2. Halbjahr 2002. Daran ist nichts zu ändern.

An der Wall Street wird es morgen deshalb spannend, weil die sog. Produktivitätszahlen nach einer neuen Berechnungsformel vorgelegt werden. Es handelt sich also nicht um neue Zahlen, die möglicherweise eine neue Korrektur bedingen könnten, sondern um eine neue Berechnungsformel. Achten Sie auf den Unterschied, weil einige Analysten daraus ein Risiko für alle Industrieaktien von bis zu 20 % errechnen. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Angesichts der labilen psychologischen Verfassung aller Gemüter im Markt sollte gleichwohl dieser neue Datenkranz abgewartet werden.

Die Markttechnik zeigt das alte Bild: Die zwei relevanten Größen A/D und new high/new low signalisieren einen positiven, aber nicht ganz überzeugenden Eindruck. Entsprechend liegen die Umsätze auch auf vergleichsweise bescheidenem Niveau und erreichten am letzten Freitag lediglich 937 Mio Stück am Big Board.

Wie die Sanierung von Firmen läuft, zeigt der Fall Lucent. Was ist nicht alles über diese Firma geschrieben worden. Die neue Wandelanleihe mit einem Coupon von 8 % und einer Wandelprämie von 22 % brachte 50 % mehr Geld in die Kasse als erwartet. Damit schwimmt sich Lucent langsam frei und bleibt so eingeschätzt, wie eine durchaus vernünftige Unternehmensbeurteilung es auch erlaubt. Lucent ist deshalb ein Spiegelbild der Situation in den USA. Denn, wie ich schon in der AB schrieb: Das eigentliche Gewinnproblem steckt in den sog. Goodwill-Abschreibungen. Ohne Abschreibungen steigen nämlich die Gewinne nach wie vor, und zwar um 23 % für die Telekomtitel, 17 % für die Raumfahrt, um 15 % für die Dienstleistungen und für zyklische Konsumgüter, Versorger, Finanzen und Technologie um 6 - 8 %. Das alles ist nicht berauschend, liest sich aber anders als aus den Schlagzeilen mancher Berichte ersichtlich. Ich hatte auf dieses Phänomen in der letzten AB schon hingewiesen. Wenn Sie es nicht verstehen, wird es schwierig, US-Aktien in den Griff zu bekommen.

Meine Empfehlung für heute: Nichts tun und den obigen Sachverhalt abwarten. Ich glaube, daß frühestens ab Donnerstag/Freitag genereller Handlungsbedarf besteht.

Frankfurt wird dem Wall-Street-Trend im Wesentlichen folgen. Doch einige Termine halte ich für so wichtig, daß Sie sie beachten sollten: Morgen nennt Adidas die Zahlen für das erste Halbjahr. Es folgen dann BASF und BMW sowie Heidelberger Druck und Qiagen. Anschließend gibt es die Zahlen von Cisco und Procter & Gamble in New York, was wiederum auf die deutsche Seite abfärben wird. Für interessant halte ich auch die Daten von Pfeiffer Vaccuum.

Dringender Handlungsbedarf entsteht daraus ebenfalls kaum. Ich lege Ihnen aber nahe: Schauen Sie sich die Unternehmenszahlen genauer an. Sie sagen mehr als die vielen Erwartungen und Ankündigungen zeigen. Das gilt positiv wie negativ. Nicht gerade hilfreich ist z. B., wenn E.ON kürzlich Powergen für 16,3 Mrd DM erwarb, aber die neue Tochter einen deutlich reduzierten Gewinn von 266 Mio Pfund nach 300 Mio Pfund im Vorjahr vorlegt. So entstehen sofort Zweifel am Preis.

Meine Empfehlung daher: Ich sehe heute keinen Grund, neues Geld zu binden. Etwas anderes sind die Gelegenheiten, die sich Schritt für Schritt in Zürich abzeichnen. Möglicherweise haben Sie es nicht verfolgt. Hier stürzten einige eigentlich gute Adressen geradezu ins Bodenlose. Wohl auch verbunden mit der Enge der Märkte und den überraschend negativen Kommentaren in der dortigen Presse. Hier gibt es echte Abstaubergelegenheiten, die zwar gute Nerven verlangen, aber auch ungewöhnlich interessant sind. Ich werde darüber in der nächsten AB eine erste Zwischenbilanz vorlegen. Bis dahin verbleibe ich

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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Antworten
boomer:

vor 1 Jahr haben alle über ihn gelacht! Und heute? o.T.

