Opa Berneckers Moderatte(neu weil alter Tr.zuvoll)


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cap blaubär:

Opa Berneckers Moderatte(neu weil alter Tr.zuvoll)

 
02.07.01 10:45
Hans Bernecker: Moderate Sommerrally
Mails/Nachrichten vom 02.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Chancen für eine moderate Sommerrally sind weiter gestiegen, obwohl New York etwas doppeldeutig geschlossen hat. Der Dow verlor 0,6 % und die zwei Nasdaq-Indizes schlossen mit +1,65 % bzw. +1,32 %. Der deutsche DAX müßte darauf freundlich starten. Man kann es auch so deuten, was ich tue: Der Dow ist wie ein Tanker. Er fährt nach Fahrplan, der sich an den Zinsen und den Konjunkturdaten orientiert. Der Nasdaq ist ein Schnellboot, das zickzack fährt, schnell, hektisch und von Zufällen begleitet. Das zeigen Ihnen auch die meisten Charts, die diesen Markt abdecken. Umstritten ist auch die amerikanische Zinssenkung mit nur 25 Basispunkten. Dazu ergänzend zur letzten AB, wo ich dies nicht ausführlich genug beantworten konnte:

Wenn die FED um nur noch 25 Basispunkte zurückgeht, so ist dies ein Signal dafür, daß sich die Konjunktur besser stabilisiert hat als vielfach erwartet wurde. Ich glaube zwar den aktuellen Zahlen noch nicht, weil mich lediglich die geglätteten Jahresraten interessieren. Ein Indiz ist es gleichwohl. Etwas anderes wäre es, wenn die FED deshalb vorsichtig agiert, weil sie Inflationspotentiale sieht. Dies ist zur Zeit nicht der Fall.

Es war in den letzten Wochen sehr schwierig für Sie, die Tiefstkurse einigermaßen auszuloten. Eine Reihe von Lesern beschwerte sich darüber, daß ich gewissermaßen jeden zweiten Tag eine Anpassung vornahm. Diese Flexibilität müssen Sie schon mitbringen, wenn Sie die Baisse ausloten wollen, die es in diesem Umfang, gemessen in Dollars, noch nie gegeben hat. Von Februar/März 2000 bis März dieses Jahres wurden an den amerikanischen Börsen rd. 3,5 Bill. $ "vernichtet", was zu einer entsprechend schwierigen Bodenbildung führt. Merken Sie sich diese Zahl bitte sehr genau, sie beträgt immerhin rd. 35 % des amerikanischen Bruttoinlandproduktes.

Wall Street konkret: Nach wie vor beste Markttechnik, sogar deutlich verbessert. A/D-Verhältnis am Freitag 1963:1117 am big board und 2320:1372 an der Nasdaq. Das Verhältnis new high/new low lag entsprechend bei 225:23 bzw. 166:50. Besser geht's nicht. Ergo:
Meine kurzfristige Einschätzung vom letzten Freitag klang vielleicht etwas sehr euphorisch, war aber richtig. Bitte denken Sie aber daran: Die hohe Volatilität bleibt vorerst bestehen. Jedem Kursgewinn folgt immer wieder eine Korrektur, so daß Sie an schwachen Tagen kaufen und keine Angst haben abzustürzen, weil die dargestellte Markttechnik das Ganze abstützt. In einem schwachen Markt wäre dies in der Regel weitaus gefährlicher. Wie sich die Potentiale rechnen, lesen Sie in der nächsten AB.

Frankfurt zeigt eine ganz ähnliche Markttechnik, nachdem im Nemax schon fast der Eindruck entstand: Der Letzte macht das Licht aus. Allerdings erscheint mir die völlig hilflose Reaktion der Börsenfunktionäre auf die Skandale und Skandälchen der Unternehmen nicht untypisch. Funktionäre sind keine Börsianer. Ich bleibe dennoch dabei, obwohl strafrechtliche Schritte in mindestens 35 - 40 Fällen dringend angesagt sind, aber nicht stattfinden, weil die Sachkenntnis der Beteiligten fehlt.

Am Neuen Markt ist es dennoch wert, auf die Perlen zu achten und sie herauszupicken. Das ist zwar auch etwas mühsam und noch schwieriger als an der Nasdaq, wird sich aber lohnen.

Zwei Aktien der Big-Boy-Klasse bestimmen m. E. in dieser Woche die Tendenz: Dt. Telekom und DaimlerChrysler. Winken Sie nicht müde ab. Ohne diese zwei als "Trendleader" gibt es keine Sommerrally. Ergänzend kommen dazu die zwei Chemietitel, die in den letzten Tagen völlig ungerechtfertigt abgebügelt wurden, aber relativ schnell einen Boden fanden. Konkret:

Nicht nur Dt. Telekom, sondern alle diese Titel in Europa werden jetzt ein Thema, nachdem zwei Dinge entscheidend sind: Die Entschuldung beginnt und die Umschuldung via Anleihen hat ebenfalls begonnen. Damit ist das permanente Downrating aller Titel zu 80 % erledigt. Die entsprechenden Verkäufe vieler Fonds sind ausgelaufen. Die Diskussion um die Jumbo-Anleihe von Dt. Telekom wird das ganze Thema in dieser Woche noch abrunden. Die Markttechnik zeigt Ihnen, wohin es geht. Bei der sehr hohen Gewichtung dieser Aktie im DAX ist damit auch ein Kursziel von 31/32 E. nicht unmöglich, sogar wahrscheinlich. Wie Sie das nutzen, lesen Sie am besten in der Terminbörse Daily, die ich Ihnen im letzten Ticker einmal kostenlos zur Probe angeboten habe. Zum Beispiel über Optionsscheine.

DaimlerChrysler hat den dritten Test oberhalb von 50 E. bestanden. Das Ganze sieht nun aus wie eine umgekehrte Kopf-Schulter-Formation. Jeder Fachmann weiß, was das heißt. Handicap dagegen:
Noch immer fallen die 200-Tagelinien für die wichtigsten großen Aktien, so daß der Spielraum vorerst relativ bescheiden bleibt. Hinzu kommt: In dieser Woche gibt es kaum bemerkenswerte Themen. Heute informiert Infineon in einer Telefonkonferenz über die Details der Kapitalerhöhung. VW wird Preiserhöhungen ankündigen und für einen Titel im Nemax, Höft & Wessel, wird es in der HV einige Details zur Restrukturierung geben. Diese Aktie steht in meiner Dispoliste für "NM".

Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenstart und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
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cap blaubär:

zarte Bohnenbildung

 
18.07.01 09:51
Hans Bernecker: Sanfte Bodenbildung bei den High-Techs
Mails/Nachrichten vom 18.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

das Risiko wird geringer, aber die Chancen steigen nur langsam. Dennoch bin ich höchst zufrieden, wie es läuft. Mit einem Satz: Der
durchaus sanften Konjunkturlandung entspricht die ebenso sanfte Bodenbildung bei den Qualitätsaktien der Technologie. Ich
überlege, ob ich Ihnen in den nächsten zwei Wochen die wichtigsten Charts auf der Seite 7 für die amerikanischen Titel darstelle. Sie
sagen mehr als viele Worte und viele Zahlen. Würden Sie jetzt das elektronische Kursblatt durchblättern, könnten Sie dies
nachvollziehen. Erneut ein Beweis, wie wichtig die Markttechnik ist, wenn es eine Menge Zahlensalat mit der Vorlage der
Halbjahreszahlen gibt. Ich wette, daß keine 3 % der Anleger wissen, wie diese Zahlen entstehen und wie sie zu werten sind. Zwei
Beispiele von gestern: General Motors meldet für das 2. Quartal einen um 74-%-(!)gesunkenen Gewinn. Eastman Kodak schaffte
immerhin minus 37 %. Dagegen glänzt Pfizer dank Viagra mit Superzahlen. Natürlich denken Sie daran, daß es sich um operative
Gewinne oder Verluste handelt. Wer das GAAP-Bilanzrecht nicht kennt, kommt damit einfach nicht klar. Einen anderen Stellenwert
hat die Aussage von Intel für die Gewinnentwicklung des laufenden Halbjahres. Mit einem Wort: Stabilisierung auf niedrigem Niveau.
Das ist ein Spiegelbild der oben beschriebenen Konjunkturlage. Hierfür wissen Sie: Vergessen Sie alle Zahlen bis September. Ab
Oktober werden sie aussagefähig. Interessant ist, was Bayer-Chef Schneider gestern in einem Interview (heute in der FAZ) gesagt

hat: Die Zeiten der Supergewinne in der Pharmazeutik sind vorbei. Ich hatte Sie frühzeitig vorgewarnt. Nach 25 - 28 %
Kursrückgang gebe ich noch keine Entwarnung, aber auch dies ist ein Beispiel für die sanfte Konjunkturlandung. Passen Sie jetzt vor
allem auf, wie sich Aventis verhält. Mit dem Verkauf der Agrochemie fällt die Entscheidung über Kasse machen oder nicht. Ich habe
darüber schon in der AB geschrieben. Indikativ ist auch, was IBM als Prognose gibt: Steigende Gewinne, wenn auch bescheiden. Es
geht also wild durcheinander, und ebenso wild habe ich es jetzt aneinander gefügt, um Ihnen die Gemengelage in den aktuellen
Informationen bildlich darzustellen.

Mein Rat für Sie: Schauen Sie sich an, wie die Zahlen aussehen und wie die Märkte anschließend reagieren. Darin erkennen Sie die
künftige Einschätzung insgesamt und damit die Gesamttendenz. Ich sehe deshalb keinen ganz dringenden Handlungsbedarf.
Andererseits ist es sehr wichtig zu beachten: Ich erkläre dies an einem Beispiel, hier Motorola: Der Boden lag bei 11,50 $, als alle
Welt diesen Mischling für Handy- und Chipproduktion wie eine heiße Kartoffel fallen ließ. Inzwischen knapp 18 $ und damit gut 50
% im Plus. Mehrere Wochen hatten Sie Zeit, zwischen 11 und 13,50 $ die Stücke einzusammeln. Bei Compaq läuft es nicht anders:
Zwischen 13,30 $ und 15,30 $ wird gesammelt. Ab 16 $ beginnt der erste Break. Dann bedarf es nur einer geringfügig positiven
Einschätzung und das Papier springt auf 19/20 $ und sogar 24 $. Das wären erneut die ersten 50 % und mehr. Dieses Spiel könnte
ich jetzt beliebig fortsetzen. Zeigen Sie, was Sie können und wie Sie Bottom-fishing mit ruhiger Hand und relativen vielen Limits
erfolgreich praktizieren.

Wall Street konkreter: Die gestrigen Gewinne sind eine Art Qualitätstest für die Korrektur insgesamt gewesen. Damit ist ein
Durchkippen nach unten höchst unwahrscheinlich geworden. Diese Gefahr bestand in den vergangenen drei Börsentagen. Allein in
Intel wurden gestern für 6,7 Mrd $ Aktien gehandelt. Die ersten 10 im Nasdaq brachten es auf ein Dollarvolumen von über 62 Mrd.
Was sagt das? Bei anziehenden Kursen steigt das Volumen. Das gefällt mir. Achten Sie in den nächsten Tagen darauf. Dazu schauen
Sie zwei Charts an, die ich auf der Seite 1 der kommenden AB abbilde. Sie müssen den Atem anhalten, wenn Sie beide miteinander
vergleichen.

Deutschland marschiert wohin die Wall Street geht oder den Weg weist. Die Abhängigkeit wird immer größer anstatt kleiner und ich
teile keineswegs die Ansicht vieler Analysten, daß das Schwergewicht der Investments in Europa liegen sollte. Umgekehrt ist es
richtig. Das Verhältnis zwischen New York und Europa hinsichtlich der Potentiale z.B. in den Technikaktien liegt bei mind. 3:1, wenn
nicht 4:1. Auch deshalb: Die Relation der relevanten Titel liegt bei 6:1. Es gibt also wesentlich mehr Chancen am Big Board/Nasdaq
als im Vergleich in Frankfurt, Paris oder Zürich. Die anderen Euromärkte kann man ohnehin fast vergessen. Kein Markt bietet z.Zt.
mehr als 5 - 10 Topwerte, die sich als Kauf aufdrängen.

Ein Wort zum Neuen Markt aus aktuellem Anlaß: Gestern bot GE für Kretztechnik 17 E. Das sind 100 % über Tiefstkurs. Ein
Beispiel dafür, wie erstklassige Technik solcher Firmen nun auch von Konzernen eingeschätzt wird. Mindestens 20 solcher Titel gibt
es im "NM". Ich bin deshalb nicht mehr der Meinung, wahllos verkaufen zu müssen. Probleme habe ich lediglich mit der aktuellen
Markttechnik, aber nicht mit der Qualität solcher Technikwerte. Wer also in diesen Werten engagiert ist, bleibt es, auch wenn es
wenig erfreulich ist, die täglichen Rekordtiefs mitzuerleben. Beachten Sie dazu sowohl die letzte AB mit meiner Abstinenzerklärung für
Käufe und die nächste AB mit den deutlichen Abgrenzungen. Nicht untypisch allerdings: Ich führte gestern ein Telefongespräch mit
einem Vorstandsvorsitzenden eines immer noch hoch bewerteten Unternehmens im Nemax 50. Es ging um die Frage, wie die Börsenkapitalisierung für seine Firma aussehen könnte. Er beteuerte: "Aber wir machen doch einen Superjob", was ich bestätigte. So fragte ich ihn, wie er seinen Umsatz in Qualität und Ertrag
einschätzen würde. Darauf gab es keine Antwort, weil er sie nicht wußte. Er hatte auch noch nie darüber nachgedacht, wie er
gestand. Kann es sein, so fuhr ich fort, daß eine 10fache Umsatzbewertung tragbar ist, die ursprünglich auch mal bei 30 lag. "Na ja,
wenn Sie meinen", war die Antwort. Der Mann ist ein hochgradiger Techniker und macht zweifellos ein hervorragendes Produkt.
Aber über die Börsenbewertung seines Unternehmens wußte er nichts, obwohl er selbst mit knapp 10 % daran beteiligt ist. Es klaffen
also effektive Zahlen zum einen und Wunschvorstellungen zum anderen extrem auseinander, was von den vielfach begleitenden
Banken noch immer nicht korrigiert ist.

Meine Empfehlung: Halten Sie sich aus allen Medien- und Film-Titeln und sonstigen Dienstleistern fern. Die Nachhaltigkeit der
Erträge ist bei diesen Firmen einfach nicht darstellbar. Fragwürdig ist auch die Praxis der Bank Vontobel, Zürich, die gestern United
Internet nach 10 % Kursverlust flugs zum Kauf empfahl. Dazu muß man wissen: Vontobel war einer der Börsenbegleite dieses
merkwürdigen Konglomerates von Internet-Firmen, die nun schon über 95 % Kursverlust hinter sich haben.

Trotz allem wünsche ich Ihnen also einen erfreulichen, wenn auch keinen unbedingt hausseträchtigen Börsen-Mittwoch.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 



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cap blaubär:

Zahlenfluch

 
19.07.01 09:31
Hans Bernecker: Zahlenflut
Mails/Nachrichten vom 19.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
wenn die Gewinne um 94 % oder 74 % oder in ähnlichen Größenordnungen im 2. Quartal oder 1. Halbjahr abgestürzt sind, kann man natürlich schon das
Grausen bekommen. Das alles können Sie jeden Tag im Dutzend aus New York hören. Daß daraufhin auch unkontrollierte Reaktion zu erwarten sind, liegt
auf der Hand. Am Beispiel von AMD: Die Gewinnwarnungen kannten Sie, die voraussichtlichen Gewinne im kommenden Jahr werden etwa bei 1 $ je Aktie
liegen, was aber nur eine erste Schätzung ist. AMD hat 316 Mio ausstehende Aktien, und ich lese in der heutigen Statistik einen Umsatz von 155 Mio
Stück am gestrigen Tag. Wenn diese Zahl stimmen sollte, wechselte also rund die Hälfte des gesamten Aktienkapitals die Hände. Diese Zahl ist ohne
Gewähr, aber Sie können sie im Kursblatt überprüfen. Das zeigt Ihnen ferner, was im Moment im Markt läuft. Mithin:

Die überkapitalisierten Titel sind nach wie vor das akute Problem. Gestern war diesbezüglich Siebel Systems dran. Absturz um 20 %, was gleich mal rd. 4
Mrd $ ausmacht. Ich hatte in den letzten ABs schon darauf hingewiesen: Die Tiefstkurse vom März sind die Meßlatte. Unterbietet der eine oder andere
dieser Titel diesen Tiefstkurs, geht es um den sog. fairen Wert. Den hatte ich schon mehrfach beschrieben, z. B. für Cisco bei 10 - 12 $ oder für Dell
um 18/19 $ bzw. Oracle um 10 - 12 $, um nur einige zu nennen.

Wie entstehen diese riesigen Verluste? Ich werte die Zahlen im Moment aus und werde in der nächsten oder übernächsten Woche in der AB darüber

berichten. Vorab schon jetzt: Ein großes Problem stellen die Abschreibungen des Goodwill dar. Diese Goodwill-Abschreibungen beruhen darauf, daß Firmen
zu Preisen gekauft worden sind, die wesentlich überteuert waren. Bezahlt wurde bekanntlich nicht in bar, sondern mit eigenen Aktien. Der Anteil des
Goodwills an solchen Einkäufen lag teilweise bei 90 %, im Einzelfall sogar bei 97 %. Das ist eigentlich nicht faßbar und für deutsche Verhältnisse auch
schwer nachvollziehbar. Muß nun eine solche Beteiligung abgeschrieben werden, schlägt das voll auf die Ertragsrechnung durch. Doch dies ist kein
Verlust im Sinne von betrieblichen Verlusten, sondern ein Aufwand und keine Ausgabe. Die Qualität solcher Verlustmeldungen, wie oben zitiert, ist also
sorgfältig zu überprüfen. Ich werde Ihnen dies ebenfalls in den nächsten Briefen näher erläutern. Konsequenz für Sie:

Schauen Sie sich das ganze Spektakel an, aber Handlungsbedarf besteht noch nicht. Greenspan bestätigte gestern zudem, was ich schon avisiert hatte:
Eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte ist drin und dem wird auch die EZB folgen.

In Europa ist heute SAP- und Nokia-Tag. Ich bin gespannt. Immerhin kam heute morgen schon über die Nachrichten die Schätzung für SAP: +20 % im Umsatz und
+78 % im Gewinn. Das wäre in der Tat enorm, sehr positiv, ändert aber nichts an der Frage, ob der Börsenwert zu hoch ist. Also das gleiche Thema wie bei
anderen: Auch hervorragende Zahlen führen nicht daran vorbei zu prüfen, ob eine Kursübertreibung noch immer vorliegt. Heute nachmittag um 17.00 Uhr
äußert sich übrigens SAP-Chef Plattner in Bloomberg. Für Nokia geht es um die Frage, ob mein Kursziel von 15/16 E. noch erreicht wird oder nicht.
Differenz bis dahin rd. 4 E. Dann allerdings gilt: Nokia wäre gelandet. Auf dieser Basis ist Nokia also ebenso ein Kauf wie es bei 63 E. ein Verkauf
war.

Größtes Unbehagen habe ich weiterhin in Sachen "Banken". Die eklatante Marktschwäche läßt sich nicht nur mit der Frage der strategischen
Ausrichtungen erklären. Ein Markt, der in dieser Weise "erodiert", hat eine andere Schwachstelle, worauf ich schon sehr diskret hingewiesen habe. Nicht
Argentinien und die Türkei sind wichtig, sondern ich schaue mit größtem Mißtrauen auf die Finanzmärkte in Osteuropa, speziell Polen. Hinter den
Bewegungen des Zloty zum einen und der Zinstaktik der dortigen Notenbank zum anderen stecken mehr, als in den Medien berichtet wird. Ich habe den
Eindruck, daß alle Beteiligten schlicht die Augen zumachen. Das Ganze erinnert fatal an Südostasien 1997. Bitte erinnern Sie sich daran. Kommt es
zu irgendwelchen Problemen, dann blitzartig, wie aus heiterem Himmel und dann stehen die deutschen Banken mitten im Regen. Solche Krisen lassen sich
aus Umständen heraus vermuten, aber sie lassen sich natürlich nicht definitiv beschreiben. Ich empfehle Ihnen dennoch, darauf einen besonderen
Blick zu werfen.

Von den Informationen her gesehen erwarte ich heute keine größere Überraschungen. Die zwei Genannten sind allerdings Eckwerte. Darüber morgen
mehr. Sofort handeln müssen Sie ohnehin nicht.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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cap blaubär:

hinteruns???(nun inner richtigen Rubrik)

 
20.07.01 10:35
Hans Bernecker: Die schwierigste Woche liegt nun hinter uns
Mails/Nachrichten vom 20.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen meine Damen und Herren,
"Europa inspiriert Wall Street", ist eine der Überschriften in der heutigen Presse (Süddeutsche Zeitung). Das zeigt Ihnen, wie verwirrt die Gemüter nach den letzten Kursrückgängen geworden sind. Immerhin ist aber die wohl schwierigste Woche der letzten Zeit heute beendet. Die wichtigsten Firmendaten sind bekannt. Noch ein paar Nachzügler gibt es, aber sie werden das Bild nicht wesentlich ändern. Denn, wie ich Ihnen schon schrieb:

Nehmen Sie die Gewinneinbrüche fast aller Firmen, insbesondere der amerikanischen, als eine reale Begleiterscheinung nicht nur der Konjunktur, sondern der Folge der Überbewertungen. Das Ganze ist ein Bilanzproblem und für viele nicht nachvollziehbar, hat aber zur Folge, daß nach meiner Schätzung damit 80 % aller Ertragsrisiken eliminiert sind. Erstaunt bin ich, daß sich mit diesem Thema bisher keine deutsche Zeitung beschäftigt hat, um dies zu erklären. Grundlinie für Sie: Schauen Sie nicht auf die Gewinnzahlen, sondern auf das tatsächliche operative Geschäft.

Glanzpunkte, wie sie SAP setzt, sind noch eine Ausnahme. Ich bin beeindruckt, was SAP geleistet hat. Stets war ich auch der Ansicht, daß die Walldorfer einen Super-Job machen. Schaut man die Zahlen genauer an, wird alles etwas bescheidener, dennoch sehr gut. Die Börse hat dies gestern mit rd. 9 % Kurssprung belohnt. Einige Analysten werden ihre Prognosen wieder anheben, wie immer. Ob daraus eine wirkliche Rally in SAP entsteht, versehe ich mit Fragezeichen. Die Gründe sind bekannt. An dieser Stelle besteht die Brücke zu den Amerikanern. Wichtig wird nun die operative Ertragslage für solche Titel wie Oracle, Microsoft, Siebel und auch Sun Microsystems. Hier ist ebenfalls die beschriebene Bereinigung der Ergebnisse zu beachten.

In den nächsten 2 Briefen inkl. dem heutigen zeige ich Ihnen bewußt die Markttechnik der meisten Hochtechnologie-Titel, die einen ganz ungewöhnlichen Verlauf zeigen, weil sie alle identisch sind und alle das Softlanding der amerikanischen Konjunktur beschreiben oder begleiten und dabei eine riesige Talsohle bilden. Ich kann mich nicht erinnern, daß eine derartige Parallelität aller relevanten Aktien in dieser Form bestanden hat. Es ist unschwer daraus zu entnehmen, was auf Sicht von 2 - 3 Jahren in
diesen Aktien steckt. Das wird eine höchst interessante Entwicklung und ich schreibe Ihnen dies auf dem Tiefstpunkt der Psychologie, wie Sie in vielen Berichten zum Ausdruck kommt.

Wall Street konkret: Viel tat sich gestern nicht. Die Plusbewegungen überwiegen, aber sie überzeugen mich noch nicht. Die bekannten technischen Relationen bestätigen es. Das Ganze ist eher wie ein kleiner Teil der Stabilisierung des Gesamtmarktes zu sehen. Nokia ist dafür so eine Art generelles Beispiel, weil New York gestern ebenfalls auf Nokia schaute. Was ist darüber schon alles geschrieben worden. Die vorgelegten Zahlen signalisieren, was logisch ist: In einem Markt, der einer langsamen Sättigung entgegengeht, erodiert die Marge. Tut sie dies, sind Überbewertungen nicht möglich. Auch 40 % Marktanteil, wie gestern geäußert, bringen nicht mehr. An meiner Einschätzung ändert sich deshalb nichts, obwohl ich auch hierfür betone: Nokia ist ein Super-Unternehmen, hat aber genau die Schwachstelle, die ich bereits früh genannt hatte: Nokia muß die Marktposition im neuen Geschäftsfeld Ausrüstung mit enormen Konditionen gegenüber den Kunden erkaufen. Das wird teuer. Die Alternativen liegen hier in Ericsson und Alcatel und sogar Nortel auf aktuellem Niveau. Daran halte ich unvermindert fest.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Antworten
cap blaubär:

das Wort zu Montag

 
23.07.01 09:45
Hans Bernecker: Woche der Wahrheit, 2. Teil
Mails/Nachrichten vom 23.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Woche der Wahrheit geht in die zweite Runde. Nach der Vorlage etwa 30 % aller amerikanischen Unternehmenszahlen in der letzten Woche gibt es in den nächsten Tagen noch einige wichtige Meldungen, die Akzente setzen werden. Bis diese alle vorliegen, werden die Märkte keine nachhaltige Tendenz beginnen. Nichtsdestotrotz werden wir nach dieser Woche wesentlich klarer sehen können. Am wichtigsten:

Heute abend kommen die Zahlen von Amazon.com. Für das II. Quartal rechnet man mit einem Verlust von 0,22 Cents je Aktie bei einem Umsatz von knapp 680 Mio $. Entscheidend ist, ob der Ausblick dahin geht, daß der Internet-Händler weiterhin dabei bleibt, daß in diesem Jahr operativ eine schwarze Null erwirtschaftet wird. Ein falsches Wort heute abend nach Vorlage der Zahlen und der Markt kriegt sofort seinen ersten Schlag. Sachlich ist Amazon für die Börsentendenz in den USA nebensächlich, aber psychologisch nun mal von großer Bedeutung.

Gespannt bin ich auf die Zahlen meiner beiden "Sorgenkinder" Lucent Technology und Xerox, die am Dienstag bzw. Mittwoch ihre Zahlen vorlegen. Lucent rechnet mit einem Verlust von 21 Cents je Aktie bei einem Umsatz von knapp 6,2 Mrd $. Über's Wochenende kristallisierte sich heraus, daß der Telekommunikationskozern für 2,75 Mrd $ sein Glasfasergeschäft an den japanischen Furukawa Electric Konzern verkaufen wird. Damit steht die mittelfristige Finanzierung des Turn arounds auf soliden Beinen. Der Kurs sprang bereits bis auf knapp 9 E. an, der Turn around läuft.

Xerox rechnet mit einem Verlust von 10 Cents je Aktie gegenüber einem Gewinn von 27 Cents im letzten Jahr, bleibt aber ebenfalls dabei, spätestens im IV. Quartal wieder mit Gewinn zu arbeiten. Der Kurs notiert zwischen 9 und 9,50 E. und liegt damit zwar gut 100 % über dem Tief vom Januar, aber noch deutlich unter dem Zwischenhoch bei 12,90 E. Beide Titel werden wichtige Indikatoren in dieser Woche für die Fähigkeit großer Adressen, ihren Turn around zu schaffen. Ansonsten gibt es noch Zahlen von Mc Donald's, Compaq und Worldcom, die unter anderem für Schlagzeilen sorgen werden.

Zurück nach Deutschland: Die Korrektur beim Halbjahresergebnis von SAP ist für mich indikativ. Zunächst einmal verwundert es, warum sie keine 2 Tage nach Vorlage der Quartalszahlen nachgereicht wird. Das Problem liegt in den Abschreibungen auf Beteiligungen, in diesem Falle Commerce One. 90 Mio E. müssen im Halbjahr abgeschrieben werden, wodurch der Nettogewinn von 323 Mio E. auf 233 Mio E. schrumpft. Die Bewertung des Gewinns spitzt sich damit noch weiter zu. Näheres dazu im Brief dieser Woche.

Auf die Zahlen von Siemens darf man gespannt sein. Sie werden übermorgen vorgelegt und dürften die Tendenz im DAX deutlich bestimmen. Der Kurs sieht nach wie vor sehr anfällig aus. Hier sind jederzeit 49 - 50 E. gegenüber derzeit 60 E. drin. Keine Katastrophe, aber für das Gesamtmarktbild natürlich nicht toll. Mit den Zahlen von DaimlerChrysler bin ich zufrieden, denn sie bestätigen meine Einschätzung seit Anfang des Jahres. Näheres dazu ebenfalls im Brief dieser Woche. Nur so viel vorab: Kommt der Kurs über die 58 E. hinaus, wird es eine Flut von Käufen geben, die den Kurs dann bis knapp 61/62 E. treiben.

MLP beginnt seine Karriere im DAX mit einem KGV von 109 für 2001 und 83 für 2002. Da kann ich nur sagen: Viel Spaß. Die nächste Achillesferse für den Index ist damit installiert. Kommt es hier zu einer Bewertungsanpassung, die es letztendlich auch geben wird, ist dies für die positive Tendenz des Index natürlich nicht förderlich. Ich bin mal gespannt, wie Banken es gegenüber ihren Kunden rechtfertigen, nach der Baisse der letzten 1 1/2 Jahre nun einen DAX-Titel mit einer derartigen Bewertung zu empfehlen.

Insgesamt: Ich bleibe bei meiner Linie und halte mich mit großen neuen Käufen zunächst zurück. Am Freitag kommen auch noch die Zahlen der amerikanischen Konjunktur für das I. Halbjahr. Ich rechne hier mit einer Überraschung insofern, daß sie wahrscheinlich wesentlich besser aussehen werden, als die allgemeine Stimmung und Kommentierung in der Presse derzeit vermuten läßt.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Bernecker

Antworten
cap blaubär:

Freitagsnachbrenner(unschön)

 
23.07.01 09:47
Ergänzend zum heutigen Ticker, Stand 10.30 Uhr. Unabhängig von den neueren Zahlen von Nortel oder Ericsson, aber auch Elektrolux: Die Gesamtverfassung der Märkte, also insbesondere am Euro-Kapitalmarkt für Bonds, die dahinterstehenden Transaktionen in den Währungen Osteuropas, insbesondere Zloty, und der Nachrichtenstand von heute morgen aus Warschau erinnern sehr an die Situation in Südostasien vor 4 Jahren. Ich machte kürzlich, wenn auch vorsichtig, in der AB darauf aufmerksam. Das Ganze mißfällt mir sehr. Hauptgrund: Polen hat ein Leistungsbilanzdefizit von annähernd 9 % des BIP, welches zu 80 % kurzfristig finanziert ist, wobei die deutschen Geldgeber absolut dominieren. Ich möchte nicht orakeln, aber: Wenn in dieser Situation kurzfristiges Geld zurückgezogen wird, ist der Crash da. Die Labilität der deutschen Bank-Aktien, die sich fundamental in dieser Weise nicht mehr erklären, sehe ich in diesem Zusammenhang. Ich hatte auch heute in der AB dies ebenfalls schon angedeutet. Ich möchte kein Öl ins Feuer gießen, aber erwähnt muß es sein.
Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 
Antworten
cap blaubär:

Papa am urlauben???

 
24.07.01 09:46
Hans Bernecker: Deutschland ohne eigene Tendenz
Mails/Nachrichten vom 24.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen meine Damen und Herren,

die Impulse kommen vom Ausland und der deutsche Markt hechelt nur hinterher. Bisweilen ist keine eigene Tendenz am deutschen Markt erkennbar. Die Schwäche an der Wall Street von gestern abend hänge ich nicht so hoch. Die 2000er Marke im Nasdaq ist bestenfalls eine psychologische Größe, liefert aber inhaltlich keine neuen Erkenntnisse. Sowohl an der Nasdaq als auch am Dow wird die Nervosität für den Rest der Woche mit Sicherheit anhalten. Vor den Zahlen zum Verlauf der amerikanischen Konjunktur im I. Halbjahr am Freitag wird sich keiner groß aus dem Fenster hängen. Insgesamt wartet man ab, was man auch am geringen Handelsvolumen am New York Stock Exchange gestern erkennen konnte. In der Bandbreite zwischen 10 300 und 11 000 Punkten liegt der Dow Jones in ziemlich neutralem Terrain. Das gleiche gilt für den Nasdaq in der Bandbreite 1900 - 2200 Punkte. Ein großes technisches Signal gibt es erst, wenn die Bandbreiten nach oben oder nach unten verlassen werden. So weit ist es noch nicht. Parallel dazu:

Der Nikkei testet wirklich die Nerven aller Marktteilnehmer. Mit knapp 11 600 liegt er nicht nur auf dem Niveau vom April, sondern auch auf einem 16 Jahres-Tief. Heute morgen war die Tendenz etwas fester, aber es ist noch zu früh für eine Entwarnung. Gleichwohl entpuppen sich die 11 600 als doppelter Boden. Gibt es anschließend eine kräftige Erholung, die über 14500 laufen kann. Diese schließe ich für das laufende Quartal nicht aus. Nach wie vor dominiert aber die Technik, während die politischen und ökonomischen Gegebenheiten des Landes schwer einschätzbar bleiben. Wie bewegt sich in dem Umfeld der deutsche Markt?

Rechnen Sie im Verlauf der Woche mit keinen tollen Erkenntnissen. Achten Sie vielmehr auf die Einzeltitel, als auf den Index insgesamt. Meine Skepsis zu den Banken wird zwischenzeitlich von einigen amerikanischen Studien bestätigt. Sie rechnen mit einer deutlichen Erhöhung der Rückstellung für faule Kredite, die das Ergebnis für das Gesamtjahr noch belasten werden. Das ist ein weiterer Ansatz für die markante Schwäche der Banken, wie kommentiert.

Die Gerüchte um die Spekulation von Hedge Fonds gegen den DAX-Neuling MLP wundern mich nicht. Bei der Bewertung liegen Leerverkäufe gegen die Aktie schon auf der Hand. Der Vorstand sieht dies noch gelassen, und verweist auf seine 30 %ige Wachstumsrate als Begründung und Rechtfertigung für den hohen Kurs bzw. die hohe Bewertung. Dasselbe hat Kamps vor einem Jahr auch noch gesagt. Was daraus wurde, konnten Sie vergangene Woche sehen. Rutscht der Kurs von MLP unter die 96 E., wird es kritisch. Dann liegt die nächste Zielgröße für die Techniker bei knapp 50 E., dem Kurs vom Oktober 1999. Dies entspräche immer noch einer Bewertung in der Größenordnung von 45 - 50fachem Gewinn, also mit Sicherheit nicht billig. Man darf gespannt sein.

Mit Henkel werde ich mich diese Woche neu beschäftigen. Die Diskussion um den Verkauf der Chemiesparte Cognis konkretisieren sich weiter. Daß statt eines Chemie-Konzerns als Käufer eine Finanz-Gruppe in Frage kommt, macht Sinn. Ein Kaufpreis in der Größenordnung von 3 - 3,5 Mrd E. wäre ein hervorragendes Geschäft für Henkel, deren Börsenwert derzeit bei knapp 10,5 Mrd E. liegt. Erstaunlich ist der Kursverlauf der Henkel-Vorzüge. Er zeichnet sich durch absolute Stabilität in einem sehr schwachen Marktumfeld aus. Welche Perspektiven sich ergeben, wenn Cognis verkauft wird, werde ich in den nächsten Ausgaben beschreiben. Nur auf der jetzigen Basis sind Zukäufe auf jeden Fall sinnvoll.

Lassen Sie sich von der Volatilität in den Indizes nicht zu stark beirren. Die Aussagekraft der Indizes ist durch die abwartende Haltung vieler Marktteilnehmer deutlich reduziert. Hängen Sie das Ganze also nicht zu hoch und ziehen Sie nicht die falschen Schlüsse.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel A. Bernecker
 
Antworten
cap blaubär:

Überraschung!!!!!(Opa wann kommste wieder????)

 
30.07.01 09:42
Hans Bernecker: Stabile Kurse trotz Hiobsbotschaften
Mails/Nachrichten vom 30.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

brauchbare Zahlen zum Start der Börsenwoche: Die Konjunkturzahlen aus den USA sehe ich positiver als derzeit von der Presse kommentiert. Ich werte sie wie folgt: 0,7 % Wachstum im abgelaufenen Quartal bedeuten 1 % Wachstum für das Halbjahr. Prognostiziert für das Gesamtjahr werden 1,5 %, was eine Beschleunigung um durchschnittlich 2 % unterstellt. Damit wäre das Softlanding der US-Konjunktur vollzogen. Aus der Berichterstattung der Presse entnehmen Sie dies nicht, wohl aber aus den Charts der sogenannten "Krisenunternehmen" aus der High-Tech-Branche. Im Grundsatz gilt dort, stabile Kurse trotz Hiobsbotschaften. Das zeigt, wieviel im Kurs enthalten ist. Ich werde eine ganze Reihe solcher Titel in dieser Woche vorstellen. Darin liegen die Chancen per 2002.

Nachdem 400 der S&P 500-Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt haben, sieht die Bilanz wie folgt aus: Der durchschnittliche Gewinnrückgang liegt derzeit bei 17 %. Bei den Technologie-Unternehmen für sich brachen die Gewinne durchschnittlich um 60 % ein. Darin enthalten die massiven Abschreibungen, wie letzte Woche bei JDS Uniphase in Höhe von über 50 Mrd Dollar Verlust zu sehen. Dieser Negativrekord wird nicht lange halten, weitere werden folgen. Sie sind ein Teil der notwendigen Marktbereinigung.

Zur japanischen Wahl läßt sich wenig sagen. Dem Markt brachte es offensichtlich wenig Erkenntnis, sonst wäre der Nikkei nicht nochmal eingebrochen. Erstaunlich ist aber die Reaktion des Yen. In den letzten 2 Stunden fiel er von 108 Yen je Euro auf 109 Yen. Das hört sich wenig dramatisch an, sind aber Welten. Damit liegt die nächste Zielgröße nun bei 113 Yen je Euro. Dies ist um so verblüffender als sich der Yen gegenüber dem Dollar um die 124,70 Yen stabil hält. Wer einen Yen-Kredit hat, kann sich nun freuen.

Die Futures heute für die US-Märkte sind eher schwach. Ich rechne damit, daß sie im Laufe des Tages ins Positive drehen. Entsprechend wird auch der Tagesverlauf im DAX ausfallen. Schwacher Start mit anschließender Erholung bis zur Öffnung in New York. Das Muster in bekannt. Problematisch bleibt nach wie vor das geringe Volumen im Handel. Es erschwert die Aussagekraft des Marktes insgesamt, aber:

Morgen gibt es die Zahlen von der Deutschen Telekom. Ich rechne mit einer Überraschung und schaue gespannt auf den Kurs. Dieser Titel hat Signalwirkung. Springt er an, sind schnell 28 bis 30 Euro erreicht. Das zieht dann den Gesamtmarkt mit. Übrigens nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Märkten, wo die internationalen Telekomtitel alle einen ähnlichen Kursverlauf aufweisen, wie Deutsche Telekom in Frankfurt.

Mit freundlichen Grüßen

D. Bernecker
 
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cap blaubär:

Saftlandung(jippi Opa ist zurück ausn Urlaub)

 
31.07.01 10:32
Hans Bernecker: Perfektes Soft-Landing der US-Konjunktur
Mails/Nachrichten vom 31.07.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

offensichtlich schlägt sich die Sommerhitze auch auf die Gemüter der Börsen nieder. Vor den heute anstehenden Telekom- und Metro-Zahlen und der von vielen Marktteilnehmern als unklar definierten Wirtschaftslage der USA konnten die Kurse gestern in Frankfurt lediglich aufgrund des im Sommer typisch niedrigen Handelsvolumens zulegen. Dennoch:

Ich hatte schon vor einigen Wochen darauf hingewiesen, daß eine konjunkturelle Erholung in den USA erst im 4. Quartal „sichtbar“ wird, also die Zahlen diese bestätigen. Dies bedeutet aber auch, daß der Aufschwung schon im 3. Quartal auf Touren kommt, auch wenn dies noch nicht zu spüren ist. Die sanfte Landung der amerikanischen Konjunktur läuft also m. E. perfekt. Die Wachstumsrate wurde von 4,5 % auf 1,5 % zurückgeführt, jeweils als Jahresrate berechnet. Der Stabilisierungsboden ist damit erreicht. Was Sie jetzt an der Wall Street sehen und hören, sind die letzten Meldungen des Abschwungs. Die Ausgangslage:

Über drei Viertel der US-Unternehmen haben bis Ende letzter Woche ihre Ergebnisse des zweiten Quartals vorgestellt. Damit ist weitgehend die Luft aus den Börsen-Überraschungen raus. Im Durchschnitt stürzten die Gewinne im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent ab. Interessant ist die Erkenntnis, daß die Kurse teilweise nicht so stark eingebrochen sind wie die Gewinne: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im S&P500 liegt jetzt bei 29,9, während es in der ersten Jahreshälfte noch bei durchschnittlich 24,8 Prozent lag. Dies verunsichert auch die Analystengilde in den USA. Was sie nicht sehen: Die Börse interpretiert den Rückgang der Gewinne nicht als andauernde Schwäche, sondern als notwendige einmalige Korrektur wie beispielsweise auf die hohen Lagerbestände. Ich hatte dies in der Actien Börse mehrfach kommentiert. Es besteht mithin also kein Grund für die Angst, daß die Tiefstkurse vom März nochmals getestet werden.

Charttechnisch zu beachten: Der S&P 500 kämpft mit dem Ausbruch aus dem Abwärtstrend. Er sieht also noch besser aus als der eher neutrale Dow Jones oder der NASDAQ. Dies bestätigt meine obige Aussage, daß im breiteren Markt bereits wieder mehr gekauft als verkauft wird.

In Frankfurt werden zumindest Zeichen gesetzt: MLP verliert weiter an Wert, nachdem nun die Überwertung in Frage gestellt wird. Schön, daß dies immer nach einer Aufnahme in den DAX passiert und nicht vorher! Kein Engagement.

Termine heute: Wie schon erwähnt, gilt Ihre Aufmerksamkeit heute der Telekom und der Metro. Nach Börsenschluß gab die Telekom gestern noch bekannt, daß der Börsengang der T-Mobile bis auf weiteres verschoben wird. Kein Zeugnis für ein selbstbewußtes Auftreten im Markt, aber beispielhaft für die große Angst und Zurückhaltung, die derzeit in Frankfurt zu spüren ist. Selbst positive Zahlen wie gestern von VW oder MAN fanden in den Kursen keine Resonanz. Ich rechne dennoch mit einer technischen Reaktion seitens der Telekom, da dieser Wert Signalwirkung hat.

Und zu Japan: Der Nikkei spielt Yo-yo und interpretiert die Unsicherheit zum Wahlausgang einerseits, der Rezessionsgefahr andererseits. Ich ziehe dann Konsequenzen, wenn die technische Lage sich deutlich verschlechtert, der Boden um 11.600 also nicht hält. Plus 281 Punkte heute morgen sprechen eher für eine Bodenbildung. Abwarten und Nerven zeigen.

Fazit: Wenn die Stimmung auf dem Tiefstpunkt angelangt ist, ist der turn-around nicht fern. Dies ist kein Thema von Tagen, sondern eher Wochen oder Monaten. In der Zwischenzeit gilt es, schon jetzt einzelne Titel zu überprüfen und zu überlegen, wo Käufe Sinn machen. Dies erfordert Zeit, Geduld und eine kritische Betrachtung der Situation. Wer sich nun also die Zeit nimmt, in der Sonne zu liegen und darüber nachzudenken, was in den letzten 24 Monaten alles passiert ist und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, wird sich im Winter über das Ergebnis freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans A. Bernecker  
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kalle4712:

Danke Bärchen ...

 
31.07.01 10:36
... für Deine regelmäßig guten Beiträge.

Markt- und Trendeinschätzungen sind genau das, wonach ich suche.
Antworten
cap blaubär:

nachobentoben(wiedern Vertreter vom Opa)

 
01.08.01 10:16
Hans Bernecker: Markt will nach oben
Mails/Nachrichten vom 01.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten morgen, meine Damen und Herren,
die Urlaubssaison geht auch an unserem Haus nicht spurlos vorüber. Sie merken es an den (leider wechselnden) Redakteuren dieses Tagesberichtes. Dennoch der Blick auf die Märkte:

Die gestrige Tagestendenz in den USA ist sprichwörtlich für die kurzfristige Tendenz. Gestern wurde eine ganze Reihe von wichtigen Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Der Markt pickte sich die Guten heraus und machte daraus ein Plus von 1,16 % im Dow Jones, 0,56 % im S&P500 und 0,46 % an der Nasdaq. Daran ist deutlich abzulesen, daß der Markt die Erholung will. Dies ist zunächst nur eine Zwischenerholung, anschließend muß weiter disponiert werden. Zumindest aber stimmt die Richtung, was die positive Meinung unseres Hauses untermauert und stützt. Bitte beachten Sie das Ausmaß der jeweiligen Gewinne in den US-Indizes: Die Zeiten, wo High Tech immer die Pole Position belegte, sind vorerst vorbei. Achten Sie darauf, daß auch Ihr Depot die entsprechende Gewichtung hat. High Tech darf nicht fehlen, sollte aber kein Übergewicht darstellen und auf keinen Fall das ganze Depot ausmachen. Die Fakten:

Die Stimmung in der US-Industrie und auch bei den Konsumenten hat sich im Juli verschlechtert. Der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago fiel im Juli auf 38,0 von vorher 44,4 Punkte. Erwartet waren 43,8 Punkte. Sie wissen: Werte unter 50 deuten auf eine rückläufige Wirtschaftstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe hin. Der Index für den Auftragseingang fiel ebenfalls stark zurück von 45,6 auf nunmehr 38,0 Punkte, der Beschäftigungsindex von 35,6 auf 32,3 Punkte. Das Verbrauchervertrauen (vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelt) fiel von 118,9 auf 116,6 Punkte. Hier hatte die Erwartung bei 117,5 gelegen. Nach diesen Daten alleine, hätte der Tag gestern auch rabenschwarz ausfallen können, deuten sie doch nicht im Geringsten eine Stabilisierung der amerikanischen Konjunktur an! Es ist also kaum verwunderlich, daß sich zumindest am Devisenmarkt eine negative Reaktion für den Dollar ergab. Der rettende Strohhalm waren die Konsumentenausgaben, die im Juni um 0,4 % zulegten, was über der Erwartung von 0,3 % lag. Hieran ist deutlich abzulesen, wer den Ton in der US-Wirtschaft angibt – die Verbraucher. Dies ist nachvollziehbar, stehen sie doch für etwa zwei Drittel der Wirtschaftsleistung und stellen in der gegenwärtigen Ergebnisschwäche der Unternehmen den einzigen Stützungsfaktor dar.

Zu den Aktien: Positive Meldungen werden auch bei Unternehmen begierig vom Markt aufgenommen, so geschehen bei Dupont, die die Kaufabsicht für ein Vertriebsnetzwerk in Puerto Rico bekanntgaben. Als Grund für den 2,9 %-igen Anstieg ist diese Meldung völlig untauglich und steht vielmehr für ein generelles Kaufinteresse des Marktes. Auch Branchenkollegen zeigten sich fest. Ich würde dennoch tendenziell nicht kaufen und halte dies mehr für ein Tagesereignis als für einen neuen Trend. Von den positiven Daten zu den Verbraucherausgaben profitierten Einzelhandelsaktien. Einige Aktien profitierten von positiven Analystenkommentaren, so Cisco Systems (gestern der „Most Active“ an der Nasdaq) und Philip Morris.

Zum deutschen Markt: Der deutsche Markt wirkt verunsichert und hat wie gewohnt keine wirkliche Eigentendenz. Immerhin reichte es gestern noch für ein Plus und damit Befestigung über die Marke von 5.800 Punkten. Ein wirklich neuer Impuls liegt hierin nicht, da der Abwärtstrend erst bei etwa 6.050 Punkten gebrochen würde. Die kurzfristige Stochastik befindet sich bereits in überkauftem Terrain, so daß man gestiegenen Kursen m. E. nicht hinterherlaufen sollte. Um es ganz klar zu sagen: Heute würde ich nicht kaufen.

