Sofern die 86 Ihr Geburtsdatum ist, maße ich mir an, Ihnen meine Erfahrung als Ratschlag zu geben: Sie haben Recht, was die Theorie betrifft und welche Erwartungen an Anderson gestellt werden. Lassen Sie mich aber als Gegenargument zur Markteffizienzhypothese aus einem "Praktikerlehrbuch" (Band 1 von Joe Ross) zitieren: "...In der Theorie sollten sich Aktienkurse nur dann verändern, wenn es neue Nachrichten gibt, welche die Bewertung der Aktien eines Unternehmens beeinflussen. In der wirklichen Praxis jedoch sehen wir eine konstante Fluktuation der Aktienkurse. Diese Fluktuationen haben nichts mit der Bewertung und nichts mit Angebot und Nachfrage zu tun. Sie sind einfach da, weil bestimmte Trader in der Lage sind, die Kurse zu bewegen (Market Maker und Stock Operators). Kurse bewegen sich alles andere als zufällig. Kursbewegungen sind manipuliert und gesteuert. Je früher Sie das verstehen, desto besser werden Sie mit Ihrem Trading abschneiden. Es sind die Kursmanipulationen, die das Daytrading von Aktien möglich machen." Seit mehreren Jahren beherzige ich diesen Ratschlag und bin damit ganz gut gefahren. Meine Handelsstrategie umfasst das Gesamtportfolio; der Trading-Fokus liegt ausschließlich auf der kurzfristigen (1 Monat) Kursentwicklung sowie auf der Analyse der Reaktion auf News, Short-Attacken und Earnings. Hier bestätigt sich eindrucksvoll, dass nicht die Nachrichten die Kurse machen, sondern die Kurse i. d. R. interpretiert werden, damit daraus die Nachrichten entstehen. Sie merken schnell, zu welchem Kurs Aktien gekauft und verkauft werden - es sei denn, es kommt jemand mit "sehr großen Taschen" auf der Long- oder Shortseite. Mit kaufen (inkl. Eindecken der Leerverkäufe) und verkaufen sind ausschließlich große Marktteilnehmer gemeint (siehe auch Über- und Unterschreiten von Meldegrenzen bei Stimmrechtsanteilen). Deshalb schaue ich auch neben der Kursentwicklung (inkl. dem Verhältnis zum Gesamtmarkt) z. B. auch auf Put/Call-Ratios und meldepflichtige Shortpositionen, Freefloat-Quote) auf die sog. "Linie des geringsten Widerstandes" (Jesse Lauriston Livermore) und vor allem auf die 38 und 200 Tageslinie sowie den 30 Wochendurchschnitt (Jens Rabes Lieblinksindikator) - denn diese Linien sind Magneten. Im Zweifel sind Sie ganz gut beraten, wenn Sie davon ausgehen, dass die Gegenseite von Leuten mit einem IQ von 120 gemanagt wird oder Sie gegen Programme/Algorithmen traden (philosophisch gesehen traden Sie nur gegen sich selbst/ Ihr Ego ...). Dann versuchen Sie sich herzuleiten, warum diese zu einem bestimmten Preis kaufen/ verkaufen - (siehe Volumen-Trading) fragen Sie sich, wann/warum ganz bestimmte Kursen gekauft/ verkauft werden. Der Trend einer Aktie wird durch die Liquidität, die in sie investiert wird und der Wachstumsstory, die sie verspricht, bestimmt. Bei Mehrheitsaktionären wird der Trend durch die Interessen des Mehrheitseigentümers (=Marketmaker) bestimmt. Suchen Sie keine Kauf-/ Verkaufempfehlungen von Laien. Speziell für Bayer: Befragen Sie am besten Mitarbeiter, was auf den Betriebsversammlungen diskutiert wird; verschaffen Sie sich einen persönlichen Überblick bei der Hauptversammlung des Unternehmens. Ich möchte diesbezüglich nicht belehrend wirken, aber ich versichere Ihnen, dass es auf absehbare Zeit zu Ihrer Berufsehre gehört, mit diesem Geschäft ein auskömmliches Einkommen zu generieren und dass Sie in einem Zeithorizont von 15 Jahren Ihrer (kompletten Familie) einen Mindest-Lebensstandard der oberen Mittelschicht an jedem Ort der Welt ermöglichen werden. Beachten Sie unbedingt: Niemals einem Trade "mehr Raum geben" oder in einen Wert verlieben; immer Verlustbinger (zuerst) verkaufen; Profit-Taking und Stopp los genau kennen! Käufe sind von den Käufern überlegter als Verkäufe von den Verkäufern; don't bet the Farm. Trade your Plan - mot your Emotions. Gruß O. S.