 
06.08.01 10:15
Antworten
Dixie:

Du etwa nicht? Ich schon....

 
06.08.01 10:29
Asche auf mein Haupt.
Antworten
boomer:

Hi, Dixie, leider - auch - ja! o.T.

 
06.08.01 10:37
Antworten
cap blaubär:

Jaaa wo isser dennnnn

 
07.08.01 10:43
Guten Morgen, meine Damen und Herren,
gestern schrieb mich ein verzweifelter Leser an, der sich darüber sehr erstaunt äußerte, mit welcher Sicherheit ich kürzlich in der AB den Verlauf der amerikanischen Konjunktur vorausgesagt habe. Dies sei, so der Leser, entweder leichtfertig oder von Unkenntnis geprägt, denn ich müsse ja wohl die Berichte in den Medien lesen bzw. kennen. Dem kann abgeholfen werden. Allerdings:

Eine große Zahl von Aktionären kennen den typischen Verlauf von Konjunkturzyklen nicht. Die meisten kennen nur zehn Jahre Boom, davon fünf als Superboom. Entsprechendes übertragen sie auf die Börse. Das ist natürlich zu kurz gegriffen. Der Konjunkturzyklus in Amerika ist leichter als der in Europa bzw. Deutschland nachzuvollziehen. Ich habe dies mehrfach begründet und es gibt überhaupt keinen Anlaß, davon abzugehen. Eines steht allerdings fest: Wer glaubt, dass nach einer Superhausse und einer anschließenden Superbaisse die nächste Superhausse beginnt, liegt falsch. Schauen Sie sich in der nächsten AB die Grafik auf Seite 1 an. Dann
verstehen Sie, was eigentlich in den Märkten geschehen ist. Das hat übrigens mit der Konjunktur relativ wenig zu tun.

Wall Street konkret: Leicht verschlechterte Markttechnik und alle warten heute auf den Crash. Zwanzig Telefonanrufer mußte ich heute schon beruhigen. Irgendein "Chefstratege"der Dresdner, Kleinwort Benson hat dies vorausgesagt, wenn die neu berechneten Produktivitätszahlen für die amerikanische Industrie heute Nachmittag vorgelegt werden. "Schaun mer mal", wie die Fussballer sagen.

Bei dürftigen Umsätzen von weiterhin weniger als einer Milliarde Stück am Tag dümpelt in New York das Geschäft dahin. Also bleibe ich dabei: Schauen Sie zu, halten Sie die Taschen zu, aber lassen Sie sich nicht in irgendwelche Verlockungen hineinziehen. Zur Zeit sind eine Menge Analysten dabei, die berühmten Hoch- und Abstufungen vorzunehmen. Gestern war wieder einmal AMD dran, worüber sich ein Analyst äusserte und die Aktie 7,6 % nachgab. Typisch: Der Boden für AMD liegt in der Tat erst bei 13,60 Dollar, und dazu fehlen noch 4 Dollar. Wie das Ganze funktioniert, zeige ich Ihnen auf Seite 6 der nächsten AB.

Deutschland ist geschockt über die neuesten Konjunkturprognosen, besonders über die Inlandsnachfrage für Industriegüter. Überraschen kann das nicht. Die deutsche Konjunktur bleibt eingebunden in das Euroland, und das gilt auch für die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Auffallend ist gleichwohl, dass die Steuerreform einen so geringen Effekt zeigt. Das deutet auf eine strukturelle Schwäche hin, die sich sehr schwer definieren läßt. Andererseits bin ich sehr befriedigt darüber, wie stabil bislang die
Halbjahreszahlen der Industrie ausgefallen sind.

Die Tendenz für Sie: Kein Handlungsbedarf heute morgen und bitte lassen Sie sich nicht dazu verleiten, zu früh in die abgestürzten Technologiewerte zu investieren. Für alle relevanten Titel liegen meine Kauflimits deutlich niedriger. Nehmen Sie dazu die letzten ABs zur Hand. Übersehen Sie schließlich auch nicht: Die technisch beste Aktie im DAX ist die Dt. Telekom.

Kleine Anmerkung am Rande: So wie der Deal um Telecom Italia in der Presse behandelt wird, läuft es nicht. Ich glaube, dass ich mehr weiß, nämlich direkt aus Mailand. Darüber berichte ich auf Seite 8 der nächsten AB.