Der wichtigste Eckpunkt des gestrigen Tages waren die Zahlen der Dt. Telekom. Es ist schon bemerkenswert, welche Verrenkungen Unternehmen im gegenwärtigen Umfeld machen, um die Zahlen möglichst positiv erscheinen zu lassen. Lesen Sie allein diesen Satz aus der Ad-hoc-Mitteilung: „Im ersten Halbjahr 2001 stieg das Konzernergebnis vor Goodwill-Abschreibungen und UMTS-Kosten (unter Berücksichtigung des Steuereffekts), bereinigt um den positiven Effekt aus dem Verkauf der Sprint-Fon-Anteile und ohne den Ergebniseffekt aus der Neukonsolidierung von Voicestream/Powertel um rund 20 % auf rund 0,6 Mrd. Euro gegenüber 0,5 Mrd. Euro in der Vergleichsperiode.“ Immerhin: Das Ergebnis des zweiten Quartals war ausgeglichen, da der Halbjahresverlust mit 400 Mio Euro angegeben wurde, was bereits nach dem ersten Quartal galt. T-Mobile kommt in diesem Jahr nicht an die Börse, was keinen überrascht haben dürfte und strategisch nachvollziehbar ist. Negativ ist der hohe Schuldenstand der Dt. Telekom, der sich derzeit auf 68,8 Mrd. Euro beläuft. Unterstellt man nur mal einen Zins von 5,5 %, so bedeutet dies eine Zinsbelastung von über 10 Mio. Euro jeden Tag oder etwa 3,8 Mrd. Euro im Jahr! Die Zahlen sind also durchwachsen, verändern aber unsere Einschätzung letztlich nicht. Auch wenn das Engagement Zeit benötigt, ist dies durch das hohe langfristige Potential gerechtfertigt. Als kurzfristiger Motor für den DAX fällt der Wert allerdings aus.

FMC hält das ehrgeizige Wachstumsziel aufrecht, was weitere Engagements rechtfertigt. Vergessen Sie dabei nicht die Mutter Fresenius. Celanese bleibt sich treu und liefert schon wieder negative Nachrichten. Sie vergessen aber bitte nicht: Der Wert ist eindeutig zu günstig, selbst wenn die Controlling-Fähigkeiten offenbar sehr zu wünschen übrig lassen. Langfristige Investoren bleiben dabei. Für Charttechniker negativ ist das kurzfristige Double Top, was kurzfristig einen Rückgang auf 21 Euro wahrscheinlich macht. Die (Ziel-)Zahlen von Metro erscheinen im Branchenvergleich durchaus bemerkenswert. Allerdings erscheint die Charttechnik nicht überzeugend, so daß sich Engagements nicht aufdrängen.

Ganz aktuell: Bayer scheint sich mit Aventis über den Kauf von Crop Science einig geworden zu sein. Als Kaufpreis werden 7,25 Mrd. Euro herumgereicht. Der Preis erscheint mir etwas hoch, wovon zunächst vor allem Aventis selbst als auch Schering profitieren. Bei Bayer rechne ich kurzfristig eher mit Abschlägen, was die längerfristige Perspektive aber nicht tangiert. Die Skepsis über die Banken-Gewinne war berechtigt: Der Branchenprimus Deutsche Bank erzielte im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von 3,086 Mrd. Euro nach vorher 4,885 Mrd. Euro. Die Eigenkapitalrendite fiel von 36,4 % im Vorjahr auf 21 %. Dazu muß man nicht viel sagen. Hände weg. Hervorragende Zahlen kommen von Schwarz Pharma, was die Charttechnik bereits andeutete: Im ersten Halbjahr wurde der Umsatz um 4,5 % auf 382,1 Mio Euro gesteigert, der Nettogewinn explodierte aber um 81,9 %. Die Aktie bleibt ein (wenn auch spekulativer) Kauf.

Zu den heutigen Terminen: Heiß her gehen dürfte es auf den Hauptversammlungen von EM.TV und Intershop.

Damit wünsche ich Ihnen einen schönen und erfolgreichen Tag.

Herzlichst
Ihr Walter Tissen
 




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cap blaubär:

Paprikachips zum Bier??(wieder ohne Opa B)

 
02.08.01 10:28
Hans Bernecker: Chipwerte als Vorindikation?
Mails/Nachrichten vom 02.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
schon wieder negative Konjunktur-Daten und schon wieder festere Kurse, was in diesem Fall aber vor allem für die Hochtechnologie galt. Beim Dow Jones reichte es nicht ganz für ein „schwarzes“ Tagesergebnis. Insgesamt bestätigt sich jedoch meine gestrige Aussage: Der Markt will nach oben. Angesichts der sehr hohen Liquidität, auf die wir ausdrücklich hingewiesen haben, ist dies nachvollziehbar. Ob es nachhaltig ist, kann derzeit aber noch nicht abschließend beurteilt werden. Immerhin:

Die Stimmungskanone war Merrill Lynch, die ein positives Statement zur Halbleiterbranche abgaben und damit den Philadelphia Semiconductor-Index auf Höhenflug schickten. Im Branchenindex reichte es immerhin für ein Plus von mehr als 5 %. Dies ist beachtlich: Dieser Index ist damit gegenüber dem Tiefstand aus dem Monat Juli um mehr als 22 % im Plus. Behalten Sie diesen Teilindex bitte im Auge, denn er hat durchaus Indikatorfunktion. Ziehen die Chipwerte nachhaltig an, so wäre dies ein positives Frühsignal für den gesamten Technologie-Sektor. Insgesamt kann man auf längere Sicht bereits Chipwerte aufgreifen, allerdings bitte vorsichtig und nur an schwachen Tagen!

Ansonsten bestätigte der Nationale Einkaufsmanager-Index die am Vortag gemeldeten negativen Daten, wenn auch in etwas abgeschwächtem Maße. Der NAPM-Index fiel von 44,7 Punkten im Juni auf 43,6 Punkte, was unter den Erwartungen, aber deutlich besser als in der Region Chicago lag, für den dieser Index bereits am Vortag veröffentlicht wurde. Die Bauausgaben fielen um 0,7 %, während Bankvolkswirte mit einem Anstieg gerechnet hatten. Sehr positiv ist, daß die Lagerbestände sich deutlich reduziert haben. Lediglich 9 % der Unternehmen berichteten von zu hohen Vorräten. Der Index der Lagerbestände befindet sich auf dem Tief der letzten 19 Jahre. Das ist gigantisch. Bitte widmen Sie auch diesem Teilindex eine hohe Aufmerksamkeit. Er fungiert als wichtiger zukunftsgerichteter Indikator. Müssen die Läger bei anziehender Nachfrage nämlich wieder gefüllt werden, so würde dies einen signifikanten Schub auch für die Produktion bedeuten.

Eine interessante, aber nicht sehr aussagekräftige Zahl lieferte das Wall Street Journal über die Gewinnsituation der Unternehmen: Die 1.138 erfaßten Gesellschaften verzeichneten im zweiten Quartal in der Summe einen Gewinneinbruch um 67 % von 98,6 auf 32,4 Mrd. Dollar. Darin enthalten sind aber sicherlich erhebliche Sonderfaktoren und Einmaleffekte, so daß die echte Gewinnsituation damit nicht ganz zutreffend wiedergegeben wird. Mein Eindruck ist, daß die Ergebnisse für das Quartal bisher häufig leicht über den (allerdings reduzierten) Erwartungen lagen. Dies unterstützt meine kurzfristig eher positive Meinung. Wenn das Schlechte verdaut ist, können die Kurse auch wieder steigen.

Lucent erzielte durch die Plazierung von Wandelvorzugsaktien einen Erlös von 1,75 Mrd. Dollar. Auch wenn der Kurs sich gestern schwach zeigte, so verbessert sich doch damit sukzessiv die Überlebensfähigkeit des angeschlagenen Telekom-Ausrüsters.

Aus dem europäischen Ausland kamen heute u. a. die Zahlen von Aventis. Im zweiten Quartal lag der Umsatz im Kerngeschäft um 8,1 % über dem Vergleichszeitraum, das Nettoergebnis stieg von 298 auf 391 Mio Euro. Jahresziele sind ein Umsatzwachstum von 13 % und von 35 % im Ergebnis je Aktie. Die Daten sind damit insgesamt ordentlich, reichen aber nicht aus als Impuls, um die Aktie aus der immerhin stabilen Seitwärtsrange zu bringen. Der Verkauf von Crop Science wurde leider noch nicht konkretisiert, die Verhandlungen schreiten aber offenbar voran.

Am Deutschen Markt ist Gähnen angesagt. Bezogen auf die gestrige Stärke der Nasdaq war die Eröffnung enttäuschend aber immerhin noch positiv. Auf Erholungspfad bleibt kurzfristig die Siemens-Familie, die vorher entsprechend verprügelt wurde. Solche technischen Erholungen sind normal und können zumindest im ersten Anflug nicht als neuer Trend identifiziert werden. Viel wichtiger ist eine solide Bodenbildung, die derzeit bei den Werten aber noch zu unklar ist.

Heute tagt die EZB. Obwohl diese durchaus Spielraum für eine Zinssenkung hätte, ist ein solcher Schritt kurzfristig kaum zu erwarten. Wirklich relevante Termine stehen ansonsten heute nicht an. Nehmen sie sich ruhig einmal einen Tag Urlaub von der Börse.

Herzlichst
Ihr Walter Tissen

Antworten
cap blaubär:

Märkte werden Fetter(immernoch kein Opa)

 
03.08.01 10:31
Hans Bernecker: Der innere Trend des US-Marktes dreht
Mails/Nachrichten vom 03.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

die Märkte gehen in wesentlich stabilerer Verfassung aus der Woche heraus. Die Volumina nehmen zu (insbesondere in New York), und die Bewertungen werden aussagekräftiger. Während Deutschland gestern nochmal abkippte, sind die Vorgaben aus New York vielversprechend. Mit etwas über 10.600 Punkten liegt der Dow auf seinem Niveau von vor 3 Wochen. Wird dieser Widerstand überboten, liegt das nächste Ziel bei knapp 11.000, die in den nächsten 14 Tagen möglich sind. Das Volumen der NYSE ist mit 1,2 Mrd gehandelten Aktien wieder über dem Durchschnitt und zum ersten Mal übertreffen die Gewinner (Advances) am Markt die Verlierer (Declines). Dasselbe spiegelt sich auch im Verhältnis von New Highs zu New Lows, das gestern bei 132 zu 28 lag. Damit dreht der innere Trend des amerikanischen Marktes. Zwei Werte sind dabei von besonderer Bedeutung, weil sie auch als Seismograph für die Stimmung des Marktes gesehen werden können.

Lucent Technology ist einer der Symbole des Einbruches der ehemaligen High-Flyer bei den Technologiewerten. Ich hatte den Titel bereits mehrfach empfohlen. Gestern sprang der Kurs leicht auf 6,29 Dollar an, nachdem der Konzern eine Wandelanleihe in Höhe von 1,89 Mrd Dollar plazieren konnte. Ein wichtiges Indiz dafür, daß der Markt trotz Junk-Bondrating nun wieder bereit ist, solche Papiere aufzunehmen. Bis vor kurzem waren sämtliche Anleihen mit niedriger Bonität so gut wie ausgeschlossen, was die Refinanzierung der Konzerne erheblich erschwerte. Also auch auf diesem Niveau Entspannung. Gleichzeitig gingen gestern über 93,7 Mio Lucent-Aktien um. Das ist eine gigantische Zahl, mit der Lucent das höchste Volumen aller Aktien gestern erreichte. Gleichzeitig:

Intel sprang ebenfalls um 1,15 auf 31,90 Dollar an. Hintergrund war die verbesserte Aussicht für die Halbleiterindustrie. Der Chart von Intel sieht übrigens traumhaft aus, auch wenn der Börsenwert mit etwas über 200 Mrd Dollar natürlich nicht niedrig ist. Auch hier dasselbe Bild wie bei Lucent Tech. Mit fast 61 Mio gehandelten Aktien war Intel die umsatzstärkste Aktie an der Nasdaq gestern abend. Auf Platz 2 lag Cisco mit 51,8 Mio Aktien. Man sieht also, daß der Markt bereit ist, mit hoher Liquidität sofort einzuschreiten, wenn es den leisesten Ansatz dafür gibt. Darüber hinaus:

Die Zahlen für das zweite Quartal in den USA liefern beeindruckende Erkenntnisse. Inklusive sämtlicher Abschreibungen fielen die Gewinne der amerikanischen Unternehmen um 67 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist der stärkste Verfall seit 10 Jahren. Rechnet man die Abschreibungen heraus, fielen die Gewinne um 17 %, was wiederum den stärksten Verfall seit 1991 ausmacht.Die Kapazitätsauslastung im Bereich des Technologiesektors liegt inzwischen bei nur noch 67,5 %. Vor einem Jahr lag man noch bei 90 %. Das ist der stärkste Rückgang seit 1982, dem Geburtsjahr des Superbörsenbooms in den USA. Zur Orientierung: Eine "gesunde" Kapazitätsauslastung liegt zwischen 83 und 85 %. Kurzum: Die Vollbremsung der US-Konjunktur hat schon fast Formel 1-Charakter. Das sehe ich gelassen, denn eine anschließende Beschleunigung zu prognostizieren, ist nicht schwer. Warum?

Anders als bei den Europäern und insbesondere bei den Japanern unterliegt der amerikanischen Konjunkturschwäche kein strukturelles Problem. Dieser massive Einbruch der konjunkturellen Entwicklung geht zum größten Teil auf die extrem schnelle Anpassung der Unternehmen auf die Marktverfassung zurück. Allein im Telekom-Technologiesektor wurden fast 350.000 Leute freigesetzt. Das wäre in Deutschland oder Japan undenkbar. Die Lagerbestände werden mit einer nie dagewesenen Vehemenz abgeschrieben und die Investitiontätigkeit fast auf Null gesenkt. Sehen Sie dazu den Chart auf der Seite 1 der Actien-Börse diese Woche. Die Amerikaner bestimmen also das Tempo selbst und verfallen nicht wie die Europäer und Japaner in Passivität in der Hoffnung, daß sich alles von selber regeln wird. Darin liegt der grundsätzliche Unterschied.

Das sind die Voraussetzungen für eine schnelle Erholung der Konjunktur und mithin auch eine Erholung an den Börsen. Je schneller eine Bereinigung läuft, um so schneller können sich Unternehmensgewinne verbessern. Dazu braucht es übrigens keine Zinssenkungen seitens der FED mehr. Vielleicht handelt sie im August noch, aber entscheidend ist es für mich nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Bernecker.
 



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Antworten
cap blaubär:

nix zu machen+(DKW 20%blöder als vorher)

 
06.08.01 09:56
Hans Bernecker: Kein Handlungsbedarf.
Mails/Nachrichten vom 06.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Sommer bleibt trocken. Die Flut der Informationen ist umfangreich, aber wenig aussagefähig. Es lohnt deshalb auch nicht, die neuen Wachstumsdaten besonders ernst zu nehmen. Dies gilt beiderseits des Atlantiks. Ob in Deutschland das Wachstum bei 1,5 % oder 1,7 % liegt oder wie Berlin offiziell noch immer glaubt bei 2 %, ist ebenso bedeutungslos wie die Frage, wo die amerikanischen Zahlen liegen werden. Das Muster des zyklischen Konjunkturverlaufes habe ich Ihnen schon mehrfach beschrieben. Es ist in jedem Lehrbuch der Volkswirtschaft nachzulesen. In Kurzform: Die amerikanische Wirtschaft kann erst ab dem 4. Quartal deutlicher zulegen und
die europäische, also auch deutsche, ab dem 2. Halbjahr 2002. Daran ist nichts zu ändern.

An der Wall Street wird es morgen deshalb spannend, weil die sog. Produktivitätszahlen nach einer neuen Berechnungsformel vorgelegt werden. Es handelt sich also nicht um neue Zahlen, die möglicherweise eine neue Korrektur bedingen könnten, sondern um eine neue Berechnungsformel. Achten Sie auf den Unterschied, weil einige Analysten daraus ein Risiko für alle Industrieaktien von bis zu 20 % errechnen. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Angesichts der labilen psychologischen Verfassung aller Gemüter im Markt sollte gleichwohl dieser neue Datenkranz abgewartet werden.

Die Markttechnik zeigt das alte Bild: Die zwei relevanten Größen A/D und new high/new low signalisieren einen positiven, aber nicht ganz überzeugenden Eindruck. Entsprechend liegen die Umsätze auch auf vergleichsweise bescheidenem Niveau und erreichten am letzten Freitag lediglich 937 Mio Stück am Big Board.

Wie die Sanierung von Firmen läuft, zeigt der Fall Lucent. Was ist nicht alles über diese Firma geschrieben worden. Die neue Wandelanleihe mit einem Coupon von 8 % und einer Wandelprämie von 22 % brachte 50 % mehr Geld in die Kasse als erwartet. Damit schwimmt sich Lucent langsam frei und bleibt so eingeschätzt, wie eine durchaus vernünftige Unternehmensbeurteilung es auch erlaubt. Lucent ist deshalb ein Spiegelbild der Situation in den USA. Denn, wie ich schon in der AB schrieb: Das eigentliche Gewinnproblem steckt in den sog. Goodwill-Abschreibungen. Ohne Abschreibungen steigen nämlich die Gewinne nach wie vor, und zwar um 23 % für die Telekomtitel, 17 % für die Raumfahrt, um 15 % für die Dienstleistungen und für zyklische Konsumgüter, Versorger, Finanzen und Technologie um 6 - 8 %. Das alles ist nicht berauschend, liest sich aber anders als aus den Schlagzeilen mancher Berichte ersichtlich. Ich hatte auf dieses Phänomen in der letzten AB schon hingewiesen. Wenn Sie es nicht verstehen, wird es schwierig, US-Aktien in den Griff zu bekommen.

Meine Empfehlung für heute: Nichts tun und den obigen Sachverhalt abwarten. Ich glaube, daß frühestens ab Donnerstag/Freitag genereller Handlungsbedarf besteht.

Frankfurt wird dem Wall-Street-Trend im Wesentlichen folgen. Doch einige Termine halte ich für so wichtig, daß Sie sie beachten sollten: Morgen nennt Adidas die Zahlen für das erste Halbjahr. Es folgen dann BASF und BMW sowie Heidelberger Druck und Qiagen. Anschließend gibt es die Zahlen von Cisco und Procter & Gamble in New York, was wiederum auf die deutsche Seite abfärben wird. Für interessant halte ich auch die Daten von Pfeiffer Vaccuum.

Dringender Handlungsbedarf entsteht daraus ebenfalls kaum. Ich lege Ihnen aber nahe: Schauen Sie sich die Unternehmenszahlen genauer an. Sie sagen mehr als die vielen Erwartungen und Ankündigungen zeigen. Das gilt positiv wie negativ. Nicht gerade hilfreich ist z. B., wenn E.ON kürzlich Powergen für 16,3 Mrd DM erwarb, aber die neue Tochter einen deutlich reduzierten Gewinn von 266 Mio Pfund nach 300 Mio Pfund im Vorjahr vorlegt. So entstehen sofort Zweifel am Preis.

Meine Empfehlung daher: Ich sehe heute keinen Grund, neues Geld zu binden. Etwas anderes sind die Gelegenheiten, die sich Schritt für Schritt in Zürich abzeichnen. Möglicherweise haben Sie es nicht verfolgt. Hier stürzten einige eigentlich gute Adressen geradezu ins Bodenlose. Wohl auch verbunden mit der Enge der Märkte und den überraschend negativen Kommentaren in der dortigen Presse. Hier gibt es echte Abstaubergelegenheiten, die zwar gute Nerven verlangen, aber auch ungewöhnlich interessant sind. Ich werde darüber in der nächsten AB eine erste Zwischenbilanz vorlegen. Bis dahin verbleibe ich

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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Antworten
boomer:

vor 1 Jahr haben alle über ihn gelacht! Und heute? o.T.

 
06.08.01 10:15
Antworten
Dixie:

Du etwa nicht? Ich schon....

 
06.08.01 10:29
Asche auf mein Haupt.
Antworten
boomer:

Hi, Dixie, leider - auch - ja! o.T.

 
06.08.01 10:37
Antworten
cap blaubär:

Jaaa wo isser dennnnn

 
07.08.01 10:43
Guten Morgen, meine Damen und Herren,
gestern schrieb mich ein verzweifelter Leser an, der sich darüber sehr erstaunt äußerte, mit welcher Sicherheit ich kürzlich in der AB den Verlauf der amerikanischen Konjunktur vorausgesagt habe. Dies sei, so der Leser, entweder leichtfertig oder von Unkenntnis geprägt, denn ich müsse ja wohl die Berichte in den Medien lesen bzw. kennen. Dem kann abgeholfen werden. Allerdings:

Eine große Zahl von Aktionären kennen den typischen Verlauf von Konjunkturzyklen nicht. Die meisten kennen nur zehn Jahre Boom, davon fünf als Superboom. Entsprechendes übertragen sie auf die Börse. Das ist natürlich zu kurz gegriffen. Der Konjunkturzyklus in Amerika ist leichter als der in Europa bzw. Deutschland nachzuvollziehen. Ich habe dies mehrfach begründet und es gibt überhaupt keinen Anlaß, davon abzugehen. Eines steht allerdings fest: Wer glaubt, dass nach einer Superhausse und einer anschließenden Superbaisse die nächste Superhausse beginnt, liegt falsch. Schauen Sie sich in der nächsten AB die Grafik auf Seite 1 an. Dann
verstehen Sie, was eigentlich in den Märkten geschehen ist. Das hat übrigens mit der Konjunktur relativ wenig zu tun.

Wall Street konkret: Leicht verschlechterte Markttechnik und alle warten heute auf den Crash. Zwanzig Telefonanrufer mußte ich heute schon beruhigen. Irgendein "Chefstratege"der Dresdner, Kleinwort Benson hat dies vorausgesagt, wenn die neu berechneten Produktivitätszahlen für die amerikanische Industrie heute Nachmittag vorgelegt werden. "Schaun mer mal", wie die Fussballer sagen.

Bei dürftigen Umsätzen von weiterhin weniger als einer Milliarde Stück am Tag dümpelt in New York das Geschäft dahin. Also bleibe ich dabei: Schauen Sie zu, halten Sie die Taschen zu, aber lassen Sie sich nicht in irgendwelche Verlockungen hineinziehen. Zur Zeit sind eine Menge Analysten dabei, die berühmten Hoch- und Abstufungen vorzunehmen. Gestern war wieder einmal AMD dran, worüber sich ein Analyst äusserte und die Aktie 7,6 % nachgab. Typisch: Der Boden für AMD liegt in der Tat erst bei 13,60 Dollar, und dazu fehlen noch 4 Dollar. Wie das Ganze funktioniert, zeige ich Ihnen auf Seite 6 der nächsten AB.

Deutschland ist geschockt über die neuesten Konjunkturprognosen, besonders über die Inlandsnachfrage für Industriegüter. Überraschen kann das nicht. Die deutsche Konjunktur bleibt eingebunden in das Euroland, und das gilt auch für die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Auffallend ist gleichwohl, dass die Steuerreform einen so geringen Effekt zeigt. Das deutet auf eine strukturelle Schwäche hin, die sich sehr schwer definieren läßt. Andererseits bin ich sehr befriedigt darüber, wie stabil bislang die
Halbjahreszahlen der Industrie ausgefallen sind.

Die Tendenz für Sie: Kein Handlungsbedarf heute morgen und bitte lassen Sie sich nicht dazu verleiten, zu früh in die abgestürzten Technologiewerte zu investieren. Für alle relevanten Titel liegen meine Kauflimits deutlich niedriger. Nehmen Sie dazu die letzten ABs zur Hand. Übersehen Sie schließlich auch nicht: Die technisch beste Aktie im DAX ist die Dt. Telekom.

Kleine Anmerkung am Rande: So wie der Deal um Telecom Italia in der Presse behandelt wird, läuft es nicht. Ich glaube, dass ich mehr weiß, nämlich direkt aus Mailand. Darüber berichte ich auf Seite 8 der nächsten AB.

Das war's für heute.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker

Antworten
cap blaubär:

Volker hört die Signale!!!

