Ausverkauf bei Babcock Borsig 09.07 2002
16:07
Alstom will nicht. Aber One Equity Partners will. Die Meldungen über den Abverkauf von Firmenteilen bei Babcock Borsig wechseln sich ab. Bis das Insolvenz-Verfahren endgültig eröffnet ist, werden solche Nachrichten die Aktionäre immer wieder in Aufregung versetzen. Denn mit der Hoffnung auf frisches Geld erhalten auch die Spekulationen um eine Rücknahme des Insolvenz-Antrages neue Nahrung. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Alstom dementierte Presseberichte, wonach der französische Konzern einen Teil von Babcock Borsig kaufen wolle. Diese Spekulationen sind nichts Neues. Dass Alstom abwinkt, ist kein Wunder, denn genau wie Babcock oder auch ABB leiden die Franzosen unter rückläufigen Investitionen im Kraftwerk-Geschäft. Dazu muss sich der Konzern verschlanken. Und auch Alstom hat wegen Krediten an eine pleite gegangene Schifffahrt-Linie erhebliche Probleme in der Schiffbau-Sparte.
OEP meldet Interesse an
Fest steht, dass Babcock zerlegt wird. Jetzt zeigte One Equity Partners (OEP) Interesse. OEP sei am US-Geschäft von Babcock interessiert, aber auch an Teilen der deutschen Energietechnik, sagte der deutsche OEP-Partner Christopher von Hugo im Gespräch mit Reuters.
Die Wortmeldung der Tochter von Bank One kommt wohl nicht von ungefähr: OEP will endlich den Kauf der Kieler Werft HDW unter Dach und Fach bringen. Noch fehlen 25 Prozent plus eine Aktie, die Babcock noch hält. Sobald das endgültige Insolvenz-Verfahren eingeleitet ist, kann der Insolvenz-Verwalter HDW verkaufen, auch ohne die Hauptversammlung zu fragen. Da ist es schon hilfreich, wenn man sich jetzt schon kennt. Und wahrscheinlich hat HDW-Chef Klaus Lederer bei seinem Freund Richard Cashin Druck gemacht, das ist der Chef von OEP.
Kontrollierte Zerlegung
Ansonsten arbeiten die Kreditinstitute an einer Lösung, die die kontrollierte Zerlegung des Konzerns zum Ziel haben. Um sich bei möglichen Interessenten für einzelne Sparten nicht allzu sehr unter Druck zu setzen, muss der Betrieb zunächst weiterlaufen. Das "Handelsblatt" schreibt unter Berufung auf Finanzkreise, die drei Frankfurter Großbanken seien bereit, dem Unternehmen einen Massekredit zur Verfügung zustellen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.
Unterdessen arbeiten die Gläubigerbanken laut der Tageszeitung "Die Welt" weiter an einem Konzept für eine "neue Babcock Borsig AG". Die Großaktionäre Tui, Deutsche Bank und WestLB müssen jetzt alles daran setzen, ihr Engagement nicht komplett abschreiben zu müssen. Angeblich soll sich aber die Deutsche Bank abgesichert haben. Die überlebensfähigen Teile des Konzerns sollen gerettet werden: Immer wieder genannt werden das amerikanische Energietechnik-Geschäft, der Maschinenbauer Schumag, Babcock-BSH und der Gebäudetechnik-Spezialist Kranz TKT.
Wie die Tageszeitung "Die Welt" schreibt, gehen die Landesregierung, die WestLB und verschiedene Finanziers davon aus, dass sich Babcock von allen Beteiligungen und Sparten trennen und sich ausschließlich auf das Kerngeschäftsfeld Service konzentrieren werde.
Vertrauen verspielt
Doch Käufer zu finden, wird schwer. Babcock Borsig gilt innerhalb der Branche nicht mehr als vertrauenswürdig: Nach dem Verkauf von HDW haben die meisten Analysten die Beobachtung der Aktie eingestellt, weil ihnen die Zahlen erstens nicht vergleichbar und zweitens nicht mehr plausibel erschienen. Zudem fehlte mit dem U-Boot-Geschäft der wertvollste Teil des Konzerns. Trotz der vollen Kassen, in die Babcock beim Kauf von HDW 1999 griff, fuhr Babcock weiter herbe Verluste ein. Und Banken bemängelten, dass bei den Rettungsverhandlungen plötzlich immer neue Risiken auftauchten.
"Die Welt" schreibt, schon bei den mittlerweile zurück gestellten Planungen für eine Deutsche Anlagenbau AG aus Ferrostaal, MAN, MG Technologies, Krupp-Uhde und MG Technologies habe Babcock Borsig keine Rolle mehr gespielt. Dies berichtet das Blatt unter Berufung auf einen Vorstand aus einem der beteiligten Konzerne. Bemängelt werde vor allem die Ertragsqualität der Aufträge. Babcock hatte in den vergangenen Wochen immer wieder auf den hohen Auftragsbestand hingewiesen.
Bei Babcock Borsig haben die Spekulationen um eine Zerlegung begonnen. Genau wie schon bei Holzmann werden Meldungen um mögliche Kaufkandidaten die Fantasie an der Börse anheizen. Der eine oder andere Zocker wird auf eine Rücknahme des Insolvenz-Antrages spekulieren. Die Anleger müssen sich weiter auf starke Kursschwankungen einrichten.
