Unternehmenswert = Barwert der zukünftigen Nettozuflüsse der Aktionäre
Der Kapitalmarkt belohnt Unternehmen, die GELD VERDIENEN, sprich steigende Free Cashflows erwirtschaften.
Ein Unternehmen mit steigenden Free Cashflows kann sich ENTSCHULDEN und Ausschüttungen an Aktionäre tätigen.
Verve steigert seit Jahren unentwegt die Finanzschulden, weil man Wachstum zukauft (buy and build) und damit steigende CAPEX refinanzieren muss, weil der operative Cashflow für die Finanzierung der CAPEX + Zinsen nicht ausreicht.
Das Verve-Management hat augenscheinlich noch nicht verstanden, dass der Markt in einem Umfeld mit steigenden Kapitalmarktzinsen in den risk off Modus wechselt und hochverschuldete Unternehmen wie Verve gnadenlos abstraft, solange sie nicht erkennen lassen, dass die Investitionsphase vorbei ist und nunmehr die Erntezeit in Form stark steigender Free Cashflows beginnt.
Unternehmen, die ihre CAPEX nicht aus dem operativen Cashflow (= Innenfinanzierung) finanzieren können müssen bei steigenden Kapitalmarktzinsen ihr Geschäftsmodell grundlegend überarbeiten.
Verve hat bislang nicht erkennen lasen, dass man ab sofort SHAREHOLDER VALUE den absoluten Vorrang gegenüber teuer erkauftem exogenem Wachstum gibt.
Man muss sich doch fragen, warum Verve die 50 Mio € zusätzlich aufgenommenes Fremdkapital trotz stark steigender Umsätze nicht aus dem operativen Cashflow erwirtschaften kann.
Verdienen die 2025 getätigten Zukäufe wie Acardo unter dem Strich in Wahrheit kein Geld, d.h. erwirtschaften keine zusätzlichen Free Cashflows?
Gewinnkennziffern lassen sich durch Bestehen einer Vielzahl an Ermessensspielräumen bei der Bilanzierung von Entwicklungskosten o.ä. vergleichsweise einfach manipulieren.
Ob ein Unternehmen hingegen Geld verdient, lässt sich vergleichsweise einfach an der Entwicklung des Cashbestands kontrollieren.
Verve ist bislang den Nachweis schuldig geblieben, steigende Free Cashflows erwirtschaften zu können. Und angesichts der Äußerungen des Vorstands, wonach die zusätzlichen 50 Mio EUR Fremdkapital der Fortsetzung der Buy and Build Strategie und der Sicherung weiterer Zukaufsmöglichkeiten dienen sollen, dürfte Verve dank unverändert bestehender CAPEX-Gelüste des Vorstands wohl auch im Geschäftsjahr 2026 keinen positiven FCF erwirtschaften.
Hier besteht ein ggf. ein eklatanter Interessenskonflikt zwischen den Aktionären, die den Unternehmenserfolg zuallererst an einer positiven Kursentwicklung messen und dem Interesse des Vorstands an einem Unternehmen mit möglichst hohem Umsatz, egal ob dieser Umsatz profitables Wachstum ermöglicht oder nicht zuletzt dank des exorbitanten Anteils der Finanzierungskosten letztlich sogar zu sinkenden Konzernergebnissen führt.
Dass Verve den Aktionären bei Verkündung der vorläufigen Ergebnisse keinen reinen Wein eingeschenkt und Angaben zum Nachsteuerergebnis / EPS 2025 sowie zum Stand des Eigenkapitals unterlassen hat, lässt mich vermuten, dass man in Q4/25 unter dem Strich ein weiteres Mal miserable performt hat, möglicherweise trotz Umsatzwachstum sogar rote Zahlen geschrieben hat.
Das damit verbundene Enttäuschungspotenzial hat der Markt mit den jüngsten 40%-Crash sicherlich schon ein Stück weit vorweg genommen, aber der ein oder andere Shortseller dürfte im Hinblick auf das desaströse Chartbild sicher auch noch mit dem Erreichen der 1€-Marke liebäugeln.
Aus Aktionärssicht mit einer bereits erheblichen Aktienposition will ich hoffen, dass ich mich irre.
Mein Vertrauen in die Absicht und Fähigkeit des Managements, den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern und sich unverbrüchlich zum Shareholder Value zu bekennen, hat in den letzten 6 Monaten erhebliche Risse bekommen. Es wäre höchste Zeit für vertrauensbildende Maßnahmen und eine Abkehr des Unternehmens von fremdfinanziertem Umsatzwachstum!