3. MARKTSENTIMENT & WOCHENAUSBLICK & KONJUNKTUR
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Nachdem seit Beginn letzter Woche der Neue Markt aufgrund neuer-
licher Gewinnwarnungen bedeutender HighTech-BlueChips weiter
an Boden verlor, konnte er sich am letzten Donnerstag aufgrund
einiger positiv interpretierter Quartalszahlen, wie bspw. von
Yahoo, Microsoft oder Motorola, erholen. Am Freitag folgte eine
Konsolidierung. Zum gestrigen Wochenauftakt fiel der Neue Markt
im Rahmen negativer US-Vorgaben in seinen vorherrschenden Ab-
waertstrend zurueck. Am Dienstag schliesslich markierte er ein
Neues Allzeittief.
Der gestern wieder aufgekommene Verkaufsdruck ist - aus den USA
Kommend - vorwiegend auf negative Analystenkommentare im Vorfeld
der Bekanntgabe vieler Quartalszahlen bedeutender Technologie-
BlueChips zurueckzufuehren. Viele Analystenhaeuser warnten
explizit davor, einige BlueChips, wie bspw. INTEL, vor Bekannt-
gabe der Zahlen zu kaufen. Insbesondere der Halbleitersektor
stand gestern deutlich auf der Verliererseite, da die negativen
Analystenkommentare zu diesem Sektor ueberhandnahmen.
Das derzeit extrem negative Marktsentiment im Halbleitersektor,
der gestern von negativen Analystenkommentaren im Vorfeld der
Bekanntgabe der INTEL-Zahlen regelrecht ueberflutet wurde,
uebertrug sich binnen kurzer Zeit auf den Gesamtmarkt, so dass
sich die Abgaben zum Handelsende hin breitgefasst durch alle
Sektoren zogen und am heutigen Dienstag auch den Neuen Markt
erfassten.
Im Rahmen der US-Berichtssaison (1.400 Unternehmen berichten in
dieser Woche) und in Anbetracht der anhaltend negativen konjunk-
turellen Rahmenbedingungen ist es auch leicht verstaendlich,
weshalb sich die Marktteilnehmer im Vorfeld der Ergebnisbekannt-
gabe bedeutender Technologie-BlueChips wie NOKIA, ERICSSON oder
INTEL aus Vorsicht lieber von ihren Engagements trennen oder
zumindest jegliche Kaeufe zurueckstellen.
Zudem nimmt der Konjunkturpessimismus weiter zu, da mittlerweile
erkennbar wird, dass eine merkliche Nachfrageerholung in einzel-
nen Marktsegmenten wie dem Halbleiter-, Telekommunikations- und
Handy-Sektor sehr wahrscheinlich sogar erst im 2. Halbjahr 2002
einsetzen wird. Wie sich die betreffenden Unternehmen bis dahin
ueber Wasser halten, scheint ungewiss. Bei den weltweit stark
gesunkenen Aktienpreisen und den entzauberten Technologiewerten
sowie der globalen allgemeinen Investitions- und Konsumzurueck-
haltung halten es die Marktteilnehmer inzwischen fuer moeglich,
dass die Weltwirtschaft in ein Japan-Syndrom abgleitet, das
nunmehr seit zehn Jahren kaum ein BIP-Wachstum verzeichnet.
Diese Meinung teilen wir nicht, jedoch wird dabei ersichtlich,
wie desolat das Marktsentiment derzeit ist. Abgesehen von den
hausgemachten Problemen des Neuen Marktes: Kurssteigerungen
werden in einem derartigen Umfeld umgehend zu Glattstellungen
benutzt.
Unserer Einschaetzung nach dominieren mit der bevorstehenden
pauschalen US-Steuerrueckerstattung angesichts der zuvor bereits
massiv gesenkten US-Leitzinsen die insgesamt positiven Liquidi-
taetseffekte ueber die bisher liquiditaetsabsorbierenden Teue-
rungseffekte (Oelpreis & Energie). Vor diesem Hintergrund sehen
wir im Herbst erste realwirtschaftlich wirksame Konjunkturstimu-
lanzen, die auch den Aktienmaerkten nicht verborgen bleiben
werden. Eine merkliche Erholung der US-Wirtschaft erwarten wir
dagegen erst im 1. Halbjahr 2002, wobei sich eine nennenswerte
Nachfrageerholung im Bereich Halbleiter und Telekommunikation
auch durchaus bis ins 2. Halbjahr 2002 hinziehen koennte.
Fuer laengerfristige Investitionen ist das Marktumfeld weiterhin
zu anfaellig, so dass die Teilnahme am Handelsgeschehen fuer
Privatanleger vornehmlich auf tradingorientierter Basis erfolgen
sollte. Die Investoren sollten im Rahmen der US-Berichtssaison
genau auf die Untertoene bei den gewaehrten Unternehmensaus-
blicken achten. Diese sollten sich als wesentlich kursrelevanter
erweisen als die Zahlen der Vergangenheit.