Das war's für heute.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker

Antworten
cap blaubär:

Volker hört die Signale!!!

 
08.08.01 09:35
Hans Bernecker: Positives Signal
Mails/Nachrichten vom 08.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
gestern war wieder mal ein typischer "Guru"-Tag. Einer von diesen Helden sagte einen Crash voraus, wenn die amerikanischen Produktivitätszahlen herauskämen. Sie stimmten mit sämtlichen Einschätzungen der Analysten nicht überein, denn sie waren besser als erwartet, und das ist ganz logisch. Die neue Berechnungsmethode brachte zwar eine Korrektur für die Vergangenheit, aber nicht in der Tendenz. Die aktuell verbesserten Zahlen sind wiederum das normale Resultat daraus: Wenn Firmen Mitarbeiter entlassen und der Umsatz nicht stärker einbricht, ergibt sich automatisch eine höhere Arbeitsleistung pro Mitarbeiter oder pro Arbeitsstunde. Sie wird sich also weiter verbessern, wenn die Entlassungen weitergehen, und ich hatte schon früher darauf hingewiesen, daß der größte Teil der Entlassungen auf die zuvor
gehorteten Arbeitskräfte-Reserven zurückzuführen ist. Das ist insgesamt für die Entwicklung der operativen Gewinne der Unternehmen von größter Bedeutung. Darauf habe ich in der AB ebenfalls kürzlich auf Seite 1 aufmerksam gemacht. Wie auch immer:

Das gestrige Marktbild entspricht dem Verlauf einer Stabilisierung. Die relevanten technischen Daten haben sich weiter leicht verbessert, aber der Umsatz fiel sogar um weitere 10 % zurück. Das sieht wie eine Austrocknung des Marktes aus. Für mich ist das ein sehr positives Signal, weil darin sichtbar wird, daß die Verkäufe nachlassen oder aber ausgelaufen sind. Die Cisco-Zahlen brachten ebenfalls keine negative Überraschung, so daß ich davon ausgehe, daß wirklich relevante Negativzahlen kaum noch zu erwarten sind. Dennoch:

Ich verzichte auch heute auf eine Empfehlung. Eile besteht nicht. Seien Sie darin ganz konsequent. Der amerikanische Markt hat erst dann ein neues Kaufsignal, wenn der Dow Jones 11.300 überspringt, und dazu fehlen noch 900 Punkte. Der Antrieb dazu wird allerdings von der Nasdaq kommen, die so eine Art Turbo darstellen wird, weil dahinter die berühmten Technikaktien stehen, die in ihrer Volatilität die größere Dynamik aufweisen. Also: Der Nasdaq schiebt den Dow Jones an, aber dieser gibt für den Gesamtmarkt erst ab der genannten Marke ein grundsätzliches Marktsignal. Achten Sie bitte auf diese Logik.

Deutschland darf sich etwas entspannen. Einerseits durch die Entwicklung an der Wall Street, andererseits vor dem Hintergrund der Firmennachrichten. BMW zeigt, wie es geht, Degussa zeigt, wie man erfolgreich umstrukturiert. Diese Aktie bleibt für mich einer der interessantesten Titel im DAX, wie mehrfach begründet. Wer etwas weiter denkt, kauft auch weiterhin zu. Was Block-Trading ist, erfuhren die Börsianer gestern im Falle Dt. Telekom, allerdings mit unappetitlichem Beigeschmack. Die Dt. Bank empfahl am Montag diese Aktie zum Kauf. Gestern wickelte sie einen Block von 44 Mio Stück im Wert von 1 Mrd E. ab. Urteilen Sie selbst. Andererseits: Block-Trading
gehört zu jeder Weltbörse. Damit muß man leben. Verkäufer waren übrigens die Finnen, Sonera, die keine effektiven Stücke verkauften, sondern per Termin leer. Es hängt also eine Leerposition in diesem Umfang über dem Telekom-Markt, weil Sonera noch unter Sperrfrist steht. Leerpositionen müssen bekanntlich eingedeckt werden, das wird höchst interessant für den Kurs ab September. Die korrigierte Gewinnprognose der BASF hänge ich nicht sehr hoch. Sie entspricht dem, was für Chemieunternehmen im Konjunkturablauf immer zu erwarten ist: zyklisch, aber nicht strukturell.

