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Pichel:

NEUER MARKT NEWSLETTER

 
28.05.02 18:37
1.  MARKTUMFELD / BOERSENAUSBLICK, KONJUNKTUR, MARKTBERICHT
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 Liebe Aktienservice-Leserinnen und Leser,


MARKTBERICHT & MARKTSENTIMENT

 Zu Beginn der letzten Woche gerieten die Aktienmaerkte, die in
 der Vorwoche eigentlich im Begriff waren, die Trendwende einzu-
 leiten, auf Grund massiver Terrorwarnungen aus den USA sowie auf
 Grund des eskalierenden Kashmirkonflikts unter Druck. Diese Be-
 lastungsfaktoren ueberschatteten den gesamten Wochenverlauf der
 US-Maerkte. So musste die Wall Street in der vergangenen Woche
 den groessten Wochenverlust seit Jahresbeginn hinnehmen. Es war
 jedoch nicht nur eine verlustreiche Woche, sondern auch eine um-
 satzschwache, da sich die Marktteilnehmer im Vorfeld des US-Fei-
 ertages am Montag (Memorials Day) zurueckhielten. Keiner wollte
 in Anbetracht der Terrorwarnungen und insbesondere im Hinblick
 auf den Kashmir-Konflikt (Pakistan und Indien sind beides Atom-
 maechte) uebers lange Wochenende voll investiert sein.


CHART- & MARKTTECHNIK

 Derzeit verkehren die US-Maerkte in der unmittelbaren Naehe be-
 deutender Chartmarken, so wie bereits vor 10 Tagen. Sollte nun,
 wie von uns erhofft, eine Marktberuhigung einsetzen, koennten die
 angesprochenen Supportzonen halten. Dies wiederum wuerde ein
 kurzfristiges Double-Bottom bedeuten (im DJIA sogar innerhalb des
 mittelfristigen Aufwaertstrendes), was zumindest kurzfristig zur
 Spekulation auf steigende Kurse einlaedt. Nach wie vor bleibt das

 Marktsentiment jedoch unberechenbar, Anleger sollten daher flexi-
 bel agieren und eine restriktive Limittechnik verfolgen, falls
 die aufgefuehrten Supports brechen. Insgesamt sehen wir jedoch
 gute Chancen, dass nun eine Marktberuhigung, einhergehend mit
 leicht steigenden Kursen, einsetzt.

BOERSENAUSBLICK & KONJUNKTUR

 Von entscheidender Bedeutung fuer den Wochenverlauf werden am
 Dienstag die US-Zahlen zum Verbrauchervertrauen sein. Falls diese
 wenig Ueberraschungseffekte bieten, wird sich der Markt auf die
 Industrie-Auftragseingaenge, sowie auf die Produktivitaetszahlen
 am kommenden Freitag konzentrieren.

 Am Neuen Markt stehen in dieser Woche wieder eine ganze Reihe von
 Unternehmenszahlen an (Menuepunkt xx). Am Montag wurde in DE der
 ifo-Geschaeftsklimaindex veroeffentlicht, der ueber den Erwartun-
 gen lag, insbesondere die starke Erwartungskomponente gab Auf-
 trieb. Bleibt zu hoffen, dass der positive Wochenauftakt auch von
 der Wall Street getragen wird und dass in der laufenden Woche die
 geopolitischen Gefahren etwas in den Hintergrund treten.

 So hoffen wir, dass in dieser Woche die geopolitischen Aengste
 etwas abebben koennten - zumindest wenn nicht neue Terrorwarnung-
 en veroeffentlicht werden oder sich im Kashmir-Konflikt keine
 weitere Eskalation ankuendigt - was in Verbindung mit den durch-
 aus konstruktiven US-Konjunkturdaten der letzten Tage zu einer
 Aufwaertsbewegung des Marktes fuehren koennte. Die US-Auftrags-
 eingaenge langlebiger Wirtschaftsgueter wurden mit +1,1% dreimal
 so hoch wie erwartet veroeffentlicht und auch die juengsten Ein-
 zelhandelsdaten fielen sehr konstruktiv aus. Zudem wurde die BIP-
 Prognose in den USA erhoeht.