 
08.08.01 09:35
Hans Bernecker: Positives Signal
Mails/Nachrichten vom 08.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
gestern war wieder mal ein typischer "Guru"-Tag. Einer von diesen Helden sagte einen Crash voraus, wenn die amerikanischen Produktivitätszahlen herauskämen. Sie stimmten mit sämtlichen Einschätzungen der Analysten nicht überein, denn sie waren besser als erwartet, und das ist ganz logisch. Die neue Berechnungsmethode brachte zwar eine Korrektur für die Vergangenheit, aber nicht in der Tendenz. Die aktuell verbesserten Zahlen sind wiederum das normale Resultat daraus: Wenn Firmen Mitarbeiter entlassen und der Umsatz nicht stärker einbricht, ergibt sich automatisch eine höhere Arbeitsleistung pro Mitarbeiter oder pro Arbeitsstunde. Sie wird sich also weiter verbessern, wenn die Entlassungen weitergehen, und ich hatte schon früher darauf hingewiesen, daß der größte Teil der Entlassungen auf die zuvor
gehorteten Arbeitskräfte-Reserven zurückzuführen ist. Das ist insgesamt für die Entwicklung der operativen Gewinne der Unternehmen von größter Bedeutung. Darauf habe ich in der AB ebenfalls kürzlich auf Seite 1 aufmerksam gemacht. Wie auch immer:

Das gestrige Marktbild entspricht dem Verlauf einer Stabilisierung. Die relevanten technischen Daten haben sich weiter leicht verbessert, aber der Umsatz fiel sogar um weitere 10 % zurück. Das sieht wie eine Austrocknung des Marktes aus. Für mich ist das ein sehr positives Signal, weil darin sichtbar wird, daß die Verkäufe nachlassen oder aber ausgelaufen sind. Die Cisco-Zahlen brachten ebenfalls keine negative Überraschung, so daß ich davon ausgehe, daß wirklich relevante Negativzahlen kaum noch zu erwarten sind. Dennoch:

Ich verzichte auch heute auf eine Empfehlung. Eile besteht nicht. Seien Sie darin ganz konsequent. Der amerikanische Markt hat erst dann ein neues Kaufsignal, wenn der Dow Jones 11.300 überspringt, und dazu fehlen noch 900 Punkte. Der Antrieb dazu wird allerdings von der Nasdaq kommen, die so eine Art Turbo darstellen wird, weil dahinter die berühmten Technikaktien stehen, die in ihrer Volatilität die größere Dynamik aufweisen. Also: Der Nasdaq schiebt den Dow Jones an, aber dieser gibt für den Gesamtmarkt erst ab der genannten Marke ein grundsätzliches Marktsignal. Achten Sie bitte auf diese Logik.

Deutschland darf sich etwas entspannen. Einerseits durch die Entwicklung an der Wall Street, andererseits vor dem Hintergrund der Firmennachrichten. BMW zeigt, wie es geht, Degussa zeigt, wie man erfolgreich umstrukturiert. Diese Aktie bleibt für mich einer der interessantesten Titel im DAX, wie mehrfach begründet. Wer etwas weiter denkt, kauft auch weiterhin zu. Was Block-Trading ist, erfuhren die Börsianer gestern im Falle Dt. Telekom, allerdings mit unappetitlichem Beigeschmack. Die Dt. Bank empfahl am Montag diese Aktie zum Kauf. Gestern wickelte sie einen Block von 44 Mio Stück im Wert von 1 Mrd E. ab. Urteilen Sie selbst. Andererseits: Block-Trading
gehört zu jeder Weltbörse. Damit muß man leben. Verkäufer waren übrigens die Finnen, Sonera, die keine effektiven Stücke verkauften, sondern per Termin leer. Es hängt also eine Leerposition in diesem Umfang über dem Telekom-Markt, weil Sonera noch unter Sperrfrist steht. Leerpositionen müssen bekanntlich eingedeckt werden, das wird höchst interessant für den Kurs ab September. Die korrigierte Gewinnprognose der BASF hänge ich nicht sehr hoch. Sie entspricht dem, was für Chemieunternehmen im Konjunkturablauf immer zu erwarten ist: zyklisch, aber nicht strukturell.

Erste Lichtblicke der seriösen Adressen am Neuen Markt. Entgegen der allgemeinen Stimmung bin ich bekanntlich der Meinung, daß die Rosinen schon erkennbar sind. Ich werde daher Stück für Stück diese Positionen ausbauen. Eine interessante Aktie ist dafür Süss Microtec, deren Qualität ich schon früher beschrieben hatte, aber in der Marktschwäche als Empfehlung zurückgezogen habe. Bei 210 Mio E. Umsatz (plus 30 %) hat Süss einen Marktwert von etwa 418 Mio E., also etwa das Doppelte, ist aber ein absoluter Spezialist für die Herstellung von Chips. Also kein Chip-Produzent, sondern ein Hersteller von Geräten für die Chip-Produktion. Süss entwickelte sogar eine besondere Technologie in einem lithographischen Verfahren. Das alles ist natürlich große Zukunft und längerfristig zu sehen. Beobachten Sie diese Aktie bitte etwas sorgfältiger. Sie verlor von 43,90 auf 22 E., also die berühmte Halbierung, und ist bei 26/30 E. meines Erachtens ein Kauf.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
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cap blaubär:

Aspirindividende??

 
09.08.01 09:56
Hans Bernecker: Bayer-Debakel
Mails/Nachrichten vom 09.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
das Bayer-Debakel erschütterte gestern die deutsche Börse. Der neue Tiefstkurs von Deutsche Telekom ist auch nicht gerade lustig. Vor dem Hintergrund einer tendenzlosen Wall Street geht es nun darum, ob der DAX 5388 halten kann. Das ist das Tief dieses Frühjahres. Sie wissen, welche technische Bedeutung dies hat, obgleich ich nach wie vor der Meinung bin, daß der Markt insgesamt besser aussieht als es der Stimmungspegel wiedergibt. Konkreter:

Das Bayer-Desaster mit einem einzigem Medikament ist natürlich tragisch, aber nun einmal Wirtschaft. Lassen wir die Tassen im Schrank: Die gestern genannten Zahlen mit einem Ergebnisminus von rd. 600 Mio E., davon 280 Mio E. Einmalaufwand, reduzieren sich im Konzernergebnis darauf: Der Anteil dieses Medikaments am operativen Konzerngewinn liegt bei 1 % oder darunter. Einmalaufwendungen sind etwas anderes, wenn auch höchst ärgerlich. Was ist Bayer wert? Nicht weniger und nicht mehr als bisher. Börsenwert von 27 Mrd E. steht im keinen Verhältnis zum Potential im Umsatz und Ertrag. Schwierig wird es allerdings dadurch: Ein Analyst nach dem anderen wird nun erst einmal herabstufen. Dem folgt der eine oder andere Fondsmanager und dazu kommen noch mögliche Leerverkäufe. Somit hängt die Bayer-Aktie in den nächsten Tagen in der Luft. 30 E. sind genauso möglich wie 42 E. New York hat sowas schon vorgemacht. Mein Rat: Bayer verkauft man nicht, aber wartet
auf diese "unfallbedingte" Kaufchance. Ich komme darauf in den nächsten AB's zurück.

Deutsche Telekom hat ein anderes Problem. Rd. 300 Mio Stück liegen bei ehemaligen Voicestream-Aktionären, wovon rd. 80 % verkaufen wollen. Sie brauchen das Geld, insbesondere Sonera und Hutchinson. Das macht den runden Betrag von 7 bis 7,5 Mrd E. aus. Es wird mithin darauf ankommen, ob die Bonner mit deutschen Banken zusammen eine relativ ordentliche Plazierung hinbekommen. Das ist für mich eine Art Qualität-Prüfstand für diejenigen, die sich Global Player im Investmentbanking bezeichnen. Ohne diese Hilfestellung wird es schwer werden, solche Verkäufe im Markt geordnet unterzubringen. Solange bleibt meine Einschätzung von Telekom suspendiert, doch hat dies mit der fundamentalen Einschätzung nichts zu tun. Nebenbei: Eine weitere Großbank (WestLB) stuft Nokia und Ericsson nach unten.
Reichlich spät, wie ich finde. Das ist ebenfalls nicht gerade hilfreich für alles, was mit Telekom zu tun hat.

Wechseln wir auf die erfreuliche Seite. Was die Hypovereinsbank gestern vorlegte, unterstreicht meine Beurteilung dieser Münchener Großbank. Schmid und seine Genossen machen einen hervorragenden Bankerjob. Lesen Sie die heutige Presse dazu. Das ist sinnvolles Expandieren, wenn es z. Zt. in den Kursen auch nicht honoriert wird. Meine Einschätzung von Depfa wird mit den ebenfalls deutlich verbesserten Ergebniszahlen unterstrichen. Hier lohnen sich sogar weitere Käufe in der Bandbreite um 77/81 E.

Porsche glänzt mit Superzahlen und ich stimme dem Chef Wiedeking zu, wie er sich gestern zum Rauswurf aus dem MDAX äußerte. Sollte daraus ein Abgabedruck einiger Fonds entstehen, würde diese Aktie ein neuer Kauf. Bitte weiter beobachten. Fresenius Medical schleicht sich Stück für Stück nach oben. Auch darin sehe ich mich bestätigt, wenn das Ganze auch nicht sensationell ist. Ich halte jedenfalls an dieser Kaufempfehlung fest.

An der Wall Street war gestern Cisco-Tag. Nachdem der Trubel um die Produktivitätszahlen schon wieder vergessen ist, sind die Cisco-Daten genau das, was ich immer gesagt habe: Cisco arbeitet mit einem Null-Ergebnis und hat einen Börsenwert von über 130 Mrd DM, was sich einfach nicht rechtfertigen läßt. Solange derartige Überbewertungen noch über dem Markt hängen, ist die Situation schwierig. Der faire Wert einer solchen Aktie liegt bestenfalls bei 9 bis 11 $ statt 18/19 $. Der Unterschied macht locker 60 Mrd $ aus. Sie lesen richtig! Das Unternehmen selbst ist hervorragend, wie ich immer betone. Es ist aber einfach zu hoch bewertet. Verschlechtert hat sich auch die Markttechnik von Microsoft. Hier schaue ich nur auf den Kurs und die problematische Rechtslage Microsoft/Regierung, die mir
Unbehagen bereitet, weil sie im Endeffekt nicht rechenbar ist. Natürlich färben diese beiden Titel auf alle anderen ab und deshalb gilt für Sie:

Verschränken Sie die Arme, schauen Sie zu, was läuft, haben Geduld, aber auch kühlen Verstand, um solche kritischen Phasen durchzustehen. Diese gab es in den vergangenen 40 Jahren so häufig, daß ich damit gut umgehen kann. Bitte folgen Sie mir darin. Nebenbei gesagt:

Auf die Konjunkturzahlen sollten Sie jetzt weniger achten, als die Überschriften in der Presse andeuten. Gestern mußte auch der Kanzler zurückstecken, wobei ich sicher bin, daß ihn das Ganze gar nicht interessiert. Voraussetzung dafür ist nämlich, daß er es versteht. Das ist nicht sarkastisch gemeint: Ich hatte als junger Mann noch das Vergnügen, den damaligen Wirtschaftsminister Professor Erhardt zu begegnen und mit ihm zu diskutieren. Gleiches gilt für Professor Schiller, meinem Lehrer. Es war ein Vergnügen, wie mit Sachkenntnis und Kompetenz damals gearbeitet und was anschließend politisch machbar wurde. Ich wünsche Ihnen gleichwohl
einen schönen Tag.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 


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woody w:

Das sollte man mehrmals lesen! Originalton B.

 
09.08.01 10:02
"Gestern mußte auch der Kanzler zurückstecken, wobei ich sicher bin, daß ihn das Ganze gar nicht interessiert. Voraussetzung dafür ist nämlich, daß er es versteht. Das ist nicht sarkastisch gemeint: Ich hatte als junger Mann noch das Vergnügen, den damaligen Wirtschaftsminister Professor Erhardt zu begegnen und mit ihm zu diskutieren. Gleiches gilt für Professor Schiller, meinem Lehrer. Es war ein Vergnügen, wie mit Sachkenntnis und Kompetenz damals gearbeitet und was anschließend politisch machbar wurde."

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cap blaubär:

Schlagsahne

 
10.08.01 10:34
Hans Bernecker: Doppelschlag
Mails/Nachrichten vom 10.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Doppelschlag Bayer/Deutsche Telekom hat die deutsche Börse aus dem Gleichgewicht gebracht. Ein solches Ereignis hat es in der Tat in diesem Umfang in den letzten Jahren nicht gegeben. Noch nicht einmal die Schwäche von DaimlerChrysler vor 2 Jahren oder - noch früher - bei VW hat eine psychologische Belastung und eine markttechnische dazu in diesem Umfang bewirkt. Wie ist das zu werten und was folgt daraus?

Der DAX erreichte gestern ein neues Jahrestief. Statisten werden daraus folgern, daß damit ein neuer Boden knapp über 5000 gesucht werden dürfte. Dafür gibt es verschiedene Ansätze, die bis 4800 reichen können. Mithin entwickelt sich daraus eine neue Betrachtung. Wie weit reicht die Ansteckungsgefahr aus den beiden genannten Titeln für die anderen?

Der Ausverkauf von Deutsche Telekom hat nichts mit fundamentalen Einschätzungen, sondern mit den Verkaufsabsichten der Verkäufer zu tun. Das mußte auch der Vorstand wissen, der diesen Sachverhalt mit Sicherheit im Zuge der Voicestream-Übernahme diskutiert haben dürfte. Großbanker räumten mir gegenüber gestern in Frankfurt ein, daß sie nicht dazu da seien, den Aussteigern gute Kurse zu garantieren, in dem sie diese Posten aufnehmen oder ein Konsortium bilden, welches die freiwerdenden Aktien aufnimmt. Daran ist nur die Hälfte wahr. Es gehört zur Praxis der großen Börsen, daß Marketmaker existieren, die eine Gewähr dafür geben, geordnete Marktverhältnisse herbeizuführen. Einen solchen gibt es in Deutschland nicht. Damit ist diese Aktie zwar billig, wird möglicherweise noch einige

Prozent billiger, ist aber im Tiefstkurs nicht auszuloten. Gehen Sie in die Lauerstellung. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit folgt diesem Ausverkauf eine saftige Kehrtwende nach oben. Bei Tagesumsätzen von knapp 15 Mio Stück im Xetra-Handel sind natürlich noch einige Hedge Funds mit dabei.

Das Bayer-Problem habe ich gestern erläutert. Wenn große Investmentbanken eine Abstufung von Bayer mit der Begründung der bekannten Umstände und der gestern vorgelegten Halbjahreszahlen vorlegen, zeugt dies nicht von sehr viel Sachverstand. Wohl aber vom Prinzip aller dieser Experten: Einer läuft dem anderen hinterher. Eigenständig nachdenken ist nicht deren Sache. Auch wenn ich wiederhole: Der sicherlich ärgerliche Medikamentenunfall beeinträchtigt die Qualität des Bayergeschäftes nicht nachhaltig. Wenn dadurch BASF und andere mitgezogen werden, ist dies eine Frage der Psychologie, aber nicht der Sachkenntnis.

Beides ist kein Trost, aber daraus werden Chancen, die Sie im Falle DaimlerChrysler schon einmal erlebten: Bis auf 40/42 E. wurde Daimler vor gut einem Jahr nach unten geredet. Die Prognosen gingen sogar bis zu sog. fairen Werten von 30 E. Was trat ein? Erste Rally bis 61 E., und das waren schon einmal knapp 50 %. Seitdem dümpelt der Kurs allerdings zwischen 53 und 60 E. herum. Ich will damit sagen: In eine regelrechte Ausverkaufsschwäche gehen Sie bitte auf die Käufer- und nicht auf die Verkäuferseite. Gestern habe ich es schon gesagt: Bayer kann in einem solchen Fall auf 30 E. fallen und ist natürlich ein Kauf. Wie erreichen Sie das? Das geht nur über mehrere Limits zu jeweils höheren Stückzahlen. Beispiel: Sie wollen 1.000 Stück kaufen. Also heißt der Auftrag: 250 zu 35 E., 350 zu 33 E. und der Rest zu
30,50 E. Gehen alle auf, liegt Ihr Durchschnitt bei rd. 32,50/33 E. und das ist eine ähnliche Chance wie bei Daimler von damals 42 E. Bei Deutsche Telekom machen Sie das gleiche. Gestern 23 Mio Stück im Handel läßt Raum bis 16,50/17 E. im Worst case-Fall. Also auch hier eine solche Staffel nach gleichem Muster vorsehen

Diese beiden Werte sind die wichtigsten an der deutschen Börse der nächsten Tage. Indes:
Ich unterstreiche meine früheren Empfehlungen für SGL Carbon. Das Bußgeld-Debakel dürfte verkraftet sein. Lesen Sie dazu die heutigen Berichte. Die Eingliederung von Airbus in EADS macht diesen Konzern zu einem echten Flugzeugkonzern. Ich erinnere daran, daß Daimler daran mit rd. 1/3 beteiligt ist. Was ist diese wert?

Die Zahlen von MG Technologies unterstreichen ebenfalls meine Einschätzung, wovon ich nicht abgehe, wenn der Kurs auch im Moment wie festgenagelt scheint. Überzeugend sind auch die Halbjahreszahlen von Dürr und von Gehe. Eine Enttäuschung ist dagegen das Resultat von Sixt, wo der Chef eine zu große Lippe riskiert hatte und dafür seine Glaubwürdigkeit gegenüber den Aktionären verlor. Die Zahlen von Gildemeister sind eindrucksvoll gut, aber seit 7 Monaten schafft der Kurs den Sprung über die Hürde von 10 E. nicht. Das ist merkwürdig. Ich bleibe deshalb in der neutralen Einschätzung. Wer gibt hier ab?

Wall Street: Hier verzichte ich heute auf einen Kommentar. Der Grund: No News, mithin kein Handlungsbedarf.

Ich verabschiede mich bis Montag und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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cap blaubär:

Baisse Ente

 
13.08.01 10:09
Hans Bernecker: Irrationalitäten als Zeichen für das baldige Ende der Baisse
Mails/Nachrichten vom 13.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
heute komme ich mir wie ein Pfarrer vor. Schon ab 07.00 Uhr gab es mehrere Anrufe von Leserfreunden, die frustriert die Frage stellten: Das alles hat doch keinen Sinn, sollen wir nicht aussteigen? In Deutschland ist es der Doppelunfall Dt. Telekom und Bayer als Auslöser, in den USA die unverändert problematische Marktlage der Hightechs und in Japan die richtungslose Labilität des Gesamtmarktes. Meine Antwort:

Jede Baisse übertreibt nach unten genauso wie jede Hausse nach oben. Genau so, wie die Spitzenkurse Anfang 2000 nicht haltbar waren, sind es jetzt die Tiefstkurse. Deshalb komme ich noch einmal auf Bayer zurück, wobei ich mich dazu dezidiert noch in der AB äußern werde. Die verschiedenen Presseberichte und Kommentare erwecken den Eindruck, daß der Rückzug eines Medikamentes das Pharmageschäft von Bayer in Frage stellt. Für Fachleute ist das ein Witz, für Laien aber möglicherweise eine ernste Fragestellung. Doch es zeigt, wie hochgradig nervös und dabei wahrlich nicht kompetent über solche Dinge diskutiert wird. Denken Sie 9 Monate zurück. Damals war der Daimler-Teil Chrysler natürlich schon restlos pleite und demnächst auch Daimler. Blättern Sie diese Horrorberichte ruhig einmal nach. Das gleiche wird Ihnen mit Bayer passieren und mit Dt. Telekom auf andere Art. Ich will Ihnen damit folgendes sagen:

Irrationalitäten gehören zur Baisse und das ist stets ein sicheres Zeichen, daß wir dem Ende nahe sind. Davon bin ich nicht nur überzeugt, sondern ich weiß es. Ich habe schon 5- oder 6-mal seit 1959 solche Situationen erlebt bzw. durchlebt. Es mag Ihnen etwas simpel klingen, ist aber die Wahrheit. Die Basis für die Supergewinne von morgen wird jetzt gelegt. Ich kann Ihnen allerdings die absoluten Tiefstkurse nicht nennen. Darin liegt das Problem. Dennoch ist es völlig gleichgültig, ob Sie eine bestimmte Aktie, die von 90 oder 100 $ kommt, bei 10 oder 12 $ kaufen oder auch an drei Tagen bei 8 $. Häufig genug habe ich es erklärt. Natürlich ist die Differenz zwischen 12 und 8 auch mal 33 %. Aber mit dieser Volatilität an der Börse müssen Sie im Moment leben.

Leitlinie für Sie in dieser Woche: Es kommt darauf an, daß der Dow Jones in seinem beschriebenen Gleichgewicht verläuft. Das tut er bisher, wenn auch knapp. Ich zeige Ihnen den gesamten Verlauf seit Beginn der Zinsbremsung, also 1999, in der nächsten AB. Für den Nasdaq ist das wesentlich schwieriger. Doch er gibt den Anstoß für den Dow als echter Tendenzanzeiger. Darauf schauen Sie bitte in den nächsten Tagen und auf sonst nichts. Weiterhin wichtig: Die Tagesumsätze bewegen sich auf niedrigem Niveau, meist unter 1 Mrd Stück pro Tag am Big Board.

Im einzelnen: Titel wie Oracle, Sun oder Cisco haben ihren fairen Wert noch nicht erreicht. Es fehlen durchweg noch 3 - 6 $. Darauf bitte achten. Siebel machte es soeben vor. Die Basis liegt hier übrigens erst bei 10 $, um nur die wichtigsten zu nennen. Für EMC sind es ebenfalls 10 - 12 $. Auf eine Aktie schaue ich mit größtem Mißtrauen: Microsoft. Mir mißfällt, wie sich die Markttechnik erneut verschlechtert hat. Aber mit einem Börsenwert von über 260 Mrd $ ist Microsoft immer noch einer der schwersten Titel im Markt, der seinen Tiefstkurs bei 40 $ hatte. Die Strategie von Microsoft, seine Rechtsstellung im bekannten Rechtsstreit zu verbessern, wird von Kennern der Szene sehr unterschiedlich kommentiert. Indes: Microsoft ist nun mal neben IBM ein Leading-Indicator. Also: Größte Vorsicht und keine Käufe. Ich würde sogar vorsichtshalber Positionen auflösen.

Problematisch ist auch die Ausweitung der Sammelklagen gegen Pharma-Unternehmen. Kündigt sich hier eine Zweitauflage des Tabakszenariums an? Das hätte auch für die Europäer Folgen, und ich habe deshalb alle Pharmaempfehlungen schon frühzeitig suspendiert. Dabei bleibt es vorerst noch. In dieser Woche kommen zudem die Zahlen für die zwei großen Schweizer, Roche und Novartis. Auf deren verschlechterte Markttechnik hatte ich ebenfalls vor Wochen hingewiesen. Das Ganze gefällt mir nicht.

In Deutschland hänge ich die genannten beiden Fälle nicht so hoch, wie die Schlagzeilen es gerne hätten. Das ist keine Beruhigungspille, sondern realistische Betrachtung. Wieder vereinfacht formuliert: Im oben zitierten Daimler-Fall erwischten Sie Kaufkurse zwischen 42 und 45 E., inzwischen 63 E. in der Spitze. Bei Bayer mögen es 30 oder 32 E. im Tief werden, anschließend geht's rasant nach oben. Im Falle Dt. Telekom mögen die Tiefstkurse bei 17 - 19 E. liegen, anschließender Verlauf ist ebenso klar: Nach oben.

Die Termine von heute: Altana präsentiert die Halbjahreszahlen. Baader tut das Gleiche und einer der ehemaligen Lieblinge am Neuen Markt, ce Consumer Electronic, will's wissen. Denn morgen gibt es wesentlich mehr, darüber im morgigen Ticker.

Bleiben Sie also gelassen, wenn es auch etwas schwer fällt. Ich wünsche Ihnen dafür ein gutes Gespür und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 
Antworten
Reinyboy:

Bernecker sagt nur, daß es irgendwann mal

 
13.08.01 10:19
wieder aufwärtsgeht.

Das weiß jeder.

Fragt sich bloß von wo.

Den japanischen Index sah er vor 1,5 Jahren in einem Jahr bei 20000 Punkten.

Jetzt steht er bei ca. 11500 Punkten.


Muß mal gesagt werden, den er kocht auch nur mit Wasser.

Riet er nicht bei Brokat bei 6 Euro einzusteigen, da man da nicht mehr falsch machen könne?

Trotzdem halte ich diesen Herrn noch für einen der Fähigsten. Aufgrund seiner langen Erfahrung kann er sämtliche Jungfurzies, die meinen Analysten zu sein in der Pfeife rauchen.




Mfg     Reinyboy
Antworten
ecki:

@reinyboy : Nikkei

 
13.08.01 10:24
Opa Berneckers Moderatte(neu weil alter Tr.zuvoll) 391147www.technical-investor.de/scr/....asp?InstID=434165&Period=5Y" style="max-width:560px" >
Ich kenne zwar nicht die Nikkei-Analyse und bin auch sonst kein Fan von Bernecker, aber immerhin ist der Nikkei auf 21000 gewesen!
Immer fair bleiben. Hatte er recht oder nicht?
Antworten
cap blaubär:

Opa Bernecker kann nicht übers Wasser gehen

 
13.08.01 11:07
wer auf sowas wert legt sollte sich an Frickförtschprior wenden,die Rolle iss nix für ihn aber Marktbeobachtung+internes von Opa zu Opa,tja und halt das beliebte habichschonfuffzigmalerlebt als antipanikmittel,halt ich für so interessant das ich seinen Morgenkommentar hier reindeue,zu bedenken geb ich halt auch wenn man vollkommen anderer Meinung ist Er vertritt ne menge Kohle mit seiner Linie(Opas haben Immer mehr Kohle als Enkel!!)
blaubärgrüsse  
Antworten
Lalapo:

Cap B

 
13.08.01 11:19
die Opas müßen weiter von Dir versorgt werden , gibt auch ein paar Enkel die mitlesen , weil die ja mal Opa Cash bekommen , gelle ,oder schon haben ...
Was ist mit den Omis ??