Erste Lichtblicke der seriösen Adressen am Neuen Markt. Entgegen der allgemeinen Stimmung bin ich bekanntlich der Meinung, daß die Rosinen schon erkennbar sind. Ich werde daher Stück für Stück diese Positionen ausbauen. Eine interessante Aktie ist dafür Süss Microtec, deren Qualität ich schon früher beschrieben hatte, aber in der Marktschwäche als Empfehlung zurückgezogen habe. Bei 210 Mio E. Umsatz (plus 30 %) hat Süss einen Marktwert von etwa 418 Mio E., also etwa das Doppelte, ist aber ein absoluter Spezialist für die Herstellung von Chips. Also kein Chip-Produzent, sondern ein Hersteller von Geräten für die Chip-Produktion. Süss entwickelte sogar eine besondere Technologie in einem lithographischen Verfahren. Das alles ist natürlich große Zukunft und längerfristig zu sehen. Beobachten Sie diese Aktie bitte etwas sorgfältiger. Sie verlor von 43,90 auf 22 E., also die berühmte Halbierung, und ist bei 26/30 E. meines Erachtens ein Kauf.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
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cap blaubär:

Aspirindividende??

 
09.08.01 09:56
Hans Bernecker: Bayer-Debakel
Mails/Nachrichten vom 09.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
das Bayer-Debakel erschütterte gestern die deutsche Börse. Der neue Tiefstkurs von Deutsche Telekom ist auch nicht gerade lustig. Vor dem Hintergrund einer tendenzlosen Wall Street geht es nun darum, ob der DAX 5388 halten kann. Das ist das Tief dieses Frühjahres. Sie wissen, welche technische Bedeutung dies hat, obgleich ich nach wie vor der Meinung bin, daß der Markt insgesamt besser aussieht als es der Stimmungspegel wiedergibt. Konkreter:

Das Bayer-Desaster mit einem einzigem Medikament ist natürlich tragisch, aber nun einmal Wirtschaft. Lassen wir die Tassen im Schrank: Die gestern genannten Zahlen mit einem Ergebnisminus von rd. 600 Mio E., davon 280 Mio E. Einmalaufwand, reduzieren sich im Konzernergebnis darauf: Der Anteil dieses Medikaments am operativen Konzerngewinn liegt bei 1 % oder darunter. Einmalaufwendungen sind etwas anderes, wenn auch höchst ärgerlich. Was ist Bayer wert? Nicht weniger und nicht mehr als bisher. Börsenwert von 27 Mrd E. steht im keinen Verhältnis zum Potential im Umsatz und Ertrag. Schwierig wird es allerdings dadurch: Ein Analyst nach dem anderen wird nun erst einmal herabstufen. Dem folgt der eine oder andere Fondsmanager und dazu kommen noch mögliche Leerverkäufe. Somit hängt die Bayer-Aktie in den nächsten Tagen in der Luft. 30 E. sind genauso möglich wie 42 E. New York hat sowas schon vorgemacht. Mein Rat: Bayer verkauft man nicht, aber wartet
auf diese "unfallbedingte" Kaufchance. Ich komme darauf in den nächsten AB's zurück.

Deutsche Telekom hat ein anderes Problem. Rd. 300 Mio Stück liegen bei ehemaligen Voicestream-Aktionären, wovon rd. 80 % verkaufen wollen. Sie brauchen das Geld, insbesondere Sonera und Hutchinson. Das macht den runden Betrag von 7 bis 7,5 Mrd E. aus. Es wird mithin darauf ankommen, ob die Bonner mit deutschen Banken zusammen eine relativ ordentliche Plazierung hinbekommen. Das ist für mich eine Art Qualität-Prüfstand für diejenigen, die sich Global Player im Investmentbanking bezeichnen. Ohne diese Hilfestellung wird es schwer werden, solche Verkäufe im Markt geordnet unterzubringen. Solange bleibt meine Einschätzung von Telekom suspendiert, doch hat dies mit der fundamentalen Einschätzung nichts zu tun. Nebenbei: Eine weitere Großbank (WestLB) stuft Nokia und Ericsson nach unten.
Reichlich spät, wie ich finde. Das ist ebenfalls nicht gerade hilfreich für alles, was mit Telekom zu tun hat.

