Hans Bernecker: Fundament wird breiter
Mails/Nachrichten vom 28.08.2001, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
das Fundament wird langsam breiter und fester. Am besten wäre es, wenn es in
dieser Art noch zwei bis drei Wochen weiterginge und das Umsatzvolumen täglich in New York nur um rd. 1 Mrd Stück liegt. Irgendwann werden aber die
erheblichen Leerpositionen eingedeckt werden müssen und wie dies läuft,
zeigt Ihnen jeden Tag Lucent. Gestern bereits 7,43 $ bei einem Umsatz von
27,4 Mio Stück und damit schon einige Tage hintereinander der umsatzstärkste
Titel des Big Boards. In dieser Aktie gibt es noch immer die größten
Leerpositionen. Mit viel Fingerspitzengefühl müssen diese 'shorter' ihre
Stücke einsammeln. Mal sehen, wie das läuft. In solchen Fällen tritt am Ende
meist ein Stückemangel ein und dann steht der Kurs plötzlich bei 10 oder gar
12 $. Ganz ähnlich läuft es bei Xerox, die gestern die kritische Marke 9 $
überschritten haben. Hier sind allerdings nicht so riesige Shortpositionen
offen. Das Prinzip ist aber das gleiche. Mit Wert oder Unwert der Aktie hat
das nichts zu tun.
Die Gesamtbörse hat mir gestern insofern ganz gut gefallen und sie wird
heute auch nicht schlechter ausfallen. Im Mittelpunkt steht der
Meinungswandel um alles, was mit Chips zu tun hat. Gehen Sie an diese Sache
ganz gelassen heran: Es ist unerheblich, ob der Chipmarkt im November oder
im März anzieht. Daß er es tut, ist ganz sicher. Denn Chips sind der
wichtigste Bestandteil für gut 30 % aller intelligenten Produkte, die es
zur Zeit in den Industrieländern gibt. In den Sektoren Unterhaltung, Medien
etc. sind es über 70 %. Der Rest entfällt auf die Industrie. Die Folge ist
klar: Chipaktien sind die Renner der nächsten 18 Monate. Wo die absoluten
Tiefstkurse liegen, weiß ich nicht. Das weiß niemand. Ich taxiere das
Restrisiko auf 10 - 20 % vor dem Potential von 100 %. Entscheiden Sie
selbst, wo Sie die AMD kaufen, die bis auf einen ¾ $ den Tiefstkurs des
Frühjahrs getestet hat. Das ist gekonnt. Inzwischen wieder 15,30 nach 14,25
$. Dies nur als Beispiel. Ich setze daher meine bisherige Linie fort:
'Bottom fishing'.
In Deutschland ist die Angstluft ebenfalls schon weitgehend verflogen. Dt.
Telekom beginnt sich zu erholen und dies ist die wichtigste Marke an dieser
Börse. Daran kommen Sie nicht vorbei, so unsinnig auch die vielen
Zeitungsberichte und Kommentare klingen. Natürlich sind Kurse von 16 - 19 E.
Kaufkurse. Der schönste Gewinn war übrigens der in der letzten Woche, als
ich Ihnen am schwärzesten Tag die Aktienanleihe auf Dt. Telekom empfahl. Sie
müßten sie bei 68,50 zu 69,50 % erhalten haben. Inzwischen deutlich über 78
%, wenn auch nicht nachhaltig. Die Volatilität ist natürlich enorm. Diese
Anleihe ist noch nicht ausgereizt. Bei Schwäche also aufpassen. 70 % wären
ein Superkurs. Sie wissen: Diese Aktienanleihe ist eine Art Wette, wie weit
sich Dt. Telekom in den nächsten 6 - 7 Monaten erholt. Neben 18 % Barrendite
ein gutes Geschäft.
Heute wird es erneut spannend, wenn Ron Sommer die Halbjahrespressekonferenz
dazu nutzen wird, einiges Grundsätzliches zu sagen. Morgen ist übrigens
T-Online dran. Ich erwarte auch ein Konzept für die Plazierung der noch
offenen Positionen derjenigen Aktionäre, die auf den Ablauf der Sperrfrist
warten. Nicht alle verfahren auf chinesisch. Diese Bemerkung ist wohl
erlaubt: Wie konnten Telekom und die Banken mit den Chinesen eine solche
Bindung eingehen, wenn sie wissen, wie die Chinesen mit derartigen Verträgen
umgehen. Das ist keine Chinesenschelte, aber: Deren Rechtsverständnis oder
Unrechtsbewußtsein ist nun einmal anders. Erstaunlicherweise habe ich dazu
in den Medien noch nichts gelesen.
Bezüglich des Neuen Marktes gibt es heute eine HV, die einen interessanten
Ausblick bieten dürfte. Das ist Adva, worüber ich in der nächsten AB etwas
vorbereite. Mir erscheint diese Aktie auf der aktuellen Basis trotz der
desolaten Verfassung des Gesamtmarktes eine wirklich interessante
Langfristinvestition zu sein. Hier kaufen Sie Technik pur.
Wie ich überhaupt der Meinung bin: In Relation zum SDAX oder SMAX nimmt die
Zahl der wirklich lukrativen Langfristinvestments in Technikaktien am Neuen
Markt eher zu als an den zwei etablierten Märkten. Sie müssen allerdings bereit
sein, größere Kursschwankungen zu akzeptieren.
Kurz zum Euro: Korrekturpotential bleibt bei 3 bis äußerst 4 Cents. Neue
Leerverkäufe im Dollar liegen dann bei 87 - 88 Cents. Wichtig für
Absicherungsgeschäfte in Dollarbonds.
Das war's für heute. Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker