Peinlich für den einen, ärgerlich für die anderen
Von Frank Markowski
"Peinlich und außerordentlich ärgerlich" - so bezeichnet Stefan Dohmeyer, Vorstandvorsitzender der Metabox AG, den Fehler, den seine Gesellschaft am Freitag, 1. Dezember, öffentlich eingestanden hat: Der Jahresabschluss 1999 wurde falsch berechnet. Umsatz und Gewinn der in besagtem Jahr zugekauften Firmen, allen voran der Amstrad GmbH, sind voll in die Rechnungslegung eingebracht worden. Zulässig ist dies nach den Bilanzierungsrichtlinien laut IAS (International Accounting Standards) jedoch nur zeitanteilig, sprich: ab dem Zeitpunkt der Übernahme.
Nach Korrektur des Fehlers beläuft sich der Umsatz 1999 nur noch auf 17,5 Millionen Mark - statt der zuvor angegebenen 42,9 Millionen Mark. Der Konzernverlust verringert sich von 5,7 Millionen auf 5,5 Millionen Mark. "Peinlich und außerordentlich ärgerlich", schreibt Dohmeyer dazu im Aktionärsbrief der Metabox. Ein schlüssiger Kommentar.
Doch Dohmeyers Klarstellung: "Die beschriebenen Korrekturen beziehen sich auf die Vergangenheit", ist schon weniger schlüssig. Natürlich, es geht um einen Vorgang, der eigentlich Schnee von gestern sein sollte. Doch die Pfütze ist heute da! Wie soll man Prognosen und Ankündigungen für die Zukunft glauben, wenn sich die Meldungen der Vergangenheit im nachhinein als falsch entpuppen. Wieder hat die Glaubwürdigkeit der Metabox einen erheblichen Dämpfer erhalten. Nicht eingehaltene Zusagen, mysteriöse Großaufträge mit nicht näher benannten Partnern und Konditionen und jetzt die Korrektur eines Jahresergebnisses - all das trägt nicht dazu bei, das Vertrauen der Anleger zu stärken.
"Peinlich und außerordentlich ärgerlich", meint Dohmeyer - allerdings ändere das "weder etwas an der damaligen, noch an der aktuellen Finanz- und Ertragslage". Auch diese Aussage ist mit Vorsicht zu genießen. Auf den ersten Blick erscheint sie korrekt, doch mit den alten 99er-Zahlen wurde die Umsatzsteigerung gegenüber 1998 beschrieben. Diese ist demnach längst nicht so hoch wie bisher angegeben: statt 215 Prozent nur noch 28,7 Prozent.
Und auf der anderen Seite: Die jetzt revidierte, herabgesetzte Zahl dient wiederum als Vergleichsbasis für die Leistungssteigerung im kommenden Jahr. Die dürfte sich somit formal erhöhen. Für einen ungenügend informierten Aktionär ergibt sich so leicht ein Bild ungebrochenen kräftigen Wachstums bei der Metabox. Ein falsches Bild.
Auch Dohmeyers Hinweis, er sei "hundertprozentig davon überzeugt" gewesen, dass der vom "Wirtschaftsprüfer testierte Abschluss sämtlichen gesetzlichen Vorgaben entspricht", bezeugt weniger uneingeschränkte Ehrlichkeit als eingeschränkte Kompetenz. Von einem Vorstandsvorsitzenden und nach eigenen Angaben ehemaligen "Prüfungsleiter in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft" sollte man mehr Durchblick erwarten dürfen. Zumal er einen - hoffentlich fachkundigen - Finanzvorstand an seiner Seite hat. Ein Unternehmen, das sein Wachstum durch Akquisitionen vorantreibt, muss auch über die Konsolidierungsgegebenheiten Bescheid wissen.
"Peinlich und außerordentlich ärgerlich" für Metabox. Doch das ist nicht das Schlimmste. Wieder einmal hat ein Unternehmen des Neuen Marktes mangelnde Professionalität bewiesen. Wasser auf die Mühlen derjenigen, die das ganze Wachstumssegment - dem aktuellen Trend folgend - verteufeln. Dass es am Neuen Markt auch viele solide Gesellschaften gibt, die nicht nur schwarze Zahlen, sondern auch ein veritables (und tatsächliches) Wachstum vorweisen können, wird darüber leicht vergessen. Vorfälle wie der jüngste bei Metabox tragen dazu bei. Das ist peinlich für die betroffene Firma, außerordentlich ärgerlich aber für alle anderen Unternehmen am Neuen Markt.
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Also bei mir,- gibt nix vertrauen!
Gute Nacht und noch bessere Woche
coppara