Wechseln wir auf die erfreuliche Seite. Was die Hypovereinsbank gestern vorlegte, unterstreicht meine Beurteilung dieser Münchener Großbank. Schmid und seine Genossen machen einen hervorragenden Bankerjob. Lesen Sie die heutige Presse dazu. Das ist sinnvolles Expandieren, wenn es z. Zt. in den Kursen auch nicht honoriert wird. Meine Einschätzung von Depfa wird mit den ebenfalls deutlich verbesserten Ergebniszahlen unterstrichen. Hier lohnen sich sogar weitere Käufe in der Bandbreite um 77/81 E.

Porsche glänzt mit Superzahlen und ich stimme dem Chef Wiedeking zu, wie er sich gestern zum Rauswurf aus dem MDAX äußerte. Sollte daraus ein Abgabedruck einiger Fonds entstehen, würde diese Aktie ein neuer Kauf. Bitte weiter beobachten. Fresenius Medical schleicht sich Stück für Stück nach oben. Auch darin sehe ich mich bestätigt, wenn das Ganze auch nicht sensationell ist. Ich halte jedenfalls an dieser Kaufempfehlung fest.

An der Wall Street war gestern Cisco-Tag. Nachdem der Trubel um die Produktivitätszahlen schon wieder vergessen ist, sind die Cisco-Daten genau das, was ich immer gesagt habe: Cisco arbeitet mit einem Null-Ergebnis und hat einen Börsenwert von über 130 Mrd DM, was sich einfach nicht rechtfertigen läßt. Solange derartige Überbewertungen noch über dem Markt hängen, ist die Situation schwierig. Der faire Wert einer solchen Aktie liegt bestenfalls bei 9 bis 11 $ statt 18/19 $. Der Unterschied macht locker 60 Mrd $ aus. Sie lesen richtig! Das Unternehmen selbst ist hervorragend, wie ich immer betone. Es ist aber einfach zu hoch bewertet. Verschlechtert hat sich auch die Markttechnik von Microsoft. Hier schaue ich nur auf den Kurs und die problematische Rechtslage Microsoft/Regierung, die mir
Unbehagen bereitet, weil sie im Endeffekt nicht rechenbar ist. Natürlich färben diese beiden Titel auf alle anderen ab und deshalb gilt für Sie:

Verschränken Sie die Arme, schauen Sie zu, was läuft, haben Geduld, aber auch kühlen Verstand, um solche kritischen Phasen durchzustehen. Diese gab es in den vergangenen 40 Jahren so häufig, daß ich damit gut umgehen kann. Bitte folgen Sie mir darin. Nebenbei gesagt:

Auf die Konjunkturzahlen sollten Sie jetzt weniger achten, als die Überschriften in der Presse andeuten. Gestern mußte auch der Kanzler zurückstecken, wobei ich sicher bin, daß ihn das Ganze gar nicht interessiert. Voraussetzung dafür ist nämlich, daß er es versteht. Das ist nicht sarkastisch gemeint: Ich hatte als junger Mann noch das Vergnügen, den damaligen Wirtschaftsminister Professor Erhardt zu begegnen und mit ihm zu diskutieren. Gleiches gilt für Professor Schiller, meinem Lehrer. Es war ein Vergnügen, wie mit Sachkenntnis und Kompetenz damals gearbeitet und was anschließend politisch machbar wurde. Ich wünsche Ihnen gleichwohl
einen schönen Tag.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 


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woody w:

Das sollte man mehrmals lesen! Originalton B.

 
09.08.01 10:02
"Gestern mußte auch der Kanzler zurückstecken, wobei ich sicher bin, daß ihn das Ganze gar nicht interessiert. Voraussetzung dafür ist nämlich, daß er es versteht. Das ist nicht sarkastisch gemeint: Ich hatte als junger Mann noch das Vergnügen, den damaligen Wirtschaftsminister Professor Erhardt zu begegnen und mit ihm zu diskutieren. Gleiches gilt für Professor Schiller, meinem Lehrer. Es war ein Vergnügen, wie mit Sachkenntnis und Kompetenz damals gearbeitet und was anschließend politisch machbar wurde."

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cap blaubär:

Schlagsahne

 
10.08.01 10:34
Hans Bernecker: Doppelschlag
Mails/Nachrichten vom 10.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Doppelschlag Bayer/Deutsche Telekom hat die deutsche Börse aus dem Gleichgewicht gebracht. Ein solches Ereignis hat es in der Tat in diesem Umfang in den letzten Jahren nicht gegeben. Noch nicht einmal die Schwäche von DaimlerChrysler vor 2 Jahren oder - noch früher - bei VW hat eine psychologische Belastung und eine markttechnische dazu in diesem Umfang bewirkt. Wie ist das zu werten und was folgt daraus?

Der DAX erreichte gestern ein neues Jahrestief. Statisten werden daraus folgern, daß damit ein neuer Boden knapp über 5000 gesucht werden dürfte. Dafür gibt es verschiedene Ansätze, die bis 4800 reichen können. Mithin entwickelt sich daraus eine neue Betrachtung. Wie weit reicht die Ansteckungsgefahr aus den beiden genannten Titeln für die anderen?

Der Ausverkauf von Deutsche Telekom hat nichts mit fundamentalen Einschätzungen, sondern mit den Verkaufsabsichten der Verkäufer zu tun. Das mußte auch der Vorstand wissen, der diesen Sachverhalt mit Sicherheit im Zuge der Voicestream-Übernahme diskutiert haben dürfte. Großbanker räumten mir gegenüber gestern in Frankfurt ein, daß sie nicht dazu da seien, den Aussteigern gute Kurse zu garantieren, in dem sie diese Posten aufnehmen oder ein Konsortium bilden, welches die freiwerdenden Aktien aufnimmt. Daran ist nur die Hälfte wahr. Es gehört zur Praxis der großen Börsen, daß Marketmaker existieren, die eine Gewähr dafür geben, geordnete Marktverhältnisse herbeizuführen. Einen solchen gibt es in Deutschland nicht. Damit ist diese Aktie zwar billig, wird möglicherweise noch einige

Prozent billiger, ist aber im Tiefstkurs nicht auszuloten. Gehen Sie in die Lauerstellung. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit folgt diesem Ausverkauf eine saftige Kehrtwende nach oben. Bei Tagesumsätzen von knapp 15 Mio Stück im Xetra-Handel sind natürlich noch einige Hedge Funds mit dabei.

Das Bayer-Problem habe ich gestern erläutert. Wenn große Investmentbanken eine Abstufung von Bayer mit der Begründung der bekannten Umstände und der gestern vorgelegten Halbjahreszahlen vorlegen, zeugt dies nicht von sehr viel Sachverstand. Wohl aber vom Prinzip aller dieser Experten: Einer läuft dem anderen hinterher. Eigenständig nachdenken ist nicht deren Sache. Auch wenn ich wiederhole: Der sicherlich ärgerliche Medikamentenunfall beeinträchtigt die Qualität des Bayergeschäftes nicht nachhaltig. Wenn dadurch BASF und andere mitgezogen werden, ist dies eine Frage der Psychologie, aber nicht der Sachkenntnis.

Beides ist kein Trost, aber daraus werden Chancen, die Sie im Falle DaimlerChrysler schon einmal erlebten: Bis auf 40/42 E. wurde Daimler vor gut einem Jahr nach unten geredet. Die Prognosen gingen sogar bis zu sog. fairen Werten von 30 E. Was trat ein? Erste Rally bis 61 E., und das waren schon einmal knapp 50 %. Seitdem dümpelt der Kurs allerdings zwischen 53 und 60 E. herum. Ich will damit sagen: In eine regelrechte Ausverkaufsschwäche gehen Sie bitte auf die Käufer- und nicht auf die Verkäuferseite. Gestern habe ich es schon gesagt: Bayer kann in einem solchen Fall auf 30 E. fallen und ist natürlich ein Kauf. Wie erreichen Sie das? Das geht nur über mehrere Limits zu jeweils höheren Stückzahlen. Beispiel: Sie wollen 1.000 Stück kaufen. Also heißt der Auftrag: 250 zu 35 E., 350 zu 33 E. und der Rest zu
30,50 E. Gehen alle auf, liegt Ihr Durchschnitt bei rd. 32,50/33 E. und das ist eine ähnliche Chance wie bei Daimler von damals 42 E. Bei Deutsche Telekom machen Sie das gleiche. Gestern 23 Mio Stück im Handel läßt Raum bis 16,50/17 E. im Worst case-Fall. Also auch hier eine solche Staffel nach gleichem Muster vorsehen

Diese beiden Werte sind die wichtigsten an der deutschen Börse der nächsten Tage. Indes:
Ich unterstreiche meine früheren Empfehlungen für SGL Carbon. Das Bußgeld-Debakel dürfte verkraftet sein. Lesen Sie dazu die heutigen Berichte. Die Eingliederung von Airbus in EADS macht diesen Konzern zu einem echten Flugzeugkonzern. Ich erinnere daran, daß Daimler daran mit rd. 1/3 beteiligt ist. Was ist diese wert?