Gruß LALAPO
Antworten
Digedag:

in einem Monat werde ich auch Opa,

 
13.08.01 13:35
... dann darf ich auch mitreden.
:-)))
Antworten
cap blaubär:

HALLLOO schlaft Ihr schon??????

 
14.08.01 11:16
Hans Bernecker: Märkte beruhigen sich zusehends
Mails/Nachrichten vom 14.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
das beste Resultat von gestern war die langsame Beruhigung der Märkte. In den Ausschlägen der Kurse, in den Umsätzen, in der Kommentierung seitens der Banken und Analysten, und man hat fast den Eindruck, daß wieder etwas mehr Ruhe und Sachverstand einkehrt. Das ist ein positiver Ausblick. Andererseits verwundert schon, was in den Medien an Zahlen verbreitet wird, Umsatz mit Gewinn verwechselt wird, weil z. B. das Wort "Ergebnis" falsch verwendet wird. Ich mußte gestern mehr als 10mal am Telefon erklären, worin die Unterschiede liegen.

Die Wall Street zeigte in den Indizes gestern weniger als dahinter steht. Obwohl der Dow praktisch auf der Stelle trat und der Nasdaq auch nicht viel hergab, halte ich es für bemerkenswert: Die bekannten technischen Indikationen A/D stellten sich auf 1.730 zu 1.315 am Big Board und 1.978 zu 1.623 an der Nasdaq. Die new high-/new low-Relation kletterte auf 158 zu 34 bzw. 108 zu 77. Denken Sie einmal über diese beiden Zahlenreihen nach und vergleichen Sie dies mit der allgemein frustrierenden Kommentierung. Lesen Sie dazu auch noch einmal den gestrigen Ticker.

Der Meinungsstreit um die Chiptitel geht weiter. Das wird noch eine Weile dauern. Die Hochstufung von Intel durch Goldman Sachs und zuvor für Texas Instruments dürfte aber richtig sein. Erfreulicherweise war auch gestern meine kürzliche Empfehlung Conexant Systems dran, die daraufhin gleich 12 % zulegte. Bitte letzte AB nachlesen. Hier besteht Handlungsbedarf.

Schaut man sich die Charts der 30 wichtigsten Titel der Halbleiterindustrie an und dazu im Kontext auch diejenigen der PC-Produktion bzw. Software, so fällt auf: Hier entsteht ein Potential aus rein technischer Sicht, das weit höher ausfällt als in allen anderen Alternativen. Mag sein, daß es zunächst ein Erholungspotential ist. Aber 50 % sind dann sehr schnell drin. Deshalb weise ich erneut darauf hin: Nutzen Sie BernSTEIN oder ein anderes Chartprogramm!. Ohne dieses Verständnis dafür, was sich im Markt tut, sehen Sie nicht, was demnächst passiert. (Infos hierzu unter support@bern-stein.de)

In Deutschland dominiert das Bayer-Thema. Was dazu wiederum an Zahlen herumgereicht wird, ist schon grotesk. Allerdings ist Bayer-Chef Schneider auch nicht gerade der Mann, der in dieser Situation mit dem Thema souverän umgeht. Siehe dazu auch oben. Das stellt allerdings ein anderes Thema ins Zentrum: Muß man darüber nachdenken, die deutschen Chemie-Investments neu zu ordnen, denn auch ein Umbau oder andere Entscheidungen in Leverkusen sind nicht in ganz kurzer Zeit machbar. Mit dem Wert der Aktie hat das nichts zu tun, aber auf der Zeitachse dürfte sich einiges verschieben. Ich diskutiere dieses Thema in der nächsten AB, wobei Sie Titel wie Altana, Fresenius Medical, aber auch Fresenius und sogar Schwarz-Pharma beachten sollten.

Meine Vorab-Infos zur Commerzbank vor einigen Wochen rufe ich in Erinnerung. Seit gestern sind die Italiener im Gespräch. In Frankfurt geistern natürlich mehrere Gerüchte herum. Ich schließe auch nicht aus, daß in einem bestimmten Fall die Dt. Bank tätig werden muß, um die eine oder andere ausländische Adresse daran zu hindern, die Co-Bank zu kaufen. Für die Italiener gilt dies übrigens nicht. Aber: Eine sensationelle Abfindungs-Spekulation resultiert daraus für die Commerzbank nicht.

Die Termine von heute bieten einige Interpretationsansätze. Allianz präsentiert die Halbjahreszahlen. Heute morgen kamen bereits die wenig erfreulichen Zahlen der Dresdner Bank über den Ticker. Dann kommen die von Henkel, Beiersdorf und Degussa. Das schließt an das obige Thema der Chemie an. Die Halbjahreszahlen von MLP werden auch so eine Art Qualitätstest, worauf ich kürzlich schon Bezug nahm. Dann folgen Pro Sieben und Stinnes sowie einige Titel des Neuen Marktes, z. B. Mühlbauer und Parsytec, die zu beachten sein werden.

Insgesamt: Sie haben Grund, etwas zuversichtlicher zu sein, obwohl ein dringender Handlungsbedarf aus der Sicht des Gesamtportfolios noch nicht gegeben ist. Doch kündigt sich schon jetzt erneut an, es wird zunehmend differenzierter.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker

Antworten
cap blaubär:

Wellenreiten mit Opa Bernecker

 
15.08.01 11:39
Hans Bernecker: Wellen werden kleiner
Mails/Nachrichten vom 15.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Wellen werden kleiner, das Meer beruhigt sich, und die aufgeregten Gemüter können wieder zur Tagesordnung kommen. Erlauben Sie mir diese etwas prosaisch klingende Formulierung deshalb, weil der gestrige Nachrichtenstand, speziell in Deutschland, Ihnen gezeigt hat, dass die Daten und Fakten der Unternehmen eine durchaus realistische Einschätzung erlauben, die in keinem Verhältnis zu den Aufgeregtheiten passen, die in den Tagen davor für Schlagzeilen sorgten. Im Prinzip gilt dies auch für die amerikanische Szene mit dem Ende der berüchtigten Gewinnwarnungen.

Die amerikanische Börse hat diesen Eindruck gestern unterstrichen. Null-Ergebnis im Dow Jones, aber noch immer grössere Schwankung im Nasdaq, wenn auch mit abnehmender Frequenz. Die gestern herausgekommenen Einzelhandelsdaten unterstreichen ein weiteres Mal den Verlauf der weichen Landung der Konjunktur. Das Wachstum um 0,7 % für das BIP im 2. Quartal führt übrigens dazu, dass die annualisierte Wachstumsgrösse auf voraussichtlich 2 % kommt, selbst wenn für 1 oder 2 Monate ein Minusergebnis entsteht. Ich hatte dies schon früher in der AB erläutert. Dennoch rechne ich mit einer weiteren Senkung, wie avisiert. Auch 3 % für die Fed-Funds halte ich für eine realistische Grösse.

Die Wall Street konkret: Gestern passierte praktisch nichts. Es lohnt sich nicht, die einzelnen Schwankungen zu kommentieren, weil sie nichts aussagen. Ich gebe deshalb keine direkte Empfehlung und verweise auf die letzten Abs sowie auf die nächste, wobei ich auf eine Aktie besonders hinweise für diejenigen, die auf den künftigen Trend der Markterholung setzen und dies gewissermassen vorwegnehmen wollen. Das ist ein so interessanter Chart, dass Sie ihn unbedingt anschauen sollten.

In Deutschland ist das Thema Bayer und Dt. Telekom schon relativiert. Die aufgeregten Emails, die ich erhalten habe, werde ich archivieren. In 6 Monaten schicke ich die Kopien an die Absender zurück. Mal sehen, wie die Antworten aussehen werden. Dennoch werde ich in der nächsten AB um die Frage nicht herumkommen: Ist das Chemie-Portfolio umzubauen und wie? Ich meine, dass diese Frage nötig ist. Andererseits: Die Ergebniszahlen der deutschen Finanzadressen befriedigen mich nicht. Deshalb bleibe ich allen gegenüber zurückhaltend.

Einige Termine werden heute Indikatorfunktion haben. Die deutsche Börse bringt die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Darin steckt
eine Qualitätsanalyse bezüglich der Nachhaltigkeit der Erträge. Die BHW Holding durfte erneut eindrucksvolle Zahlen vorlegen, womit der ehemalige Beamtenladen zum erfolgreichen Finanzdienstleister wird. Diese Aktie steigt seit Monaten in kleinen Schritten und ich habe stets auf technische Korrekturen gewartet, die nicht eingetreten sind. Möglicherweise rechtfertigen die neuen Zahlen dennoch einen Kauf. Die Wella-Zahlen werden im Rahmen der Klasse von Beiersdorf liegen. Hier hatte ich vor einigen
Wochen die neue Kaufempfehlung schon begründet.

Dazu passen die Zahlen von Roche in Basel und auch Clariant in Muttenz/Basel, die eine erste Bewertung der Schweizer Pharmazeutik zulassen, immerhin nach 50 % Kursrückgang.

Nach Consors kommt heute Comdirect. Sind diese beiden Aktien, deren massive Überbewertung ich hart gegeisselt hatte nach über 80 %, teilweise 90 % Kursverfall, ein Kauf? Wer an die Zukunft der Börse glaubt, darf darauf spekulieren. Denn ich bin sicher, dass beide Broker ein rasantes Erholungsrennen starten werden, wenn der Nemax dreht. Ich setze übrigens meine "Einkaufstour" im Neuen Markt fort. Bitte nächste AB beachten.

Die Japaner drehen den Geldhahn auf. Das allein reicht nicht. Ich werde darüber noch einige Details formulieren, aber hier kündigt sich etwas an, was Sie in den vergangenen 40 Jahren noch nicht erlebt haben: Das Experiment einer Industrienation, wie man aus einer Deflation herauskommen möchte. Handlungsbedarf für die Börse entsteht daraus allerdings noch nicht.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 
Antworten
Dixie:

Capitano Blaubär heute beim Fischen?

 
16.08.01 12:11
Machs ich halt.

Hans Bernecker: Ruhe kommt vor dem Aufwind
Mails/Nachrichten vom 16.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
daß sich zunehmend weniger tut oder schon fast gar nichts, ist sehr positiv und keineswegs negativ. Ich formuliere dies in der heutigen AB, die gleich zum Drucker geht, so: An den Märkten beginnt die Ruhe vor dem Aufwind, der aber kein Sturm wird. Dazu gehört freilich auch: Die noch immer zu teuren Aktien der Technologie, wovon es eine ganze Reihe gibt, bleiben ein Problem. Davon gehe ich nicht ab. Wie Sie ferner geradezu mit Spannung verfolgen, wie sich die Kurse auf bestimmten Ebenen stabilisieren, zeigt Ihnen aktuell AMD. Siehe auch die letzte AB, in der ich den AMD-Chart abgebildet hatte. Es fehlen noch rund 1 1/4 Dollar zum Test des alten Tiefs vom Frühjahr dieses Jahres und dann wird es darauf ankommen, ob dies Bestand hat. Über 50 Titel der gleichen Technologie-Sphäre stehen in einer ganz ähnlichen Situation. Dabei macht es überhaupt keinen Eindruck auf den Dow Jones, der gestern rund 60 Punkte verlor oder 0,6 % gegen weiterhin 2,32 % im Nasdaq und sogar 3,55% im Nasdaq100. In gleicher Manier läuft es auch in Deutschland bzw. Europa.

Zunächst zum Dollar: Der Auftrieb geht weiter, aber kurzfristig ist der Euro überkauft. Darin steckt eine technische Korrektur um etwa 3 bis 3,5 Cent. Anschliessend dürfte es in Richtung 1 :1 gehen, wo eine Art Gleichgewichtspreis zu erwarten ist. Diese langfristige Perspektive habe ich schon viel früher vorgezeichnet, doch dürfte sie inzwischen in Vergessenheit geraten sein. Alles weitere dazu in der nächsten AB.

Konkret hat das folgende Möglichkeiten für Sie: Terminverkauf des Dollars nach der beschriebenen technischen Korrektur. Wählen Sie 6 Monate statt 3 Monate. Die ideale Kursbasis wären rund 87 Cents gegen 91 Cents gestern
abend. Ich schätze, dass dies in den nächsten Tagen erreichbar ist. Diese Absicherung ist auch nötig für alle Dollar-Bond-Besitzer, aber wenig sinnvoll wenn auch möglich für diejenigen, die ein grösseres Portfolio in Dollar halten. Hierbei gilt allerdings: Das 6-Monats-Erholungspotential in den relevanten Aktien ist deutlich höher als das Risiko in der Währung. Sie können also, müssen aber nicht.

Die Wall Street konkret: Kaum veränderte technische Relationen gegenüber gestern am Big Board, erneut verschlechterte an der Nasdaq. Ich erinnere an meine sogenannten fairen Kurse für Titel wie Cisco, Oracle, aber auch Sun und Dell-Computer. Sie alle liegen um 3 bis 6 Dollar tiefer, und das sind je nach Wert bis zu 30 % Risiko.

Nachrichtlich: Im Moment sinken die Gewinnschätzungen für alle Aktien im S&P 500 um wöchentlich 2,2 %. Das haben die fixen Amis auch schon statistisch erfasst. Die berühmt-berüchtigten Goodwill-Abschreibungen addieren sich bis zur Stunde übrigens auf knapp 500 Mrd Dollar, und das ist so viel wie fast 20 % der gesamten deutschen Börse. Für mich wahrlich ein apokalyptischer Vorgang.

Frankfurt kaut an Bayer und Dt. Telekom und das wird noch eine Weile dauern. Darin steckt zwar mehr Psychologie als Sachkenntnis, aber inzwischen hat natürlich jeder eine Meinung darüber, wie Bayer sein Pharmageschäft neu
positionieren sollte. Lesen Sie darüber, aber handeln sollten Sie nicht. Mir kommt es vor, wie der kleine Moritz sich das vorstellt. Schliesslich geht es um knapp 11 Mrd Euro Pharma-Umsatz, einem Konzernbestandteil, der 100 Jahre alt ist und der natürlich nicht im Hauruck-Verfahren mal soeben ausgegliedert oder verkauft werden kann, wie sich die meist sehr jungen Analysten dies so gern vorstellen.

In diesem Umfeld gilt für Sie heute: Taschen zu und zuschauen. Einige Termine sollten Sie gleichwohl beachten, weil darin einige Indikationen stecken: E.ON berichtet heute über das erste Halbjahr. Ferner Buderus und Deutz. Schliesslich die Nr. 3 unter den Discount-Brokern, die Direkt Anlage Bank. Letzteres lässt einige Schlüsse zu und ich neige sehr dazu, mich mit allen drei Discount-Brokern näher zu beschäftigen. Das erscheint im Moment mutig,
aber reizvoll. Ich komme darauf in der AB noch zurück.

Unter den Werten des Neuen Marktes interessieren mich vor allen Dingen die Zahlen von Kontron Embedded und Basler, die ich beide bereits empfohlen hatte und bei Kontron etwas zu früh war. Darüber in der nächsten AB mehr.

In Basel gibt es heute die Halbjahreszahlen von Novartis. Das erlaubt einen Vergleich mit Roche, die gestern dran waren. Beide stehen allerdings unter dem Eindruck aller Pharmatitel, den ich schon eingehend beschrieben hatte.

In den USA interessieren heute zwei Titel: Dell bringt die Zahlen für das zweite Quartal und Hewlett Packard für das dritte Quartal. Also wieder einmal eine Zitterpartie, über deren Konsequenz ich morgen diskutiere, aber .... siehe oben.

Ich wünsche Ihnen gleichwohl einen erfolgreichen Tag und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker

Antworten
cap blaubär:

Stimmung !!!!!

 
17.08.01 10:24
Hans Bernecker: Die Stimmung ist schlechter als die Lage
Mails/Nachrichten vom 17.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die deutsche Börsenwoche endet mit großer technischer Spannung. Alle starren wie gebannt auf den DAX bzw. auf den möglichen Boden um die 5350 bis 5370. Der Tagestiefstkurs lag gestern bei 5334. Die Nervosität ist hoch, weil auch die Futures für New York heute morgen wieder im Minus sind. Ich halte eine solche Fixierung auf den Index aber nicht für gesund. Sinnvoller ist es weiterhin zu differenzieren. Dabei stellt sich heraus:

Inhaltlich liefern die "Problemfälle" Bayer und Dt. Telekom nichts Neues. Der Markt reagiert übersensibel auf die vorliegenden Fakten. Dt. Telekom bestätigt, daß 85 % der Aktien, die möglicherweise aus dem Umtausch von Voicestream zu verkaufen sind, abgedeckt sind. Wenngleich offiziell nicht bestätigt, gibt es mit Sicherheit Arrangements mit Banken, die eine Flut von Telekom-Aktien auf den Markt verhindern. Als Verkäufer des panikauslösenden 44 Mio-Paketes gilt inzwischen Hutchinson Whampoa aus Hongkong. Die schlechte Kommunikation über den Verkauf dieser Aktien hat mehr Panik ausgelöst als eigentlich gerechtfertigt ist. Insgesamt haben die größten Aktionäre, die gut 350 Mio Telekom-Aktien halten, signalisiert, daß sie an einem langfristigen Engagement interessiert sind. Der Kurs der Telekom brach gestern bis auf 18 E. ein. Die Volatilität ist hoch, aber ich ändere meine Meinung gemäß AB dieser Woche nicht. Technik hin oder her, auf diesem Niveau bleibt die Dt. Telekom ein Kauf.

Auch Bayer liefert klärende Worte. Die Verschiebung des Börsenganges in New York vom 26.September auf den Februar nächsten Jahres ist zu begrüßen. Ein Nachteil entsteht für den Konzern daraus nicht. Bezüglich der Klagen ist die Haltung von Bayer ebenfalls interessant. Sie bestreiten einen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Medikament Lipobay und verweisen gleichzeitig auf die Risikohinweise, die mit den Medikamenten geliefert wurden. Beim Thema Sammelklage reagieren natürlich alle Marktteilnehmer äußerst sensibel und erinnern sich an die Tabakklagen in den USA. Daß die Anwälte dies versuchen, ist sicher, aber ein Vergleich zur Tabakindustrie hinkt. Das sind die sachlichen Hintergründe. Dagegen stehen: Die Ausverkäufe dieser Aktien sind glatte Überreaktionen in einem ausgedünnten Marktumfeld. Die genannten Zielgrößen von 15 E. bei Telekom und 30 E. bei Bayer sind rein willkürlich. Ausschließen kann man sie kurzfristig nicht, aber sie bestimmen nicht die Tendenz. Problematischer für mich:

Die Achillesferse im DAX bleiben für mich SAP und MLP aus der genannten Bewertungsproblematik. Sie sind die einzigen beiden Titel im DAX, wo eine Halbierung der jetzigen Kurse nachvollziehbar und sogar logisch wäre. SAP hingen gestern schon bei 156 E. und MLP bei 84 E. Letztendlich kommen beide Titel nicht um eine deutlich niedrigere Bewertungen herum. Die Frage ist, ob das jetzt geschieht oder erst in den kommenden Monaten. An der Sache ändert das nichts. Besonders problematisch für den DAX ist aufgrund des hohen Gewichts natürlich die SAP.

MAN kommt weiter unter Druck. Auf Bilanzmanipulation bei der englischen Tochter des Nutzfahrzeuggeschäftes reagieren Märkte immer empfindlich. Der Schaden ist mit ca 10 Mio E. relativ klein, aber in der jetzigen Stimmung kann sich da kein Kurs halten. Rechnen Sie mit Kursen um die 21 E. gegenüber 25,75 E. Schluss gestern. Damit wird die Bewertung von MAN allerdings sehr niedrig und ich bin gespannt, ob es dann nicht doch einen Interessenten gibt, um den Konzern zu übernehmen und ihn anschliessend zu zerlegen.

Von der Wall Street: New York besticht durch zwei Aspekte. 1. Durchweg bessere Markttechnik in den Indizes wie auch in den einzelnen Titel. 2. Eine deutlich geringere Volatilität. Es fällt auf, daß die höchsten Umsätze gerade mit den abgestürzten Titeln der letzten Monate getätigt werden. Die höchsten Umsätze erzielten gestern Nortel, Lucent und EMC, wobei die letzten beiden im Plus schlossen. An der Nasdaq dominierte natürlich Ciena. 30 % Kursverlust nach einem schwächeren 3. Quartal und einer zurückgenommenen Perspektive für die nächsten 2 Jahre. Dennoch muß man diese relativieren. Der Umsatz wird in diesem Jahr nicht um 95 bis 105, sondern "nur" um 85 bis 90 % wachsen. Für 2002 soll das Umsatzwachstum dann zwischen 10 und 20 % liegen. Ob diese Zahlen 30 % Kursverlust bei 84 Mio gehandelten Stücken rechtfertigt, wage ich zu bezweifeln. Interessant: Cisco Systems legte bei sehr hohem Volumen von 43 Mio Stück leicht zu. Dies zeigt die hohe Aktivität im Markt und auch die Bereitwilligkeit des Marktes, hier technische Böden zu etablieren.

Dell und HP legten Zahlen vor, die weitgehend den Erwartungen entsprachen. Dell meldete für das 2. Quartal 101 Mio Dollar Verlust bei einem Umsatz von 7,61 Mrd Dollar. Darin enthalten sind aber 742 Mio Dollar einmalige Restrukturierungskosten, ohne die der Gewinn bei 433 Mio Dollar gelegen hätte. HP meldete einen Gewinn von 218 Mio Dollar bei einem Umsatz von 10,1 Mrd Dollar. Beides war rückläufig, aber der Kurs stieg, da es in den Erwartungen enthalten war.

Kurzum: Die Märkte arbeiten sich weiter durch eine schwierige Situation, befinden sich aber längst nicht in einer so desolaten Ausgangslage, wie es Stimmung und Indizes vor allem in Europa vermuten lassen. In diesem Markt kann man arbeiten, auch wenn es schwierig ist und Weitsicht bedarf.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 
Antworten
cap blaubär:

Frost

 
20.08.01 10:35
Hans Bernecker: Neue Woche beginnt mit Frust
Mails/Nachrichten vom 20.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die letzte Woche endete in Frustration, die neue beginnt damit. Betrachtet man die Entwicklung am letzten Freitag, gibt es zwei Ansatzpunkte, die eine Bestätigung der bisherigen Entwicklung ist: Die überkapitalisierten Aktien bleiben das Problem, und zwar so lange, bis alle unten sind. Ich weiß, daß Sie dies nicht gern hören, aber es bleibt dabei. Zu Microsoft siehe letzte AB. Eigentlich hat das mit dem Gesamtmarkt wenig zu tun, zieht ihn aber psychologisch nach unten und läßt alle anderen Titel gewissermaßen vergessen. Wer denkt schon daran, daß der gesamte Sektor Health Care, aber auch Titel wie Caterpillar und andere wie die Eisenbahnaktien etc., neue Höchstkurse erreicht haben? Niemand von Ihnen ist darin investiert, obgleich ich sie alle empfohlen hatte. Zuvor war es Philip Morris, und Procter & Gamble ist sogar ein neuer Kauf. Das ist natürlich alles "Old Economy". Eindeutiger:

Legen Sie einmal den Dow Jones neben den Nasdaq. Ersteren aus der vorletzten AB, der die ganze Periode des Zinszyklus abdeckt. Der Nasdaq hat dagegen noch ein Restrisiko von über 10 %, wenn die oben genannten Titel ihren fairen Wert erreichen. Umgekehrt ist ebenso klar:

Der Dow Jones erreicht einen neuen Break erst dann, wenn die Nasdaq scharf korrigieren wird. Dazu ist es noch zu früh. Häufig werde ich gefragt, warum ich im Frühjahr zu früh einige dieser Aktien empfohlen habe. Die Antwort:

Bis Juni/Juli war niemandem bekannt, wie hoch die Goodwill-Abschreibungen ausfallen würden, die eine der Hauptursachen aller Gewinnwarnungen darstellt. Der Grund: Während die Quartalszahlen als Ergebniszahlen permanent revidiert und diskutiert wurden, kannte niemand die Bilanzzahlen, nämlich aktivierte Beteiligungskäufe gegen ausgewiesenes Buch-Eigenkapital. Darin steckte die spektakuläre Luft. Siehe Nortel, JDS Uniphase u.a.