© 2002 by sharper.de - Die Börsenseite von Reuters und Handelsblatt.
16:07
Alstom will nicht. Aber One Equity Partners will. Die Meldungen über den Abverkauf von Firmenteilen bei Babcock Borsig wechseln sich ab. Bis das Insolvenz-Verfahren endgültig eröffnet ist, werden solche Nachrichten die Aktionäre immer wieder in Aufregung versetzen. Denn mit der Hoffnung auf frisches Geld erhalten auch die Spekulationen um eine Rücknahme des Insolvenz-Antrages neue Nahrung. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Alstom dementierte Presseberichte, wonach der französische Konzern einen Teil von Babcock Borsig kaufen wolle. Diese Spekulationen sind nichts Neues. Dass Alstom abwinkt, ist kein Wunder, denn genau wie Babcock oder auch ABB leiden die Franzosen unter rückläufigen Investitionen im Kraftwerk-Geschäft. Dazu muss sich der Konzern verschlanken. Und auch Alstom hat wegen Krediten an eine pleite gegangene Schifffahrt-Linie erhebliche Probleme in der Schiffbau-Sparte.
OEP meldet Interesse an
Fest steht, dass Babcock zerlegt wird. Jetzt zeigte One Equity Partners (OEP) Interesse. OEP sei am US-Geschäft von Babcock interessiert, aber auch an Teilen der deutschen Energietechnik, sagte der deutsche OEP-Partner Christopher von Hugo im Gespräch mit Reuters.
Die Wortmeldung der Tochter von Bank One kommt wohl nicht von ungefähr: OEP will endlich den Kauf der Kieler Werft HDW unter Dach und Fach bringen. Noch fehlen 25 Prozent plus eine Aktie, die Babcock noch hält. Sobald das endgültige Insolvenz-Verfahren eingeleitet ist, kann der Insolvenz-Verwalter HDW verkaufen, auch ohne die Hauptversammlung zu fragen. Da ist es schon hilfreich, wenn man sich jetzt schon kennt. Und wahrscheinlich hat HDW-Chef Klaus Lederer bei seinem Freund Richard Cashin Druck gemacht, das ist der Chef von OEP.
Kontrollierte Zerlegung
Ansonsten arbeiten die Kreditinstitute an einer Lösung, die die kontrollierte Zerlegung des Konzerns zum Ziel haben. Um sich bei möglichen Interessenten für einzelne Sparten nicht allzu sehr unter Druck zu setzen, muss der Betrieb zunächst weiterlaufen. Das "Handelsblatt" schreibt unter Berufung auf Finanzkreise, die drei Frankfurter Großbanken seien bereit, dem Unternehmen einen Massekredit zur Verfügung zustellen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.
Unterdessen arbeiten die Gläubigerbanken laut der Tageszeitung "Die Welt" weiter an einem Konzept für eine "neue Babcock Borsig AG". Die Großaktionäre Tui, Deutsche Bank und WestLB müssen jetzt alles daran setzen, ihr Engagement nicht komplett abschreiben zu müssen. Angeblich soll sich aber die Deutsche Bank abgesichert haben. Die überlebensfähigen Teile des Konzerns sollen gerettet werden: Immer wieder genannt werden das amerikanische Energietechnik-Geschäft, der Maschinenbauer Schumag, Babcock-BSH und der Gebäudetechnik-Spezialist Kranz TKT.
Wie die Tageszeitung "Die Welt" schreibt, gehen die Landesregierung, die WestLB und verschiedene Finanziers davon aus, dass sich Babcock von allen Beteiligungen und Sparten trennen und sich ausschließlich auf das Kerngeschäftsfeld Service konzentrieren werde.
Vertrauen verspielt
Doch Käufer zu finden, wird schwer. Babcock Borsig gilt innerhalb der Branche nicht mehr als vertrauenswürdig: Nach dem Verkauf von HDW haben die meisten Analysten die Beobachtung der Aktie eingestellt, weil ihnen die Zahlen erstens nicht vergleichbar und zweitens nicht mehr plausibel erschienen. Zudem fehlte mit dem U-Boot-Geschäft der wertvollste Teil des Konzerns. Trotz der vollen Kassen, in die Babcock beim Kauf von HDW 1999 griff, fuhr Babcock weiter herbe Verluste ein. Und Banken bemängelten, dass bei den Rettungsverhandlungen plötzlich immer neue Risiken auftauchten.
"Die Welt" schreibt, schon bei den mittlerweile zurück gestellten Planungen für eine Deutsche Anlagenbau AG aus Ferrostaal, MAN, MG Technologies, Krupp-Uhde und MG Technologies habe Babcock Borsig keine Rolle mehr gespielt. Dies berichtet das Blatt unter Berufung auf einen Vorstand aus einem der beteiligten Konzerne. Bemängelt werde vor allem die Ertragsqualität der Aufträge. Babcock hatte in den vergangenen Wochen immer wieder auf den hohen Auftragsbestand hingewiesen.
Bei Babcock Borsig haben die Spekulationen um eine Zerlegung begonnen. Genau wie schon bei Holzmann werden Meldungen um mögliche Kaufkandidaten die Fantasie an der Börse anheizen. Der eine oder andere Zocker wird auf eine Rücknahme des Insolvenz-Antrages spekulieren. Die Anleger müssen sich weiter auf starke Kursschwankungen einrichten.
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