 Die wichtigen US-Konjunkturdaten der letzten Woche lassen eine
 Double-DIP-Rezession als unwahrscheinlich erscheinen, gleichwohl
 verlaeuft der Konjunkturaufschwung nicht so schnell, wie von ei-
 nigen Marktteilnehmern zu Jahresbeginn erhofft. Doch dies duerfte
 auf dem deutlich ermaessigten Kursniveau mittlerweile eingepreist
 sein. Die Berichtssaison ist in den USA vorbei, in Europa endet
 sie in dieser Woche - im Grossen und Ganzen hielt sie den Erwar-
 tungen stand. Auch wenn der US-Produktivitaetszuwachs bezueglich
 der Gesamtwirtschaftslage recht wenig aussagekraeftig ist (da ge-
 koppelt an Lohnstueckkosten - Gefahr der Entlassungsproduktivi-
 taet), deutet er dennoch auf eine konstruktiv verlaufende Ent-
 wicklung der Unternehmensergebnisse hin.


PORTFOLIO-ALLOKATION

 Konjunkturdynamik hin oder her, was Investoren bis zum Jahresende
 sehen wollen, sind steigende Unternehmensgewinne. Die Chancen,
 dass sich diese Hoffnung erfuellt, sehen wir als hoch an. Dies
 gilt jedoch nicht uneingeschraenkt fuer den Technologiebereich,
 denn einige Techbranchen stecken in internen Rezessionen, die mit
 der allgemeinen Konjunkturlage kaum korrelieren. Diese hausge-
 machten Rezessionen in einigen Techbranchen sind auf Fehlein-
 schaetzungen zu Blasenzeiten zurueck zu fuehren, der Selektions-
 prozess schreitet durch die geringere Nachfrage in Verbindung mit
 massiv steigendem Wettbewerbsdruck stets schneller voran, lang-
 fristig ist dies sogar eine wuenschenswerte Entwicklung - auch
 wenn dies bedeutet, dass es die meisten der heutigen Techs in 10
 Jahren in dieser Form nicht mehr geben wird.

 Denken Sie daran, liebe Leserinnen und Leser, auch die Automobil-
 branche war einst eine New Economy mit mehr als 1.000 boersenno-
 tierten Unternehmen, bis heute sind davon nur wenige multinatio-
 nale Grosskonzerne ueberig geblieben, die den Weltmarkt in gros-
 sen Teilen beherrschen. Ganz so extrem wird die Marktkonsolidie-
 rung natuerlich nicht ablaufen, zu heterogen sind die Technolo-
 gien, die Geschaeftsmodelle und die HighTech-Trends. Offensicht-
 lich ist jedoch, dass wir keinesfalls bereits am Ende der Markt-
 konsolidierung im Techbereich stehen, sondern erst am Anfang. Da-
 her weiterhin unser Tipp an Anleger mit Technologiefaible: Stock-
 Picking, Stock-Picking, Stock-Picking ...

 Die vorgenannte Branchenkonsolidierung bezieht sich jedoch kei-
 neswegs nur auf den Technologiebereich sondern ueberkommt auch
 viele bislang noch als defensiv oder konservativ geltende Bran-
 chen wie den Pharmasektor. Auch hier steigt der Wettbewerbsdruck
 extrem, die FDA geht in Anbetracht der vielen Pannen bei zugelas-
 senen Medikamenten bei den Neuzulassungen zunehmend restriktiv
 vor. Dadurch erhoehen sich die Entwicklungskosten, die stagnie-
 rende Anzahl an Neuzulassungen sorgt in Verbindung mit den in den
 naechsten 3 Jahren vielzaehlig auslaufenden Patentschutzrechten
 fuer massiven Wettbewerbsdruck. Dies wird fuer den einen oder an-
 deren Pharmawert, der noch heute als hochsolide Wachstumsstory
 gehandelt wird, erhebliche Umsatz- und Gewinneinbrueche nach sich
 ziehen.


Gruß Pichel
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