Für diese Woche: Das Risiko einer markanten Nasdaq-Schwäche bleibt bestehen. Es trifft zwar nur die genannten Titel, belastet aber den Gesamtmarkt. Unverändert schiele ich sehr mißtrauisch auf die großen Pharmatitel. Meinen Rückzug habe ich schon vor Wochen begründet, wobei es bleibt. Weitere Einzelheiten dazu in der nächsten AB. Ich möchte es lediglich frühzeitig gesagt haben, so wie schon in den Fällen der berühmten Hightechs.

Die Deutsche Börse hat ein ähnliches Phänomen. Drei Aktien machen die Stimmung, alles andere ist vergessen. Inzwischen wurde auch bestätigt: Die Dt. Bank konnte die große Order aus Hongkong nicht schnell unterbringen,nämlich nur 37,5 Mio von 44 Mio Stück, saß auf dem Rest und sicherte sich damit ab, daß sie Put-Optionen erwarb, was das Ganze noch dramatisch beschleunigt hat. Das kann sich die Dt. Telekom einfach nicht bieten lassen. Weiterer Kommentar überflüssig. Die Bayer-Klagesituation ist ebenfalls problematisch. Die Art und Weise, wie der bekannte Münchener Anwalt zusammen mit seinem amerikanischen Partner die Sache angeht, macht mich sehr sehr mißtrauisch. Die gleichen Typen haben bekanntlich auch den Holocaust-Streit gemanagt, woraus inzwischen eine Art Holocaust-Industrie geworden ist: Sammelklagen und demnächst eine andere "deutsche" Konstruktion. Das Ganze ist extrem schwierig abzuschätzen. Der dritte Fall betrifft MLP. Meine harte Kritik zur Aufnahme dieser Aktie in den DAX rufe ich in Erinnerung. Mir ist schleierhaft, wie man eine solche Aktie bei einem KGV um 100 in einen Performance-Index aufnehmen kann. Der nächste Schlag kam schon am Freitag mit neuem Tiefstkurs des Jahres. Wo liegt der faire Wert? Meines Erachtens um 45 statt 180 E. in der Spitze und aktuell noch 75 E. Das diese drei Aktien aber den DAX machen, ist das Fatale daran. Halten Sie fest:

Der DAX stellt das gegenwärtige Marktbild nicht mehr dar. Er läuft aus dem Ruder, wie die drei Aktien zeigen. In diesem Falle liegt die Stabilisierung nicht am oberen Rand des alten Kanals von 1999, sondern am unteren. Das wären um 4.800, ganz grob gezeichnet. Für Sie: Taschen zu, zuschauen und nicht zu früh handeln.

Einige Termine sind dennoch zu beachten: Loewe bringt heute die Zahlen zum 2. Quartal und 1. Halbjahr. Sie sind zu beachten. Ich erwäge neue Käufe, wenn auch nicht unter Zeitdruck. Plambeck vom Neuen Markt bringt ebenfalls die Zwischenzahlen. Dazu beachten Sie bitte meine Einlassungen im vorletzten Brief nebst Chart. Morgen gibt es einige noch interessantere Termine.

Das wär's für heute,

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker

Antworten
cap blaubär:

Massage????

 
21.08.01 10:07
Hans Bernecker: Leichte Entspannnung
Mails/Nachrichten vom 21.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
ich registriere eine leichte Entspannung. Die Frühindikatoren der Amerikaner sind in vierter Folge positiv und das deckt sich absolut mit dem, was ich Ihnen in den letzten Tagen zur US-Konjunktur schon schrieb. Ich kann die Nervosität und Ungeduld verstehen, insbesondere, weil sie durch die vielen Berichte, Meinungen und Analysen aus allen Ländern und Ecken durch die Medien geistern. Daran ändert sich gleichwohl nichts. Es gibt nun einmal einen sehr direkten Zusammenhang zwischen Geldpolitik und Güterwirtschaft. Umso direkter, je freier ein Markt ist und umso indirekter, je unfreier er ist. Das ist der Unterschied zwischen USA und Europa. Ich würde mich sodann auch nicht wundern, wenn die amerikanische Arbeitslosenzahl noch auf 4,7 % steigt, obwohl die Konjunktur bereits vorsichtig anzieht. Es paßt absolut ins Bild, wenn ferner die FED die Zinsen in zwei weiteren Schritten zurücknimmt, wahrscheinlich um jeweils 25 Basispunkte auf 3 %. Das hatte ich Ihnen als notwendige Größe schon im Frühjahr vorausgesagt. Übrigens waren es 2,75 % im letzten Zinszyklus vor 6 Jahren.

Das einzige Problem in den Märkten bleibt nach wie vor: Die Überbewertung in den ehemaligen Börsenlieblingen der Technologie ist noch nicht komplett beendet. Es tut mir leid, ständig darauf aufmerksam machen zu müssen. Auf die Spitze getrieben: Es könnte sein, daß alle soliden Aktien schon steigen, aber Titel wie Cisco, Oracle etc. noch 30 - 35 % oder 40 % fallen. Dann nimmt niemand die erste Gruppe wahr, aber alle die letzte. In Deutschland sind ohnehin nur die Technologieaktien bekannt. Bitte denken Sie aber daran: Der amerikanische Markt besteht aus rd. 8.000 Aktien, davon etwa 3.300 am Big Board, knapp 4.000 an der Nasdaq und der Rest an der Amex. Alle zusammen machen den Trend und nicht nur die Hightechs.

Wall Street konkret: Gestern fand während des Tages ein interessanter Dreh statt. Ein sog. Intraday-reversal. Am Ende lagen die gestiegenen Kurse vorn und die Relation new high zu new low sprang auf 3:1. An der Nasdaq wurde nur ein knappes 1:1 erreicht, was ich dennoch recht positiv finde. Darin drückt sich aber das aus, was ich eingangs beschrieben habe.

Besteht schon Handlungsbedarf? Kaum. Ich warte ab. Zahlen Sie lieber ein oder zwei Dollar mehr, wenn Sie wissen, daß die nächsten 10 Dollar sicher sind. Diese Aussage ist zur Zeit noch nicht möglich. Interessant ist aber: Lucent ist nun in den letzten Tagen mehrfach der umsatzstärkste Titel im Markt. Die Umfinanzierung von 4 Mrd $ steht, womit der Verkauf von Agere zunächst aufgeschoben wird, was wohl auch für die Glasfasersparte gilt. An Lucent werden Sie nachvollziehen können, wie ein Weltkonzern auf amerikanisch saniert wird, ein Weltkonzern bleibt, und wir wollen mal sehen, wo die Kurse in zwei oder drei Jahren stehen. Wohl auch schon in 12 Monaten. Die gewiß frustrierten Lucent-Aktionäre kann ich selbstverständlich auch verstehen, weil ich viel zu früh eingestiegen bin. Das war deutlich über 20 und sogar 30 $, und allesamt liegen wir extrem schief. Doch abgerechnet wird am Ende. Ich weiß zwar sehr wohl, daß man sich auch zu Tode verbilligen kann. Richtig bleibt es dennoch. Das gilt nicht für jede Turnaround-Spekulation. Für Xerox gilt nichts anderes.

In Deutschland hängt die Stimmung von derjenigen in New York ab, aber die zwei Unfälle bleiben ein psychologisch ebenfalls schwieriges Problem. Bayer klärt seit gestern in Anzeigen in den Zeitungen auf. Im Falle Dt. Telekom avisierte Sonera gestern Abend den Ausstieg aus der Position, was immerhin rd. 70 Mio Stück umfaßt. Es muß also ein Konsortium gefunden werden, welches das Ganze begleitet. Darauf wird es ankommen. Der Absturz von MLP ist weitgehend erledigt. Ich halte den fairen Kurs zwar erst bei 45 E. für gegeben, aber 63 E. im Tief sind schon eine Hausnummer. Auch hier zeigte sich, daß Überbewertungen kurze Beine haben. Der Druck auf SAP wird übrigens größer und nicht kleiner. Gleiches gilt für die Siemens-Familie. Ich weise noch einmal darauf hin: Die technisch beste Pharmaaktie bleibt nach wie vor Fresenius Medical Care, auf die ich mehrfach hingewiesen habe. Gestern erneut plus 4,9 %. Die Mutter Fresenius macht es etwas langsamer, aber ebenfalls positiv. Mies ist, was bei Babcock läuft. Aus dem Umtausch von Balcke Dürr gibt es immer noch Abgaben, die sogar noch im Gewinn stehen. Skeptisch beurteile ich das Gerücht, daß Preussag teilweise Material an den Markt gegeben haben soll. Bekanntlich hat Preussag 30 % Babcock-Aktien aus der Sacheinbringung seiner Töchter erlöst. Würde sich dies bestätigen, wäre es eine glatte Sauerei. Jedenfalls bemühe ich mich um weitere Details. Im übrigen macht Babcock eine ganz miese Informationspolitik und rückt bis zur Stunde mit keinen neuen konsolidierten Zahlen heraus, nachdem die Fusion mit Balcke nur Pro-forma-Zahlen zuläßt und mithin eine externe Einschätzung unmöglich ist. An den von mir gegebenen Zahlen hat sich dennoch nichts geändert. Auffallend ist auch der hohe Tagesumsatz bei Continental, die
gestern 5,8 % verloren. 13,80 E. dürfen nicht unterschritten werden. Dann besteht Gefahr eines Rückganges auf 10, obwohl Conti wahrlich preiswert ist.

Die heutigen Termine: Dt. Post liefert offiziell den Zwischenbericht zum 2. Quartal, damit auch für das 1. Halbjahr. Ferner D Logistics, worauf ich sehr gespannt bin. Ich hatte auf diese Aktie schon aufmerksam gemacht. Bitte dazu die nächste AB beachten. Die fleißigen Sachsen von Lintec hatten zwar schon vorgewarnt und am Freitag Zahlen vorgelegt. Diese werde ich mir ebenfalls näher anschauen und in Kürze näher darauf eingehen. In der HV von Hornbach-Baumarkt erwarte ich einen Ausblick für die deutsche Selfmade-Tendenz. In der Schweiz gibt es zwei ebenfalls interessante Termine, nämlich bei Ciba und Mikron Holding, wobei die letzte schon mehrfach von mir erwähnt worden ist. Letztere verlor rd. 50 % und rückt schon in die Nähe echter Käufe. Schauen Sie sich zunächst einmal die Fakten an. Insgesamt: Wenn Sie in den letzten Tagen die Meldungen der sog. Midcaps mit etwas Ruhe studiert haben, werden Sie feststellen: Die Zahlen sind durchweg bedeutend besser als das Kursbild erscheinen läßt. Ich werde dazu in der nächsten AB weitere Kommentare geben. In gut 70 % der Fälle rechtfertigen sich Käufe. Und zwar auf höchst solider Basis.

Das wär's für heute mit dem Ausblick auf eine etwas bessere Börse und einen deutlich stabileren markttechnischen Grund.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker

 


Antworten
Dixie:

Aye Cäpt'n

 
22.08.01 12:06
Hans Bernecker: Sonderchance durch Aktienanleihen
Mails/Nachrichten vom 22.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Zinssenkung von gestern 14.00 Uhr Ortszeit drückte den Dow Jones innerhalb von 20 Minuten um rd. 150 Punkte. Gewinnmitnahmen oder neue Frustration? Technisch sieht es sehr sehr knapp aus, aber die Basis hat noch gehalten. Auch die bekannten technischen Relationen sind noch gerade in der Waage. Erneut zeigt sich aber, daß aus den Zusammenbrüchen der Kurse der Technologie-Aktien jetzt eine Art Erosion entsteht. Das bedeutet abbröckelnde Notierungen ohne großen Druck, aber nachhaltig. Seit Wochen weise ich auf dieses Problem hin. Würden im Glücksfall alle großen Technikwerte an einem Tag um 30 % fallen, wäre der Spuk vorbei. Tun sie es nicht, laufen wir Gefahr, daß es noch einige Wochen braucht, bis wir mit diesen Werten unten sind. Daran führt kein Weg vorbei, weder eine Zinssenkung noch ein verbesserter Frühindikator kann daran etwas ändern. Als Rechenbeispiel: Eine Aktie wie Cisco hat noch ein Risiko von 4 - 5 $. Ob es total erreicht wird, weiß ich nicht, rechnerisch wäre es aber richtig. Das sind rd. 40 % und gleich mal 30 Mrd $ Börsenwert. Das ist so viel wie der Börsenwert der Dt. Bank. Man muß sich dies vergegenwärtigen, um zu begreifen, wie das ganze Redimensionierungsspiel läuft.

Die Konsequenz für Sie: Weiter warten, Taschen zu, nichts tun. Übrigens gab es gestern eine erste Analyse eines Brokers zu Lucent. Das Research-Haus Dell'Oro-Group errechnete einen auf 21,1 % verbesserten Marktanteil von Lucent im globalen Glasfasermarkt. Damit hat Lucent deutlich gewonnen und Nortel ebenso deutlich verloren. Nur als Zwischenbericht.

In Frankfurt hält das Telekom-Trauma an. So lange dieses Thema in allen Varianten die Runde macht, ist eine Marktstabilisierung schwierig, aber nach wie vor möglich. Nutzen Sie dies auf eine ganz pfiffige Art:

Es gibt bekanntlich Aktien-Anleihen auf Telekom. Die sind abgestürzt, so wie die Aktie selbst. Z. B. gibt es eine 13,5 % Anleihe der WGZ mit Laufzeit 01.08.02 (WKN 663 435), die bei 99 % ausgegeben worden ist, und zur Zeit knapp unter 70 % notiert. Bar-Rendite stellt sich also für Sie auf etwa 19 %. Reagiert in den nächsten 12 Monaten die Telekom nur auf 20/22 E., was nach dem Auslaufen der Verkäufe ziemlich sicher ist, notiert diese Anleihe um vermutlich 85 %. Auch 87/88 % sind möglich. Das kommt auf die Prämie an. Das aber sind weitere 20 - 22 % sicherer Kursgewinn in der Anleihe. Macht zusammen rd. 40 %. Das ist ein Tip für die, die Angst haben, die Telekom zu kaufen und mindestens die Hälfte des Gewinns über die Kupon-Rendite sicher in der Tasche haben möchten.

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer solcher Aktien-Anleihen, z. B. auch für Bayer. Lassen Sie sich die Konditionen durchgeben und rechnen Sie nach, was für jede Anleihe dieser Art wegen der unterschiedlichen Tilgungskurse (in Aktien) in jedem einzelnen Fall nachgerechnet werden muß.

Im übrigen gibt es heute nicht sehr viel zu berichten, weil die Psychologie den Markt trägt und deshalb selbst sensationelle Firmennachrichten kaum durchschlagen. Beachtenswert ist dennoch, was Karstadt bewältigt. Die von mir skizzierten Aspekte wurden gestern erneut bestätigt. Karstadt-Chef Urban führt vor, was man aus einem vergleichsweise langweiligen Kaufhaus-Konzern, der 30 Jahre lang falsch geführt wurde, machen kann. Unterstützt wird dies mit einer sehr guten Chart-Technik.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Hans A. Bernecker

Antworten
cap blaubär:

Tanztee mit Opa Bernecker

 
23.08.01 11:13
Hans Bernecker: Der Tanz auf dem Drahtseil geht weiter
Mails/Nachrichten vom 23.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Tanz auf dem Drahtseil geht weiter, aber das Ganze mutet so an, als wenn dieses Drahtseil über den Niagara-Fällen gespannt ist. Kippt irgendeiner
der Großen noch einmal aus dem Rahmen, steht die ganze Stimmung auf dem Spiel. Kippt keiner mehr, wächst unverändert die Chance für eine
bescheidene, aber interessante Herbst-Rally nach der ausgefallenen Sommer-Rally. Gestern drehte die Stimmung allein durch den positiven
Ausblick von General Motors, mehr Leute zu entlassen, um profitabler zu werden. Das klingt nun weiß Gott simpel, zeigt aber, wie der Markt reagiert.
Sorgen machen mir nach wie vor die berühmten Technologie-Aktien, wie schon x-mal beschrieben. Ich werde nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen.
Umsatz-Spitzenreiter gestern am Big Board übrigens wieder Lucent, nachdem die Tochter Agere nun selbst die Restrukturierung vorantreibt. Insgesamt
aber: Die bekannten technischen Indikatoren liegen in beiden Märkten eindeutig in positiven Bereichen.

Wirklich aufschlußreiche neue Erkenntnisse gab es gestern nicht. Aber eine läßt aufhorchen: Die Prognosen für die Chip-Industrie beginnen sich zu
ändern. Mich überrascht das nicht. Ich hatte es schon in der AB formuliert: Die Chip-Konjunktur ist hyperzyklisch, so wie früher, zeitweise noch heute
Werkzeugbau und Textil. Hyperzyklisch heißt, daß die Ausschläge nach oben und unten über das Normalmaß der zyklischen Schwankungen hinausgehen.

Normalmaß ist eher bei Autos und Elektroartikeln der Fall, um einen Vergleich zu zeigen. Wer damit richtig umgeht, weiß: Diese Aktien kauft man,
wenn sämtliche Analysten sie abstufen und man verkauft sie, wenn sie überproportional gestiegen sind. Deshalb hatte ich alle Chip-Titel Anfang
letzten Jahres zum Verkauf gestellt. Sie stehen jetzt allesamt zum Kauf. Machen Sie sich keine Illusionen: Den absolut tiefsten Kurs erwischen Sie
nicht. Deshalb steigt man in kleinen Raten bei sinkenden Kursen ein. Anders geht's nicht. Wie schnell solche Wenden einsetzen, zeigte gestern Intuit mit
plus 22,4 % Kursgewinn allein auf die Nachricht hin, daß der Branchenverband einen positiven Ausblick für Halbleiter im nächsten Jahr gibt.

Hoffnungsschimmer in Deutschland. Der Ifo-Geschäftsklima-Index steigt zum ersten Mal seit Jahresbeginn. Das klingt in den Zeitungen schon fast wie
Sylvesterstimmung mit Neujahrshoffnung. Echt? Eine statistische Lücke? Oder in der Tat der Ansatz für eine Wende, worauf der Euro übrigens auf mehr als
92 Cents anzog? Ich erlaube mir, aus einer einzigen Zahl noch keine Meinung zu bilden. Dafür ist es zu früh. Der Euro ist technisch im übrigen überkauft
und benötigt eine Korrektur um 2 bis 4 Cents. Anschließend geht es in Richtung 1:1, was sich allein aus der Dollar-Konstellation ableitet.

Frankfurt konkret: Die Vorgänge um die zwei Unfall-Aktien sind noch nicht ganz bereinigt. Nach 19 Mio Stück Tagesumsatz am Dienstag und insgesamt 23
Mio Stück gestern schauen Sie sich das Ganze an, aber handeln nicht. Ihnen läuft im Moment nichts weg. Meine Meinung: Für Bayer liegt die Kaufbasis
knapp über 30 und für Dt. Telekom zwischen 15,50 und 16,50 E. Babcock legte gestern erstmals die neuen Monatszahlen vor. Es wurde auch Zeit. Zuvor hatte
eine große Order über 166.000 Stück den Kurs auf das alte Tief gedrückt. Gestern lag der Umsatz noch bei 251.000 Stück, mit plus 4 % im Kurs. Ich
bleibe fundamental bei meiner Einschätzung, aber was hinter den Kulissen läuft, weiß ich nicht. Nachdem sich die WestLB klammheimlich von Stücken
getrennt hatte und nur noch 6,7 % hält, warte ich gespannt darauf, ob Preussag sich ebenfalls zurückzieht. Aus Hannover ist kein Kommentar zu
erhalten. Bitte weiterhin auf Depfa achten, die gestern 86,90 E. erreichten. Ich hatte schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht. Die Gründe kennen Sie.

Mein gestriger Tip bezüglich einer Aktienanleihe sorgte für einige Aufregung. Es ist die Gegenposition bei abgestürzten Anleihekursen zu den
Angeboten von Neuemissionen, von denen Sie bitte die Finger lassen. Für jede dieser Anleihen muß sorgfältig gerechnet werden. Darin stecken stets
zwei Ansätze: Entweder die Anleihe kaufen und das Coupongeld kassieren und anschließend nach ein paar Monaten die Anleihe verkaufen, wenn sich die
dahinterstehende Aktie erholt, oder aber die ganze Laufzeit abwarten, was noch zu kommentieren sein wird. Jedenfalls ist es die gegenwärtig
interessanteste Börsenwette, wofür Sie rund die Hälfte des Ertrages Bargeld bekommen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker

Antworten
Dr.UdoBroem.:

Was Opa B nur immer mit Lucent hat....

 
23.08.01 19:42
Dolle sieht das nu wirklich nicht aus.

On a separate note, Lucent's (LU +0.08) analyst meeting has started, and Briefing.com wouldn't say it
                         has gotten off to a gangbuster start... One of the early revelations is that the company sees the service
                         provider equipment market probably coming back in 2003...After 2002, LU expects the industry to get
                         back to more traditional growth rates of 10%-15% because primary end user demand is still strong, but
                         says it is unlikely to see the 20%+ returns ever again...

Gruß Dr. Broemme
Opa Berneckers Moderatte(neu weil alter Tr.zuvoll) 397395
Antworten
cap blaubär:

RUHE!!!!!!

 
24.08.01 11:22
Hans Bernecker: Ruhe zum Nachdenken
Mails/Nachrichten vom 24.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
je ruhiger die Märkte einen Boden finden, um so besser. Je weniger aufregende Informationen und Nachrichten, desto besser. Jedenfalls brauchen die Märkte Ruhe, um nachzudenken. Dieser Bericht ist deshalb bewußt kurz, aber eine Ergänzung zur heutigen AB. Betroffen macht mich auch die Aufregung und Frustration vieler Stimmen, die mich über E-Mail erreichen.

Wenn Sie die heutigen Firmennachrichten überschlagen, wird Ihnen aber eines auffallen, was zum Nachdenken anregt. Auch ich kann mich dem nicht entziehen. Es geht darum:

Shareholder Value ist bekanntlich ein beflügeltes Wort. Jeder Vorstandsvorsitzende führt es im Munde. Kaum einer, der es nicht erwähnt. Aber: Wenn Weltfirmen wie MAN oder Hochtief wie z. B. heute morgen schlicht und einfach verkünden, das Ergebnis ist eingebrochen, obwohl vor wenigen Monaten oder Wochen das Gegenteil gesagt oder mindestens dem nicht widersprochen wurde, das nämlich die Ergebnisse stabil seien, kann etwas nicht stimmen. Niemand kann mir erzählen, daß Geschäfte von Weltfirmen innerhalb weniger Wochen zusammen- oder einbrechen. Das ist nur in Ausnahmefällen denkbar. Im Umkehrschluß heißt das:

Unter dem Begriff Shareholder Value wurde in den Unternehmen hart an der Kante des Glaubwürdigen mit Zahlen und Erwartungen jongliert, die von vornherein fragwürdig waren. Ich gebe zu, das ist ein schwerer Vorwurf. Aber ich stelle mich diesbezüglich fast jeder Diskussion. Denn ich bin erfahren genug, um zu wissen, wie Aufträge, Umsätze und Ergebnisse in Produktionsfirmen und im Handel gesteuert werden. Deshalb an Sie:

Wir haben allen Grund, den Informationen der Firmen mit größerem Mißtrauen zu begegnen, als dies bislang der Fall war. Die Art und Weise, die Börsenöffentlichkeit möglichst jede Woche mit irgendeinem Faktum zu füttern, erweist sich jedenfalls als sehr fragwürdig.

Die Wall Street macht es vor: Ich bleibe nach wie vor äußerst skeptisch gegenüber den hochkapitalisierten Technologiefirmen. Vor Anfang Oktober werde ich voraussichtlich keine einzige Aktie dieser Art anfassen. Die Ergebnisse für das III. Quartal werden nämlich eine Art Glaubwürdigkeitstest. Dann wird spürbar werden, wie das operative Ergebnis aussieht, wenn die berühmten Einmal-Abschreibungen auf Lager bzw. Goodwill oder die Restrukturierungskosten voll eingearbeitet sind. Jede andere Zahl, die vorher genannt ist, ist fragwürdig. Andererseits: Lucent verkündete gestern, daß schwarze Zahlen im nächsten Jahr geschrieben werden sollen. Ein Beispiel dafür, wie ein großes Unternehmen die Rückkehr in die Profitabilität absolviert. Verfolgen Sie dies bitte genauer, weil Sie daran erkennen können, wie so etwas funktioniert.