Die Zahlen von MG Technologies unterstreichen ebenfalls meine Einschätzung, wovon ich nicht abgehe, wenn der Kurs auch im Moment wie festgenagelt scheint. Überzeugend sind auch die Halbjahreszahlen von Dürr und von Gehe. Eine Enttäuschung ist dagegen das Resultat von Sixt, wo der Chef eine zu große Lippe riskiert hatte und dafür seine Glaubwürdigkeit gegenüber den Aktionären verlor. Die Zahlen von Gildemeister sind eindrucksvoll gut, aber seit 7 Monaten schafft der Kurs den Sprung über die Hürde von 10 E. nicht. Das ist merkwürdig. Ich bleibe deshalb in der neutralen Einschätzung. Wer gibt hier ab?

Wall Street: Hier verzichte ich heute auf einen Kommentar. Der Grund: No News, mithin kein Handlungsbedarf.

Ich verabschiede mich bis Montag und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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cap blaubär:

Baisse Ente

 
13.08.01 10:09
Hans Bernecker: Irrationalitäten als Zeichen für das baldige Ende der Baisse
Mails/Nachrichten vom 13.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
heute komme ich mir wie ein Pfarrer vor. Schon ab 07.00 Uhr gab es mehrere Anrufe von Leserfreunden, die frustriert die Frage stellten: Das alles hat doch keinen Sinn, sollen wir nicht aussteigen? In Deutschland ist es der Doppelunfall Dt. Telekom und Bayer als Auslöser, in den USA die unverändert problematische Marktlage der Hightechs und in Japan die richtungslose Labilität des Gesamtmarktes. Meine Antwort:

Jede Baisse übertreibt nach unten genauso wie jede Hausse nach oben. Genau so, wie die Spitzenkurse Anfang 2000 nicht haltbar waren, sind es jetzt die Tiefstkurse. Deshalb komme ich noch einmal auf Bayer zurück, wobei ich mich dazu dezidiert noch in der AB äußern werde. Die verschiedenen Presseberichte und Kommentare erwecken den Eindruck, daß der Rückzug eines Medikamentes das Pharmageschäft von Bayer in Frage stellt. Für Fachleute ist das ein Witz, für Laien aber möglicherweise eine ernste Fragestellung. Doch es zeigt, wie hochgradig nervös und dabei wahrlich nicht kompetent über solche Dinge diskutiert wird. Denken Sie 9 Monate zurück. Damals war der Daimler-Teil Chrysler natürlich schon restlos pleite und demnächst auch Daimler. Blättern Sie diese Horrorberichte ruhig einmal nach. Das gleiche wird Ihnen mit Bayer passieren und mit Dt. Telekom auf andere Art. Ich will Ihnen damit folgendes sagen:

Irrationalitäten gehören zur Baisse und das ist stets ein sicheres Zeichen, daß wir dem Ende nahe sind. Davon bin ich nicht nur überzeugt, sondern ich weiß es. Ich habe schon 5- oder 6-mal seit 1959 solche Situationen erlebt bzw. durchlebt. Es mag Ihnen etwas simpel klingen, ist aber die Wahrheit. Die Basis für die Supergewinne von morgen wird jetzt gelegt. Ich kann Ihnen allerdings die absoluten Tiefstkurse nicht nennen. Darin liegt das Problem. Dennoch ist es völlig gleichgültig, ob Sie eine bestimmte Aktie, die von 90 oder 100 $ kommt, bei 10 oder 12 $ kaufen oder auch an drei Tagen bei 8 $. Häufig genug habe ich es erklärt. Natürlich ist die Differenz zwischen 12 und 8 auch mal 33 %. Aber mit dieser Volatilität an der Börse müssen Sie im Moment leben.

Leitlinie für Sie in dieser Woche: Es kommt darauf an, daß der Dow Jones in seinem beschriebenen Gleichgewicht verläuft. Das tut er bisher, wenn auch knapp. Ich zeige Ihnen den gesamten Verlauf seit Beginn der Zinsbremsung, also 1999, in der nächsten AB. Für den Nasdaq ist das wesentlich schwieriger. Doch er gibt den Anstoß für den Dow als echter Tendenzanzeiger. Darauf schauen Sie bitte in den nächsten Tagen und auf sonst nichts. Weiterhin wichtig: Die Tagesumsätze bewegen sich auf niedrigem Niveau, meist unter 1 Mrd Stück pro Tag am Big Board.