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4. KONTRON / Einstiegschance auf ermaessigtem Niveau
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Kontron, einer der weltweit fuehrenden Anbieter von intelli-
genten, miniaturisierten Computern mit integrierter Software,
operiert hochprofitabel, agiert in einem von Wachstum gepraegten
Zukunftsmarkt und zaehlt weltweit zu den Top-3 ECT-Anbietern
(ECT = Embedded Computer Technology). Die Embedded Computer
Technology ist eine Schluesseltechnologie fuer die naechsten
Jahrzehnte.
Die Notwendigkeit einer stets hoeheren Leistungsfaehigkeit der
Systeme und Komponenten bei gleichzeitiger Miniaturisierung in
nahezu allen wichtigen Bereichen, wie zum Beispiel Telekommuni-
kation/IT, Medizintechnik, Verkehrstechnik und im Industrie-
sektor, wird Kontron eine kontinuierlich wachsende Nachfrage
bescheren.
Aufgrund der uebergreifenden Entwicklung ist Kontron vergleichs-
weise unabhaengig von einzelnen zyklischen Sektoren, wie z. B.
dem Halbleiterbereich. Der ECT-Markt zaehlt mit prognostizierten
Wachstumsraten von ueber 50 % zu den dynamischsten Marktsegmen-
ten. Wegen der hervorragenden Positionierung weltweit sollte es
dem Unternehmen weiterhin gelingen, am Branchenwachstum ueber-
proportional zu partizipieren.
Bis 2003 will das Unternehmen mit einem Umsatz von 800 Mio Euro
zum Weltmarktfuehrer avancieren und dabei den derzeit fuehrenden
ECT-Anbieter Radisys ausbooten. Durch die seit dem Boersengang
getaetigten Akquisitionen von Fieldworks Inc. (USA), Taiwan
Mycomp Corp. (TMC), Pep Modular Computer GmbH (DE) und die
Komplettuebernahme von Rotec durch die akquirierte Pep Modular
konnten Vertriebsnetze in Asien, Europa und in den USA sowie
preiswerte Produktionskapazitaeten zu niedrigen Kosten hinzu-
gewonnen werden.
Wir gehen davon aus, dass Kontron in diesem Jahr den Umsatz auf
230 Mio Euro nahezu verdoppeln und den Jahresueberschuss von
11 Mio auf 21 Mio Euro steigern wird. Im ersten Halbjahr konnte
das Unternehmen dabei dank reger Nachfrage in der Logistik- und
Automationsbranche die Flaute auf dem Telekommunikationsmarkt
kompensieren.
Aufgrund der bislang deutlich ueberplanmaessigen Geschaeftsent-
wicklung und der in unseren Augen realisierbaren Planung, bis
zum Jahr 2003/2004 zum Weltmarktfuehrer zu avancieren, sehen wir
ungeachtet der schlechten Verfassung des Neuen Marktes auf dem
ermaessigten Niveau Kurspotential. Natuerlich ist es moeglich,
dass sich auch Kontron nicht voellig den nachhaltig verschlech-
terten konjunkturellen Rahmenbedingungen entziehen kann.
Insgesamt profitiert Kontron jedoch von der ECT-Sonderkonjunk-
tur, so dass wir Kontron als weitgehend konjunkturresistent
einstufen. Dies sollte das Ruckschlagspotential deutlich be-
grenzen. Mit Sicht auf drei Jahre sehen wir Vervielfachungs-
potential. Unser Fundamental-Rating bleibt auf "stark ueber-
gewichten".
Im laufenden Geschaeftsjahr 2001 erwarten wir ein EPS von
1,77 Euro. Fuer 2002 erwarten wir ein EPS von 2,74 Euro. Somit
ist der Titel auch fundamental mit einem 02e-KGV von 10 (01e-KGV
16) sehr guenstig bewertet. Im Vergleich zur nachfolgend auf-
gefuehrten JUMPtec, dem zweiten ECT-Anbieter am neuen Markt,
implizieret die niedrige KGV-Bewertung Kontrons einen deutlichen
Bewertungsabschlag von nahezu 60 %, den wir angesichts der
wesentlich groesseren Unternehmensgroesse und vergleichbaren
Wachstumszahlen fuer nicht gerechtfertigt halten.
KONTRON EMBEDDED
WKN: 523 990
empf. Stop-Loss: 24,0 Euro
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5. JUMPTEC / Chancen im prosperierenden ECT-Markt
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Bezugnehmend auf die vorangegangene Kontron-Analyse ist JUMPtec
das zweite Unternehmen des Neuen Marktes, das im Bereich der
Embedded Computer Technology (ECT) aktiv ist. Auch JUMPtec weist
seit Jahren ein ueberdurchschnittliches Wachstum in Umsatz und
Ertrag auf, was die Entwicklungsperspektiven im ECT-Markt weiter
verdeutlicht.
JUMPtec hat im ersten Halbjahr diesen Jahres einen erneuten
Umsatzrekord aufgestellt und die Planungen trotz unguenstiger
Wirtschaftslage uebertroffen. Nach vorlaeufigen Ergebnissen
stieg der konsolidierte Umsatz auf 77 Mio DM im ersten Halbjahr
2001, was einer Steigerung von 81 % entspricht. Die deutliche
Umsatzsteigerung ist auf einen starken Auftragseingang im In-
und Ausland sowie die erfolgreiche Markteinfuehrung neuer Pro-
dukte zurueckzufuehren.
Vergleicht man die ersten beiden Quartale des laufenden Ge-
schaeftsjahres, so wurde im zweiten Quartal 2001 mit 45 Mio DM
auch der Umsatz des ersten Quartals 2001 von 32,2 Mio DM um 39 %
uebertroffen. Allein im zweiten Quartal wurde damit bereits ein
Viertel des geplanten Jahresumsatzes erzielt. Fuer das Gesamt-
jahr ist weiterhin von einem Umsatzwachstum von 50 % auszugehen.
Im Vergleich zu Kontron ist der Titel mit einem 01e-KGV von
ueber 50 (02e-KGV 30) bei deutlich geringerer Unternehmens-
groesse wesentlich hoeher bewertet. Dennoch halten wir auch
JUMPtec in Anbetracht der Entwicklungsperspektiven auf dem ECT-
Markt fuer langfristig kaufenswert. Im direkten Wettbewerbs-
vergleich raeumen wir KONTRON allerdings den Vorzug ein.
Unser Fundamental-Rating fuer JUMPtec bleibt bei "neutral".
JUMPTEC
WKN: 609 060
empf. Stop-Loss: 10,5 Euro
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6. ComROAD / nach Zahlen drastisch unterbewertet
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ComROAD AG (WKN: 544 940), uebertrifft Prognosen erneut
ComROAD zaehlte lange Zeit zu den solidesten Qualitaetstiteln
am Neuen Markt; die Markterwartungen uebertraf das Unternehmen
gewohnheitsmaessig deutlich. Vor einigen Wochen fielen dann zwei
als sensationsgierig bekannte Boersenbriefe ueber den Wert her.
Dabei wurde dem Unternehmen vorgeworfen, dass es unserioese Ge-
schaeftsbeziehungen pflege und die Umsaetze gegen Kapitalbetei-
ligung verbuche. Dies belastete den Aktienkurs enorm, da die
Anleger am Neuen Markt als gebrannte Kinder ueberall das Feuer
vermuten, wo auch Rauch ist.
Fakt ist, dass die aufgefuehrten Vorwuerfe, welche dem ComROAD-
Kurs stark zusetzten, bisher nicht erhaertet werden konnten. Im
Gegenteil, kuerzlich praesentierte das Unternehmen hervorragende
Quartalszahlen.
So hat ComROAD, fuehrender Anbieter von Telematik-Netzwerken,
auch im zweiten Quartal des Geschaeftsjahres 2001 mit Ende zum
30. Juni 2001 die Planzahlen uebertroffen. Der Umsatz in Hoehe
von 19,6 Mio Euro (Planumsatz Q2/2001: 19,0 Mio Euro) liegt um
mehr als 130 % ueber dem Umsatz des vergleichbaren Vorjahres-
zeitraums von 8,5 Mio Euro.
Aufgrund der erfolgreichen Vermarktung von Telematik-Service-
Vertraegen durch die weltweiten ComROAD-Partner konnte die
Gewinnmarge gegenueber dem ersten Quartal 2001 weiter gesteigert
werden. Die ComROAD AG gehoert damit zu den wenigen Unternehmen
am Neuen Markt, die seit dem IPO ihre Planzahlen mehrmals ange-
hoben und uebertroffen haben.
Mit einem 01e-KGV von 14 und einem 02e-KGV von 8 ist der Wert
derzeit zum Discountpreis zu erstehen. Angesichts der Tatsache,
dass das Unternehmen bisher niemals enttaeuscht hat, sondern im
Gegenteil die Erwartungen stets deutlich uebertraf, verwundert
diese Bewertung. Die Anleger verfahren hier frei nach dem Grund-
satz "zu schoen, um wahr zu sein". Sollten sich die Erwartungen
auf Jahresbasis jedoch erfuellen, weist der Titel unserer An-
sicht nach einen erheblichen Bewertungsspielraum auf. Wir stufen
den Titel daher auf "stark uebergewichten" herauf.
Ein Restrisiko bleibt jedoch. So aeusserten sich MOTOROLA und
BMW kuerzlich dahingehend, dass sie gemeinsam die Etablierung
integrierter Telematik-Portale planen. Derlei Planvorhaben gab
es jedoch schon viele, letztlich wurde keines umgesetzt. Sollte
dieses Vorhaben von so bedeutenden Key-Playern wie MOTOROLA und
BMW jedoch realisiert werden, wuerde dies fuer ComROAD einen
deutlich erhoehten Wettbewerbsdruck bedeuten. Doch auch im
Hinblick auf dieses Risiko halten wir ComROAD fuer stark
unterbewertet.
ComROAD AG
WKN: 544 940
empf. Stop-Loss: 8,0 Euro