In Deutschland gibt es heute nichts zu berichten, worüber es sich lohnt, neu nachzudenken. Die Namensänderung bei Preussag bewirkt keinen Handlungsbedarf. Die Gewinnwarnung von AXA habe ich in der heutigen AB schon berücksichtigt. Bitte verkaufen und lesen Sie dazu S. 3. Die Gewinnwarnung von Hochtief darf den Kurs nicht nachhaltig unter 20 E. drücken. Dann wäre die Markttechnik kurzfristig kaputt. Aus München hörte ich gestern abend, daß die Aufteilung von MAN letztlich besprochen, aber der Vorstand damit nicht einverstanden ist. Auf diesen Sachverhalt komme ich demnächst noch zurück.

Ich wünsche Ihnen damit ein schönes Wochenende und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker

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cap blaubär:

Cisco Wände??????

 
27.08.01 10:52
Hans Bernecker: Reicht Cisco zur Marktwende?
Mails/Nachrichten vom 27.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die New Yorker Börse schloß am Freitag wesentlich besser als ich morgens noch vermutet hatte. Entsprechend zogen alle Europäer mit. Reicht "eine Cisco", um den Markt zu drehen? Der charismatische Chef von Cisco, John Chambers, bewirkte in der Tat einen beachtlichen Dreh in den Meinungen. Er sieht erste Zeichen einer Trendwende. Nun ist Chambers dafür bekannt, eine "lose Zunge" in Sachen Zukunftsperspektiven zu haben. Aber so ganz ist seine Meinung nicht in die Ecke zu stellen. Ich tendiere jedenfalls in die gleiche Richtung, was ich mit dem Wort "hyperzyklisch" schon gelegentlich erwähnt habe. Es ist schon beeindruckend, wie die amerikanischen Unternehmen mit dem Thema umgehen: Sie konnten es gerade in einem ausführlichen Artikel in der FAZ nachlesen. Hier zu Lucent: Rund die Hälfte der Anfang des Jahres noch 123.000 Stellen werden gestrichen. So kommt man in die Profitabilität, wenn man sich in der Einschätzung vertan hat. "Wir hatten gedacht, daß die Nachfrage praktisch unbegrenzt ist", damit wird Lucent-Chef Schacht zitiert. Also das gleiche wie bei den anderen, siehe Nortel etc. Ich bin nun gespannt, was die Analysten aus Lucent mit inzwischen wieder über 6 Mrd $ in der Kasse so alles machen werden. Nicht beantwortet ist damit die folgende Frage:

Cisco machte im letzten Jahr 1 Mrd $ Verlust. Das Geschäftsjahr endete am 28. Juli. Im laufenden Geschäftsjahr soll es schwarze Zahlen geben, aber: Börsenwert noch immer über 106 Mrd $ für einen Umsatz von voraussichtlich um 28 Mrd $. Also immer noch das Problem, das ich häufig erwähnt habe: Die hohe Bewertung für die alten Lieblinge. Das ist der Grund, warum ich noch immer etwas vorsichtig bin. Nicht zu leugnen ist indes, daß sich die Charttechnik aller dieser Titel, die mehr oder minder gleich ist, mit der Freitagsbörse deutlich verbesserte. Das sieht nicht mehr danach aus, daß die sog. fairen Kurse, wie ich sie bezeichnet hatte und die allesamt um rd. 30 % tiefer liegen, noch erreicht werden. Schauen wir zu. Die Woche wird's zeigen.

Mein Vorschlag schon jetzt: Nicht Hals über Kopf kaufen, aber die Markttechnik gut überprüfen. Ich zahle gern 2 $ mehr, wenn die kommenden 10 $ sicher sind. Eine Vorindikation dürfte wohl schon in dieser Woche möglich werden.

Deutschland reagierte erstaunlich schnell. Alle Techniktitel waren dabei und auch hier ging es um die Frage "der Stimmung". Über das Wochenende erreichten mich mehr als 80 Fragen zu Dt. Telekom: "Was nun, kaufen oder verkaufen". Das fundamentale Urteil muß ich nicht wiederholen. Lesen Sie die Ausführungen Ron Sommers im heutigen Handelsblatt. Die Markttechnik hängt allein von den Verkäufen der bekannten Paketbesitzer ab. Hier gibt es nur Vermutungen, so auch meine: Das Chaos ist beendet. Ich halte unerschütterlich an meiner Einschätzung fest. Und diese reicht bis max. 45/50 E., vielleicht sogar 55 E. Denn das, was Chambers oben erwähnte, betrifft die Investitionsfähigkeit der Telekomindustrie, ist also indikativ.

Auch hier gilt für diese Woche: Ich schaue befriedigend auf die bevorstehende Bereinigung der technischen Schieflage, nachdem m. E. die Basis um 5.400 im DAX knapp gehalten hat, wenn sie auch wegen des Telekom-Wirbels und der Bayer-Ereignisse kurzfristig verzerrt war.

Was gibt's terminlich? Heute nichts Aufregendes, morgen wird es interessanter, denn dann ist Telekom mit der Halbjahrespressekonferenz dran. Ferner Thyssen Krupp mit den Zahlen für das 3. Quartal, was ich ebenfalls für interessant halte. Ergo gilt für Sie: Neue Käufe drängen sich nicht auf, aber Verkäufe mindestens ebenso wenig.

Herzlichst, Ihr

Hans A. Bernecker
 




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MaxGreen:

Mich wundert die Ralley vom Freitag auch ein

 
27.08.01 21:27
wenig, besonders weil ich noch DOW Puts besitze und immer noch der Meinung bin das die 10000 Marke noch unterschritten wird. Fundamental hat sich doch nichts geändert!? Na,ja abwarten und Tee trinken.

Wo gibs die die Kommentare von H.A.Bernecker im Netz, ausser hier bei ariva ??

maxgreen
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Zick-Zock:

na ja... wenn cap nicht will

 
27.08.01 22:29
dann sind wir heute mal nicht so...

www.bern-stein.de/aktuell/index.htm

gruss
Zick-Zock
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MaxGreen:

Recht herzlichen Dank für die Info!

 
27.08.01 22:44
Der Herr soll Dich mit Kursgewinnen belohnen!

gruss maxgreen
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cap blaubär:

Plattfüsse?(wg.Trendsportart extreemhaussewaiting)

 
28.08.01 10:23
Hans Bernecker: Fundament wird breiter
Mails/Nachrichten vom 28.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
das Fundament wird langsam breiter und fester. Am besten wäre es, wenn es in
dieser Art noch zwei bis drei Wochen weiterginge und das Umsatzvolumen täglich in New York nur um rd. 1 Mrd Stück liegt. Irgendwann werden aber die
erheblichen Leerpositionen eingedeckt werden müssen und wie dies läuft,
zeigt Ihnen jeden Tag Lucent. Gestern bereits 7,43 $ bei einem Umsatz von
27,4 Mio Stück und damit schon einige Tage hintereinander der umsatzstärkste
Titel des Big Boards. In dieser Aktie gibt es noch immer die größten
Leerpositionen. Mit viel Fingerspitzengefühl müssen diese 'shorter' ihre
Stücke einsammeln. Mal sehen, wie das läuft. In solchen Fällen tritt am Ende
meist ein Stückemangel ein und dann steht der Kurs plötzlich bei 10 oder gar
12 $. Ganz ähnlich läuft es bei Xerox, die gestern die kritische Marke 9 $
überschritten haben. Hier sind allerdings nicht so riesige Shortpositionen
offen. Das Prinzip ist aber das gleiche. Mit Wert oder Unwert der Aktie hat
das nichts zu tun.

Die Gesamtbörse hat mir gestern insofern ganz gut gefallen und sie wird
heute auch nicht schlechter ausfallen. Im Mittelpunkt steht der
Meinungswandel um alles, was mit Chips zu tun hat. Gehen Sie an diese Sache
ganz gelassen heran: Es ist unerheblich, ob der Chipmarkt im November oder
im März anzieht. Daß er es tut, ist ganz sicher. Denn Chips sind der
wichtigste Bestandteil für gut 30 % aller intelligenten Produkte, die es
zur Zeit in den Industrieländern gibt. In den Sektoren Unterhaltung, Medien

etc. sind es über 70 %. Der Rest entfällt auf die Industrie. Die Folge ist
klar: Chipaktien sind die Renner der nächsten 18 Monate. Wo die absoluten
Tiefstkurse liegen, weiß ich nicht. Das weiß niemand. Ich taxiere das
Restrisiko auf 10 - 20 % vor dem Potential von 100 %. Entscheiden Sie
selbst, wo Sie die AMD kaufen, die bis auf einen ¾ $ den Tiefstkurs des
Frühjahrs getestet hat. Das ist gekonnt. Inzwischen wieder 15,30 nach 14,25
$. Dies nur als Beispiel. Ich setze daher meine bisherige Linie fort:
'Bottom fishing'.

In Deutschland ist die Angstluft ebenfalls schon weitgehend verflogen. Dt.
Telekom beginnt sich zu erholen und dies ist die wichtigste Marke an dieser
Börse. Daran kommen Sie nicht vorbei, so unsinnig auch die vielen
Zeitungsberichte und Kommentare klingen. Natürlich sind Kurse von 16 - 19 E.
Kaufkurse. Der schönste Gewinn war übrigens der in der letzten Woche, als
ich Ihnen am schwärzesten Tag die Aktienanleihe auf Dt. Telekom empfahl. Sie
müßten sie bei 68,50 zu 69,50 % erhalten haben. Inzwischen deutlich über 78
%, wenn auch nicht nachhaltig. Die Volatilität ist natürlich enorm. Diese
Anleihe ist noch nicht ausgereizt. Bei Schwäche also aufpassen. 70 % wären
ein Superkurs. Sie wissen: Diese Aktienanleihe ist eine Art Wette, wie weit
sich Dt. Telekom in den nächsten 6 - 7 Monaten erholt. Neben 18 % Barrendite
ein gutes Geschäft.

Heute wird es erneut spannend, wenn Ron Sommer die Halbjahrespressekonferenz
dazu nutzen wird, einiges Grundsätzliches zu sagen. Morgen ist übrigens
T-Online dran. Ich erwarte auch ein Konzept für die Plazierung der noch
offenen Positionen derjenigen Aktionäre, die auf den Ablauf der Sperrfrist
warten. Nicht alle verfahren auf chinesisch. Diese Bemerkung ist wohl
erlaubt: Wie konnten Telekom und die Banken mit den Chinesen eine solche
Bindung eingehen, wenn sie wissen, wie die Chinesen mit derartigen Verträgen
umgehen. Das ist keine Chinesenschelte, aber: Deren Rechtsverständnis oder
Unrechtsbewußtsein ist nun einmal anders. Erstaunlicherweise habe ich dazu
in den Medien noch nichts gelesen.

Bezüglich des Neuen Marktes gibt es heute eine HV, die einen interessanten
Ausblick bieten dürfte. Das ist Adva, worüber ich in der nächsten AB etwas
vorbereite. Mir erscheint diese Aktie auf der aktuellen Basis trotz der
desolaten Verfassung des Gesamtmarktes eine wirklich interessante
Langfristinvestition zu sein. Hier kaufen Sie Technik pur.

Wie ich überhaupt der Meinung bin: In Relation zum SDAX oder SMAX nimmt die
Zahl der wirklich lukrativen Langfristinvestments in Technikaktien am Neuen
Markt eher zu als an den zwei etablierten Märkten. Sie müssen allerdings bereit
sein, größere Kursschwankungen zu akzeptieren.

Kurz zum Euro: Korrekturpotential bleibt bei 3 bis äußerst 4 Cents. Neue
Leerverkäufe im Dollar liegen dann bei 87 - 88 Cents. Wichtig für
Absicherungsgeschäfte in Dollarbonds.

Das war's für heute. Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 
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cap blaubär:

Konsumverweigererindex

 
29.08.01 13:15
Hans Bernecker: Das Konsumentenvertrauen ist eine nicht quantifizierbare Größe
Mails/Nachrichten vom 29.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
nun ist auch der Verbraucherindex der Amerikaner ein Grund, warum die deutsche Börse schwach wird. Zumindest zeigt das die ungewöhnliche Nervosität und auch eine gute Portion Unkenntnis. Von heute morgen 7.00 Uhr bis viertel vor acht mußte ich einigen meiner Leserfreunde das Ganze bereits erklären. Deshalb für alle:

Der Index des Konsumentenvertrauens ist ein Umfrageergebnis, also keine quantifizierbare Größe. Sie gehört auch zu den sogenannten nachlaufenden Indikatoren in folgendem Zusammenhang: Bei einer Abkühlung der Konjunktur sinken zunächst Aufträge, dann Umsätze und schließlich die Gewinne. Dem folgt mit einem Zeitverzug die Freisetzung von Arbeitskräften. Folge davon ist das abnehmende Vertrauen der Konsumenten. Ich hatte eine Arbeitslosenquote von 4,7 % schon avisiert. Bisher wurden 4,5 % erreicht. Die erste Zahl halte ich noch für wahrscheinlich, weil die Freisetzung der Arbeitskräfte in den meisten Fällen Ende des zweiten Quartals angekündigt wurde, aber jetzt erst realisiert wird. In Deutschland würde dies viel länger dauern. Steigt die Quote auf 4,7, schlägt dies aber auf das Konsumentenvertrauen durch, so daß eine deutliche Verbesserung nicht vor Weihnachten erwartet werden kann. Interessant wird dann der sogenannte Einkäuferindex. Er ist auch ein Umfrageergebnis und zeigte seit drei Monaten eine leicht steigende Tendenz. Kippt er demnächst ab, so wäre dies eine Bestätigung der Konsumentenhaltung. Ich werde darauf zurückkommen.

Der sogenannte faire Wert für die Technologieaktien spielte gestern eine indirekte Rolle. Goldman Sachs nahm die Gewinnschätzung für Sun Microsystems zurück. Daraufhin fiel die Aktie auf 13 Dollar. Aber Sie wissen: Der faire Kurs liegt zwischen 9 und 12 Dollar. Also bitte aufpassen. Wir sind nahe dran. Die Erholung meiner zwei Schieflagen Lucent und Xerox geht zwar nur in kleinen Schritten voran, aber sie geht. Motorola ist das Vorbild. Diese Fälle zeigen, wie die Kurse sich entwickeln, wenn der faire Wert erreicht ist und Fakten statt Gerüchte wirksam werden.

Meine Empfehlung heute: Zuschauen, Liquidität in Reserve halten, Verkäufe lohnen nicht mehr, aber neue Käufe sind nicht dringend. Das ist das, was ich schon ehrfach als eine Anlagepolitik der ruhigen Hand beschrieben habe.

Frankfurt schielt natürlich nach New York und denkt selbst wenig nach. Daran ist nichts zu ändern. Nehmen Sie sich heute morgen gleichwohl Zeit: Die Zahlen von Deutsche Telekom sollten Sie zwei Mal lesen. Damit ist das Problem der rund 170 Mio Aktien noch nicht gelöst, die netto zur Plazierung anstehen, aber was Ron Sommer gestern ausführte, teile ich. Alles Nähere dazu in der AB. Die Kursbasis für Käufe liegt zwischen 16 und 18 E. Allerdings nur für jene, die ein bißchen weiter denken als bis zur Nasenspitze.

Der neue Tarif für VW enthält keine neuen Aspekte. Er begünstigt aber strukturell die Tendenz in Wolfsburg, die Produktion innerhalb des Konzerns in Europa auszubauen und die Verbundeffekte besser zu nutzen. Ich würde mich nicht wundern, wenn VW in diesem Zusammenhang eine weitere Betriebsstätte in Ostdeutschland aufzieht. Mit dem neuen Modell läßt sich dies relativ optimal gestalten. Was der Thyssen-Vorstand gestern von sich gab, war typisch "old economy". Das Ganze hörte sich an wie vor 25 Jahren: Höchst solide, aber ohne jede Phantasie. Dennoch steckt in dieser Aktie mehr als die etwas gewandelte Mannschaft auf dem Podium erkennen läßt. Die gestrigen Gerüchte in Sachen Bayer/Roche sind so, wie sie dargestellt werden, natürlich falsch. Bayer wird nicht verkaufen, aber eine "Ehe" erwägen. Und zwar unter Gleichen und mit dem Namen Bayer im Firmennamen. Erwarten Sie keine kurzfristigen Entscheidungen. Dazu ist das ganze Thema in Leverkusen viel zu sensibel "angesiedelt". Die Kaufbasis für Bayer hatte ich bereits genannt: 30/32 E. haben nochmals eine Chance. Bisheriges Tief 32,51 E.

Beim Euro/Dollar bleibt es wie avisiert. Ich rechne mit einer technischen Korrektur zugunsten des Dollars, aber nur im Umfang von 3 bis 4 Cents gegenüber der bisherigen Spitze.

Welche Termine gibt es heute: Springer ist mit den Halbjahreszahlen dran. Dazu bitte die AB nochmals in die Hand nehmen. T-Online kommt mit den Zahlen für das zweite Quartal und erste Halbjahr und bei Xerox ist heute Hauptversammlung. Insgesamt ist das nicht viel, aber durchaus indikativ.

Das wär's für heute,

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 


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cap blaubär:

schönem Wetter, aber nachlassenden Temperaturen

 
30.08.01 10:36
Hans Bernecker: Jetzt wird es knapp
Mails/Nachrichten vom 30.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
jetzt wird's knapp. Ganz wenig über 10 000 im Dow Jones läßt sich nur noch anhand von Momentum oder Stochastik interpretieren. Das ist zweifellos auch dünn. Jedenfalls darf der Dow Jones aus seiner bisherigen Bandbreite nicht nach unten herausfallen. Vor 3 Wochen hatte ich Ihnen dies in der AB gezeigt. Nehmen Sie sie noch einmal zur Hand. Das klingt nach reiner Charttechnik, ist es aber nur teilweise. Fällt ein so großer Markt gewissermaßen aus dem Fenster, hängen daran eine Menge Entscheidungen aller Teilnehmer. Seien es nun Stop Loss-Orders oder anderes. Mein Eindruck zur Stunde: Es wird reichen. Aber am seidenen Faden hängt das Ganze dennoch. Gibt es eine grundsätzliche Gefahr? Nein, indes:

Ein Markt, der auf ein Konjunktursignal wartet, steht auch in einer Art Geduldstest. Das spürt man in der Stimmung. Wenn an sich nicht kompetente Führungskräfte von Anlagegesellschaften ihren Managern jetzt die Anweisung geben, die Bargeldquote anzuheben, also zu verkaufen, ohne das es dafür eine sachliche Begründung oder Notwendigkeit gibt, ist dies ein nicht sehr positives Zeichen. Denn es hat nichts mit Wert und Bewertung zu tun, sondern mit Psychologie.

An der Wall Street hat die Markttechnik ein weitgehend ausgeglichenes Bild am Big Board, aber eine unverändert labile Haltung am Nasdaq. Das Thema läßt sich in allen Varianten kombinieren und immer wieder werde ich per E-Mail gefragt: Soll man die bekannten Technologie-Aktien noch verkaufen? Zur Bewertung habe ich mich x-fach geäußert. Die wirklich fairen Preise sind noch nicht erreicht. Daran kann ich nichts ändern. Nun müssen sie nicht zwangsläufig erreicht werden, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit. Das sind die bekannten 3 - 6 $ je Aktie in solchen Titeln wie Cisco, Oracle und anderen. Wer wirklich stur ist, hält sich daran. Verkaufen würde ich in einer solchen Situation diese Titel nicht mehr. Aber die Käufe/Zukäufe liegen einfach tiefer. Beispiel: Nokia. Mein fairer Kurs liegt bekanntlich bei 16 E. Gestern wurden 17,50 E. erreicht. 1 1/2 E. sind aber 9 %. Natürlich waren alle Analysten anderer Meinung. Aber an diesem bekannten Beispiel können Sie sehen, wie sich letztlich jeder Kurs an seinen fairen Wert herantastet, gleichgültig, was Sie darüber so alles in der Presse lesen oder in den Medien erzählt bekommen.

In Deutschland gibt es immer wieder Versuche, aber keinen Durchbruch. Vor dem Hintergrund der Wall Street ist anderes auch nicht zu erwarten. Eigentlich gilt: Nichts Neues. Bezeichnend sind die Umsätze. Im DAX-Bereich liegen Sie um 30 % unter früherem Niveau und im MDAX gibt es Titel mit Tagesumsätzen von weniger als 5000 Stück. Mithin sind sämtliche Kurse Zufallskurse. Auf eines mache ich jedoch aufmerksam: Eine Reihe von Werten erhalten Sie jetzt zum Ausverkaufspreis. Bei einer Aufwärtsbewegung sind diese Titel nicht mehr zu bekommen. Dazu gehört aber, daß Sie in fallende Kurse hinein kaufen, was nicht jedermanns Sache ist. Eine solche Aktie ist z. B. Springer, auf die ich schon aufmerksam machte. Die schlechten Zahlen lesen Sie heute in der Zeitung. Der Kurs ist mehr als halbiert. In einer festen Börse kriegen Sie kein Stück. In der aktuellen Schwächephase das eine oder andere. In 18 Monaten notiert dieser Titel deutlich höher.

Weltuntergangsstimmung in Tokio. Neuer Tiefstkurs des Nikkei seit 17 Jahren! Was soll man dazu sagen? Ich hebe die Hände. Tief enttäuscht stelle ich fest, daß die drittgrößte Exportnation der Welt, die zweitgrößte Industrienation der Welt und 145 Mio Japaner einfach die politische Kurve nicht kriegen. Das ist noch schlimmer als bei Kohl und jetzt Schröder. Das Ausmaß der Verdeckungen/Verschleierungen ist einfach unfaßbar. Am Beispiel der jüngsten Arbeitslosenzahlen: Sie erreichte bekanntlich 5 % oder 3,36 Mio Arbeitslose. Nicht berücksichtigt sind in dieser Zahl die sog. Zeitlöhner, die überhaupt nicht erfaßt sind und die zeitweise beschäftigt werden. Diese Zahl liegt bei etwa 1,3 - 1,6 Mio. Nicht erfaßt sind auch die Freisetzungen über Abfindungen oder Frühpensionierung. Diese Zahl liegt bei etwa 1,6 Mio. Das sind alles geschätzte Zahlen der Banken. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit liegt also bei rd. 10 %, wird aber in dieser Größe nicht genannt. Es geht darum, das Gesicht zu wahren. Eine Nation, die sich permanent selbst belügt, läßt sich in ihrer wirtschaftlichen Potenz einfach nicht einschätzen. Ich habe in der letzten AB das Ganze noch auf Warteposition gestellt. Einfach deshalb, weil ich die Hoffnung auf Vernunft nicht aufgegeben habe. Denn die Konsequenzen sind in Kürze zu ziehen. Und natürlich werde ich sie ziehen.

Bei immer noch schönem Wetter, aber nachlassenden Temperaturen, wünsche ich Ihnen heute einen kühlen Kopf, um die Dinge richtig zu sehen.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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cap blaubär:

finsterindüsseldorf???(besonders hell wars da nie)

 
31.08.01 12:20
Hans Bernecker: Augen zu!
Mails/Nachrichten vom 31.08.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
am besten, Sie machen die Augen zu. Für schwache Gemüter ist das jetzt nichts. Geradezu verstört riefen mich heute morgen schon einige Damen und Herren an, "geht jetzt die Welt unter" und: "Sollen wir rausgehen"? Natürlich nicht, obwohl es sehr sehr knapp geworden ist. Ich hatte das gestern schon erwähnt. Bitte nehmen Sie die Actien-Börse Nr. 33, einen spitzen Bleistift, und zeichnen Sie die letzten 10 Börsentage für den Dow Jones in die Grafik ein. Ob nun 10.000 oder etwas weniger, der wichtigste Trend-Indikator liegt noch immer im angemessenen Rahmen. Da die Markttechnik eine deutlich überverkaufte Lage zeigt, ist ein sofortiger Durchrutsch nicht
möglich oder zumindest sehr unwahrscheinlich. Andererseits bleibt klar, und darin wiederhole ich mich: So lange die fairen Preise für die Technologie-Werte nicht erreicht sind, haben die Märkte ihre Probleme.