Im einzelnen: Titel wie Oracle, Sun oder Cisco haben ihren fairen Wert noch nicht erreicht. Es fehlen durchweg noch 3 - 6 $. Darauf bitte achten. Siebel machte es soeben vor. Die Basis liegt hier übrigens erst bei 10 $, um nur die wichtigsten zu nennen. Für EMC sind es ebenfalls 10 - 12 $. Auf eine Aktie schaue ich mit größtem Mißtrauen: Microsoft. Mir mißfällt, wie sich die Markttechnik erneut verschlechtert hat. Aber mit einem Börsenwert von über 260 Mrd $ ist Microsoft immer noch einer der schwersten Titel im Markt, der seinen Tiefstkurs bei 40 $ hatte. Die Strategie von Microsoft, seine Rechtsstellung im bekannten Rechtsstreit zu verbessern, wird von Kennern der Szene sehr unterschiedlich kommentiert. Indes: Microsoft ist nun mal neben IBM ein Leading-Indicator. Also: Größte Vorsicht und keine Käufe. Ich würde sogar vorsichtshalber Positionen auflösen.

Problematisch ist auch die Ausweitung der Sammelklagen gegen Pharma-Unternehmen. Kündigt sich hier eine Zweitauflage des Tabakszenariums an? Das hätte auch für die Europäer Folgen, und ich habe deshalb alle Pharmaempfehlungen schon frühzeitig suspendiert. Dabei bleibt es vorerst noch. In dieser Woche kommen zudem die Zahlen für die zwei großen Schweizer, Roche und Novartis. Auf deren verschlechterte Markttechnik hatte ich ebenfalls vor Wochen hingewiesen. Das Ganze gefällt mir nicht.

In Deutschland hänge ich die genannten beiden Fälle nicht so hoch, wie die Schlagzeilen es gerne hätten. Das ist keine Beruhigungspille, sondern realistische Betrachtung. Wieder vereinfacht formuliert: Im oben zitierten Daimler-Fall erwischten Sie Kaufkurse zwischen 42 und 45 E., inzwischen 63 E. in der Spitze. Bei Bayer mögen es 30 oder 32 E. im Tief werden, anschließend geht's rasant nach oben. Im Falle Dt. Telekom mögen die Tiefstkurse bei 17 - 19 E. liegen, anschließender Verlauf ist ebenso klar: Nach oben.

Die Termine von heute: Altana präsentiert die Halbjahreszahlen. Baader tut das Gleiche und einer der ehemaligen Lieblinge am Neuen Markt, ce Consumer Electronic, will's wissen. Denn morgen gibt es wesentlich mehr, darüber im morgigen Ticker.

Bleiben Sie also gelassen, wenn es auch etwas schwer fällt. Ich wünsche Ihnen dafür ein gutes Gespür und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 
Antworten
Reinyboy:

Bernecker sagt nur, daß es irgendwann mal

 
13.08.01 10:19
wieder aufwärtsgeht.

Das weiß jeder.

Fragt sich bloß von wo.

Den japanischen Index sah er vor 1,5 Jahren in einem Jahr bei 20000 Punkten.

Jetzt steht er bei ca. 11500 Punkten.


Muß mal gesagt werden, den er kocht auch nur mit Wasser.

Riet er nicht bei Brokat bei 6 Euro einzusteigen, da man da nicht mehr falsch machen könne?

Trotzdem halte ich diesen Herrn noch für einen der Fähigsten. Aufgrund seiner langen Erfahrung kann er sämtliche Jungfurzies, die meinen Analysten zu sein in der Pfeife rauchen.




Mfg     Reinyboy
Antworten
ecki:

@reinyboy : Nikkei

 
13.08.01 10:24
Opa Berneckers Moderatte(neu weil alter Tr.zuvoll) 391147www.technical-investor.de/scr/....asp?InstID=434165&Period=5Y" style="max-width:560px" >
Ich kenne zwar nicht die Nikkei-Analyse und bin auch sonst kein Fan von Bernecker, aber immerhin ist der Nikkei auf 21000 gewesen!
Immer fair bleiben. Hatte er recht oder nicht?
Antworten
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