Gestern war Sun Microsystems dran. Gewinnwarnung, und damit sind die ursprünglich genannten 9 - 11 $ schon greifbar nahe. Schluß gestern 12 1/2 $. Für alle anderen gilt das gleiche und so lange dies so ist, ist eine Labilität der Gesamtmärkte nicht zu vermeiden. Ob Sie jetzt noch verkaufen und 2 $ niedriger wieder reingehen, möchte ich nicht entscheiden. Nokia ist ein weiterer Fall. Ich hatte 16 E. (!) als möglichen ersten Kurs bezeichnet, gestern wurden es 16,70 E. Die Range für die mögliche Stabilisierung liegt zwischen 14 und 16 E., und das ergäbe einen Börsenwert von immer noch 65/70 Mrd E. gegen aktuell 77 Mrd E. für einen Umsatz von vermutlich 25 - 26 Mrd E. Also immer noch ein Kurs, der nicht gerade preiswert ist. Diese Redimensionierungen, wie ich sie nenne, sind weniger substantiell, als psychologisch ein wesentliches Handicap. Auch dann, wenn alle anderen sich überhaupt nicht bewegen würden. Apropos Psychologie: Eine Schlagzeile von heute ist im Handelsblatt: Broadvision riß den Nemax mit - 20,6 % in die Tiefe.

Oh Schreck. Das ganze waren 36 Euro-Cents. Tun Sie mir daher einen Gefallen:

Lesen Sie die Zahlenangaben sorgfältig und stellen Sie sie in die richtige Relation.

Fazit aus allem: Es hat keinen Sinn, jetzt gegenzuhalten. Rutschende Kurse sind für die nächsten 2 - 3 Tage kein Handlungsbedarf für Sie. Auf die überverkaufte Lage weise ich aber hin, so daß in der Regel daraus sehr heftige Positiv-Korrekturen erwachsen.

Frankfurt marschiert natürlich im Rhythmus der Wall Street. Daran ist nichts zu ändern. Die hohen Umsätze bei Dt. Telekom um 18 - 24 Mio Stück pro Tag bleiben vorerst eine Belastung. Auch daran ist nichts zu ändern. Wie weit SAP dem Ganzen noch widersteht, bleibt ebenfalls offen. Die Basiswerte für die Technologie-Aktien hatte ich schon genannt. Erfreulich und ein Beispiel für Bargain Hunting, obwohl sich daran eine ganze Reihe Leute stören, war gestern Springer: + 20 % nach Vorlage der schlechten Ergebnisse, und ich hatte Ihnen vor zwei Wochen gesagt, daß diese Aktie eigentlich nur in einer schwachen Börse gekauft werden kann. Den gestrigen Sprung nehmen Sie bitte nicht ganz ernst, weil er das Resultat der Marktenge ist. Doch es bleibt die alte Erfahrung: In schwachen Börsen kauft man grundsätzlich gut ein.

Gegenüber den Bau-Aktien gibt es nun neue Vorbehalte. Die Ankündigung eines roten Abschlusses bei Hochtief widerspricht in der Tat meiner Einschätzung der 3 Bauaktien Hochtief sowie Bilfinger & Berger und der Besonderheit Holzmann. Hahaha, so tönte es gestern auf dem Board. Das zeugt von Kurz-, aber wenig Weitblick. Halten Sie fest: Auch hier gibt es Goodwill-Abschreibungen und ferner die ominöse Position: Nicht abgerechnete Bauleistungen. Das ist eine Besonderheit für alle deutschen Bau-Unternehmen und eine Bilanzfrage. Wer das Geschäft kennt, weiß, wie man über diese Positionen die Gewinne sehr gekonnt steuern kann. Dennoch ist die kürzliche Hochtief-Warnung insofern eine Enttäuschung, als Essen vor 4 Monaten eine ganz andere Prognose veröffentlicht hat und dann kann niemand behaupten, daß sich das ansich langfristige Baugeschäft innerhalb der kurzen Zeit so dramatisch verschlechtert. Der neue Tiefstkurs von 15,70 E. kam bei einem Umsatz von rd. 116 000 Stück zustande, und das sind 1,8 Mio E. ausmachender Betrag. Nicht gerade gewaltig bei einer Börsenkapitalisierung von 1,12 Mrd E.

Anmerkung zum Euro: Was Duisenberg gestern von sich gab, lag eigentlich unter der Gürtel-Linie eines Noten-Bankers. Selbstverständlich hat die Zinssenkung einen Null-Effekt für die Konjunktur. Das habe ich gelegentlich schon dargelegt. Wenn der Euro "uns ein großes Zuhause gibt", so Duisenberg, so halte ich dies schon für ein erschreckend niedriges Niveau, über Währungsdinge in dieser Form zu polemisieren.

Machen Sie also die Augen zu, schauen Sie sich die Kurse an, aber nicht zu intensiv, denn Sie verderben sich das Wochenende. Mehr ist aber wirklich nicht zu sagen, denn einen Verkauf halte ich für falsch.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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cap blaubär:

alle Gewinne werden nun zurückgenommen

 
03.09.01 10:27
Hans Bernecker: Ticker 03.09.01
Mails/Nachrichten vom 03.09.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
was die Amerikaner am letzten Freitag gerade noch entspannten, setzen die Japaner heute morgen fort. Weiter schwach. Damit stelle ich Tokio nicht nur auf den Prüfstand, sondern an die Wand. Ich glaube, daß ich nicht darum herumkomme, obwohl ich wochenlang nach der Wahl und allen sonstigen Ankündigungen die Hoffnung hatte, daß die Politiker in Japan den Willen haben, die gesetzlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, eine
wirtschaftspolitische Wende einzuleiten.

Die massiven Entlassungen bei japanischen Firmen (soeben 10.000 bei Kyocera) sind eine Novität. Sie sind eine Art Verzweiflungsschritt. Bisher galt in Japan der absolute Konsens, solche Dinge nicht anzufassen. Damit addieren sich sämtliche Entlassungen/Freisetzungen auf zur Zeit annähernd 1 Mio Arbeitsplätze, womit die kürzliche Arbeitslosenrate von 5 % mit Sicherheit überschritten wird. Doch auch dies wird in der Statistik mit gleicher Sicherheit manipuliert werden. Somit ist eine einigermaßen zuverlässige Beurteilung der dortigen Situation unmöglich. Mein Rat:

Räumen Sie das Tokio-Portfolio bis auf die Broker-Aktien. Es entstehen mehr oder minder größere Verluste, teilweise noch gute Gewinne, je nachdem, wann gekauft worden ist. Die Erstkäufer liegen noch meistens im Plus, die
Zukäufer weitgehend im Minus. Mir ist die freiwerdende Liquidität wichtiger. Das gilt auch dann:

Sollte sich dieser Schritt als voreilig erweisen, ist ein späterer Rückkauf immer noch zu diskutieren. Vorerst läuft jedenfalls nichts weg.

Wall Street endete am Freitag in einer Art versöhnlichen Ton, aber vor schwierigem Hintergrund. Die Redimensionierung der Technologieaktien sind das alte und neue Problem, obwohl sich die Markttechnik relativ gut
darstellt, jedenfalls besser als die Stimmung. Aber wie bereits erwähnt: Am Beispiel Nokia können Sie dies am besten nachvollziehen, obwohl es eine
Europa-Aktie ist. Börsenwert um 77 Mrd E. für einen Umsatz von etwa 25 - 27
Mrd E. Das ist immer noch zu viel und eher 50 - 55 Mrd E. wären richtig. Damit ist meine 'Prognose' von 16 E. für Nokia schon erfüllt, und ich muß sie sehr wahrscheinlich auf 10 - 12 zurücknehmen, auch wenn mir sehr viele
Leser damit ins Gesicht springen, wenngleich ich schon ab 50/55 E. immer wieder diese Rechnung vorgetragen habe und natürlich zum Verkauf empfahl.
Aufschrei auch bei Sun Microsystems, siehe letzten Ticker vom Freitag.

Wie teuer sind eigentlich die Amerikaner? Im Dow Jones nicht extrem teuer, aber auch nicht extrem billig. Das aktuelle KGV im Dow Jones steht heute bei 25,2. Bezogen auf die Gewinnschätzungen dieses Jahres sind es etwa 23,4 und
für die Gewinnschätzung 2002 sind es lediglich 18 - 18,5. Das ist keineswegs überzogen, wenngleich ich bei den Gewinnschätzungen noch Abstriche mache.
Daß es aber am Big Board noch weiterhin steigende Kurse in Blue Chips gibt, zeige ich Ihnen mit meinen diesbezüglichen, wenn auch wenigen und sogar neuen Möglichkeiten in der nächsten AB. Womit klar ist: Wall Street ist nicht Technologie allein.

In Frankfurt wollen die Analysten die deutschen Gewinnschätzungen zurücknehmen. Schon die Vorankündigung wird für einige Unruhe sorgen. Falsch ist das nicht, doch habe ich den Eindruck, daß dies wieder einmal sehr spät
erdacht ist. Ursache sind die Gewinnwarnungen einiger großer Konzerne. Ich sehe dies insgesamt mit ungutem Gefühl. Bringt die Banken-Spekulation eine
Art Gegengewicht? Was Sie in den letzten drei Tage in der Presse lasen, speziell zur Commerzbank, ist nur die halbe Wahrheit. Mit einigen der Akteure habe ich am Wochenende persönliche Gespräche führen können. Das lesen Sie in der nächsten AB.

Die Linie für heute heißt: Weiterhin zuschauen, aber auch kritisch nachdenken, weil die Nervosität eher steigt und damit natürlich auch die irrationalen Handlungen. Bei der Marktenge vieler Aktien entstehen damit Zufallskurse, die nur schwer zu erklären sind. Das war's für heute, aber ich
wünsche Ihnen dennoch eine erfolgreiche Börsenwoche.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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cap blaubär:

dällhapeee

 
04.09.01 10:17
Hans Bernecker: Computer-Fusion in den USA
Mails/Nachrichten vom 04.09.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
wenn Wall Street geschlossen ist, können alle schlafen gehen. Jede Börse versucht ein gewisses Eigenleben, aber weit reicht es nicht. Doch wie unterschiedlich letztlich die Börsen den ganzen Zins- und mithin auch Konjunkturzyklus überstanden haben oder noch überstehen, zeige ich Ihnen in der nächsten AB auf Seite 1. Mir kommt dies wie ein wirklicher Qualitätstest vor. Also bitte Seite 1 der nächsten AB beachten. Wenn Sie nämlich diesen Zusammenhang nicht verstehen, verstehen Sie einiges anderes auch nicht.

Die gestrige Schwäche in Frankfurt war vor allem von zwei Dingen gekennzeichnet: Ein Termin für die ausgelaufene Sperrfrist in Sachen Telekom führte die Aktie auf 16,06 E. zurück und damit den tiefsten Kurs seit Januar 1998. Bei 19 Mio Stück Umsatz bleibt also der Verkaufsdruck inkl. der Leerpositionen ein Problem. Ändern kann dies nur Telekom selbst bzw. ein Konsortium, was es offenbar nicht gibt. An sich gilt der Grundsatz: freier Markt. Ob dies allerdings für eine Privatisierungs- und mithin Volks-Aktie richtig ist, möchte ich bezweifeln. Deshalb ist der Kurs dieser Aktie auch ein Politikum. Aber offenbar ist es nicht möglich, einen solchen Market-Maker zu finden.

Die SAP-Story bekommt weitere Konturen. Ich hatte Ihnen die Eckwerte der ausländischen Analysten kürzlich schon vorgetragen. Lesen Sie sie noch einmal nach. SAP und Dt. Telekom sind die zwei schwersten Titel im DAX. Also: Viel Fantasie, leider nach unten. Alle anderen Technikaktien im DAX bleiben wie bisher eingeschätzt: Die Tiefstkurse sind noch nicht erreicht. Bei Siemens kann es bis 45 E. zurückgehen, für Infineon hatte ich den fairen Kurs zwischen 17 und 20 E. beschrieben und für Epcos eher unter 40, also in der Spanne 37 zu 42 E. Diese Spannen sind deshalb so groß, weil die Volatilität wieder stark angezogen ist. Sie liegt im VDAX übrigens bei rd. 26. Das ist ein Hoch dieses Jahres! Ich gestehe, daß mir das gar nicht schmeckt.

Auf der Nachrichtenseite gibt es heute keine Besonderheiten. Heidelberger Zement wird die Halbjahreszahlen bekanntgeben und zwei Franzosen von Bedeutung sind eine Art zusätzlicher Gradmesser. Einmal Lafarge als größter Zementhersteller Europas (inkl. Bau) und L'Oréal als bedeutendster Kosmetikkonzern. Ansonsten erwarte ich keine Besonderheiten.

Große Überraschung gestern: Die "Actien-Börse" zieht sich aus Tokio zurück. Konsequenz muß sein. Mir tut dies auch weh, wie ich gestehe. Aber auch gestern war der Nachrichtenstand aus Tokio ein Tohuwabohu, welches keine Linie erkennen läßt. Die Japaner haben es nun selbst in der Hand, die Weichen zu stellen. Dem würde ich sehr gern folgen, wenn der Weichenstellung auch eine Richtung zugemessen wird.

Mein Tageseindruck: Sehr wahrscheinlich wird ab Mittag auf eine freundliche Wall Street gewettet. Das drückt sich dann im S&P-Future aus. Mithin gibt es keinen schwachen Tag, aber auch keinen Grund, besonders aktiv zu werden.

Anmerkung für Paris: Machen Sie Kasse bei den zwei Autotiteln Peugeot und Renault, die noch vor kurzem von einigen Analyseteams hochgelobt wurden. Sie kassieren satte Gewinne, aber die Markttechnik sieht nach Zusammenbruch aus.

Die Nachricht des Tages kommt soeben rein: Hewlett Packard fusioniert mit Compaq. Synergieeffekte 2,5 Mrd Dollar bei zusammen rd. 87,4 Mrd Dollar Umsatz. Das verändert die amerikanische Computerlandschaft. Beide Titel bleiben für mich ein Kauf, wie beschrieben, und höchst interessant auf dem zweiten Boden von 24 Dollar für HP und rd. 12/13 Dollar für Compaq. Alles Weitere in der nächsten AB.

Herzlichst, Ihr

Hans A. Bernecker

Antworten
cap blaubär:

Hätschfont

 
05.09.01 10:29
Hans Bernecker: Einkäuferindex hat Aussagewert
Mails/Nachrichten vom 05.09.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Wackelpartie geht weiter. Auch die bemerkenswerte Grossfusion Hewlett Packard/Compaq vermochte die Gemüter nicht aus der Reserve zu locken, die Kommentierung des ganzen Vorganges erscheint mir fast symptomatisch. Zunächst jedoch die ganz aktuellen Daten:

Wie erwartet legte der Einkäuferindex zu, während der Vertrauensindex der Konsumenten verloren hatte. Gestern kamen die Zahlen heraus und ich hatte in der letzten Woche das Thema schon berührt. Da der Einkäuferindex ein sogenannter vorlaufender Index ist, ist sein Aussagewert höher. Deshalb muß an der Einschätzung der Konjunktur nichts geändert werden.

Die Art und Weise, wie die Börse die Grossfusion HP/Compaq aufgenommen hat, ist typisch. Natürlich macht dies industriepolitisch Sinn. Das Ergebnis ist aber in frühestens zwei bis drei Jahren sichtbar. So weit denkt natürlich kein Analyst. Sämtliche Kommentare hängen sich an drei Dingen auf: Die Schwäche des PC-Marktes, die möglichen Entlassungen und die Frage, läßt sich das Ganze vom Management so gestalten, daß die nächste Gewinnschätzung für das erste Quartal 2002 deutlich positiv ausfällt. Kleinkarierter kann man kaum denken. Aber es zeigt Ihnen, in welchen Dimensionen die aktuelle Analystenszene zu denken gewohnt ist.

Sind beide Aktien ein Kauf? Die gestrige Reaktion war negativ. Das ist gut so. HP fiel auf 20 Dollar zurück, während sich Compaq auf knapp über 12 Dollar hielt. Warten Sie ab, bis die Kurzatmigen das Feld verlassen und die Langatmigen zu rechnen beginnen. Im worst case sind für HP auch 15 - 16 Dollar möglich und für Compaq um 9 - 10. Durch das Kaufangebot sind beide Kurse miteinander verkoppelt. Ich komme darauf noch zurück.

Technisch sieht es deutlich besser aus. Die bekannten Relationen befinden sich für den Big Board eindeutig im positiven Bereich. Dieser reflektiert die so häufig beschriebene Bodenbildung, die sich nun schon länger hinzieht, als ich erwartet hatte. Aber ändern tut sich daran dennoch nichts. Die Schwachstelle bleibt der Nasdaq, obwohl auch hier sehr mühsam aber verträglich ein Gleichgewicht entsteht, wobei ich zum x-ten Mal darauf hinweise: 10 - 15 hochkapitalisierte Titel, die fast in jedem deutschen Depot enthalten sind, enthalten noch immer ein Risiko von 20 - 25 %. Davon gehe ich nicht ab.

Ein ganz heikles Thema, worauf seltsamerweise niemand schaut: Das ist die Rolle der Hedge Fonds. Vielleicht erinnern Sie sich: Im Sommer 1998 hatte ich deren kritische Rolle erwähnt. Acht Wochen später stand LTCM an der Wand. Dieser Tip kam aus New York. Es war wirklich ein Tip. Die Londoner Hedge Fonds-Szene boomt. Hier wird ein Riesenrad gedreht, und zwar zu 90 % auf der Short-Seite. Was das bedeutet, weiß jeder erfahrene Börsianer. Ich werde Ende der Woche in London sein, um mich näher zu informieren. Demnächst mehr.

In Frankfurt bleibt der Markt auf den Knien, aber er ist noch nicht umgefallen. Solange Dt. Telekom unter Druck stehen läuft nichts. Die Short-Positionen der Hedge Fonds haben sich sogar erweitert, aber es liegt dazu keine brauchbare Zahl vor. Auch hier wird ein großes Rad gedreht. Die erneute Schwäche der zwei großen Versicherer sind ein Menetekel. Bleiben Sie konsequent. Allianz darf 286 E. nicht unterschreiten, Münchener Rück darf 296 E. nicht unterbieten. An den Zahlen, die ich kürzlich in der AB nannte, ändert das alles nichts. Wirklich erfreulich andererseits: Adidas kurz vor neuem Topkurs und weiterhin ein mittelfristiger Kauf. Puma
erreichte bereits diesen Topkurs und benötigt eine Verschnaufpause. Doch insgesamt gilt:

Zuschauen und keine neue Liquidität binden. Aber ich erwähne aus gutem Grund, weil ich täglich danach gefragt werde: Wer in den Titeln der Hochtechnologie noch immer überlastig engagiert ist, lebt gefährlich.

Auf dem Terminkalender gibt es heute nichts Besonderes. Allerdings ist ein Pressegespräch mit dem BMW-Chef Milberg angesagt. Ferner wird France Télécom die Halbjahreszahlen vorlegen. Den Vergleich ziehe ich morgen zu Dt. Telekom.

Bleiben Sie gleichwohl zuversichtlich, aber für Euphorie ist zur Zeit kein Anlass.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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Reinyboy:

@cap

 
05.09.01 10:45
Vieleicht mal ein neuer Thread ??

Dauert so lange zum laden.


Grüße   Reinyboy
Antworten
cap blaubär:

Lammkeule an Hätschfonds

 
06.09.01 10:49
Hans Bernecker: Hedge Funds als Achillesferse?
Mails/Nachrichten vom 06.09.2001, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
das Spiel der vergangenen Tage setzte sich fort: Erosion der Märkte bei allerdings nicht erhöhten Umsätzen, aber ich schaue verstärkt auf die Hedge Fonds-Szene, worauf ich schon hinwies. Beweise gibt es dafür nicht, wie üblich. Statistiken ohnehin nicht. Aber das gesamte Marktverhalten vieler Akteure sind ein ziemlich sicheres Indiz dafür, daß sich das Baissepotential dieser Fonds erweitert, was entweder zu einem Crash irgendeines Fonds führt, der unmittelbar die Folge haben wird, daß alle anderen sich fluchtartig zurückziehen müssen. Das bedeutet Eindeckung.
Niemand kann sagen, wann so etwas passiert, wie so etwas verläuft. Aber das Gegenteil dessen erlebten Sie im Januar/Februar 2000, damals nach oben.

Die Art und Weise, wie die Fusion/Übernahme HP/Compaq in der Analystenszene behandelt wird, erscheint mir typisch. Ich komme deshalb darauf zurück, weil sie das Stimmungsbild und die Qualität der Analyse am besten beleuchten. Vor
zwei Jahren wäre diese Fusion noch gefeiert worden, vor einem Jahr noch begrüßt und in diesem Jahr verteufelt. Lesen Sie sich einmal in diesen Analysen die ungewöhnlich kurzsichtige Betrachtung des gesamten Vorganges durch. Die Fusion zu rund 88 Mrd Dollar Umsatz mit 160.000 Mitarbeitern
wird behandelt mit den Argumenten eines kurzfristigen Roulettespielers. So was habe ich in den vergangenen vierzig Jahren noch nicht gelesen. Denn:

Die Fusion HP/Compaq ist der Anfang einer größeren Konzentrationswelle in diesem Sektor. Die Ursache ist klar: Es gibt Überkapazitäten, die eliminiert werden müssen, um den Preiskampf zu reduzieren, weil der PC inzwischen nach
zwanzig Jahren ein Austauschprodukt geworden ist. Ähnlich dem Auto oder früher dem Fernseher, Kühlschrank etc. Denn er begründet keine Basis- und keine Folgeinnovation mehr, weil diese Funktion auf das Internet und die Software übergegangen ist. Industriepolitisch macht also diese Fusion Sinn. Offen ist allerdings, wie nun das Ganze durchgeführt wird. Allein darauf wird es ankommen.

Eine Kaufempfehlung für beide Aktien kann man deshalb nicht geben. An meiner bisherigen Einschätzung ändert sich deshalb nichts. Mir ist das, was bisher an Zahlen vorgetragen wurde, noch zu dünn.

Microsoft rettete gestern die Wall Street. Positiv 'überrascht' haben die Ergebnisdaten. Soweit richtig. Aber: Sind mit diesen mageren Fakten 312 Mrd Dollar Börsenwert für Microsoft für ca. 33 Mrd Dollar Umsatz plus 28 Mrd Dollar Cash der richtige Preis? Nehmen Sie selbst den Rechner in die Hand.

Eine Legende geht. Morgen verläßt Jacques Welch den Schreibtisch bei General Electric, eine der größten Erfolgsstories der letzten zwanzig Jahre. Ein Dauerbrenner par excellence. Indes: Auch hier müssen Sie nun rechnen. 407
Mrd Dollar Börsenwert für ca. 140 Mrd Dollar Umsatz in diesem Jahr. Wie hoch darf die Wachstumsprämie 'Ex-Welch' sein? Allein die Markttechnik bei 40/42 Dollar hält mich im Moment davon ab, den Rückzug zu planen, wie ich ihn schon bei 60 Dollar diskutiert hatte. Sie werden sich erinnern.
Jedenfalls: Unter 36 Dollar darf GE nicht fallen. Bitte vormerken.

Frankfurt 'schlurft' der Wall Street mit einiger Mühe hinterher. Eine Eigentendenz ist noch nicht sichtbar. Das große Rad (siehe oben) wird bei Dt. Telekom gedreht. 26 Mio Stück Aktien vorgestern und 16 Mio Stück gestern allein im Xetra-Handel bedeuten ebenfalls um 21 Mio Stück gesamt.
Das geht nicht gut. Bemerkenswert finde ich auch die erneute Schwäche der Finanztitel, speziell der Banken. Morgan Stanley begründete in einer eingehenden Studie, warum die Ertragsqualität der Großbanken sich weiter
verschlechtert. Ich hatte Sie vor drei bzw. fünf Wochen auf diesen Umstand aufmerksam gemacht und rufe dies in Erinnerung.

Eine neue Spekulation baut sich auf. Bitte beachten Sie meinen jüngsten Hinweis auf das sogenannte Medienpaket, nämlich Springer, Pro Sieben und RTL (siehe auch letzter Brief). Insbesondere Springer kriegen Sie nur in einer
Baisse. So hoffe ich sehr, daß Sie zwischen 50 und 57 E. die ersten Stücke ergatterten. Inzwischen 67 E. Seit gestern ist nun auch Pro Sieben im Fokus. Heute berichten die Zeitungen über eine mögliche Kombination mit Kirch
Media, was so unlogisch nicht ist. Hierbei binden Sie bitte RTL wie beschrieben ein. Siehe letzte AB.

Das wär's für heute.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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Lynx:

Super Cap, ich will weiter von Berni lesen!!! o.T.

 
06.09.01 11:25
Antworten
SIEGERtrades:

@ cap.blaubaer

 
06.09.01 19:35
Deine Arbeit hier ist vom allerfeinsten!!!

Ein großes Lob vom Sieger fuer Deine Muehen und Deine
Arbeit!!!

Auch ich bin bekennender Berneckfan!!

Mach weiter so und versorg uns auch zukuenftig mit gewohnt
guter Postingqualitaet!!
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